Dokumente und Schriften der Plattform "Wir sind Kirche"

Übersicht über die von der Plattform "Wir sind Kirche" herausgegebenen Schriften, die im Buchhandel leider alle bereits vergriffen sind.

Noch im Buchhandel erhältliche Titel, wie z.B. "Mitbestimmung und Menschenrechte" finden Sie bei den Buchtipps.

 

Außerdem besitzt "Wir sind Kirche" noch Restbestände folgender Herdenbriefe:

  • Liebe - Eros - Sexualität, 1. Herdenbrief 1996, 256 Seiten
  • FRAUEN SCHENKEN DER KIRCHE LEBEN, Frauen-Herdenbrief 1999, 385 Seiten
  • ZÖLIBAT – SO NICHT! Gottes amputierte Liebe, 4. Herdenbrief, 255 Seiten
  • Für ein LEBEN IN FÜLLE - Frohbotsschaft statt Drohbotschaft, 5. Herdenbrief, 112 Seiten

 

Diese können zum Preis von je 10.-€ plus Versandkosten bei Frau Mag.Petra Schäffer, Siedlung Neugebäude, Weg 6/124, 1110 Wien, oder per mail an petra.schaeffer@aon.at, bestellt werden.

 

OHNE BEGEHREN STIRBT DIE LIEBE

 

Diese Broschüre bemüht sich um eine nüchterne, sachlich theologische Argumentation. Ausgehend von der Überzeugung, dass gute Gründe für die Anliegen des "Kirchenvolks-Begehrens" sprechen, möchte die Plattform "Wir sind Kirche" die Inhalte der fünf Anliegen einsehbar machen.
Der Text versteht sich als Einladung zur Auseinandersetzung. Im Mittelpunkt steht die Liebe zur Kirche und die Sorge um ihre Glaubwürdigkeit.

 

GEBT DEN DIALOG NICHT AUF!

 

Vom 23.-26.10.1998, hatten die Bischöfe Österreichs im Rahmen des “Dialogs für Österreich” ihre Delegierten zur Delegiertenversammlung nach Salzburg ein­geladen. Die von dieser Versammlung abgestimmten Voten haben breite Zustimmung gefunden. Viele Christinnen und Christen erkannten in den Voten das offene Gesicht einer Kirche, die unsere Welt versteht und ihr mit der Botschaft Jesu zu begegnen vermag. Doch schon bald musste der/die interessierte BetrachterIn der Ereignisse in der Katholi­schen Kirche Österreichs den Eindruck gewinnen, dass wieder der Alltag eingekehrt ist. Nach der ablehnenden Haltung des Vatikans zu einigen Voten herrscht unter den Katholi­kenInnen derzeit eine eher pessimistische Zukunftsperspektive für den “Dialog für Öster­reich”, obwohl sich einige optimistische Tendenzen erkennen lassen, wie z.B. der “Dialog für das Burgenland”, die Arbeitsgruppen “Sonn- und Feiertag im Kontext der gesellschaft­lichen Entwicklung”, “Frauen” und “Bischof sein heute”.

Dieses Buch soll ein Arbeits- und Diskussionspapier für eine aktive Auseinandersetzung mit den einzelnen Themen und Voten sein. Es soll dazu dienen, Denkanstöße zur Um­setzung der Voten der Delegiertenversammlung Österreichs in Verkündigung und Praxis anzubieten. Der Hinweis auf mögliche AnsprechpartnerInnen soll den Zusammenschluss von Interessierten erleichtern, damit den Themen möglichst breite Bekanntheit und Um­setzung in die Praxis verschafft werden kann.

Diese Handreichung bietet keine vollstän­dige Auflistung der Möglichkeiten, wie die Voten des “Dialogs für Österreich” verwirklicht werden könnten. Es soll vielmehr eine Anregung gegeben werden, sich aktiver mit den Inhalten des “Dialogs für Österreich” und deren praktischer Umsetzung auseinander zu setzen. Vor allem Pfarren (Pfarrgemeinderäte), Gesprächskreise, Familien­runden usw. laden wir ein, die Ergebnisse des “Dialogs für Österreich” zu studieren, mit ihren eigenen Erfahrungen zu vergleichen und in ihrer künftigen Arbeit zu berücksichtigen.

 Autorenteam:

A. Univ. Prof. Dr. Thomas J. Luger,
Mag. Gotlind Hammerer,
Mag. Walter Sporer

 

LASST DIE ERDE AUSRUHEN, Giovanni Franzoni

 

Zum Jubiläumsjahr 2000: Lasst die Erde ausruhen

 

Der Einsatz für das "Kirchenvolks-Begehren" hat für viele von uns einen großen Aufwand an Zeit, Schweiß und, ja, auch Ärger mit sich gebracht. Aber es war auch viel anderes zu erleben, das uns Freude und Kraft brachte - sonst könnten wir ja wahrscheinlich gar nicht "durchhalten". Zwei ganz wichtige Privilegien, die unser Engagement auch mit sich brachte, waren das Gewinnen von Einblicken in allerlei Dinge, die vorher im Verborgenen für uns waren, und die persönlichen Bekanntschaften mit Menschen, die wir sonst nicht kennen würden und deren Bekanntschaft wir längst nicht mehr missen möchten.

 

Als sich im November 1996 eine Gruppe von Delegierten aus mehreren Ländern in Rom traf, um die internationale Vernetzung der KVB-Bewegungen voranzutreiben, konnten einige von uns durch die lebhaften Schilderungen unseres römischen Freundes Luigi Sandri Einblicke in die Lebensgeschichte Giovanni Franzonis gewinnen, nachdem wir einen Gottesdienst mit ihm gefeiert hatten.

