Innerkirchliche Reformansätze: (Frauen, Zölibat, wiederverheiratet Geschiedenene, Moral…)

 

„Fragt mich alles, was ihr wollt“: Mit diesen Worten begann Papst Franziskus am 2. Oktober die „Fliegende Pressekonferenz“ auf dem Rückflug von Aserbaidschan nach Rom. Zu Genderfragen und Homosexualität sagte der Papst: „In meinem priesterlichen Leben, als Bischof und Papst habe ich Menschen mit homosexuellen Tendenzen und Praktiken begleitet“, antwortete der Papst. „Man muss die Menschen begleiten, so wie Jesus das getan hat. Wenn ein Mensch, der sich in dieser Lage befindet, vor Jesus gelangt, dann wird dieser ihm sicher nicht sagen: Geh weg, du bist homosexuell.“ Bei seiner Ansprache in Georgien aber sei es ihm um etwas Anderes gegangen, so der Papst: „Ich habe über diese Bosheit gesprochen, mit der heute durch die Gender-Theorie Indoktrination betrieben wird, [… z.B.] das in den Schulen zu unterrichten, um die Mentalität zu verändern. Das ist es, was ich ideologische Kolonisierung nenne.“ Zur Problematik der Scheidungen sagte der Papst: „In ‚Amoris Letitia‘ ist vom Fundament der Ehe die Rede, und wie man mit verletzten Familien umgehen soll. Aber die menschlichen Schwächen und Sünden existieren nun einmal; das letzte Wort muss die Barmherzigkeit haben.“ (www.de.radiovaticana.va v. 3. 10.; JA v. 16. 10.)

 

Die neue verbindliche katholische Bibelübersetzung bringt einige erfreuliche Änderungen: Endlich grüßt der Apostel Paulus das Ehepaar Andronikus und „Junia“ und nicht zwei Männer (früher „Junias“). Auch übersetzte man nach dem Gemeinten und nicht nach dem Geschriebenen. So heißt es z. B. künftig „Brüder und Schwestern“ statt nur „Brüder“ u. v. a. (JA v. 2. 10.)

 

Der neue Limburger Bischof Georg Bätzing will nicht in die von seinem Vorgänger verschwenderisch umgebaute Bischofsresidenz einziehen. Er wird ein Einfamilienhaus in der Nähe bewohnen und bis dahin im Schwesternhaus auf dem Domberg bleiben. (JA v. 2. 10.)

 

Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) lobt das Thema der kommenden Bischofssynode: Über „Jugend, Glaube und Berufungen“ soll 2018 beraten werden. „Wir freuen uns sehr über diese Themenwahl des Papstes. Papst Franziskus hat wiederholt deutlich gemacht, dass er die Jugend im Blick hat und auf sie baut“, kommentiert der BDKJ-Bundesvorsitzende Wolfgang Ehrenlechner in einer Presseaussendung. „Vor den Synoden zum Thema Familie hat der Papst gezeigt, dass es ihm wichtig ist, die Menschen selbst zu fragen. Wir rechnen damit, dass er auch die Stimmen der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen anhören wird. […] Nur wer versteht, was Jugendliche bewegt, kann sie auch bewegen“, so Ehrenlechner. „Wir wünschen uns darum, dass die Synodenteilnehmer die Lebenswelten Jugendlicher in den Blick nehmen und dass die prophetische Kraft der Jugend auf der Synode erfahrbar wird.“ (www.de.radiovaticana.va v. 6. 10.; JA v. 16. 10.)

 

Wieder wurde eine Frau zur Hochschulprofessorin in Fundamentaltheologie ernannt. Die gebürtige Italienerin Isabella Guanzini folgt in Graz dem emeritierten Gerhard Larcher nach – ein weiterer Schritt zur Gleichwertigkeit von Frauen in der römisch-katholischen Kirche. (JA v. 16. 10.)

 

Papst Franziskus spricht mit einem der Vorsitzenden der irischen Reformpriestervereinigung „Associaton of Catholic Priests“ (ACP). Bisher wurden Vertreter der ACP von den Päpsten gemieden, weil ihnen deren Forderungen – z. B. nach Aufhebung der Zölibatsverpflichtung und Einführung von Frauendiakonat und Frauenpriestertum – zu weit gingen. Sean Mc Donagh ist Mitglied der „Missionsgemeinschaft vom hl. Columban“ und nahm in Rom an einer vom Päpstlichen Rat für Gerechtigkeit und Frieden und der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften organisierten Kongress teil. (JA v. 16. 10.)

 

Ein Reformbündnis demonstriert vor dem Liebfrauendom in München dafür, dass Frauen zum Diakonat zugelassen werden. Manche Kirchenvertreter zeigen Respekt für die Forderung, andere finden sie entsetzlich. Die DemonstrantInnen verteilten am 1. Oktober Halstücher – lila Stolen, die ein Zeichen sein sollen für die Gleichberechtigung der Frau in der römisch-katholischen Kirche. Lila ist die Farbe der Frau und die Stola ein Erkennungszeichen der Diakone. An diesem Demo-Tag weihte Kardinal Marx zwei junge Männer zu Diakonen. Für dieses Amt sollen künftig auch Frauen zugelassen werden, fordert das Aktionsbündnis, unter ihm die Reforminitiativen „Wir sind Kirche" und „Münchner Kreis". Der Diakonat ist ein geistliches Amt, das damit bislang ausschließlich Männern vorbehalten ist. Das will das Münchner Reformbündnis ändern. (www.sueddeutsche.de vom 3. 10.)

