Der deutsche Historiker der Ruhr-Universität Bochum, Lucian Hölscher, wirbt für eine differenzierte Auseinandersetzung und einem neuen Blick auf die Reformation.

Im Gedenkjahr 2017 könnten die Kirchen wechselseitige Wunden heilen, schreibt er in einem Gastbeitrag für die „Süddeutsche Zeitung“ vom 13. April. Dies könne geschehen durch die „Anerkennung des eigenen Unrechts“ und die Aufarbeitung von Vorurteilen. Die Chancen für ein weltoffenes und versöhnliches Reformationsgedenken stünden nicht schlecht. Hölscher warnt jedoch vor der „Gefahr des Rückfalls in alte Denkmuster“. Er plädiert dafür, sich im Gedenkjahr an die „gemeinsamen Grundlagen der reformatorischen Aufbrüche in allen Konfessionen“ zu erinnern. wie z. B. an römisch-katholische Reformatoren wie Ignatius von Loyola. „Protestantische Reformation und katholische Reform gehören zusammen, sie bilden nur verschiedene Seiten des einen reformatorischen Aufbruchs an der Schwelle vom Mittelalter zur Neuzeit“. Dazu gehörten auch der italienische Humanismus, die französische Religionskritik und die spanische Spiritualität. Dies alles miteinzubeziehen helfe, „der Reformation ihre provinzielle Beschränktheit auf Wittenberg, Zürich und Genf zu nehmen“. (www.de.radiovaticana.va u. kna vom 13. 4.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Anlässlich des islamischen Opferfestes am 1. September hat der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn die gemeinsamen Wurzeln der großen monotheistischen Religionen betont. In seiner wöchentlichen Kolumne in der Zeitung „Heute“ erklärt er, das Opferfest, arabisch „Eid al-Adha“, verweise mit Abraham auf den gemeinsamen Stammvater von Christentum, Islam und Judentum. „Abraham hat Gott so sehr vertraut, dass er bereit war, ihm alles hinzugeben, sogar seinen eigenen Sohn“, so Schönborn über die Hintergründe des Festes. „Gott will aber nicht, dass der Sohn geopfert wird, sondern dass Abraham ihm ganz vertraut.“ Alle Menschen können von diesem Gottvertrauen lernen. „Was du besitzt, hast du von Gott. Sei also großzügig, freigiebig, gastfreundlich. Denn vor Gott sind wir Menschen alle gleich.“ Das Opferfest sei deshalb ein guter Anlass, die spirituellen Reichtümer anderer Religionen kennenzulernen, meint der Kardinal. (rv v. 1. 9.)

     

  • Die Pastoralassistentin Dr. Barbara Velik-Frank stellt in der Zeitschrift „Kirche In“ die Buchausgabe ihrer Dissertation vor: „Die Donaupriesterinnen. Eine heterotrope Provokation“ (treditionVerlag 2017). Damit befeuert sie die Diskussion über ein mögliches Frauenpriestertum in der römisch-katholischen Kirche: „Die Donaufrauen [2002 auf einem Schiff auf der Donau geweiht] zeigen auf, […] dass in der postmodernen Welt diese Kirche nur eine von vielen Optionen ist, sein religiöses Leben zu gestalten. […] Wenn sich alles verändert und möglich ist, dann ist man nicht mehr gebunden oder geleitet von Vorschreibungen, sondern von komplexer Selbstbestimmung.[…] Die Donaufrauen haben experimentiert und gehandelt. Und Gott hat sich ‚außerhalb‘ gezeigt. Sie haben sich die Freiheit der Positionierung genommen. Das Schiff der Donaufrauen repräsentiert somit ein „Sich-Ereignen“ von Kirche“, schreibt Velik-Frank in ihrem Beitrag. (KircheIn 09/2017)

     

  • Am 4. September tagt wieder die gemischte Gesprächskommission zwischen Katholiken und Orthodoxen auf der griechischen Insel Leros. Gastgeber ist der orthodoxe Metropolit Paisios (Aravantinos). Geleitet werden die Gespräche wie immer „ökumenisch“. Von römisch-katholischer Seite nimmt Kardinal Kurt Koch, Präsident des vatikanischen Ökumenerates, teil und von orthodoxer Seite Erzbischof Telmessos Iob (Getcha). Bei dem Treffen geht es um die „künftigen Schritte“ im ökumenischen Dialog. Bei der letzten Versammlung, die im September 2016 im italienischen Chieti stattfand, wurde über die Synodalität und das Papstprimat im ersten Jahrtausend gesprochen. (rv [=de.radiovaticana.va]v. 4. 9.)

     

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