 

Luigi hatte seinerzeit hautnah miterlebt, wie es dazu kam, daß Franzoni als Abt der bedeutenden römischen Benediktinerabtei San Paolo fuori le Mura abdanken mußte. In seinem Arbeitszimmer hatte Papst Johannes XXIII. vor einigen ausgewählten Kardinälen und Franzoni selbst zum ersten Mal von seinem Plan gesprochen, ein Konzil einzuberufen. Als Abt von San Paolo war Giovanni Franzoni dann selbst einer der Konzilsväter. Seine Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil gemachte Aussage "Die Kirche muß sich bekehren!" und andere kritische Haltungen, mit denen er nicht hinter dem Berg hielt, führten zu derart großem Druck aus dem Vatikan, daß er schließlich 1973 von sich aus zurücktrat, um es seinen Mitbrüdern in der Abtei (die eigentlich ja zu ihm hielten) zu ersparen, ihn absetzen "zu müssen".

 

Während seiner Erzählung machte uns Luigi Sandri auch auf Franzonis Buch "Farete riposare la terra" aufmerksam, und wir interessierten uns dafür, es ins Deutsche übersetzen zu lassen. Inzwischen ist das Buch als Band 5 unserer Plattform-Reihe erschienen, unter dem Titel "Laßt die Erde ausruhen" erhältlich, und ich will seine Lektüre allen Plattform-Mitgliedern ans Herz legen, die ebenfalls mit dieser beeindruckenden Persönlichkeit bekanntwerden möchten. Denn außer einem Gespräch von Auge zu Auge in Rom ist das durchaus auch eine Möglichkeit, ihn über seine Gedanken zum Jubiläumsjahr 2000 kennenzulernen.

 

Als Franzoni noch Abt war, schrieb er den Hirtenbrief "La terra è di Dio" ("Die Erde gehört Gott"), in dem er sich ausführlich dem Anliegen widmete, die Kirche Roms sollte aus dem Heiligen Jahr 1975 kein Triumphjahr machen, sondern sich vom Geist des biblischen Jubiläums leiten lassen. Jetzt, kurz vor dem vom Papst mit dem Apostolischen Schreiben Tertio millennio adveniente angekündigten Heiligen Jahr 2000, besteht wohl noch größere Gefahr, daß römischer Gigantomanismus und Tourismusrummel diesen Aspekt vollends in den Hintergrund treten lassen. Deshalb schrieb Franzoni im Vorjahr mehrere Monate an einem neuen Dokument, um erneut auf die Problematik dieser Jahre hinzuweisen - diesmal allerdings freilich nicht mehr als "Hirtenbrief" veröffentlicht, sondern als "offener Brief". Es wurde der flammende Appell: Laßt die Erde ausruhen! Giovanni Franzoni geht dabei - natürlich - von der Bibel aus. Er erinnert eindrucksvoll an die Einrichtung des Sabbatjahres und des Jubiläumsjahres, das völlig anderem Zweck und Sinn diente, als möglichst viele Menschen an einen "zentralen" Ort zu karren und an diesem Ort möglichst viele Kirchen zu bauen (so wie das in Rom geplant ist). Rom wird unter den damit verbundenen Lasten an den Rand des Erstickens geraten. Wie anders war das biblische Jubiläumsjahr gedacht!

Das Gebot des Samstages (shabbath) ist Ausdruck der allgemein notwendigen Ruhe als Zugeständnis an unseren "Zustand als Lebewesen", welcher uns immer bewußt sein muß. Die Tatsache, daß das Gebot sogar die Tierwelt umfaßt, unterstreicht, daß der Sabbat alle Geschöpfe als solche betrifft, und sein universeller Charakter wird durch die Tatsache betont, daß es symbolisch auf den Ruhetag von Gott selbst zurückzuführen ist, und zwar nach den sechs Tagen der Schöpfung. So erfahren wir auch, daß sich jeder Gesetzgeber dem Gesetz, das er selbst erlassen hat, als erster unterwirft.

Die biblischen Schriften sprechen vom "heiligen Jahr", das aus zwei Gründen ein "besonderes Jahr" ist und sich von den anderen unterscheidet. Das "Sabbatjahr" wiederholte sich alle sieben und das "Jubiläumsjahr" alle neunundvierzig Jahre, d. h. alle sieben Wochen von Sabbatjahren. Beide drücken auf Jahresebene das aus, was innerhalb der Woche der Samstag war. Es handelte sich um "große Samstage", Zeitmarken am Ende der "Jahreswochen", verbunden mit bestimmten Verhaltensweisen des Volkes als Ausdruck und Bestätigung der Verbindung mit Gott (Exodus 23,10-12; Deuteronomium 15,1-18; Leviticus 25): Das Land mußte das ganze Jahr unbebaut bleiben; alle, Besitzer und Bedürftige, konnten die spontan wachsenden Früchte genießen; Schulden mußten erlassen, Sklaven befreit werden.

 

Ausgehend von diesem Hintergrund befaßt sich Franzoni mit aktuellen Problemen wie etwa der Ausbeutung der Rohstoffe, der gerechten Aufteilung des Reichtums und der Frauenfrage.

Der Autor stellt dem zu befürchtenden "Triumphjahr 2000" das Anliegen eines Jubiläums der Veränderung entgegen: "... zur Versöhnung, zur Ruhe für die Erde und die Herzen, wobei alle dort bleiben sollen, wo sie leben, arbeiten, leiden, lieben."

