Ökumene

Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. lobt den Kurs der Barmherzigkeit im Papstschreiben „Amoris Laetitia“. In der Vatikanzeitung „L’Osservatore Romano“ vom 3. Dezember schreibt das Ehrenoberhaupt der orthodoxen Christen, das „wichtige Dokument“ von Papst Franziskus habe „in den letzten Monaten zahlreiche Kommentare und Bewertungen erhalten“. Dabei hätten sich viele gefragt, „in welcher Hinsicht hier die Lehre weiterentwickelt oder verteidigt worden sei“ und ob „pastorale Fragen damit verändert oder gelöst worden seien“. Ihm ist der Hinweis wichtig, „dass das Dokument vor allem die Barmherzigkeit und das Mitleid Gottes betont und nicht nur die moralischen Normen und kanonischen Regeln der Menschen“, so der Patriarch, der in Istanbul residiert. In der Vergangenheit habe die Angst vor einem Vorschriften machenden Gott „die Menschen erstickt und behindert […] Wahr ist genau das Gegenteil, und Religionsführer sollten sich selbst und dann die Anderen daran erinnern, dass Gott Leben, Liebe und Licht ist.“ Auch für die Theologen der ersten Jahrhunderte sei der Ausgangspunkt immer die „liebevolle und Heil wirkende Gnade Gottes“ gewesen. (www.de.radiovaticana.va v. 3. 12.; JA v. 18. 12. )

 

Der griechisch-orthodoxe Patriarch von Jerusalem, Theophilos III., hat Anführer der nationalistisch-palästinensischen Klerikerfraktion seiner Kirche degradiert. Das berichten internationale Medien am 6. Dezember. Erzbischof Atallah Hanna von Sebastia wurde von der Gehaltsliste gestrichen, Abt und Archimandrit Christophoros Atallah von seinem Kloster Mar Saba abberufen und nach Jerusalem versetzt. Palästinensischen Stimmen zufolge handelt es sich um eine Reaktion des zur Kooperation mit Israel neigenden Patriarchen Theophilos gegen die beiden prononciert antiisraelischen Kirchenführer. Erzbischof Atallah Hanna wird eine Nähe zur Hamas und weiteren radikalen palästinensischen Kreisen nachgesagt. Theophilos war der erste Patriarch seit Jahrhunderten, der auch Araber in leitende kirchliche Positionen brachte – darunter die beiden jetzt von Sanktionen Betroffenen. (www.de.radiovaticana.va u. kna v. 6. 12.)

 

Kardinal Walter Kasper hofft in absehbarer Zeit auf Fortschritte in der Abendmahlsfrage, wie etwa auf ein gemeinsames Abendmahl für gemischt konfessionelle Ehepaare. Er hoffe, dass die nächste gemeinsame Erklärung von Vatikan und Lutherischem Weltbund, „den Weg für eine gemeinsame Eucharistie in besonderen Situationen öffnet, vor allem mit Blick auf gemischt konfessionelle Ehen und Familien“, sagte Kasper in der italienischen Tageszeitung „Avvenire“ vom 10. Dezember. Als Grundlage für eine Verständigung empfahl der frühere vatikanische Ökumene-Verantwortliche ein inoffizielles Dokument der US-Bischofskonferenz zu diesem Thema. Weiters erinnert Kasper an die Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung durch Papst Franziskus und den Präsidenten des Lutherischen Weltbundes (LWB), Bischof Munib Younan, anlässlich des ökumenischen Reformationsgedenkens Ende Oktober im schwedischen Lund. Darin fordern beide Seiten einen vertieften Dialog über Möglichkeiten für ein gemeinsames Abendmahl. Schon im November 2015 hatte Papst Franziskus die Wichtigkeit des eigenen Gewissens in dieser Frage betont: „Beziehen Sie sich immer auf die Taufe: ‚Ein Glaube, eine Taufe, ein Herr‘, so sagt uns Paulus - und daraus ziehen Sie die Konsequenzen. Sprecht mit dem Herrn und geht weiter“, so der Papst damals beim Besuch der Evangelisch-Lutherischen Gemeinde Roms. (www.de.radiovaticana.va u. kna v. 10. 12.)

