Innerkirchliche Reformansätze: (Frauen, Zölibat, wiederverheiratet Geschiedenene, Moral…)

Papst Franziskus gründet die versprochene Kommission zur wissenschaftlichen Untersuchung des Diakonats der Frau und beruft Frau Dr. Marianne Schlosser, Professorin für Theologie der Spiritualität an der Universität Wien, in die zwölfköpfige Kommission: Geleitet wird sie vom Sekretär der Glaubenskongregation, Erzbischof Luis Francisco Ladaria Ferrer SJ. Aus dem deutschsprachigen Raum sind die Professorin Schlosser und der emeritierte Dogmatik-Professor Karl-Heinz Menke von der Universität Bonn vertreten, die beide auch der Internationalen Theologischen Kommission der Glaubenskongregation angehören. Insgesamt ist die 12-köpfige Kommission zur Hälfte mit Frauen besetzt, unter ihnen die italienische Franziskanerin Mary Melone, erste Rektorin einer Päpstlichen Universität in Rom, sowie die US-amerikanische Dozentin Phyllis Zagano, die sich mit dem Thema Frauendiakonat gründlich befasste. (www.de.radiovaticana.va vom 2. 8. u. viele Medien)

 

 

"Wenn Franziskus will, wären Kardinälinnen möglich" sagt der deutsche emeritierte Dogmatiker Karl-Heinz Menke, der zur Kommission gehört, die den Papst beim Thema Diakonissen berät in einem Interview mit der Internetausgabe der Zeitung „Die Welt“ vom 4. August. Auf die Frage, welche neuen Aufgaben Frauen in der Kirche übernehmen könnten, sagte Menke: „Die Spendung der feierlichen Taufe etwa (eine Nottaufe ist sogar durch Nichtchristen und selbstverständlich durch Frauen möglich) und eine Assistenz bei Beerdigung und Trauung sind bisher nicht notwendig, sondern nur faktisch an die Empfänger des Weihesakraments gebunden. Wenn der Papst will, kann er diese Funktionen auch einer zukünftigen Diakonisse übertragen. Das Kirchenrecht müsste entsprechend vom Papst geändert werden. Dogmatisch betrachtet steht dem nichts im Wege. Wenn der Papst will, kann er zum Beispiel bestimmen, dass das Kardinalat (verbunden mit dem Recht, den Papst zu wählen) nicht mehr nur Empfängern des Weihesakraments und also Männern, sondern auch Frauen übertragen wird.“ (www.welt.de vom 4. 8.)

 

Der Papst besuchte die Frauen der römisch-katholischen Gemeinschaft „Johannes XXIII.“ von Don Oreste Benzi, die von der Zwangsprostitution befreit wurden. An allen Frauen (aus Rumänien, Albanien, Nigeria, Tunesien, Italien und der Ukraine) wurde Gewalt ausgeübt und sie leben nun auch polizeilich geschützt in der Gemeinschaft im Norden Roms. „Es war eine große Überraschung, vor allem für die jungen Frauen, die so sehr unter Zwangsprostitution gelitten haben.“ Das sagt der geistliche Verantwortliche des Frauenhauses, Don Aldo Bonaiuto, am 12. August. „Der Papst ist extra zu ihnen gekommen, um sie zu sehen und ihre Geschichten anzuhören. Es waren wirklich ungewöhnliche Momente des Weinens, aber auch des Trostes durch die Umarmung des Heiligen Vaters. Der Papst hat sehr schöne Worte gesagt, aber auch ganz schön kräftige: Er hat im Namen aller Christen um Vergebung gebeten für die Gewalt und all das Böse, das diese jungen Frauen haben erleiden müssen. Franziskus hielt sich etwas über eine Stunde in dem Frauenhaus auf. Der Päpstliche Rat für Neuevangelisierung, der das Heilige Jahr der Barmherzigkeit organisatorisch begleitet, bezeichnete den Papstbesuch bei den Ex-Prostituierten als „Ruf an die Gewissen, Menschenhandel zu bekämpfen“. Papst Franziskus hat Menschenhandel und Zwangsprostitution immer wieder kritisiert und zu einem „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ erklärt. (www.de.radiovaticana.va v. 12. u. 13. 8.; JA v. 28. 8.; KircheIn 09/2016)

 

