Unter dem Titel „Ökumenismus im Nahen Osten: Vergangenheit und Gegenwart“ wurde am 9. Dezember in Wien eine gemeinsame Konferenz der Stiftung „Pro Oriente“ und des Instituts für ostkirchliche Studien der Radboud-Universität Nijmegen (NL) eröffnet.

Im Mittelpunkt stand die Entwicklung des nahöstlichen ökumenischen Denkens, dessen Wurzeln dort tief in das 12./13. Jahrhundert hineinreichen – unter besonderer Berücksichtigung der Situation der unierten Kirchen, die mit Rom in voller Kirchengemeinschaft stehen. Thematisch wurden u.a. die ersten Spaltungen in der orientalischen Christenheit behandelt, die Beziehung mit der islamischen Welt, die Kontaktaufnahme zwischen „westlichen“ und „östlichen“ Christen in der Kreuzfahrerzeit und der Beginn des ökumenischen Denkens bei großen Theologen des 13. Jahrhunderts wie dem Universalgelehrten Gregorios Bar Ebroyo oder dem Bischof von Sinjar (Irak), Abdisho Bar Brikha, einem Exponenten der Apostolischen Kirche des Ostens. Schließlich wurde die Situation der orientalischen christlichen Immigrationsgemeinden im Westen analysiert. Die bedrängte Lage aller christlichen Kirchen im Orient – gleichgültig, ob sie orthodox, orientalisch-orthodox oder römisch-katholisch sind – habe zweifellos zur besseren ökumenischen Situation im Nahen Osten beigetragen, betonen die Wissenschaftler. Im Nahen Osten könnten sich die Kirchen angesichts der Tatsache, dass ihre Existenz auf dem Spiel steht, keine Streitigkeiten erlauben. Ein weiterer Faktor sei die konfessionelle Vielfalt im Orient, wo es sowohl byzantinisch-orthodoxe Kirchen gibt als auch Kirchen, die sich im Gefolge der Konzile von Ephesus und von Chalcedon von der Reichskirche getrennt haben. Nicht zuletzt habe aber auch die Tatsache eine Rolle gespielt, dass im Bereich der Kirche von Antiochien schon früh ökumenisches Denken entwickelt wurde. Das habe den Christen dieses Raumes ermöglicht, mit „viel Kreativität“ auf die Annäherung der einstigen Feinde zu schauen. (www.pro-oriente.at vom 9. 12.; Kathpress vom 12. 12.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Junge Menschen aus dem Christentum, Judentum, Islam, Buddhismus und Hinduismus haben am Wiener internationalen Dialogzentrum KAICIID einen einjährigen „Fellow“-Lehrgang zur Förderung von interkulturellem und interreligiösem Dialog absolviert. Der vatikanische Kurienbischof Miguel Ayuso Guixot und KAICIID-Generalsekretär Faisal bin Muaammar übergaben den 41 jungen Männern und Frauen aus 25 Ländern bei einer Feier ihre Dekrete. Ayuso, der als Sekretär des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog auch Mitglied des KAICIID-Verwaltungsrates ist, rief die jungen Leute dazu auf, in ihren Heimatländern als „aktive Friedensstifter“ tätig zu sein. Der Aufbau einer friedlicheren Welt erfordere interkulturellen und interreligiösen Dialog als wesentliche Bausteine. Interreligiöser Dialog dürfe sich dabei nicht nur unter Religionsführern abspielen, sondern unter „so vielen Gläubigen wie möglich“. Einmal mehr verurteilte der Kurienbischof den Missbrauch von Religion für Gewalt: „Niemand darf den Namen Gottes benutzen, um Gewalt anzuwenden. Im Namen Gottes zu töten, ist ein schweres Sakrileg. Im Namen Gottes zu diskriminieren, ist unmenschlich“, zitierte Ayuso aus einer Rede von Papst Franziskus und betonte, dass es beim Religionsdialog nicht um eine „Vermischung“ von Religion gehe. Alle Beteiligten müssten sich von ihrer „authentischen religiösen Basis“ aus in den Dialog einbringen. Die ausgebildeten „Fellows“ sollen in ihren Heimatländern „Brücken des Dialogs“ bauen, und Projekte entwickeln, wie sie religiöse Verantwortungsträger im interreligiösen Dialog unterrichten könnten. Mittlerweile gibt es mehr als 150 Stipendiaten aus 44 Ländern. Die KAICIID-Fellows würden von Organisationen zunehmend als ExpertInnen für den Religionsdialog hinzugezogen, berichtete Anas Alabbadi, einer der Verantwortlichen des Dialogzentrums. Das KAICIID wird von Vertretern von Buddhismus, Christentum, Hinduismus, Islam und Judentum geleitet. (kap u. vn. v. 2. 12.)

     

  • Dass Papst Franziskus die Zulassungsbedingungen zum Priesteramt radikal ändert, wenn die Bischöfe des Amazonas-Gebiets dies beschließen, sagte der Wiener Theologe Paul Zulehner am 1. Dezember bei einer Veranstaltung in Freiburg. Langfristig solle dieser Weg auch Frauen offenstehen. Er begründet seine Einschätzung mit einer Äußerung des Papstes gegenüber dem emeritierten brasilianisch-österreichischen „Amazonas-Bischof" Erwin Kräutler, die Bischofssynode im kommenden Jahr im Vatikan solle mutige Vorschläge machen. Zulehner sprach von „Modellen an der Peripherie, die weltkirchlich Karriere" machen. Eine solche Dezentralisierung könne die „lähmende Stagnation der katholischen Weltkirche überwinden". Der Theologe verwies auch auf ein von ihm gemeinsam mit dem früheren südafrikanischen Bischof Fritz Lobinger erarbeitetes Positionspapier. Demnach sollen die Gemeinden aus ihrer Mitte Frauen und Männer („personae probatae") benennen, die eine dreijährige seelsorgliche Ausbildung erhalten und dann in ein „Team of Elders" geweiht werden. (kathpress u. kna v. 6. 12.)

     

  • Am 10. Dezember fand wieder der alljährliche „Lichtermarsch für verfolgte Christen“ in Wien statt. Diesmal stand der Schweigemarsch im Zeichen des 70. Jahrestags der Proklamation der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“. Vertreter vieler katholischer und orthodoxer Kirchen nahmen daran teil. Der syrisch-orthodoxe Chor sang das Vaterunser in Aramäisch, der Sprache Jesu. (Christen in Not 01/2019)

     

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