 

Bereits zum vierten Mal hat Papst Franziskus Metropolit Hilarion, die „Nummer zwei“ der russischen Orthodoxie, empfangen. Dieser kam am 10. Dezember in den Vatikan. Zuletzt hatte Franziskus den Außenamtsleiter des Moskauer Patriarchats im September in Rom getroffen. Vorangegangen war die historische Begegnung zwischen Papst Franziskus und Kyrill I. auf Kuba. Dieses damalige Treffen bewerteten ökumenische Beobachter sogar als noch bedeutender als die dabei unterzeichnete gemeinsame Erklärung zwischen römisch-katholischer und russisch-orthodoxer Kirche. (www.de.radiovaticana.va v. 11. 12.)

 

Die beiden römisch-katholischen Bischöfe Benno Elbs (Feldkirch) und Manfred Scheuer (Linz) äußern sich positiv zum Reformationsjubiläum: Die Reformation habe – neben vielem Leid und Unrecht – für die römisch-katholische Kirche auch viele positive Aspekte mit sich gebracht. Insofern gebe es auch einiges, wofür man der Reformation ganz generell und Martin Luther im Besonderen dankbar sein könne. Das betonen die beiden Bischöfe Elbs und Scheuer auf der Website der Evangelischen Kirchen in Österreich zum Reformationsjubiläum. Martin Luther habe „auch die katholische Kirche bereichert“, dass er die Bibel wieder ins Zentrum der Kirche und des Glaubens gerückt hat, so Bischof Elbs. Bischof Scheuer bezeichnete Luther als „Zeugen des Glaubens“. Letztlich sei sein Wirken daher zu beurteilen, „ob es zu Christus hinführt oder wegführt“. Und hier falle die Bilanz positiv aus. Die römisch-katholische Kirche könne im „gegenseitigen Austausch der Gaben“ von einigen Stärken der evangelischen Kirchen profitieren, so Scheuer. Er verwies unter allem auf die radikale Bezogenheit auf das Wort Gottes, die starke Betonung des Priestertums aller Getauften und das Verständnis von Kirche als Volk Gottes. (Kathpress v. 13. 12.; "Die Presse" Print-Ausgabe v. 14. 12.; JA v. 25. 12.)

 

Ökumenische Glückwünsche aus Moskau: Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill hat Papst Franziskus zum 80. Geburtstag gratuliert. In einem langen Schreiben würdigt der Patriarch den Bischof von Rom als Diener Gottes und der Kirche. Seine Wahl zum Papst 2013 sei ein „Zeichen der göttlichen Vorsehung“ gewesen, das Werk des Papstes kennzeichne sich durch seinen Einsatz für den Frieden und für die Einheit der Christen, die Verkündigung der Liebe Gottes und die Hilfe für die Armen. Kyrill erwähnt auch das „unvergessliche“ Treffen mit dem Papst in Havanna im Februar dieses Jahres, das „dem freundschaftlichen Dialog und der Zusammenarbeit zwischen unseren Kirchen einen neuen Impuls gab“. (www.de.radiovaticana.va v. 17. 12.)

 

In der anglikanischen Dreifaltigkeitskathedrale in Québec (Kanada) gibt es – als eine ungewöhnliche ökumenische Geste – ab sofort einen eigenen Sitz, der dauerhaft für den römisch-katholischen Erzbischof reserviert ist. Darauf weist das Internetportal „Présence“ hin. Kardinal Gérald Lacroix von Québec nahm an der feierlichen Einweihung seines Bischofsstuhls in der anglikanischen Kathedrale teil. Der Bischofsstuhl steht im Chor der Kathedrale gegenüber der Kathedra des anglikanischen Bischofs. Bei der Einweihung wurde daran erinnert, dass der erste anglikanische Erzbischof von Québec bei seiner Ankunft 1793 vom römisch-katholischen Bischof begrüßt worden sei. Der anglikanische Bischof Bruce Myers erklärte, dieser Bischofsstuhl in Québec sei wohl der erste seiner Art in einer anglikanischen Bischofskirche. (cath.ch u. www.de.radiovaticana.va v. 22. 12.)

