Kritik an der Praxis von Bischofsernennungen übt Kardinal Karl Lehmann.

In einem soeben im Verlag Herder erschienenen Interview-Buch zu seinem 80. Geburtstag schreibt Lehmann, in den vergangenen Jahren habe es offensichtlich Listen gegeben, „wo alle Kandidaten, die von den hiesigen Domkapiteln vorgeschlagen wurden, gestrichen wurden und eine ganz neue Liste aus Rom zurückkam“. Wenn dem wirklich so sei, „dann ist das eine schwer erträgliche Missachtung der Kirche im Land“. Es passiere trotz Papst Franziskus leider auch heute noch, dass „unbefugte Leute“ sich einmischten. Im Namen des Rechts müssten „die Seiteneinflüsse, die nicht legitim sind“, zurückgedrängt werden, damit diejenigen zu Wort kämen, die nachher auch mit dem gewählten Kandidaten leben müssten. Wenn gegen einen Kandidaten wirklich etwas vorliege, dann müssten der Nuntius oder Rom mit dem an der Spitze eines Domkapitels stehenden Domdekan oder Dompropst reden. Rom dürfe nicht einfach kommentarlos Namen streichen. Dies zu klären, sei ihm ein dringendes Bedürfnis. Lehmann ermahnte in dem Interview-Buch auch dazu, vor der Wahl oder Ernennung eines neuen Bischofs viel stärker auf die theologische Kompetenz zu schauen und nicht bloß darauf, dass er im formalen Sinne rechtgläubig sei. Ein Bischof müsse eine Offenheit mitbringen, neue Herausforderungen theologisch anzugehen. Und zu den Pfarrzusammenlegungen sagte Kasper: "Diese Riesengemeinden XXL, das ist nicht unser Ding". Leibhaftigkeit, Personalität und Präsenz vor Ort gehörten eigentlich zur katholischen Kirche. Wo Menschen geboren seien, wo sie den Bund fürs Leben geschlossen hätten, wo sie ihre Eltern betrauert hätten, „das ist ein Ort, der kann nicht ersetzt werden". Wenn man es dennoch tue und diesen Lebensraum künstlich erweitere, verliere man ungeheuer viel. Lehmann sieht Anzeichen dafür, dass Papst Franziskus für ein begrenztes Experiment mit verheirateten Priestern eine gewisse Offenheit habe. (www.de.radiovaticana.va u. kna vom 1. 5.; Die Furche vom 4. 5.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Bei einem Besuch in der Kustodie der Franziskaner in Jerusalem dankte Israels Staatspräsident Reuven Rivlin den versammelten Kirchenoberhäuptern für ihren Dienst und äußerte die Hoffnung auf ein weiteres Zusammenleben in Partnerschaft und Frieden. Israel sei allen Religionsgemeinschaften verpflichtet. An dem Treffen nahmen die Oberhäupter der Orthodoxen, der Armenier und der Lateiner im Heiligen Land teil. Die Begegnung des israelischen Staatsoberhaupts mit den Christenführern gehört seit Jahren zu den festen Terminen im Frühjahr. (kap u. vn v. 4. 6.)

     

  • Die Ansprache von Papst Franziskus in Bukarest am 2. Juni vor der Roma-Gemeinschaft in der offiziellen deutschen Übersetzung: „Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag! Ich freue mich, euch zu treffen, und danke euch für eure freundliche Aufnahme. […] Ich trage aber in meinem Herzen eine Last. Es ist die Last der Diskriminierungen, der Absonderungen und der Misshandlungen, die eure Gemeinschaft erlitten hat. Die Geschichte sagt uns, dass auch Christen, Katholiken an diesem großen Leid nicht unbeteiligt sind. Dafür will ich um Vergebung bitten. […] Liebe Brüder und Schwestern, ihr als Volk habt eine Hauptrolle auszufüllen. Ihr müsst keine Angst davor haben, eure besonderen Merkmale, die eure Identität ausmachen und euren Weg prägen und die wir alle so nötig haben, mit uns zu teilen: den Wert des Lebens und der Großfamilie (Vettern und Cousinen, Onkel und Tanten), die Solidarität, die Gastfreundschaft, die Hilfe, Unterstützung und Verteidigung des Schwächsten innerhalb ihrer Gemeinschaften; die Wertschätzung und den Respekt gegenüber den Älteren; die religiöse Bedeutung des Lebens, die Spontaneität und die Lebensfreude. Versagt der Gesellschaft, in der ihr lebt, nicht diese Gaben. […] Und jetzt segne ich euch, aber vorher bitte ich euch um einen großen Gefallen: Betet für mich. Danke!“ (vn v. 2. 6.)

     

  • Die Bedeutung des Besuchs von Papst Franziskus im mehrheitlich orthodoxen Rumänien ist nicht nur für Katholiken, sondern auch für Orthodoxe, ein Schub für die „Ökumene von unten“. Das sagte der orthodoxe Priester Constantin Preda von der Orthodoxen Theologischen Fakultät Bukarest im Gespräch mit Vatican News. Preda nahm an dem Besuch des Papstes in der neuen orthodoxen Kathedrale in Bukarest teil. Er betonte, dass die römisch-katholische Kirche in Italien, Spanien, Deutschland und Frankreich viele Orthodoxe aus Rumänien aufnahm. „Das ist sehr wichtig, denn es gibt eine Ökumene von unten, die dadurch spürbar ist. Das ist eine christliche Solidarität, eine Geschwisterlichkeit, sowie es in der frühen Kirche war. […] Dieser Moment wird historisch bleiben, denn das Treffen und der Besuch von Papst Franziskus in der neuen orthodoxen Kathedrale in Bukarest wird in das historische Gedächtnis dieses Gotteshauses eingehen“, sagte Preda. (vn v. 1. 6.)

     

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