                                                                                                                               Bernhard Deflorian

 

Giovanni Franzoni, LASST DIE ERDE AUSRUHEN, Offener Brief für ein mögliches Jubiläum, 110 Seiten, ATS 168,--, Druck- und Verlagshaus Thaur GmbH, A-6065 Thaur

 

 

GOTTES ENTLAUFENE KINDER, Thomas Plankensteiner

 

Thomas Plankensteiner, ein Hauptinitiator des "Kirchenvolks-Begehrens" von 1995, sieht in dessen Forderungen nicht bloß Anliegen, die beliebig erfüllt werden können oder auch nicht, sondern eine dem Evangelium entsprechende Aufgabe und Verpflichtung; nicht nur eine Chance, sondern eine wesentliche Voraussetzung für eine glaubwürdigere Kirche. Denn in ihren Strukturen, im Erscheinungsbild und im Umgang miteinander sollte möglichst viel von der menschenfreundlich-befreienden Botschaft des Evangeliums sichtbar und spürbar werden.
255 Seiten, Druck- und Verlagshaus Thaur 1996, ATS 228,-- ISBN 3-85400-033-2

 

 

DIAPOSITIV - Biblische "Licht-Bilder" ins Heute, Ingrid Thurner

 

In einer Zeit, in der Glaube immer mehr zur "Privatsache" wird, in einer Gesellschaft, in der wir "über Gott und die Welt reden" und es zugleich möglichst vermeiden, wirklich über Gott zu sprechen, in einer Kirche, deren Sprache in Formeln und eingefahrenen Denkmustern erstarrt, ist es mehr denn je notwendig und zugleich erfrischend, dem persönlich formulierten Wort Gottes in verschiedensten Ausdrucksformen zu begegnen. Ingrid Thurner, stv. Vorsitzende und Geschäftsführerin der Plattform "Wir sind Kirche" bemüht sich engagiert darum.

135 Seiten, Druck- und Verlagshaus Thaur, 1996, ATS 148,-- ISBN 3-85400-029-4

 

 

HERDENBRIEFE

 

1. LIEBE - EROS - SEXUALITÄT

Druck- und Verlagshaus Thaur, 1996, "Herdenbrief", 40 Seiten, EUR 5,-- Begleitbuch, 256 Seiten, EUR 10,--

 

1996 wurde aus einer Vielzahl von Vorschlägen und Zuschriften ein "Herdenbrief" an die Bischöfe verfaßt. "Liebe – Eros – Sexualität" behandelt eines der heikelsten und am meisten tabuisierten Themen der Kirche. Diese Thesen versuchen eine knappe und zugespitzte Formulierung der Hauptanliegen des Briefes:

1. Eros und Sexualität sind vitale Grundkräfte des Menschen. Sie sind in sich gut und bedürfen keiner besonderen Rechtfertigung. Die Bibel sieht in ihnen, wie in einem Abbild, die Liebe und die Kreativität Gottes ausgedrückt.

 

2. Eros und Sexualität erfüllen sich in der treuen Zuwendung zu einem geliebten Menschen. Diese Zuwendung wird ganzheitlich geschenkt und erfahren, mit allen Kräften und Fähigkeiten. Sie wird von der Bibel gutgeheißen.

 

3. Eros und Sexualität haben eine Bedeutung, die über die Biographie der Liebenden hinausgeht, wenn sie neues Leben schaffen und bewahren. Darin nehmen sie teil am schöpferischen Werk Gottes und werden zum Abbild des Schöpfers.

 

4. Eros und Sexualität erfüllen einen Sinn im Leben der Liebenden, wenn diese sich selbst in der Erfahrung der Lust als vital und lebensfroh empfinden. Lebensfreude bedeutet, mit Lust und Liebe leben zu können.

 

5. Eros und Sexualität erfahren ihren vollen Sinngehalt, wenn alle drei Bedeutungen erfüllt sind: Liebe - neues Leben - Lust. Das Ideal einer christlichen Ehe vereinigt die drei Bedeutungen und sieht in ihnen ein Symbol der Liebe Gottes.

 

6. In den verschiedenen Lebensformen - ob allein, ob in Beziehung, ob in einer Familie lebend - können erotische und sexuelle Erfahrungen ihren Platz haben. Wenn sie mit Behutsamkeit, Wahrhaftigkeit und Verantwortung aufbauend und belebend wirken und keines Menschen Würde verletzt wird, sind sie gut.

 

7. Das jüdisch-christliche Menschenbild der Bibel geht mit Eros und Sexualität unbefangen um und kennt im Hohen Lied einen dichterischen Lobpreis dieser Kräfte. Gleichzeitig lassen die Strafgesetze des Alten Testaments die Tabus ihrer Zeit erkennen.

 

8. Entgegen weit verbreiteter Meinung ist das 6. Gebot kein Sexualgebot. Es schützt vielmehr die Ehe und untersagt den Ehebruch. In einer Einengung auf den genitalen Bereich hat die christliche Tradition im 6. Gebot aus einem Ehegebot ein Sexualgebot gemacht.

 

9. Die kirchliche Gewohnheit, den Bereich von Liebe, Eros und Sexualität in erster Linie und vor allem unter dem Aspekt der Sünde zu sehen, hat eine unbefangene Einstellung jahrhundertelang behindert. Das hat viele Men-schen in ihrem Lebensglück beeinträchtigt.

 

10. Im vorehelichen, aber auch im ehelichen Bereich werden Erotik und Sexualität im Gleichklang mit dem näheren Kennenlernen und der wachsenden Vertrautheit erlebt und erlernt. Je intensiver sexuelle Begegnungen werden, desto mehr sollen sie in Liebe, Verläßlichkeit und Treue eingebettet sein.

 

11. Gleichgeschlechtliche Beziehungen sind wie andersgeschlechtliche insoweit gut, als sie verantwortlicher Ausdruck von Liebe sind. Liebe und Treue verlieren nicht ihren Wert, wenn sie gleichgeschlechtlich gelebt und erfahren werden.

