Gläubige haben ein Recht auf eingehende Information

03.03.2014, Hans Peter Hurka

 

"Wir sind Kirche" hat den Vorsitzenden der Österreichsichen Bischofskonferenz um eingehendere Information über den Ad limina Besuch ersucht. Wenn die Bischöfe zum Kirchenoberhaupt fahren und Bericht erstatten, so haben die Gläubigen ein Recht darauf, Inhalt der Berichte sowie zukünftige Überlegungen und Absichten zu erfahren. Darum hat der Vorsitzende der Plattform "Wir sind Kirche" Kardinal Schönborn mit Schreiben vom 11. Februar 2014 ersucht.

 

Sehr geehrter Herr Kardinal,

 

die in den letzten Tagen veröffentlichten Ergebnisse der vatikanischen Umfrage zu Ehe, Familie und Sexualität in Deutschland durch deren Bischofskonferenz beeindrucken durch ihre Klarheit in der Sprache.

Von der österreichischen Bischofskonferenz als dem Gesprächspartner Roms liegt leider keine derartige Zusammenfassung vor, die in ihrer Eindeutigkeit vergleichbar wäre, obwohl die Gläubigen auch bei uns in der selben Weise geantwortet haben. Auch wenn die Bischöfe bei ihrem Ad-limina-Besuch die Einzelstellungnahmen 1:1 im Vatikan abgegeben haben, so muss davon ausgegangen werden, dass auf Grund der weltweiten Fülle nicht dieselbe Wirkung erzielt werden wird, wie mit einer Stellungnahme der ganzen Bischofskonferenz.

Da die Ergebnisse nicht neu sind, sondern seit vielen Jahrzehnten immer wieder von den Gläubigen vorgebracht wurden, ist es sehr verwunderlich, dass nun die Österreichischen Bischöfe mit „vertiefenden Untersuchungen“ (Ihr Interview in der ZIB 2 vom 25. Jänner 2014) beginnen wollen. Es muss doch davon ausgegangen werden, dass sich die Bischöfe bereits in den letzten 50 Jahren mit den Anliegen der Gläubigen vertieft auseinander gesetzt haben.

Gleichzeitig weisen wir darauf hin, dass die Aussagen von mehr als 34 000 Antworten irreführend sind, weil darin nicht die mehr als 4 000 Antworten der Katholischen Aktion, die weiteren mehr als 4 000 Antworten der Reformbewegungen und nicht die 1 127 Antworten der Katholischen Jugend enthalten sind. In Wahrheit haben in Österreich mehr als 42 500 Katholikinnen und Katholiken auf den Fragebogen des Vatikan geantwortet.

Die Reformbewegungen erwarten daher von den österreichischen Bischöfen eine eindeutige Zusammenfassung der Ergebnisse der Umfrage und eine Positionierung, wo die Bischöfe in diesen Fragen stehen.

Die Pressemeldungen während und nach dem Ad-limina-Besuch waren sehr allgemein und hatten leider wenig Aussagekraft. Im Namen der Österreichischen Katholikinnen und Katholiken ersuchen wir die österreichischen Bischöfe, die Ergebnisse bzw. deren Konsequenzen klar und eindeutig zusammenzufassen und zu veröffentlichen. Immerhin geht es doch um das Leben und Wirken der Kirche in Österreich.
So erfreulich es ist, dass den Bischöfen Österreichs der Bischof von Rom auf gleicher Augenhöhe begegnet sei und aufgerufen habe, den Menschen nahe zu sein, fragen sich Österreichs Katholikinnen und Katholiken, welche Konsequenzen das in der Pastoral hat, gerade auch was die Ergebnisse des Fragebogens betrifft. Hier erwarten die Reformbewegungen wenigstens, dass jene Priester, welche ausnahmslos geschiedenen und wieder verheirateten Menschen die Kommunion verweigern, durch öffentliche Erklärung unmissverständlich klar gemacht wird, dass dies kein Weg in der Spur Jesu ist. Gleiches gilt für alle Diskriminierungen, insbesondere für Schwule und Lesben. Wenn schon die Kirchenleitung noch einige Zeit brauchen sollte um menschenwürdige Lösungen anbieten zu können, müssen jedenfalls ungerechtfertigte Diskriminierung unverzüglich gestoppt werden.

Sehr geehrter Herr Kardinal, wir warten auf solche öffentlichen Erklärungen in naher Zeit und danken Ihnen für Ihr Bemühen darum. Gleichzeitig gratulieren wir Ihnen zu den Ihre Person anerkennenden Ernennungen in vatikanischen Gremien.

Mit freundlichen Grüßen

         Hans Peter Hurka

 

PS. Dieses Schreiben ergeht gleichzeitig auch an das Generalsekretariat der Österreichischen Bischofskonferenz

 

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