Innerkirchliche Reformansätze: (Frauen, Zölibat, wiederverheiratet Geschiedenene, Moral…):

Die der Glaubenskongregation zugeordnete „Internationale Theologische Kommission“ arbeitet an einem Grundsatzpapier zum Thema Synodalität der Kirche. Das synodale Prinzip stammt aus dem frühen Christentum und ist in den Kirchen des Ostens noch sehr lebendig. In der römisch-katholischen Kirche ist es hingegen „im 19. und 20. Jahrhundert durch eine einseitige Herausstellung des römischen Primats in Vergessenheit geraten“ (Kardinal Walter Kasper). Papst Franziskus tritt für seine Wiederbelebung ein. „Die Internationale Theologische Kommission trifft sich regelmäßig zum Jahresende, um über die Fragen und Themen zu sprechen, die im Lauf des Jahres eingegangen sind“, erklärt Bischof Antonio Luiz Catelan Ferreira, der brasilianische Präsident dieser Glaubens-Kommission in einem Interview am 2. Dezember. „Im Moment ist die Kommission in drei Arbeitsgruppen eingeteilt [ … ] Die Themen sind Synodalität, die Beziehung zwischen Glauben und Sakramenten und drittens die Religionsfreiheit. Ich gehöre zur Arbeitsgruppe über Synodalität […] Ich glaube, dass ich im Moment gerade zum Thema Synodalität einiges beitragen kann, denn ich komme aus einer Kirche, in der die Seelsorge auf sehr partizipative Weise organisiert ist – und genau das ist ja das Herz der Synodalität. Fast alle Bistümer in Brasilien haben Pastoralpläne, diskutieren darüber in Versammlungen, leben eine Art von Synodalität. Aber natürlich geht es in der Kommission nicht darum, von den eigenen Erfahrungen zu erzählen, sondern darum, das Prinzip der Synodalität und seine Bedeutung theologisch zu durchleuchten: die Teilnahme des Klerus, das Abstimmen in Versammlungen, das Einbeziehen von allen in pastorale Entscheidungsprozesse.“ (www.de.radiovaticana.va v. 3. 12.)

 

Erstmals haben sich Frauen im Vatikan zu einem Verein zusammengeschlossen. „Donne in Vaticano“ (DVA) will ein „Netzwerk der Freundschaft, des Austauschs und der Solidarität“ knüpfen sowie menschliches und berufliches Wachstum ermöglichen, teilte der Verein in einer Aussendung am 7. Dezember mit. Mehr als 750 Frauen sind derzeit am Heiligen Stuhl und im Vatikanstaat beschäftigt, das entspricht knapp 20 Prozent aller Beschäftigten. Bestärkt fühle man sich vom Lehramt der Päpste, die „zu vielen Gelegenheiten Wertschätzung gegenüber den Frauen“ gezeigt hätten. Der vatikanische Frauenverein geht auf die mehrjährige Initiative einer Gruppe weiblicher Papst-Angestellter zurück. Am 1. September 2016 unterzeichneten die Gründerinnen am vatikanischen Governatorat die Statuten, die zuvor das Staatssekretariat genehmigt hatte. Knapp 60 Mitglieder sind bereits für 2017 registriert. Gewählte Präsidentin von DVA ist die US-Amerikanerin Tracey McClure, die bei der Vatikanzeitung „L´Osservatore Romano“ wirkt. Gründungsmitglied aus dem deutschsprachigen Raum ist die österreichische Radio-Vatikan-Journalistin Gudrun Sailer, die mehrere Bücher über Frauen im Vatikan verfasst hat. (www.de.radiovaticana.va v. 7. 12.; JA v. 18. 12.)

 

Er hoffe auf eine „synodale Kirche“, sagte Papst Franziskus in einem Interview mit der belgischen römisch-katholischen Wochenzeitschrift „Tertio“ am 7. Dezember. Die Kirche entstehe „von den Gemeinden her, von der Basis, aus der Taufe“, und organisiere sich um einen Bischof, der Nachfolger der Apostel sei. „Aber in der ganzen Welt gibt es viele Bischöfe, viele organisierte Kirchen, und es gibt Petrus. Also: Entweder gibt es eine pyramidale Kirche, wo das gemacht wird, was Petrus sagt; oder es gibt eine synodale Kirche, in der Petrus Petrus ist, aber die Kirche begleitet, sie wachsen lässt, sie anhört, von dieser Realität lernt und sozusagen harmonisiert.“ Eine solche „synodale Kirche“ sei die, die ihm vorschwebe. Franziskus sprach von der „reichen Erfahrung der letzten zwei Synoden“ mit ihren „vielen unterschiedlichen Schattierungen“: „Das ist Einheit in der Vielfalt. Das ist Synodalität. Nicht von oben nach unten herunterregieren, sondern die Kirchen anhören, sie untereinander harmonisieren, unterscheiden.“ Sein postsynodales Schreiben „Amoris laetitia“ sei ein Ergebnis des gesamten synodalen Prozesses. „Interessanterweise“ hätten dem, was dort drinstehe, mehr als zwei Drittel der Väter zugestimmt. (www.de.radiovaticana.va v. 7. 12.; JA v. 18. 12.)

