Am 11. März 2026 fand in der steirischen Pfarrkirche Pischelsdorf ein Festgottesdienst im Rahmen der Frühjahrsvollversammlung der österreichischen Bischofskonferenz statt. Die Feier war der liturgische Höhepunkt der viertägigen Vollversammlung der österreichischen Bischöfe im oststeirischen St. Johann bei Herberstein. Den Vorsitz beim Gottesdienst hatte Erzbischof Franz Lackner inne, doch die Predigt hielt der neue Wiener Erzbischof Josef Grünwidl.
In dieser ging er auch auf aktuelle Debatten ein: Dass es im Leben der Kirche Regeln, Gebote und Vorschriften brauche, sei unbestritten, doch dürften diese nicht Selbstzweck werden oder einer bloßen Reglementierung dienen, sondern müssten vielmehr auf das "Heil der Seelen" ausgerichtet sein; das bedeute: "Sie sollen helfen, dass Menschen Gott begegnen können und tiefer in ein Leben nach dem Evangelium geführt werden."
Die Predigt ging auch auf das neue vatikanische Dokument über die "Teilhabe der Frauen am Leben und an der Führung der Kirche" ein. Dieses Dokument erinnere an die großen Frauengestalten der Bibel und an das Verhalten Jesu, der in vielerlei Hinsicht nicht den damals üblichen patriarchalen Umgangsformen entsprochen habe. "Frauen waren in seinem Gefolge, eine öffentlich bekannte Sünderin durfte ihn berühren und nicht ein Apostel, sondern Maria von Magdala, eine Frau, war die erste Zeugin der Auferstehung", so der Erzbischof, der als persönliches Statement hinzufügte: "Ich vertraue darauf: Unsere Kirche wird jesuanischer und evangeliumsgemäßer, wenn wir synodal - gemeinsam auf dem Weg - sind, mehr auf die Stimmen der Frauen hören und sie in Entscheidungsprozesse einbeziehen."
Dafür müssten freilich kirchliche Vorschriften und jahrhundertealte Traditionen geändert werden. Aber der Blick auf Jesus und sein Umgang mit Frauen machten ihm Hoffnung, so der Erzbischof, der darauf verwies, dass ich Jesus - wenn notwendig - über jüdische Gebote und religiöse Traditionen hinweggesetzt habe, um den Willen Gottes erfüllen zu können. Und er fügte wörtlich hinzu: "Was vom Heiligen Geist kommt, kann das Kirchenrecht nicht aufhalten."