 

12. Die Trennung der Zeugung vom sexuellen Vollzug ermöglicht es Frauen und Männern, die Zahl ihrer Kinder verantwortungsvoll zu planen und der sexuellen Beziehung ihren Eigenwert als Ausdruck der Liebe zu erhalten.

 

13. Empfängnisverhütung einschließlich der Wahl der Methoden - nicht aber die Beseitigung bereits bestehenden Lebens - liegt in der Verantwortung beider Partner. Es ist ethisch bedeutsam, aus welchen Gründen ein Paar Nachkommenschaft wünscht oder verhindert.

 

14. Beim Zerbrechen und Scheitern einer Beziehung soll die kirchliche Gemeinschaft ein Ort des Trostes und ein Raum der Vergebung sein. Der generelle Ausschluß Wiederverheiratet-Geschiedener vom Sakramentenempfang wird als Dauerstrafe erfahren und widerspricht dem biblischen Anspruch der Versöhnung.

 

15. Gott ist in Jesus - für Frauen und Männer in gleicher Weise - Mensch geworden. Die Kirche ist in ihren patriar-chalischen Strukturen dem väterlich-mütterlichen Gott Jesu untreu geworden.

 

16. Das Verbot der Frauenordination wird in äußerst fragwürdiger Weise mit der Männlichkeit Jesu und der Apostel begründet. Damit wird man weder dem Um gang Jesu mit Frauen noch der Lebenswirklichkeit von Frauen heute gerecht.

 

17. Das Eheverbot für Weltpriester stammt vorwiegend aus einer leib-, frauen- und sexualfeindlichen Epoche der Kirche und ist so nicht in der Bibel begründet. Es ist daher die völlig freie Wahl der Lebensform für Priester wiederherzustellen.

 

18. Das Gelübde der Ehelosigkeit unter Ordensleuten Frauen und Männern - hat eine andere Bedeutung. Der Verzicht auf eine bürgerliche Familie zugunsten einer religiösen in völliger Freiwilligkeit steht in alter christlicher Tradition.

 

19. Ethische und kirchenrechtliche Bestimmungen, die dem Evangelium nicht entsprechen und deren Begründung nicht einsichtig ist, verpflichten nicht im Gewissen. Letzte Instanz der Entscheidung ist das gebildete Gewissen mündiger Christinnen und Christen.

 

20. Das belastende Erbe einer leib-, frauen- und sexualfeindlichen Geschichte wird erst dann bewältigt sein, wenn die Kirche die anstehenden Fragen unter Mitwirkung der Betroffenen im Sinn der Liebesbotschaft des Evangeliums gelöst haben wird.

 

 

 

2. MACHT KIRCHE, Wenn Schafe und Hirten Geschwister werden

     Druck- und Verlagshaus Thaur, 1998, 351 Seiten, EUR 10,--

 

Der zweite "Herdenbrief " der Plattform "Wir sind Kirche" ist ein Buch mit viel Kirchenkritik, aber mit noch mehr Anregungen zur Kirchenbildung. Er fordert auf Grundlage der biblischen Botschaft und der Kirchenlehre des 2. Vatikanischen Konzils Strukturreformen der Kirche.
Dieser "Herdenbrief" nennt die Grundsätze und Bausteine einer geschwisterlichen Kirche, beleuchtet Strukturen des Teilnehmens und Teilhabens und ruft zum Gottesdienst auf.

 

Thesen zum Aufbau einer geschwisterlichen Kirche - Zusammenfassung des Anliegens

 

"Ihr aber sollt euch nicht Meister nennen lassen; denn nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Geschwister. Auch sollt ihr niemand auf Erden euren Vater nennen; denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel." – Mt 23, 8f

An diesem Schriftwort aus der Rede Jesu gegen die Pharisäer und Schriftgelehrten orientieren sich folgende Thesen. Die ganze Rede kann als jesuanische Kritik an vermachteten hierarchischen Strukturen der Kirchen gelesen werden.

 

1. Wo immer Menschen im Namen Jesu sich versammeln, seine Botschaft vom Reich Gottes hören und danach handeln, ist Kirche. Menschliche Gemeinschaften, die Kirche sind, gründen sich auf das Evangelium Jesu Christi und sind gesandt, seine göttliche Heilsbotschaft in der jeweiligen konkreten Welt zu verkünden.

 

2. Die Kirche und noch mehr die Kirchen als organisierte Glaubensgemeinschaften sind Teil der konkreten Gesellschaft. Als Teil der Gesellschaft bedienen sich die Kirchen vorhandener weltlicher Strukturen und Ordnungen, verändern diese und werden auch durch sie in ihren Organisationsstrukturen verändert.

 

3. Im Lauf der Geschichte gab und gibt es in allen Kirchen, teils in unterschiedlicher Weise, stärker oder schwächer, alle Strukturformen weltlicher Herrschaft, von der Monarchie und Hierokratie bis hin zur Demokratie.

 

4. Die Botschaft Jesu vom Reich Gottes stellt jedoch alle menschliche Herrschaft in Frage, auch die geschichtlich bedingten Kirchenordnungen. Wie der einzelne Mensch der Buße und Umkehr bedarf, ist die Kirche in all ihren Gemeinschaftsformen immer reformbedürftig.

 

5. Religiöse Reformbewegungen in der Kirche orientieren sich darum an biblischen Modellen, wie dem Meister-Jünger-Verhältnis der Evangelien, den geistgewirkten charismatischen Strukturen des 1. Korintherbriefes oder der Hausgemeinschaft mit den Ordnungsdiensten von Presbytern, Episkopen und Diakonen in den Pastoralbriefen. Sie sind vom Ideal der apostolischen Geschwisterlichkeit geprägt. Die späteren Zusammenschlüsse der verschiedenen Gruppen und Gemeinden einer religösen Reformbewegung berücksichtigen die geschwisterliche Gesinnung und sind synodal strukturiert.

