Die Kritik an dem von der Regentenkonferenz der österreichischen Priesterseminare entwickelten Quereinsteiger-Modell für Spätberufene reißt nicht ab, seitdem am 5. Jänner 2026 erstmalig darüber berichtet wurde. In Oberösterreich war es die diözesane Frauenkommission, die sich kritisch dazu äußerte, in der Steiermark war es insbesondere die Initiative "Maria 2.0". Darauf reagierte nun sowohl der Regens des Priesterseminars Graz, Thorsten Schreiber, als auch sein Bischof Wilhelm Krautwaschl.
Regens Schreiber erklärte im "Sonntagsblatt", dass es sich bei dem geplanten Modell um kein "Schnellverfahren" zum Priestertum handle, sondern um einen biographisch angepassten Ausbildungsweg für Männer mit reifer Lebens- und Berufserfahrung, wobei die Grundlagen dieses Weges klar definiert und keineswegs reduziert wären; ein theologisches Studium "auf Bachelor-Niveau oder höher" wäre dafür verpflichtend. Diözesanbischof Krautwaschl wiederum wurde in "Mein Bezirk" (Hartberg-Fürstenfeld, 3.3.2026) wörtlich zitiert: "Es handelt sich bei dieser Ausbildung natürlich um kein Fernstudium, das ist ein ganz normales Vollstudium."
Vertreter:innen von Kirchenreformbewegungen werten beide Reaktionen als Schönrednerei. Denn dass ein Bachelor, für den üblicherweise eine Studienzeit von drei bis vier Jahren gilt, in der Theologie jetzt plötzlich als Vollabschluss gelten solle, wo man doch immer zehn bis elf Semester als Mindeststudienzeit galten, überrascht ebenso wie Bischof Krautwaschls Abrede, dass es sich dabei um ein Fernstudium handeln könne: Am 5. 1. 2026 hatte kathpress wörtlich berichtet, dass das betreffende theologische Studium "an einer Hochschule, Universität oder auch per Fernstudium" zu erbringen sei. In Ermangelung eines offiziellen Statements oder sonstiger Erklärungen der Regenten- wie auch der österreichischen Bischofskonferenz bleiben also auch weiterhin jede Menge Fragen.