 

In Argentinien hat ein römisch-katholischer Bischof zu einer Debatte über die Zukunft des Zölibats aufgerufen. Anlass ist der Verlust von gleich vier Priestern in der Diözese San Francisco in Cordoba, die laut einem Bericht der Tageszeitung „El Periodico“ vom 8. Dezember wegen Liebesbeziehungen ihr Amt aufgaben. „Diese Fälle verpflichten uns zum Nachdenken“, wird Bischof Sergio Buenanueva zitiert. Die Gesellschaft verändere sich. Alle Institutionen, darunter auch die Kirche, würden infrage gestellt. Er sei sicher, dass es irgendwann möglich sein werde, verheiratete Männer zu Priester zu weihen, so Buenanueva. (www.de.radiovaticana.va u. kna v. 9. 12.)

 

Ein Artikel in der Vatikanzeitung „L’Osservatore Romano“ widerspricht dem Eindruck, dass Homosexuelle von der Priesterweihe ausgeschlossen seien. Sowohl eine Instruktion der Bildungskongregation von 2005 als auch die neuesten Richtlinien „vermeiden ein generelles Verbot der Zulassung von Menschen, bei denen es homosexuelle Gefühle gibt, zum Priesterseminar oder zu den Weihen“. Das schreibt der US-Theologe Louis J. Cameli aus dem Erzbistum Chicago am 18. Dezember in einem Gastbeitrag des „Osservatore“. Beide Dokumente schreiben nach Camelis Darstellung vielmehr eine genaue Einzelfall-Prüfung vor, was von „großer Weisheit und Vorsicht“ zeuge. Es sei zwar richtig, „dass die Kirche diejenigen, die Homosexualität praktizieren, […] nicht zum Seminar und zu den Weihen zulassen kann, auch wenn sie für die betroffenen Menschen tiefen Respekt fühlt“, das bedeute aber kein generelles Verbot einer Zulassung homosexuell Fühlender zum Priesteramt, betont Cameli. Es sei nämlich Interpretationssache, was man unter „tiefsitzenden homosexuellen Tendenzen“ genau verstehe. „Es gibt so viele verschiedene Arten von Gefühlen, die wir während unseres Lebens haben – einige sehr positiv, andere eher negativ und destruktiv. Und das gilt für jeden von uns.“ Tiefsitzend sei eine homosexuelle Tendenz, wenn sie Identität und Verhalten eines Mannes bestimme, seine Beziehungsfähigkeit konditioniere und ein reifes Verhalten Frauen wie Männern gegenüber nicht zulasse. Anders verhalte es sich mit Männern, in deren Leben Homosexualität nur ein vorübergehendes Phänomen in der Phase des Erwachsenwerdens gewesen sei. (or u. www.de.radiovaticana.va v. 18. 12.)

 

Die Leitung der Vatikanischen Museen übernimmt erstmals eine Frau: Papst Franziskus ernannte am 20. Dezember die Italienerin Barbara Jatta zur neuen Direktorin. Die bisherige Vize-Direktorin wird ihr Amt am 1. Januar antreten. Sie löst den Kunsthistoriker Antonio Paolucci ab. Jatta studierte an der Sapienza-Universität von Rom und spezialisierte sich u.a. in Archivkunde im Vatikan. Von 1996 an arbeitete sie an der Apostolischen Bibliothek des Vatikans. Von dort wechselte sie im vergangenen Juni in die Vatikanischen Museen. (www.de.radiovaticana.va v. 20. 12.; JA v. 1. 1. 2017)

 