 

6. Das jetzige hierarchisch gestufte Weiheamt Diakon-Priester-Bischof ist eine spätere Formgebung der in der Bibel genannten gleichrangigen Ordnungsdienste christlicher Gemeinschaften. Diese Formgebung wurde unter anderem beeinflußt von der kirchlichen Übernahme der von Kaiser Diokletian geschaffenen diözesanen Verwaltungsstruktur des römischen Reiches und vom mittelalterlichen Feudalwesen.

 

7. Konzilien, Synoden, Presbyterien, Generalkapitel von Orden und Kongregationen mit ihren Abstimmungen und Wahlvorgängen sind uralte kirchliche Entsprechungen moderner weltlicher demokratischer Strukturen. Auch der Glaubensgrundsatz, daß vor Gott und seinen Geboten alle Menschen gleich sind, spiegelt sich im demokratischen Prinzip von der Gleichheit aller Personen vor dem Gesetz.

 

8. Das Zweite Vatikanische Konzil wollte die Botschaft Jesu allen Menschen in der Welt von heute nahe bringen. Es verstand sich als Reformkonzil. War das Markenzeichen der Inkulturation des Evangeliums vergangener Jahrhunderte das Bündnis zwischen "Thron und Altar", so hoffte das Konzil auf das lebendige Zeugnis des gläubigen Volkes und suchte das Gespräch mit allen Menschen. Die bevorzugten Instrumente sind "Begegnung und Dialog".

 

9. Mit der Lehre von der Kirche als Volk Gottes bezeugt das Konzil Jesus Christus als "Licht der Völker". Mit der Errichtung einer institutionellen Beratungsstruktur vom Pfarrgemeinderat über Diözesan- und Pastoralräte, nationale und kontinentale Bischofskonferenzen bis hin zur römischen Bischofssynode hat die lateinische Kirche Möglichkeiten der Mitbestimmung und Mitverantwortung des Gottesvolkes an der kirchlichen Sendung geschaffen. Den Zeichen der Zeit folgend nutzt sie damit demokratische Organisationsformen, um den Auftrag Jesu in der modernen Welt zu erfüllen.

 

10. Das Kirchenvolksbegehren "Wir sind Kirche" orientiert sich mit seinen Forderungen an der Botschaft Jesu und teilt voll und ganz die Reformanliegen des Zweiten Vatikanischen Konzils, wenn es den Aufbau einer geschwisterlichen Kirche und die Wahl der Bischöfe mit Hilfe der diözesanen Beratungsstrukutur der Ortskirche fordert.

 

11. Einheit in Vielfalt ist das Ziel des Aufbaus einer geschwisterlichen Kirche mit den Instrumenten der Begegnung und des Dialogs. Dieses Ziel verbietet die Ausgrenzung von Minderheiten in Kirche und Gesellschaft und achtet die Rechte aller Menschen. Deshalb fordert das Kirchenvolksbegehren, die freie Wahl der Lebensform für Priester wiederherzustellen und Frauen zum Weiheamt zuzulassen.

 

12. Konflikt und Streit gab es unter den Jüngern Jesu genauso wie es sie unter Geschwistern und verschiedenen kirchlichen Gruppen gibt. Zur Aufarbeitung von Streitigkeiten zwischen kirchlichen Gruppen und Institutionen, die nicht die Glaubenslehre und das Sakramentenrecht betreffen, ist die Errichtung einer eigenen unabhängigen kirchlichen Verwaltungsgerichtsbarkeit in Form von Schiedsgerichten wünschenswert.

 

13. Für den Aufbau einer geschwisterlichen Kirche sind vielfältige Formen der Buße und Umkehr, des Verzeihens und der Vergebung notwendig. Beispielsweise ist es ein Zeichen der Geschwisterlichkeit, Geschiedenen, die wieder heiraten, nach einer Zeit der Buße zu vergeben und den Zutritt zur eucharistischen Mahlgemeinschaft zu ermöglichen.

 

14. Die Verurteilung von Glaubensirrtümern und die Unterbindung von Streitigkeiten über die christliche Lehre - vor allem zwischen Theologieprofessoren und dem päpstlichen Lehramt - mittels Geheimverfahren steht im Widerspruch zur öffentlichen Verkündigung des Evangeliums. Geheimverfahren dienen kaum der Wahrheitsfindung und verletzen zudem die Menschenwürde der vermeintlich Irrenden. Öffentliche Verfahren schützen die Streitenden, machen die Urteilsfindung für die Gesamtheit der Gläubigen nachvollziehbar und stärken so den Glaubenssinn aller Christen.

 

15. Im ökumenischen Dialog sind historische Streitigkeiten zwischen den Kirchen wegen der Kirchenordnung oder der Glaubenslehre im Geist der Buße zu beenden, die verschiedenen Kirchenordnungen anzuerkennen und die eucharistische Gastfreundschaft zu pflegen.

 

16. Durch die Taufe bilden alle Christen ein heiliges Volk und eine königliche Priesterschaft. Alle sind gesandt, die Botschaft Jesu von Gottes Liebe und Barmherzigkeit zu bezeugen. Das derzeitige kirchenrechtliche Verbot der Laienpredigt in der Eucharistiefeier ist eine Einschränkung, die dem Sendungsauftrag des Auferstandenen und dem Aufbau einer geschwisterlichen Kirche widerspricht.

 

17. Im Gotteslob, dem liturgischen Dienst der Kirche, nehmen alle Gläubigen kraft der Sakramente Taufe und Firmung direkt teil am dreifachen Amt Jesu Christi, dem Lehramt, dem Hirtenamt und dem Priesteramt; bzw. am Prophetentum, Königtum und Priestertum Christi, wie es in der Lehrtradition der reformatorischen Kirchen heißt. Das allgemeine Priestertum aller Gläubigen ist keine Ableitung vom besonderen Priestertum und keine Unterstufe des sakramentalen Weiheamtes.

