Innerkirchliche Reformansätze: (Frauen, Zölibat, wiederverheiratet Geschiedene, Moral ..)

Dass Papst Franziskus die Zulassungsbedingungen zum Priesteramt radikal ändert, wenn die Bischöfe des Amazonas-Gebiets dies beschließen, sagte der Wiener Theologe Paul Zulehner am 1. Dezember bei einer Veranstaltung in Freiburg. Langfristig solle dieser Weg auch Frauen offenstehen. Er begründet seine Einschätzung mit einer Äußerung des Papstes gegenüber dem emeritierten brasilianisch-österreichischen „Amazonas-Bischof" Erwin Kräutler, die Bischofssynode im kommenden Jahr im Vatikan solle mutige Vorschläge machen. Zulehner sprach von „Modellen an der Peripherie, die weltkirchlich Karriere" machen. Eine solche Dezentralisierung könne die „lähmende Stagnation der katholischen Weltkirche überwinden". Der Theologe verwies auch auf ein von ihm gemeinsam mit dem früheren südafrikanischen Bischof Fritz Lobinger erarbeitetes Positionspapier. Demnach sollen die Gemeinden aus ihrer Mitte Frauen und Männer („personae probatae") benennen, die eine dreijährige seelsorgliche Ausbildung erhalten und dann in ein „Team of Elders" geweiht werden. (kathpress u. kna v. 6. 12.)

 

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf will die Aus- und Weiterbildung von Priestern und Seelsorgern in seinem Bistum inhaltlich neu ausrichten. Geistliche Macht und Autorität müsse künftig „dem Motiv des Teilens“ weichen, forderte er während eines Pontifikalamts. „Das Bild vom leitenden, alles auf sich beziehenden Einzelkämpfer an der Spitze einer Pfarrei oder einer pastoralen Einheit, funktioniert schon lange nicht mehr". Er sehe keine Lösung darin, die Qualitätssicherung in der Ausbildung vorwiegend in der Größe von Seminarkollegien zu definieren. (dpa v. 8. 12.)

 

Römisch-katholische Frauenverbände in Deutschland mahnen einen „spürbaren Strukturwandel" in der Kirche an. Damit müsse ein „partnerschaftliches und anerkennendes Miteinander von Männern und Frauen in der Kirche" verbunden sein, hieß es in einer Erklärung vom 10. Dezember. Sie wurde von der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), dem Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB) und der „Agenda - Forum katholischer Theologinnen" veröffentlicht. Durch die im September veröffentlichte Missbrauchsstudie sei der Reformbedarf noch offensichtlicher geworden: „Themen wie Macht und Autorität in der Kirche, die verpflichtende Verbindung von Zölibat und Weihe, Frauen in kirchlichen Ämtern und Fragen der Sexualethik müssen offen und ohne Denkverbote diskutiert werden." Die Lösung dieser Fragen sei „dringender denn je". Sichtbare Fortschritte seien nur zu erreichen, „wenn Frauen in den einzelnen Kirchen Zugang zu allen kirchlichen Ämtern erhalten", betonen die Verbände. (kna u. vn v. 10. 12.)

 

Die Straßburger Theologin und Präsidentin der Europäischen Gesellschaft für Katholische Theologie, Marie-Jo Thiel, hat zu einem umfassenden Umdenken in der Sexual- und Familienethik ihrer Kirche aufgerufen. Papst Franziskus habe durch sein Lehrschreiben Amoris laetitia Anstöße gegeben und Freiräume geschaffen, sagte Thiel am 13. Dezember in der Katholischen Akademie Freiburg. Diese gelte es nun zu nutzen. Dabei gebe es erhebliche Spielräume für regionales Handeln, ohne immer gleich eine universalkirchliche Lösung anzustreben. Es gehe um eine Dezentralisierung, wie es Franziskus meinte. Anstatt auf universalistische Unnachgiebigkeit zu pochen, müssten beispielsweise die Selbstbestimmung und das Gewissen des Einzelnen viel stärker berücksichtigt werden, sagte die Straßburger Theologin. Leitlinie christlicher Ethik müsse das Prinzip der Barmherzigkeit sein. (kna u. vn v. 14. 12.; JA v. 30. 12.)

 

Südkoreas römisch-katholische Kirche beteiligt sich an einer neuerlichen Kampagne zur Abschaffung der Todesstrafe. (JA v. 16. 12.)