Papst Franziskus richtet im Vatikan eine neue Behörde für Gerechtigkeit, Entwicklung, Migration und Frieden ein. Dieses „Dikasterium für den Dienst zugunsten der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen“ – so der offizielle Titel – ist für ein Bündel an Menschenrechts- und sozialen Fragen zuständig: Migration, Umwelt, Armut, Kranke und Ausgeschlossene, Gefangene, Arbeitslose, Opfer von Kriegen und Naturkatastrophen, von Sklaverei, Menschenhandel und Folter sowie Gerechtigkeit und Frieden. Die neue Behörde nimmt am 1. Januar 2017 ihre Tätigkeit auf. Zu ihrem Präfekten ernannte Franziskus den aus Ghana stammenden Kurienkardinal Peter Kodwo Appiah Turkson, der bisher als Präsident des päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden wirkte. Folgende bisherige Räte gehen in dem neuen Dikasterium auf: die Räte für Gerechtigkeit und Frieden, für die Pastoral im Krankendienst, für die Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs sowie der Caritas-Rat „Cor Unum“. Ausdrücklich schreiben die Statuten vor, dass die Mitarbeiter und die Berater aus verschiedenen Kontinenten kommen müssen, „damit sie den universalen Charakter der Kirche spiegeln“. (www.de.radiovaticana.va v. 31. 8.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Ein Fernsehsender der Vereinigten Arabischen Emirate (VAR) zeigt den Dokumentarfilm „Der Besuch des Friedens“ über den Papstbesuch im Februar 2019. Er behandelt die Vorbereitungen, Begegnungen und Auswirkungen, die der Papstbesuch auf die Bevölkerung in den Arabischen Emiraten hatte. Das Filmprojekt reiht sich ein in weitere Initiativen rund um das ausgerufene „Jahr der Toleranz“. Ein Teil der Doku fokussiert sich auf den Aufenthalt des Papstes in Abu Dhabi inklusive des Treffens mit Großimam Achmed al-Tayyeb und der Unterzeichnung des „Dokuments über die Brüderlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt“. Die Großmesse des Papstes vor rund 100.000 Menschen im Zayed Sports City Stadion ist auch Inhalt des Films. Zusätzlich zu den Worten des Papstes enthält die Dokumentation Beiträge und Interviews mit Bürgern und Regierungsbeamten, die ihre Ansichten über den Wert des Besuchs und seine Bedeutung für die Emirate im Rahmen des „Jahres der Toleranz“ zum Ausdruck bringen. (asianews u. vn v. 5. 9.)

     

  • Der aus Deutschland stammende Bischof des brasilianischen Amazonas-Bistums Obidos, Johannes Bahlmann, kann sich verheiratete Männer als Priester vorstellen. In seiner rund 182.000m² großen Diözese gebe es Gemeinden, die „nur zwei- oder dreimal im Jahr die Messe feiern können", sagte er der Wochenzeitung „Kirche & Leben". Es sei aber wichtig, dass es Priester vor Ort gebe. Ihr Dienst beschränke sich nicht auf die Feier der Eucharistie, sondern umfasse auch Nächstenliebe und Glaubensstärkung. Bei der Amazonas-Synode im Oktober in Rom müsse auch über Gemeindeleitung durch Nicht-Priester gesprochen werden. In seinem Bistum habe er gute Erfahrungen damit gemacht. Dort leiteten zu 80 Prozent Frauen Gemeinden mit bis zu 3.000 Gläubigen. Jede Pfarrei bestehe aus rund 150 Gemeinden. Da sei es „unmöglich, dass der Priester in jeder Gemeinde Verantwortung übernimmt". Bahlmann nimmt an der von Papst Franziskus einberufenen Amazonas-Synode vom 6. bis 27. Oktober teil. (kna u. vn v. 4. 9.; JA v. 15. 9.)

     

  • Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. hat die Bedeutung der kulturellen und akademischen Austauschprogramme zwischen dem Moskauer Patriarchat und dem Vatikan gewürdigt. Kyrill empfing am 28. August die Teilnehmer des 5. Sommerkurses für römisch-katholische Priester und Ordensleute. Sie waren Gäste des von Metropolit Hilarion (Alfejew) geleiteten Theologischen Kyrill-Method-Instituts. Die Mitglieder der vatikanischen Delegation besuchten u. a. das Nowospasskij-Kloster und die Synodalabteilung für die Beziehungen der Kirche zur Gesellschaft und zu den Medien, die von Wladimir Legojda, geleitet wird. Man setzt besonders auf eine Zusammenarbeit im Bereich der Caritas-Arbeit, weil dies der beste Weg für die Kirchen ist, einander näher zu kommen. (kap u. vn. v. 1. 9.)

     

Artikelempfehlungen

„Angesichts des Übels und der Probleme der Kirche ist es sinnlos, Lösungen im Konservativismus und im Fundamentalismus...
Die Generalsynode nahm den Vorschlag am 11. April in Trondheim mit 88 von 115 Stimmen an. Geplant sei eine eigene...
„Es ist die Zeit für die Kirche, den Sinn des Auftrags wieder neu zu entdecken, den der Herr ihr am Ostertag anvertraut...