In der Frauenfrage sei die Kirche nicht auf der Höhe der Zeit, sagte Bischof Felix Gmür in einem Interview am 18. Dezember im Schweizer Fernsehen SRF2. Der Bischof des Bistums Basel gab dabei einige Töne von sich, die aufhorchen lassen. Er kritisierte die römisch-katholische Kirche wegen der Stellung der Frau in ihr. Deren Einbindung in die Ämterstruktur sei sicher nicht so, „wie es in unserem Staat sozusagen auf der Höhe der Zeit sein sollte“. Und zur Hoffnung auf ein Frauenpriestertum meinte er: „Ich weiß nicht, ob ich diese Hoffnung haben soll“. Gmür selber zeigte schon früher Sympathien für dieses Anliegen. „Für mich persönlich spricht biblisch betrachtet nichts dagegen“. Dies habe die vatikanische Bibelkommission schon in den 1970er-Jahren gesagt, betonte er im Februar gegenüber dem Internetportal kath.ch. Er befürchte aber, dass die Frauenfrage die Kirche vor eine Zerreißprobe stellen könnte und deshalb nicht so rasch zuoberst auf die päpstliche Agenda rückt. Mehr Optimismus versprüht Gmür bei einem anderen Thema: Die Heirat von Priestern kann ich „mir vorstellen, dass das kommen könnte.“ Der Papst habe dies beim letzten Besuch der Schweizer Bischöfe in Rom jedenfalls nicht mehr kategorisch ausgeschlossen. „Aber ich weiß nicht, ob ich das noch erleben werde“, ergänzte der 50-jährige Bischof. Der Verein für vom Zölibat betroffene Frauen (Zöfra) hat Kenntnis von mehr als 500 Frauen in der Schweiz, die eine versteckte Beziehung zu einem Priester hatten oder haben. Dabei wurden 103 Kinder gezeugt. (www.luzernerzeitung.ch v. 24. 12.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Die bisherige anglikanische Bischöfin von Gippsland, Kay Goldsworthy, übernimmt ab Februar 2018 in Perth das Amt der ersten Erzbischöfin Australiens. Wie Kathpress berichtet, tritt die 61jährige die Nachfolge von Erzbischof Roger Herft an, der im Dezember 2016 auf sein Amt verzichtet hat. Goldsworthy ist verheiratet und zweifache Mutter. Den gleichgeschlechtlichen Ehen, die in Australien wegen einer anstehenden Volksabstimmung viel diskutiert werden, steht sie nach eigener Aussage offen gegenüber. Allerdings wolle sie mit konservativen Vertretern ihrer Diözese „nicht auf Konfrontationskurs“ gehen. (kap u. rv v. 31. 8.; JA v. 10. 9.)

     

  • Die römisch-katholische Kirche begrüßt ein Gesetz in Indien, das erzwungene oder durch materielle Versprechen begünstigte Konversionen verbieten will. Die Regierung des Bundesstaates Jharkhand hat ein entsprechendes Gesetz am 1. August verabschiedet; bei einer Zustimmung durch das Parlament in Ranchi wäre der ostindische Bundesstaat der siebte mit einer entsprechenden Regelung zum Glaubenswechsel. Der Erzbischof von Ranchi, Kardinal Telesphore Toppo, betonte, das Gesetz solle „nicht Konversionen allgemein verbieten, sondern erzwungene Konversionen“. Alle Menschen seien frei in ihrem Willen und in ihrem Gewissen. Niemand könne „jemand anderen zwingen, den Glauben zu wechseln“. Die Strafe von bis zu drei Jahren erhöht sich auf bis zu vier Jahre, wenn es sich bei den Konvertiten um Minderjährige oder um Frauen aus unterprivilegierten, z. B. indigenen Gruppen handelt. (asianews u. rv v. 3. 8.)

     

  • Bischof Manfred Scheuer der Diözese Linz ernennt eine Frau als neue Pastoralamtsdirektorin. Die 46-jährige Theologin Gabriele Eder-Cakl folgt dem langjährigen Direktor Wilhelm Viehböck nach. Sie will als Seelsorgerin „für die Menschen da sein, Segen spenden, Farbe ins Schwarz-Weiß-Denken bringen, den interreligiösen Dialog fördern sowie soziale Stimme in der Gesellschaft sein“, so die neue Direktorin. Nach Wien, Klagenfurt und Innsbruck ist Linz jetzt die vierte Diözese mit einer Frau an der Spitze der Pastoralämter. (KircheIn 08/2017)

     

  • Es wird bis 2021 einen „Durchbruch“ beim gemeinsamen Abendmahl von Protestanten und Katholiken geben. Davon zeigt sich der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber (75), überzeugt. Bis zum ökumenischen Kirchentag 2021 werde es soweit sein, sagte am 12. August der frühere evangelische Bischof von Berlin. Er könne sich den Kirchentag nicht ohne einen solchen Durchbruch vorstellen. Nach Hubers Einschätzung werden die nächsten Schritte in Sachen Eucharistie und Abendmahl „dezentral“ passieren. „Mein Gefühl ist, dass Papst Franziskus die Spielräume einzelner Bischofskonferenzen für ökumenisch relevante Entscheidungen erweitern möchte und diesen Weg für erfolgversprechender ansieht als einen zentralen Weg für die ganze Weltkirche“. (kna u. rv [=de.radiovaticana.va] v.12. 8.)

     

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