 

Das Gurker Domkapitel fühlt sich ihrem „Gewissen verpflichtet“, eine Erklärung zu Bischof Alois Schwarz zu veröffentlichen: Sie wurde am 18. Dezember in Klagenfurt von Dompropst Msgr. Dr. Engelbert Guggenberger verlesen: „Dieses Statement ist eine gemeinsame Erklärung aller acht Domkapitulare und wurde von uns einstimmig verabschiedet. […] Um den Wahrheitsgehalt der Vorwürfe, […] sein Führungs- und Kommunikationsstil, sein persönliches Umfeld, das Anlass für Gerede und Gerüchte bot, sowie zuletzt das Engagement eines Ex-Geheimdienstchefs […], bezogen auf das bischöfliche Mensalgut, zu prüfen und zu objektivieren, setzte das Domkapitel gemeinsam mit mir gleich zu Beginn eine Arbeitsgruppe ein, die die Angelegenheit prüfen und hernach Bericht erstatten sollte. Als der Abschlussbericht der Arbeitsgruppe heute vor einer Woche der Öffentlichkeit vorgestellt werden sollte, kam von der römischen Bischofskongregation die Weisung, die Pressekonferenz abzusagen. […] Angesichts der vielen Fragen und der Not der Gläubigen und der für sie sorgenden Priester fühlen wir uns als Mitglieder des Domkapitels unserem Gewissen verpflichtet. Wir wollen mit diesem Statement und mit dem Abschlussbericht […] unseren Teil dazu beitragen, dass zumindest für die Fragen, die das Bischöfliche Mensalgut betreffen, ein Mindestmaß von der zu Recht geforderten Transparenz geleistet wird. […] Es ist den Menschen in Kärnten nicht vermittelbar und auch schwer zumutbar, wenn diese einseitige und unrichtige Darstellung [durch Bischof Alois Schwarz] unwidersprochen bliebe.“ (JA v. 30. 12.)

 

Papst Franziskus hat dem brasilianischen Befreiungstheologen Leonardo Boff zum 80. Geburtstag gratuliert. Boff veröffentlichte das Schreiben in seinem Blog. Franziskus dankt dem Brasilianer für seine Unterstützung und erinnert ihn an ein Treffen vor mehreren Jahrzehnten bei einer Tagung von Ordensleuten in Argentinien. Der Papst erwähnt auch, dass er mehrere Bücher Boffs gelesen habe. Er bete für ihn und seine Frau. 1984 verurteilte die Glaubenskongregation mehrere seiner Thesen wegen der Nähe zum Marxismus und legte ihm „Schweigen und Gehorsam“ auf. Vom Priesteramt suspendiert wurde Boff aber nicht. 1992 verließ er nach wiederholter, scharfer Kritik am damaligen Papst Johannes Paul II. das Priesteramt, später heiratete er. (vn v. 19. 12.)

 

Der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr kann sich unter bestimmten Umständen die Weihe verheirateter Priester vorstellen. Das sagte er in einem Gespräch mit der „Thüringischen Landeszeitung“. „Zum kirchlichen Leben braucht es Priester […] Denn die Situation stellt sich in anderen Ländern wesentlich enger dar als in Deutschland. Am Amazonas zum Beispiel, wo Gemeinden einen Priester oft nur einmal im Jahr sehen, wenn überhaupt. Dort hätte man die Priester, die man braucht, wenn geeignete verheiratete Männer zum Priester geweiht werden könnten.“ Bischof Neymeyr geht davon aus, dass die Frage der sogenannten „viri probati“ bei der Sondersynode zum Amazonasgebiet im Oktober 2019 eine Rolle spielen wird. „Im Einzelfall“ könne er sich auch verheiratete Priester im Bistum Erfurt vorstellen. Aus seiner Sicht entdeckt die Kirche derzeit „die Würde aller Getauften wieder“ und hoffe darauf, „dass alle, Priester wie Laienchristen, an der Verwirklichung des Evangeliums mitwirken. […] Kirche verändert sich, nicht nur von oben nach unten, sondern auch von unten nach oben. […] Da gibt es spannende Entwicklungen: Es läuft der erste Kurs zur Vorbereitung von Laien, die in unserem Bistum den Dienst der kirchlichen Bestattung übernehmen werden. Die Anregung dazu stammt aus den Gemeinden. Vor fünf Jahren hätte das hier noch niemand für möglich gehalten“, sagte Neymeyr. (thüringische landeszeitung u. vn v. 24. 12.)