 

Für den Amtsantritt des künftigen US-Präsidenten Donald Trump ist am 21. Jänner 2017 ein interreligiöses Gebet mit Vertretern der Religionen in der National Cathedral von Washington geplant. Ein derartiges Gebet fand zuletzt 2013 zum Start der zweiten Amtszeit von Barack Obama statt. Die National Cathedral wird von der liberalen protestantischen Episkopalen Kirche geführt. Staatsbegräbnisse und Gedenkgottesdienste für US-Präsidenten, nationale Trauerfeiern und zahlreiche interreligiöse Veranstaltungen wie etwa vor zwei Jahren erstmals ein muslimisches Freitagsgebet fanden hier bereits statt. Der zuständige episkopale Bischof Mariann Budde kündigte in einem Fernsehinterview an, alle Glaubensgemeinschaften würden am 21. Jänner vertreten sein und für das Wohl des Landes beten. (www.de.radiovaticana.va v. 23. 12.)

 

In Wien entsteht die erste deutschsprachige orthodoxe Gemeinde: Metropolit Arsenios (Kardamakis) hat den Wiener Priester Nikolaus Rappert mit dem Aufbau der Gemeinde betraut. Unter anderem wird diese deutschsprachige orthodoxe Gemeinde damit begründet, dass immer mehr Österreicher in die orthodoxe Kirche eintreten. Diese könnten einem kirchen-griechischen Gottesdienst nicht folgen. Auch für gemischt-gläubige Ehepartner sei das Angebot gedacht und wird immer mehr angenommen, freut sich der 42-jährige römisch-katholische Theologe, der zur orthodoxen Kirche übergetreten ist und im vergangenen Mai vom Metropoliten zum Priester geweiht wurde. (JA v. 25. 12.)

 

Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. wird 2017 nach Deutschland kommen. Das bestätigte der Pressesprecher der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Carsten Splitt, am 28. Dezember in Berlin gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Bartholomaios sagte demnach die Teilnahme an einer Veranstaltung in Tübingen zu. Das sind die ersten offiziellen Kontakte auf höchster Ebene zwischen den Kirchen der Reformation und den orthodoxen Kirchen seit 443 Jahren. 1573 hatten damals die Tübinger Theologen Martin Crusius und Jakob Andreae einen intensiven Briefwechsel mit dem Ökumenischen Patriarchen Jeremias II. geführt. (www.de.radiovaticana.va u. kna v. 29. 12.)

 

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Kardinal Reinhard Marx (München) sieht wiederholte Angriffe auf Gebetshäuser in Deutschland mit großer Sorge. „Solche Verbrechen sind schändlich und dürfen in keiner Weise verharmlost werden“, schreibt der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz in einem veröffentlichten Grußwort zum Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan. „In einer offenen Gesellschaft darf kein Mensch Angst verspüren, wenn er ein Gebetshaus betritt.“ Es sei Pflicht der gesamten Gesellschaft, Hass und Hetze zurückzuweisen und sich für ein friedliches und vertrauensvolles Miteinander einzusetzen. Das gelte besonders für die Vertreter der Religionen, „denn ohne Frieden zwischen den Religionen und Kulturen gibt es keinen Frieden in unserer Gesellschaft“. In seiner Grußbotschaft übermittelt Marx Segenswünsche an alle Muslime in Deutschland: „Gott, der Schöpfer und Erhalter dieser Welt, möge Sie durch die Fastenzeit begleiten und Ihre Gebete erhören!“ Der Kardinal forderte dazu auf, gemeinsam daran zu arbeiten, dass sich weltweit das Verständnis von gleichen staatsbürgerlichen Rechten für alle durchsetzt. „Den Wert des Respektes müssen wir besonders den Jugendlichen vermitteln. Denn sie werden in der von uns geschaffenen pluralen Gesellschaft noch lange miteinander arbeiten und leben.“ (kna u. vn v. 5. 5.)