 

18. Das besondere Priestertum ist als ein eigenständiges sakramentales Zeichen ein besonderes Gnadengeschenk Gottes zur Auferbauung einer geschwisterlichen Kirche. Allgemeines und besonders Priestertum sind bei der christlichen Gemeinschaftsbildung, beim Kirche-Machen einander zugeordnet und nicht einander über- oder untergeordnet.

 

19. Der Aufbau einer geschwisterlichen Kirche vollzieht sich grundsätzlich in tätiger Nächstenliebe. Soziales Engagement und Solidarität der Christen gelten dabei vor allem den Armen und Kranken, den Fremden und Minderheiten, den Gefangenen und Ausgegrenzten, den Notleidenden und Verfolgten. Eine Fülle kirchlicher Gruppen und Einrichtungen gibt davon ein beredtes Zeugnis.

 

20. In der Welt von heute teilen die Christen mit allen Menschen Freude und Hoffnung, Trauer und Leid. Sie nehmen einzeln und in Gruppen nach bestem Wissen und Gewissen aktiv teil an der politischen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Gestaltung dieser Welt. Sie verwirklichen auf diese Weise den Sendungsauftrag der Kirche in der Welt.

 

Auszüge aus den Beiträgen

 

Gotthold Hasenhüttl

"Macht Kirche: die geschwisterlich Alternative zum hierarchischen Prinzip"

Hat Jesus Christus wirklich eine hierarchische Institution Kirche gewollt? Darauf ist exegetisch und dogmatisch klar mit Nein zu antworten. Jesus hat zu seinen Lebzeiten keine besonders geformte oder strukturierte Gemeinschaft beabsichtigt, auch nicht als gesonderte Glaubensgemeinschaft. Die Kirche selbst hat nie gewagt, verbindlich zu erklären, daß der historische Jesus eine Kirche gegründet hat.

All das besagt jedoch nicht, daß Kirche als Glaubensgemeinschaft nicht eine Folge jesuanischen Wirkens ist. So ist es durchaus richtig, daß sich nach Ostern Menschen zusammengefunden haben, die ihr Leben an Jesus Christus orientieren wollten. Die Menschen wurden Christen genannt und die Gemeinschaft derer, die ihr Leben an Jesus Christus ausrichten wollten, Kirche.

Sie war keine Institution, sie war Folge der geschichtlichen Entwicklung nach Jesu Tod. Die Aussage - vom Kirchenvolks-Begehren aufgegriffen - "Wir sind Kirche", war eine Selbstverständlichkeit. Dieses Grundverständnis ging freilich in der Kirche nie ganz verloren, so daß Pius XII. (1946) schreiben konnte, daß alle Glaubenden die Kirche sind. Für sie gilt: "Wir gehören nicht nur zur Kirche, wir sind die Kirche". Nur zögerlich folgten den Gedanken das 2. Vat. Konzil und die Bischofssynode (Rom 1987), wo es heißt, die Katholiken "sind die Kirche".

 

Elisabeth Moltmann-Wendel

"Ganzheit und Katholizität"

Was unser Ganzsein, unsere Katholizität weiter blockiert, ist die Hierarchie. Hierarchien trennen unsere Gesellschaft und unsere Kirchen, teilen sie auf in oben und unten, in solche, die das Sagen haben und in solche, die zu hören haben, und verleugnen Gott, der die Sonne aufgehen läßt über Böse und Gute und regnen läßt über Gerechte und Ungerechte. Eine Priesterhierarchie, die Frauen nicht in ihre Ämter zuläßt, die sich von "Laien" zu distanzieren sucht, ist nicht mehr durchlässig für neue Erfahrungen, schneidet sich selbst vom Strom des Lebens ab. In Hierarchien entwickeln Menschen Macht über andere, kann Gewalt entstehen, die andere mundtot und unmündig macht. Ein Beispiel dafür ist auch die protestantische Definitionsmacht der Kirche, die bestimmen will, was und wie geglaubt und gelebt werden soll.

Aber der Gegensatz zu Hierarchie ist nicht Anarchie und Gleichmacherei, sondern Beziehungen in Gegenseitigkeit. Blockiert hierarchisches Denken und Verhalten, das Menschen voneinander lernen, so gibt es für Beziehungen, die auf Gegenseitigkeit beruhen, eine Fülle von Varianten, in denen sich Menschen gegenseitig bereichern: Freundschaft, Partnerschaft, Teilhaben aneinander, Interdependenz. In Gegenseitigkeit werden die Unterschiede zwischen Menschen, zwischen den Geschlechtern, Klassen und Rassen nicht aufgehoben. Sie werden aber fruchtbar gemacht. Ich brauche Dich, und ich werde gebraucht. Du brauchst mich, und du wirst gebraucht. Gegenseitigkeit ist das Grundmuster des Lebens, nach dem wir ins Leben getreten sind und weiterhin überleben. Im Mutter-Kind-Verhältnis zeigt sich, daß es in Beziehungen Stärkere und Schwächere gibt, aber beide voneinander leben und sich bereichern.

 

Johannes B. Bauer

"Maximen des Aufbruchs"

Das Kirchenvolks-Begehren fordert einen neuen Aufbruch. Für die dabei aufgeworfenen Fragen sind - das muß auch einmal mit aller Deutlichkeit gesagt werden - von der Mehrheit der Theologen längst Lösungsvorschläge gefunden worden und das mit wissenschaftlicher Gründlichkeit und mit Verantwortungsbewußtsein ohnegleichen. Die Argumente liegen auf dem Tisch, die Kirchenführer müßten sich ihnen stellen, sie ernst nehmen.

