Einen jahrhunderte langen Streit um ein zentrales Glaubensthema haben die anglikanischen und orientalisch-orthodoxen Kirchen beigelegt:

Eine gemeinsame Erklärung zur Christologie, die diese Woche bei einem Treffen der Kirchenführer und hochrangiger Theologen in Wales verfasst wurde, hält eine Übereinstimmung hinsichtlich der Frage der Menschwerdung Christi fest. Fortschritte habe die internationale anglikanisch-orientalisch-orthodoxe Kommission (AOOIC) zudem bei Streitfragen rund um den Heiligen Geist gemacht worden, geht aus einem Bericht der Nachrichtenagentur „Anglican Communion News Service" vom 9. Oktober hervor. Die Ursache des Schismas zwischen den beiden Kirchenfamilien nach dem  Konzil von Chalcedon (451) könne nun geheilt werden, gab der koptische Metropolit und Co-Kommissionsvorsitzende H. E. Bishoy bekannt. Die spätantike Bischofsversammlung hatte einst das Verhältnis zwischen göttlicher und menschlicher Natur in Jesus Christus festgelegt, der "unvermischt und ungetrennt" wahrer Gott und wahrer Mensch zugleich sei und die Dreifaltigkeit zum Dogma erhob. Die altorientalischen Kirchen hatten sich davon distanziert, da sie darin eine Rückkehr zur Irrlehre des Nestorianismus sahen. Der Dialog mit den Anglikanern und den Orientalischen Orthodoxen im Rahmen einer eigenen Kommission wurde 2001 gestartet. Das nächste Treffen ist für Ende Oktober 2016 im Libanon anberaumt und soll die Verständigung über den Heiligen Geist weiterführen. Aufgrund der derzeitigen Migrationsbewegungen seien die Kirchen nun direkte Nachbarn, erklärte der syrisch-orthodoxe Metropolit der Niederlande, Polycarp Augin Aydin: „Wir müssen deshalb in Dialog treten, voneinander lernen und unsere Schätze teilen", so der Metropolit. Die Welt brauche heute das Zusammenstehen der christlichen Kirchenführer, betonte der Bischof Angaelos von der koptisch-orthodoxen Kirche in Großbritannien: „Am Tisch der Kommission sitzen Armenier, die sich an den armenischen Genozids erinnern, Syrier und Iraker, deren Länder vom Krieg zerstört und deren Leute vertrieben sind, Kopten, die 21 ihrer Männer in jenem schrecklichen Märtyrertum in Libyen verloren haben, Äthiopier, denen es in Libyen ebenso ergeht". (Kathweb/KAP vom 9. 10.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Die römisch-katholischen Bischöfe Indiens sind solidarisch mit den indischen Protestanten: Die Bischofskonferenz Indiens hat Hass gegen alle gesellschaftlichen Gruppen sowie Gewalt gegen Gotteshäuser verurteilt. Jene, die solche Taten verübten, seien „Feinde der Nation", hieß es in einem am 7. Oktober auf Twitter verbreiteten Statement der Bischofskonferenz. Damit reagierten die Bischöfe auf einen Angriff auf die protestantische St. Thomas Kirche in der nordindischen Stadt Varanasi. Am 2. Oktober waren laut indischen Medienberichten 60 Männer in die Kirche eingedrungen, hatten dort randaliert und Gläubige bedroht. Peter Baldev, Bischof der Church of North India (CNI), forderte in einem Brief an Ministerpräsident Narendra Modi sofortige Maßnahmen gegen die Täter. In der CNI sind Anglikaner, Methodisten und Presbyterianer vertreten. (kna u. vn v. 7. 10.)

     

  • Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf fordert eine Abänderung des Kirchen-Strafrechts , weil Missbrauch ein Verbrechen darstelle und es deshalb falsch sei, dies nur als „sexuelles Vergehen“ abzutun. In zu vielen Missbrauchsfällen hätten die zu Tätern gewordenen Priester ihre Taten verbal religiös verbrämt, argumentiert der Bischof im Gespräch mit der Zeitung Mainzer Allgemeine/Wiesbadner Kurier. Die Sanktionen für Missbrauch durch Kleriker seien oft viel zu milde. „Die Weltkirche ist gefragt, wir müssen den Katalog der Kirchenstrafen überdenken, und wir brauchen zudem einheitliche Standards“, so Bischof Kohlgraf. Die bundesweite Studie über sexuellen Missbrauch römisch-katholischer Kleriker an Kindern und Jugendlichen dokumentiert 3.677 Opfer und 1.670 Täter. Die Dunkelziffer sei wesentlich höher, stellten die ausführenden Wissenschaftler fest. Bischof Peter Kohlgraf hatte bereits vor einigen Tage vorgeschlagen, die Abschaffung des Zölibats anzudenken. (vn v. 1. 10.)

     

  • Wird es irgendwann eine wirkliche ökumenische Synode geben, also mit nicht-katholischen Synodenvätern aus anderen christlichen Kirchen und Gemeinschaften, die mit Stimmrecht ausgestattet vom Papst zusammengerufen werden? Auf dem Papier ist eine solche Synode neuerdings möglich, seit Franziskus im September die Regeln geändert hat. Der im Vatikan für Ökumene zuständige Kurienkardinal Kurt Koch sagt darüber zu „Vatican News“: „Ich weiß nicht, wie der Heilige Vater eine solche ökumenische Synode genau sieht, aber es wäre natürlich gerade hinsichtlich der Fragen, die uns alle beschäftigen, die alle christlichen Kirchen beschäftigen, auch ein faszinierendes Experiment, einmal so zusammenzukommen und gemeinsam zu beraten: Wie können wir angesichts der zentralen Herausforderungen heute gemeinsame Wege suchen? […] Und gerade bei Fragen, die ja alle christlichen Kirchen beschäftigen und wo es dringend notwendig ist, dass wir eine gemeinsame Stimme finden, wäre das eine gute Chance. […] Eine gemeinsame christliche Anthropologie wiederzufinden und gemeinsam zu bezeugen, halte ich für eine zentrale Herausforderung.“ (vn [=Vatican News] v. 10. 10.)

     

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