     

  • Die für 6. bis 27. Oktober 2019 geplante Amazonas-Synode in Rom wird nach Worten des deutschen Bischofs Franz-Josef Overbeck zu einer „Zäsur" in der römisch-katholischen Kirche führen. „Nichts wird mehr sein wie zuvor", sagte der für das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat zuständige Ruhrbischof in Essen. So stehe die hierarchische Struktur der Kirche genauso auf dem Prüfstand wie ihre Sexualmoral und das Priesterbild. Auch die Rolle der Frau in der Kirche müsse überdacht werden. Bei der Bischofsversammlung soll es neben der Ökologie auch um Theologie und Seelsorge, um die Belange der Indigenen sowie um Menschenrechte gehen. In Lateinamerika werden die Ortskirchen und ihr Klerus immer selbstständiger. Zugleich stelle sich ein Priestermangel ein. Er kenne Diözesen, in denen einem Bischof noch gerade zehn Priester für ein riesiges Seelsorgegebiet zur Verfügung stünden. Schon jetzt seien die Kirchen vor Ort von Frauen, vor allem durch Ordensfrauen geprägt. „Das Gesicht der Kirche vor Ort ist ein Gesicht von Frauen", so der Adveniat-Bischof. Auf all das müsse die Kirche reagieren und Antworten finden. Die Kirche werde das „Schritt für Schritt" über mehrere synodale Prozesse tun müssen. (kna, kap u. vn v. 2. 5.)

     

  • Ein ökumenisches Ereignis von erstrangiger Bedeutung findet seit 1. Mai in Addis Abeba statt: Zum ersten Mal sind kirchliche Führungspersönlichkeiten und Experten der äthiopisch-orthodoxen Kirche sowie der römisch-katholischen Kirche in Äthiopien versammelt, um bei einer Konferenz auf wissenschaftlicher Ebene die Streitpunkte der Vergangenheit zu behandeln: die Unionsversuche des 16. Jahrhunderts und die Haltung der römisch-katholischen Kirche zum Eroberungskrieg Mussolinis im 20. Jahrhundert. Im seit Jahrzehnten andauernden Prozess zum Abbau des Misstrauens zwischen äthiopisch-orthodoxer und römisch-katholischer Kirche kommt der Wiener Stiftung "Pro Oriente" und dem von ihr getragenen „inoffiziellen Dialog" besondere Bedeutung zu. Daher wurde auch "Pro Oriente"-Präsident Alfons M. Kloss gebeten, die Tagung in Addis Abeba mit zu eröffnen. Der Salzburger Ostkirchenexperte und Vorsitzende der Salzburger Sektion von "Pro Oriente", Prof. Dietmar W. Winkler, ist einer der Referenten. Er behandelt das Verhältnis von offiziellem und inoffiziellem theologischen Dialog zwischen den Kirchen sowie die Hoffnung auf einen orthodox-katholischen Dialog in Äthiopien. Der römisch-katholische Erzbischof von Addis Abeba, Kardinal Berhaneyesus D. Souraphiel, betonte im Vorfeld, vertiefte ökumenische Beziehungen seien nicht nur für das gemeinsame christliche Zeugnis in der Gegenwart von größter Bedeutung, sondern seien auch ein Dienst an der Bewahrung des reichen christlichen Erbes Äthiopiens und wichtig für den konstruktiven Dialog mit dem Islam. Der moslemische Ministerpräsident Ahmed Abiy hat die Initiative zur Förderung der nationalen Versöhnung mit angeregt. Kardinal Souraphiel wurde im Februar von Ministerpräsident Abiy zum Koordinator der neuen äthiopischen Nationalkommission für Versöhnung und Frieden bestellt. Ende Jänner war der neue Regierungschef Ahmed Abiy von Papst Franziskus im Vatikan empfangen worden. (kap v. 1. 5.)

     

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