Wenn die Kirchen weiterhin den Paradigmen der Vergangenheit verhaftet bleiben und sich einkapseln, dann wird es weiterhin nur mehr eine Ökumene der Verlierer geben. Fast täglich melden die evangelische wie die katholische Nachrichtenagentur immens steigende Austrittszahlen. Die randständigen Mitglieder verlassen angewidert ihre Kirchen. Die engagierten Christen, die mit dem Klerus die Last des Tages tragen, leiden an ihren Kirchenleitungen und deren Betriebsblindheit.

 

Walbert Bühlmann

"Das hoffnungserweckende Jahrtausendkonzil. Plädoyer für eine geschwisterliche Kirche"

Die Ortskirchen sollten viel mehr Mitsprache haben bei der Ernennung von Bischöfen und bei der Beauftragung von Professoren der Theologie. Ebenso für die Fragen der Inkulturation, wobei das nicht nur die Kirche Afrikas angeht, sondern auch die Europas. Wir sind zwar damals irgendwie in die germanische Kultur inkulturiert worden, aber sind es doch keineswegs in die des ausgehenden 20. Jh. Darum der tiefe Graben zwischen dem Denken der "Kirche" und des Volkes. Vor allem die Kontinentalkirchen müßten viel mehr Eigenkompetenz erhalten, sogar eigene Patriarchate bilden, so daß z.B. Lateinamerika selbst über die Befreiungstheologie befinden, Europa selbst über die Bedürfnisse einer Kirche in der säkularisierten Welt entscheiden könnte. Solches Eigenleben der Kontinentalkirchen wird leider total blockiert mit Verweis auf die Universalkirche. Wiederum Bischof K. Lehmann sagte damals bezüglich des KVB, es sei unsinnig, Postulate aufzustellen, die universalkirchlich keine Chance haben, angenommen zu werden. Er hätte besser gesagt: die römisch keine Chance haben. Rom identifizierte sich zu rasch mit der Universalkirche und handhabt praktisch das absurde Prinzip: Was nicht schon überall geschieht, vor allem in Rom, darf nirgendwo geschehen! Wie, wenn in einer Familie mit vier Kindern zwischen 12 und 20 Jahren der Vater zu den älteren zwei sagen würde: Ihr habt am Abend nicht auszugehen, die jüngeren gehen auch nicht aus. Dezentralisierte Kompetenz setzt mehr Eigenverantwortung voraus, aber ist sicher sinnvoller als starre Uniformität, die von einem fernen Zentrum diktiert wird.

 

Richard Picker

"Kommunikation und Konfliktbewältigung in der Kirche"

Eine der auffälligsten Folgen geleugneter Konflikte ist die gestörte Kommunikation untereinander. Das kann man an allen fünf Forderungen des Kirchenvolksbegehrens gut sehen, besonders aber an dessen Gesamt-Verhältnis zur Österreichischen Bischofskonferenz. Dieses hat die prozeßhafte Gestalt eines Theaterstückes. Das Vorspiel ist der "Fall Groer" gewesen. Darauf reagierte die Innsbrucker Gruppe um Thomas Plankensteiner mit dem Kirchenvolks-Begehren. Dies war der erste Akt. Im zweiten Akt spaltet sich die Bischofskonferenz in drei Gruppen.

a) Stille Befürworter (Minderheit: "Eigentlich hat das KVB ja recht!")

b) Larvierer ("Mit ein bißchen Ja-Aber sitzen wir das schon aus!")

c) Absolute Gegner ("Wer das KVB unterschreibt, schließt sich aus der hierarchisch verfaßten Kirche aus").

Im 3. Akt startet die Bischofskonferenz ein Treffen in Mariazell, also: "Reden und Beten" anstelle von "Vertretung des Kirchenvolks-Begehrens dem Weltepiskopat und dem Papst gegenüber". Im 4. Akt beginnt das Kirchenvolks-Begehren sich weltweit zu verbreiten, um gleichzeitig in Österreich an Kraft zu verlieren. Die Bischöfe nutzen die Situation zu einem "Dialog für Österreich" (zu Deutsch: "Reden wir von etwas anderem!"). Es fehlt der Schluß des Stückes, und es wird sich zeigen, ob es zur Tragödie, zur Komödie oder sonst etwas gerät. Besonders auffallend ist die Leugnung dieses Vorganges in 5 Akten von seiten der Kurie und der Bischofskonferenz, weil ja der Ort dieses Konfliktes an sich schon verschoben ist. Der wirkliche Adressat ist die römische Zentrale, der wirkliche Ort des Konfliktes ein Konzil oder eine Weltbischofskonferenz und das Hindernis formaler Art stellt die im Kirchenrecht festgeschriebene "hierarchische Verfassung" dar, die im spirituellen Bereich unangetastet, im Verwaltungsbereich aber vom KVB in Frage gestellt wird.

 

Eva Petrik

"Geschwisterlichkeit in kirchlichen Strukturen"

Festzustellen ist: Es herrscht kein Defizit an Theorie, sondern eines in der Praxis! Und wenn heute der Ruf nach dem Ende von "oben" und "unten" und der Wunsch nach partizipatorischem Handeln immer lauter wird, so heißt das, daß das "Kirchenvolk" obrigkeitlichen Leitungsstil und überspitzten Zentralismus nicht mehr ertragen will.

 

Roland Schwarz

"Der biblische Befund. Wie es in der Kirche zu Ämtern kam."