 

„Das Festhalten an Gesetzen führt zur Ideologie“ betonte der Papst in seiner Frühmesse am 6. Oktober in der Casa Santa Marta, wo er wohnt. Wer sich nur an Gesetze halte, verfalle leicht einer Ideologie. Stattdessen solle der Gläubige einfach nur sein Herz für den Heiligen Geist offenhalten, den Rest besorge dann Gott selbst. Bezug nehmend auf die Tageslesung (Gal 3, 1-5) sagte er: „Dieses Festhalten an den Gesetzen lässt den Heiligen Geist beiseite, es ignoriert ihn. Da wird die Kraft der Rettung Christi durch den Heiligen Geist aufgehalten. […] Man kann nicht den Heiligen Geist und den Sohn auf die Gesetze beschränken. Das war das Problem bei den Galatern, sie ignorierten den Heiligen Geist und konnten so nicht vorwärtsgehen. Sie waren verschlossen. Auch uns können manchmal diese Versuchungen kommen.“ (www.de.radiovaticana.va vom 6. 10.)

 

Als nächsten „Abtprimas“ wünscht sich alt Abt Martin Werlen eine Frau. Sein Orden würde auf diese Weise programmatisch umsetzen, was er in seinem neusten Buch „Wo kämen wir hin?“ fordert. In diesem Buch geht er ausführlich auf das Thema „Frauen und Kirche“ ein: „Das Buch bildet den Versuch, die Anregungen, welche Papst Franziskus vermittelt, in eine größere Öffentlichkeit zu bringen. […] Für mich wäre es ein großartiges Zeichen gewesen, wenn bei der letzten Wahl eines Abtprimas als Nachfolge von Notker Wolf eine Frau erkoren worden wäre. Kirchenrechtlich würde dem nichts im Wege stehen. Wir haben Möglichkeiten und nutzen sie nicht,“ sagte Abt Werlen in einem Interview. (www.kath.ch vom 27. 10.)

 

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Der Sultan von Oman, Qabus bin Said, hat wesentlichen Anteil an der Freilassung des indischen Salesianerpaters Thomas Uzhunnalil in Jemen. Der von jemenitischen IS-Terroristen im März 2016 entführte Priester wurde am 12. September freigelassen, nachdem sich Sultan Qabus sehr energisch für ihn eingesetzt hatte. Auch die Indische Diplomatie war seit Monaten darum bemüht. (CSI-Zeitung 10/2017)

     

  • In einer Kirche zu Mittag essen – darf man das? Diese Frage kam nach dem Papstbesuch in Bologna am 1. Oktober auf. Dort nämlich lud Papst Franziskus Flüchtlinge, Bedürftige und Gefängnisinsassen zum Mittagessen in die Basilika des heiligen Petronius unweit der Kathedrale. Die Bilder des Mahls in der Kirche erhitzten die Gemüter, ob damit nicht die „Sakralität des Ortes“ entweiht werde. Das Kirchenrecht verbietet im Kirchenraum alles, „was mit der Heiligkeit des Ortes unvereinbar ist“. Der Papstvertraute Antonio Spadaro, Leiter der Jesuiten-Zeitschrift „Civiltà Cattolica“, hat eine klare Antwort: „Die Heiligkeit des Ortes wird in keiner Weise durch die karitative Handlung angegriffen. Das gilt vor allem in einer geordneten Situation, wie es am Sonntag geschehen ist […] Papst Franziskus hat im Kirchgebäude mit Armen und Benachteiligten gegessen, das ist eine hohe Handlung der barmherzigen Liebe und somit ein grundlegendes Prinzip des Christentums. Ich würde sogar sagen, diese Geste unterstreicht den Einsatz der Kirche am Dienst an den Nächsten. […] Der Herr hat doch gerade dieses Bild des Mahles am Tisch für die Eucharistie ausgewählt. Deshalb finde ich es sehr schön, dass das Brot miteinander geteilt wird. Das schenkt doch der Eucharistiefeier sogar noch mehr Würde und Güte.“ In diesem Zusammenhang wurde in den Kommentaren kritisiert, dass die derzeitige Eucharistiefeier viel zu wenig eine „Essensfeier“ wäre. (rv v. 4. 10.; JA v. 15. 10.)

     

  • Die römisch-katholische und die evangelische Kirche von Berlin und Brandenburg bietet nun auch einen konfessionsübergreifenden Religionsunterricht an. Die Bischöfe Heiner Koch und Markus Dröge werden am 6. Oktober einen entsprechenden Vertrag unterzeichnen. Der kooperative Unterricht sei jedoch nur für diejenigen Fälle gedacht, wo die erforderliche Gruppengröße für konfessionellen Unterricht nicht erreicht wird oder aufgrund von Lehrermangel nicht unterrichtet werden kann. In beiden Bundesländern ist Religion kein ordentliches Schulfach. (kna u. rv [= de.radiovaticana.va] v. 4. 10.; JA v. 15. 10.)

     

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