 

Papst Franziskus hat zwei wichtige Stellen in der vatikanischen Medienarbeit mit Nicht-Priestern neu besetzt: Der italienische Journalist und Vatikanexperte Andrea Tornielli (54) wird Leiter der neu geschaffenen „Editorialen Direktion“ im Mediensekretariat und hat damit maßgeblichen Einfluss auf die inhaltliche Ausrichtung vatikanischer Medien wie „Vatican News“ und die Zeitung „Osservatore Romano“. Außerdem ernannte der Papst den Schriftsteller und Essayisten Andrea Monda (52) zum neuen Chefredakteur für die Vatikanzeitung „Osservatore Romano“. Der studierte Jurist arbeitete früher bei der Stadtgemeinde Rom und war seit gut zehn Jahren Lehrbeauftragter für christliche Literatur an den Päpstlichen Universitäten Lateran und Gregoriana. (JA v. 30. 12.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Ein Fernsehsender der Vereinigten Arabischen Emirate (VAR) zeigt den Dokumentarfilm „Der Besuch des Friedens“ über den Papstbesuch im Februar 2019. Er behandelt die Vorbereitungen, Begegnungen und Auswirkungen, die der Papstbesuch auf die Bevölkerung in den Arabischen Emiraten hatte. Das Filmprojekt reiht sich ein in weitere Initiativen rund um das ausgerufene „Jahr der Toleranz“. Ein Teil der Doku fokussiert sich auf den Aufenthalt des Papstes in Abu Dhabi inklusive des Treffens mit Großimam Achmed al-Tayyeb und der Unterzeichnung des „Dokuments über die Brüderlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt“. Die Großmesse des Papstes vor rund 100.000 Menschen im Zayed Sports City Stadion ist auch Inhalt des Films. Zusätzlich zu den Worten des Papstes enthält die Dokumentation Beiträge und Interviews mit Bürgern und Regierungsbeamten, die ihre Ansichten über den Wert des Besuchs und seine Bedeutung für die Emirate im Rahmen des „Jahres der Toleranz“ zum Ausdruck bringen. (asianews u. vn v. 5. 9.)

     

  • Der aus Deutschland stammende Bischof des brasilianischen Amazonas-Bistums Obidos, Johannes Bahlmann, kann sich verheiratete Männer als Priester vorstellen. In seiner rund 182.000m² großen Diözese gebe es Gemeinden, die „nur zwei- oder dreimal im Jahr die Messe feiern können", sagte er der Wochenzeitung „Kirche & Leben". Es sei aber wichtig, dass es Priester vor Ort gebe. Ihr Dienst beschränke sich nicht auf die Feier der Eucharistie, sondern umfasse auch Nächstenliebe und Glaubensstärkung. Bei der Amazonas-Synode im Oktober in Rom müsse auch über Gemeindeleitung durch Nicht-Priester gesprochen werden. In seinem Bistum habe er gute Erfahrungen damit gemacht. Dort leiteten zu 80 Prozent Frauen Gemeinden mit bis zu 3.000 Gläubigen. Jede Pfarrei bestehe aus rund 150 Gemeinden. Da sei es „unmöglich, dass der Priester in jeder Gemeinde Verantwortung übernimmt". Bahlmann nimmt an der von Papst Franziskus einberufenen Amazonas-Synode vom 6. bis 27. Oktober teil. (kna u. vn v. 4. 9.; JA v. 15. 9.)

     

  • Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. hat die Bedeutung der kulturellen und akademischen Austauschprogramme zwischen dem Moskauer Patriarchat und dem Vatikan gewürdigt. Kyrill empfing am 28. August die Teilnehmer des 5. Sommerkurses für römisch-katholische Priester und Ordensleute. Sie waren Gäste des von Metropolit Hilarion (Alfejew) geleiteten Theologischen Kyrill-Method-Instituts. Die Mitglieder der vatikanischen Delegation besuchten u. a. das Nowospasskij-Kloster und die Synodalabteilung für die Beziehungen der Kirche zur Gesellschaft und zu den Medien, die von Wladimir Legojda, geleitet wird. Man setzt besonders auf eine Zusammenarbeit im Bereich der Caritas-Arbeit, weil dies der beste Weg für die Kirchen ist, einander näher zu kommen. (kap u. vn. v. 1. 9.)

     

Artikelempfehlungen

die Absätze Nr. 52 und 53 über Wiederverheiratete Geschiedene und den Absatz Nr. 55 über Homosexualität. Damit sind...
In einem Interview in den „Salzburger Nachrichten“ erzählte Bischof Kräutler weitere Details von seinem Gespräch mit...