Was heute fehlt, sind praktikable innerkirchliche Korrekturmechanismen, die verhindern, daß Amtsträger zu wenig oder gar nicht auf die berechtigten Anliegen der Gemeinde hören. In der Bibel mußte sich etwa selbst Petrus rechtfertigen, als er das Haus von Heiden betreten hatte (Apg 11); die Gemeinde konnte gegen einen Presbyter auch Klage erheben (1 Tim 5,20). Durch die kollegiale Leitung war einem Mißbrauch bereits ein gewisser Riegel vorgeschoben (in den Pastoralbriefen wird allerdings auch eine dem Presbyterium übergeordnete Autorität greifbar).

Bei zukünftigen Personalplänen ist zu berücksichtigen, daß der Dienst der Leitung durch eine überschaubare Gemeindegröße wirklich geleistet werden kann. Es darf amtstheologisch nicht nur um eine flächendeckende Sakramentenspendung gehen! Die Möglichkeit des verheirateten Gemeindeleiters wäre ernsthaft zu überlegen. Das in der Bibel mit hoher Wahrscheinlichkeit gegebene Amt des weiblichen Diakons wäre wiederzuentdecken. Die bisher beigebrachten Argumente gegen eine Ordination von Frauen sind weitgehend unhaltbar.

 

Walter Kirchschläger

"Kreative Vielfalt. Biblische Kriterien für die Neuordnung kirchlicher Ämter"

Die entscheidende Frage der Kirchenstruktur um die Jahrtausendwende darf nicht mehr die Frage der Zulassungskriterien zu einer Stufe des kirchlichen Dienstes sein. Zwar ist einsichtig und notwendig, daß dies im Sinne des nächsten, aber eben kleinen Schrittes im Vordergrund konkreter Bemühungen steht. Um das allein kann es aber nicht gehen. Mit der allfälligen Zulassung von Verheirateten sowie Männern und Frauen zum priesterlichen Dienst ist das Problem von Kirchenstruktur keinesfalls gelöst, und es wäre verhängnisvoll, wollten wir dies allein als Ziel betrachten. Die Zeichen der Zeit rufen nach einem Paradigmenwechsel, und die Kirchengeschichte lehrt uns: Es wäre nicht der erste!

 

 

3. FRAUEN SCHENKEN DER KIRCHE LEBEN

Druck- und Verlagshaus Thaur, 1999, Frauen-Herdenbrief, 53 Seiten, EUR 5,-- ,Begleitbuch, 385 Seiten, EUR 10.00,-- 

 

Der "Herdenbrief der Frauen", der dritte in der Reihe der Plattform "Wir sind Kirche", stellt die Aktivitäten, Sehnsüchte und Fragen der Kirchen-Frauen in den Mittelpunkt. Es geht um Themen des kirchlichen Lebens.
Die Weiterentwicklung einer Kirche, die Frauen und Männern gerecht wird, ist längst im Gange. Der Herdenbrief will diese bereits stattfindende Erneuerung der Kirche aufzeigen, stärken und ermutigen, sowie dazu einladen, sich zu beteiligen.

 

 

4. ZÖLIBAT – SO NICHT! Gottes amputierte Liebe

Plattform „Wir sind Kirche“ (Hg.), Schriftleitung: Mag. Hans Chocholka, 255 Seiten, broschiert, Edition VA bENE, Wien – Klosterneuburg
ISBN 3-85167-123-6, € 22.00 / SFr 38,--

 

Nach ungezählten Hirtenbriefen der Bischöfe meldet sich das Kirchenvolk zu Wort, zeigt die unseligen Folgen der Zölibatsverpflichtung für Priester auf und bringt Kritik an einem Gesetz, das nicht im Evangelium gründet, zur Sprache, um eine Änderung zu erreichen – aus Liebe zur Kirche und um der Menschen willen, die in vielfältiger Weise unter der derzeitigen Praxis leiden.
Frauen und Männer, Priester und Laien, Theologen und Psychologen beschreiben im Buch die verschiedensten Facetten der Zölibatsverpflichtung und deren oft unmenschliche Folgen.
Unvoreingenommenen Leserinnen und Lesern wird klar, dass es nicht um die ersatzlose Streichung eines Gesetzes geht, sondern um eine frei wählbare Form der Lebensgestaltung auch für Priester.

 

 

5. Für ein LEBEN IN FÜLLE - Frohbotsschaft statt Drohbotschaft

Edition VA bENE, Wien – Klosterneuburg, Reihe: "Herdenbrief "Plattform "Wir sind Kirche",

Schriftleitung: Ingrid Thurner, 112 Seiten, broschiert, ISBN 3-85167-174-0, € 17,90 / SFr 32.-

 

Mit den "Herdenbriefen" zeigen wir, daß nicht nur ein Hirte, sondern auch die Herde etwas zu sagen hat. Wie auch bei den vorangegangenen Briefen haben wir den Text breit zur Diskussion gestellt und dabei viele Erfahrungen zusätzlich aufgreifen können.

Der Botschaft Jesu zu entsprechen, ist ein anspruchsvolles Unternehmen. Auch wenn Jesu Joch sanft und seine Bürde leicht ist, ist seine Nachfolge eine Herausforderung. Wir verwechseln Frohbotschaft nicht mit einem Werbetext für die Spaßgesellschaft. Wir haben in Eigenverantwortung zu prüfen, was für uns selbst, für unsere Mitmenschen und für das Gemeinwohl gut ist.

Die gute Nachricht soll lebendig werden: Blinde sehen, Lahme gehen, den Armen wird die frohe Botschaft verkündet. Wir hoffen sehr, daß das Reich Gottes Gestalt annimmt. Das liegt auch an uns. Wir glauben, daß die Erfüllung der Forderungen des Kirchenvolks-Begehrens mitheßlfen kann, den Weg dorthin zu ebnen. Deswegen setzen wir uns dafür ein.

 

 

 

 

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