Papst Franziskus fordert eine synodale Kirche auf allen Ebenen.

Auf dem Festakt zum 50-jährigen Bestehen der Welt-Bischofssynode am 17. 10. sprach er sich in einer programmatischen Rede für eine Aufwertung der synodalen Strukturen aus. Die Rede wurde in manchen italienischen Medien (etwa „La Stampa“) als „Wende“ für die Kirche bezeichnet. Kardinal Reinhard Marx sprach von einer „historischen Rede“, der Österreichische Rundfunk von einer „programmatischen Rede“, der Haus- und Hofvatikanist des Papstes, Andrea Tornielli, von einer „Wende“ für die Kirche und die Zeitung „Il Giornale“ sogar von einem „doktrinellen Erdbeben“. Vor den 270 versammelten Bischöfen forderte er eine Aufwertung der synodalen Strukturen der Kirche, sprach sich für ein Überdenken des Papstprimats aus und plädierte für eine Dezentralisierung der Kirche, die Bistümern und Bischofskonferenzen neue Rollen gibt. Das dritte Jahrtausend erfordere eine synodale Kirche. „Kirche und Synode sind Synonyme“, stellte er klar. In einer synodalen Kirche müsse der Papst die Ortsbischöfe nicht bei allen Entscheidungen ersetzen. Notwendig sei eine „heilsame Dezentralisierung“. Auf gesamtkirchlicher Ebene sei schließlich die Bischofssynode das Instrument der Kollegialität. Diese tage und handle immer mit und unter dem Papst als Garanten der Einheit. Eine stärkere Synodalität hat auch Auswirkungen auf das Verhältnis zu den Kirchen des Ostens und den reformatorische Gemeinschaften, die ihrerseits stark synodal strukturiert sind. Der Primat des Papstes erscheint so in ganz neuem Licht. Franziskus betont, dass der Papst nicht allein über der Kirche stehe, dass er ein Getaufter unter Getauften und als Bischof und Bischöfen sei. Er scheint nun nicht nur bei der aktuellen Synode noch einen Schritt weiter gehen zu wollen, indem er mit der Kollegialität und der Bereitschaft zum Konflikt sowie mit dem „Hören auf das Gottesvolk“ ernst macht – etwa durch die Umfragen im Vorfeld der Synode. (www.katholisches vom 19. 10.; religion.ORF.at/KAP vom 17. 10.; Die Furche vom 22. 10.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Die römisch-katholischen Bischöfe Indiens sind solidarisch mit den indischen Protestanten: Die Bischofskonferenz Indiens hat Hass gegen alle gesellschaftlichen Gruppen sowie Gewalt gegen Gotteshäuser verurteilt. Jene, die solche Taten verübten, seien „Feinde der Nation", hieß es in einem am 7. Oktober auf Twitter verbreiteten Statement der Bischofskonferenz. Damit reagierten die Bischöfe auf einen Angriff auf die protestantische St. Thomas Kirche in der nordindischen Stadt Varanasi. Am 2. Oktober waren laut indischen Medienberichten 60 Männer in die Kirche eingedrungen, hatten dort randaliert und Gläubige bedroht. Peter Baldev, Bischof der Church of North India (CNI), forderte in einem Brief an Ministerpräsident Narendra Modi sofortige Maßnahmen gegen die Täter. In der CNI sind Anglikaner, Methodisten und Presbyterianer vertreten. (kna u. vn v. 7. 10.)

     

  • Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf fordert eine Abänderung des Kirchen-Strafrechts , weil Missbrauch ein Verbrechen darstelle und es deshalb falsch sei, dies nur als „sexuelles Vergehen“ abzutun. In zu vielen Missbrauchsfällen hätten die zu Tätern gewordenen Priester ihre Taten verbal religiös verbrämt, argumentiert der Bischof im Gespräch mit der Zeitung Mainzer Allgemeine/Wiesbadner Kurier. Die Sanktionen für Missbrauch durch Kleriker seien oft viel zu milde. „Die Weltkirche ist gefragt, wir müssen den Katalog der Kirchenstrafen überdenken, und wir brauchen zudem einheitliche Standards“, so Bischof Kohlgraf. Die bundesweite Studie über sexuellen Missbrauch römisch-katholischer Kleriker an Kindern und Jugendlichen dokumentiert 3.677 Opfer und 1.670 Täter. Die Dunkelziffer sei wesentlich höher, stellten die ausführenden Wissenschaftler fest. Bischof Peter Kohlgraf hatte bereits vor einigen Tage vorgeschlagen, die Abschaffung des Zölibats anzudenken. (vn v. 1. 10.)

     

  • Wird es irgendwann eine wirkliche ökumenische Synode geben, also mit nicht-katholischen Synodenvätern aus anderen christlichen Kirchen und Gemeinschaften, die mit Stimmrecht ausgestattet vom Papst zusammengerufen werden? Auf dem Papier ist eine solche Synode neuerdings möglich, seit Franziskus im September die Regeln geändert hat. Der im Vatikan für Ökumene zuständige Kurienkardinal Kurt Koch sagt darüber zu „Vatican News“: „Ich weiß nicht, wie der Heilige Vater eine solche ökumenische Synode genau sieht, aber es wäre natürlich gerade hinsichtlich der Fragen, die uns alle beschäftigen, die alle christlichen Kirchen beschäftigen, auch ein faszinierendes Experiment, einmal so zusammenzukommen und gemeinsam zu beraten: Wie können wir angesichts der zentralen Herausforderungen heute gemeinsame Wege suchen? […] Und gerade bei Fragen, die ja alle christlichen Kirchen beschäftigen und wo es dringend notwendig ist, dass wir eine gemeinsame Stimme finden, wäre das eine gute Chance. […] Eine gemeinsame christliche Anthropologie wiederzufinden und gemeinsam zu bezeugen, halte ich für eine zentrale Herausforderung.“ (vn [=Vatican News] v. 10. 10.)

     

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