Die Referentinnen und Referenten auf der hochkarätigen Tagung der katholisch-theologischen Privatuniversität Linz sprechen sich für kirchliche Reformen in den Bereichen Ehe, Familie und Sexualmoral aus.

Der Studientag am 18. November stand unter dem Motto "Lebensformen. Zum veränderten Verhältnis von Gott und Liebe im 21. Jahrhundert". Eröffnet wurde der "dies academicus" von der Frankfurter Soziologin Helma Lutz. Sie bestätigte die These, dass die Familie zu einer "Option" unter vielen geworden sei: "Doing Familiy" laute das Stichwort in der Soziologie. Die kirchenrechtlichen Rahmenbedingungen für eine Lockerung der Ehenichtigkeitsverfahren untersuchte in ihrem Vortrag die Regensburger Kirchenrechtlerin Sabine Demel. "So absolut die kirchlichen Aussagen auch klingen, sie sind interpretierbar und entwicklungsfähig". Dabei kam Demel zu dem Schluss, dass die kirchlich festgeschriebene Unauflöslichkeit der Ehe nicht zwingend einer Zulassung zu einer Zweit-Ehe entgegenstehe. Unter gewissen Vorraussetzungen könne die Kirche „die Rechtswirksamkeit der ersten Ehe aufheben und eine zweite Ehe zulassen", so die Kirchenrechtlerin. Nur so könnten Widersprüche überwunden „und die Seelennot vieler zivil geschiedener und wiederverheirateter Menschen gelindert werden". Für eine neue „Kontexualisierung" der kirchlichen Ehelehre plädierte der Grazer Pastoraltheologe Rainer Bucher. Die Kirche müsse neu ausloten, wie sie Menschen in allen heutigen Lebensformen Hilfe anbieten könne. Ein Hemmnis seien kirchlicherseits u.a. bestehende Überhöhungen der rechtlichen Fragen sowie eine noch nicht beendete theologische Debatte in der Sakramententheologie. Dabei dränge die Zeit, dass die Kirche als „Zeichen und Werkzeug des Heils" allen Menschen entgegenkomme. Der Freiburger Moraltheologe Eberhard Schockenhoff beleuchtete die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse für eine kirchliche Kehrtwende im Umgang mit homosexuellen Menschen: „Die Kirche kann nur dann ihren Standpunkt glaubwürdig vertreten, wenn sie zuvor ganz klar gemacht hat, dass sie homosexuelle Menschen so schätzt, wie sie sind. Die Kirche hat diese Grundhaltung noch lange nicht ausgeschöpft." (Kathweb/KAP v. 19. 11.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Ein Fernsehsender der Vereinigten Arabischen Emirate (VAR) zeigt den Dokumentarfilm „Der Besuch des Friedens“ über den Papstbesuch im Februar 2019. Er behandelt die Vorbereitungen, Begegnungen und Auswirkungen, die der Papstbesuch auf die Bevölkerung in den Arabischen Emiraten hatte. Das Filmprojekt reiht sich ein in weitere Initiativen rund um das ausgerufene „Jahr der Toleranz“. Ein Teil der Doku fokussiert sich auf den Aufenthalt des Papstes in Abu Dhabi inklusive des Treffens mit Großimam Achmed al-Tayyeb und der Unterzeichnung des „Dokuments über die Brüderlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt“. Die Großmesse des Papstes vor rund 100.000 Menschen im Zayed Sports City Stadion ist auch Inhalt des Films. Zusätzlich zu den Worten des Papstes enthält die Dokumentation Beiträge und Interviews mit Bürgern und Regierungsbeamten, die ihre Ansichten über den Wert des Besuchs und seine Bedeutung für die Emirate im Rahmen des „Jahres der Toleranz“ zum Ausdruck bringen. (asianews u. vn v. 5. 9.)

     

  • Der aus Deutschland stammende Bischof des brasilianischen Amazonas-Bistums Obidos, Johannes Bahlmann, kann sich verheiratete Männer als Priester vorstellen. In seiner rund 182.000m² großen Diözese gebe es Gemeinden, die „nur zwei- oder dreimal im Jahr die Messe feiern können", sagte er der Wochenzeitung „Kirche & Leben". Es sei aber wichtig, dass es Priester vor Ort gebe. Ihr Dienst beschränke sich nicht auf die Feier der Eucharistie, sondern umfasse auch Nächstenliebe und Glaubensstärkung. Bei der Amazonas-Synode im Oktober in Rom müsse auch über Gemeindeleitung durch Nicht-Priester gesprochen werden. In seinem Bistum habe er gute Erfahrungen damit gemacht. Dort leiteten zu 80 Prozent Frauen Gemeinden mit bis zu 3.000 Gläubigen. Jede Pfarrei bestehe aus rund 150 Gemeinden. Da sei es „unmöglich, dass der Priester in jeder Gemeinde Verantwortung übernimmt". Bahlmann nimmt an der von Papst Franziskus einberufenen Amazonas-Synode vom 6. bis 27. Oktober teil. (kna u. vn v. 4. 9.; JA v. 15. 9.)

     

  • Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. hat die Bedeutung der kulturellen und akademischen Austauschprogramme zwischen dem Moskauer Patriarchat und dem Vatikan gewürdigt. Kyrill empfing am 28. August die Teilnehmer des 5. Sommerkurses für römisch-katholische Priester und Ordensleute. Sie waren Gäste des von Metropolit Hilarion (Alfejew) geleiteten Theologischen Kyrill-Method-Instituts. Die Mitglieder der vatikanischen Delegation besuchten u. a. das Nowospasskij-Kloster und die Synodalabteilung für die Beziehungen der Kirche zur Gesellschaft und zu den Medien, die von Wladimir Legojda, geleitet wird. Man setzt besonders auf eine Zusammenarbeit im Bereich der Caritas-Arbeit, weil dies der beste Weg für die Kirchen ist, einander näher zu kommen. (kap u. vn. v. 1. 9.)

     

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