Der Papst hat Katholiken und Lutheraner am 18. Jänner zu einer intensiveren Zusammenarbeit und zur Vertiefung des Dialogs aufgerufen.

In Lund (Schweden) wird im Herbst ein zentraler Schritt in Richtung Annährung gesetzt. In einer von Konflikten zerrissenen und von Säkularismus und Gleichgültigkeit geprägten Welt müssten die Christen gemeinsam „glaubwürdige Zeugen der Einheit und Baumeister von Frieden und Versöhnung sein“, sagte Papst Franziskus in Rom vor einer hochrangigen ökumenischen Delegation aus Finnland. Die gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre nannte der Papst eine gute „Grundlage“, um jetzt „in sakramentaler Hinsicht eine gemeinsame Interpretation von Kirche, Eucharistie und kirchlichem Amt“ zu finden. Einige Differenzen in der Lehre und der Praxis dürfen „ uns allerdings nicht entmutigen; eher sollte es uns anspornen, den Weg zu einer immer größeren Einheit gemeinsam fortzusetzen und dabei auch alte Vorstellungen und Einwände zu überwinden“, so Franziskus. Anlass der Audienz war das Fest des finnischen Missionars und Märtyrers Henrik (Bischof Heinrich von Uppsala, gestorben 1155/56). Seit 30 Jahren pilgert zu diesem Tag eine ökumenische Delegation der lutherischen Kirche Finnlands nach Rom, zu der stets auch Katholiken und Orthodoxe gehören. Die Gruppe wurde von Bischöfin Irja Askola angeführt. Sie ist die erste Frau an der Spitze der evangelisch-lutherischen Kirche Finnlands. Der Präsident des vatikanischen Ökumenerats, Kardinal Kurt Koch, sieht den im Oktober 2016 geplanten gemeinsamen Gottesdienst der Katholiken und Lutheraner in Lund als zentrales kirchenverbindendes Ereignis des Reformationsjubiläums 2016/17. „Hier haben wir die schöne Idee, dass die Lutheraner von Anfang an gesagt haben, dass nicht sie die Katholiken einladen, sondern dass Lutheraner und Katholiken gemeinsam die Anderen einladen. So hoffe ich, dass dieses Ereignis in Lund die Einheit zwischen Lutheranern und Katholiken vertieft und ein guter Schritt ist auf dem Weg zur vollen Einheit“, sagte Koch am 17. Jänner in einem Interview mit Radio Vatikan. (religion.ORF.at und KAP vom 18. 1.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Das deutsche Bundesinnenministerium will stärker gegen eine ausländische Einflussnahme auf in der Bundesrepublik lebende Muslime vorgehen, kündigte Staatssekretär Markus Kerber an. In einem Interview des „Tagesspiegels“ am 3. September sagte er, „wir haben viel zu lange dabei zugesehen, wie Kräfte aus dem Ausland den deutschen Muslimen vorschreiben, wie sie ihre Religion zu leben haben. […] Wir wollen für die deutschen Muslime mehr Gesprächsformate schaffen. Auch der Minister wird die deutschen Muslime offensiv ermuntern, die Debatte um einen deutschen Islam zu führen. […] Wir wollen helfen, dass Muslime in Deutschland ihre eigene Religiosität finden. Das wird Ankara womöglich nicht gefallen und zu Konflikten führen. Aber das werden wir aushalten.“ Kerber sagte weiter, er sei „begeistert“, wie groß die Zahl der „sachkundigen muslimischen Gesprächspartner“ in der Zwischenzeit geworden sei. Sie nähmen für sich in Anspruch, „ihre deutsche Heimat“ mitzugestalten. Dabei wolle er sie unterstützen. (kna u. vn v. 3. 9.)

     

  • Für eine offene und vielfältige Kirche hat sich der der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Erzbischof von München-Freising, Kardinal Marx, ausgesprochen. „Wir können keine Kirche sein, die uniform ist, sondern wir müssen eine Kirche sein, die die Vielfalt annimmt, liebt und im Glauben gestaltet“, schrieb Marx in einem Gastbeitrag für die Freiburger Zeitschrift „Christ in der Gegenwart“. Kirche sei niemals Selbstzweck. Der christliche Glaube sei „in der Gemeinschaft ausgerichtet auf die ganze Welt“. Im Blick auf Säkularisierungstendenzen seien Christen heute besonders gefordert, ihren Glauben öffentlich zu leben und damit andere zum Christentum einzuladen, erklärte er. (kna u. vn v. 6. 9.)

     

  • Der syrisch-orthodoxe Patriarch Mor Ignatius Aphrem II. hat die Schweiz gebeten, bei den Bemühungen um die Freilassung der beiden vor fünf Jahren entführten Aleppiner Metropoliten Mor Gregorius Youhana Ibrahim und Boulos Yazigi eine führende Rolle einzunehmen. Die beiden Metropoliten werden möglicherweise in der Provinz Idlib, dem letzten unter der Kontrolle der islamistischen Milizen stehenden Gebiet Syriens, festgehalten. An dem Treffen nahmen alle im Libanon residierenden christlichen Patriarchen teil: der maronitische Kardinal-Patriarch Mor Bechara Boutros Rai, der griechisch-orthodoxe Patriarch Youhanna X., der syrisch-katholische Patriarch Mor Ignatius Yousef III. Younan, der griechisch-katholische Patriarch Yousef Absí und der armenmisch-apostolische Katholikos von Kilikien, Aram I. Auch der Apostolische Nuntius im Libanon, Erzbischof Joseph Spiteri, war anwesend. Bei der Begegnung wurden die guten Beziehungen zwischen dem Libanon und der Schweiz betont. (kap u. vn v. 1. 9.)

     

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