Das Kirchenvolk geht voraus – der Papst folgt langsam

Presseaussendung von “Wir sind Kirche” zum neuen Motu proprio des Papstes

 

Innsbruck, 15. Jänner 2021

 

Die Plattform “Wir sind Kirche” begrüßt das neue Schreiben von Papst Franziskus, mit dem er Frauen als Lektorinnen und Akolythinnen offiziell anerkennt. “Und sie bewegt sich doch” – wenn auch langsam und in kleinen Schritten. Mit diesem Schreiben ist nun geklärt, dass Frauen diese Handlungen nicht verwehrt werden dürfen.  Seit über 50 Jahren haben Frauen dies alles bereits getan – sofern es ihr Pfarrer erlaubte und sozusagen „unter der Hand“. Das macht deutlich, dass die wirklichen Veränderungen in der Kirche vom Kirchenvolk ausgehen und nicht von der Kurie im Vatikan.

 

Es zeigt weiterhin, dass auch das Kirchenrecht sehr wohl veränderbar ist – das „Motu proprio“ mit dem Titel „Spiritus Domini“ (Der Geist des Herrn) ändert den ersten Paragrafen von Kanon 230 im Kodex des Kirchenrechts. Es wurde nur ein Wort gestrichen (nämlich “männliche” vor dem Wort “Laien”).

 

Dasselbe wäre auch für § 1024 sinnvoll: "Die heilige Weihe empfängt gültig nur ein getaufter Mann". (CIC can. 1024). So einfach könnte es sein: man bräuchte nur das Wort „Mann“ zu ersetzen durch „Christ/Christin“.

Der Papst begründet die Änderung so: „In diesen vergangenen Jahren hat es eine Weiterentwicklung in der kirchlichen Lehre gegeben. Dabei wurde deutlich, dass bestimmte Ämter, die die Kirche eingerichtet hat, die Taufe und das königliche Priestertum, das jeder Christ im Taufsakrament empfängt, zur Basis haben.“

Somit ist dieses Schreiben als Fortschritt zu bewerten. Das Wichtigste und Erfreulichste daran ist, dass es zeigt, dass kirchliche Lehre weiterentwickelt und demgemäß auch das Kirchenrecht in wesentlichen Punkten verbessert werden kann und muss. Die aktuelle Lage ist für Frauen nach wie vor unbefriedigend:

Sie dürfen aufgrund ihres Geschlechts im Rahmen der Eucharistiefeier weiterhin (offiziell) nicht: das Evangelium lesen, predigen und der Eucharistie vorstehen – und sind ganz generell in der Kirche weiterhin von vielen Funktionen und Entscheidungen ausgeschlossen.

Jahrhundertelang wurden Frauen von den kirchlichen Führern als zweitrangig behandelt. Die volle Gleichwertigkeit wird bis heute nicht anerkannt. Dafür wäre eigentlich auch eine Entschuldigung von höchster Kirchenstelle angebracht.

 

Für die Plattform „Wir sind Kirche“-Österreich:

Dr. Martha Heizer, martha@heizer.at, 0650 4168500

Dr. Harald Prinz, harald.prinz@dioezese-linz.at, 0676-87765889

 

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