Für eine offene Kirche, in der nicht "entweder oder", sondern "auch" vorherrscht und in der gemäß Papst Franziskus auch eine "Streitkultur" gepflegt wird, hat sich der künftige Grazer Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl ausgesprochen.

Im Interview mit dem "Standard" vom 23. April wies er auf das Matthäus-Evangelium hin, wonach Kirche bereits von "zwei oder drei", die in Jesu Namen versammelt sind, gebildet wird. Auch Geschiedene oder Homosexuelle könnten "natürlich" Teil einer solchen Gruppe sein. "Bei uns in der Kirche ist die Struktur wichtiger geworden als dieser Zugang aus dem Evangelium", bedauerte der designierte Bischof. Seine Überzeugung: "Wir dürfen uns nicht von den Menschen verabschieden." Zum Ausschluss wiederverheiratet Geschiedener von der Kommunion sagte Krautwaschl: "Manche kränkt das sehr. Andere fühlen sich nicht ernst genommen, wenn man das nicht tut. Da müssen wir uns was überlegen." Der bisherige Regens des Bischöflichen Seminars in Graz erzählt: "Erst gestern habe ich einen Katholiken auf ein Bier getroffen, der zu seiner Homosexualität steht und den ich pastoral begleitet habe. Wieso soll ich den nicht mögen? Wer bin ich? Manche laufen Gefahr, über andere richten zu wollen." Und zum „Schlagen-Sager“ des Papstes meint er: "Er ist ja nicht unfehlbar!" (Kathweb/KAP v. 23. 4.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Der chaldäisch-katholische Bischof von Aleppo, Antoine Audo, sagte im Gespräch mit Radio Vatikan, dass die Kirche in Syrien alles dafür tun werde, um Frieden und Versöhnung zu fördern. Für die Christen in Syrien hat 2020 mit einer Friedensmesse begonnen. Die Kirche sei überall präsent, auch dort, wo die Sunniten bewusst alles zerstört hätten. „In Aleppo haben die Menschen die wahre Haltung der Kirche entdeckt und zwar jene der Nächstenliebe. Es geht um die Hilfe für die Armen, es geht um den Respekt gegenüber Menschen. Das ist der Dialog des Lebens. Das ist das Schöne hier, trotz des Krieges. Die Christen haben diese Berufung und zwar mit einer Dynamik der Einheit. […] Wir müssen diese Dynamik der Einheit schaffen, was viel Kraft, spiritueller Glaube und Hoffnung bedarf.“ (vn v. 3. 1.)

     

  • Der Professor für Liturgiewissenschaft an der Universität Münster, Clemens Leonhard, plädiert für einen kirchlichen Segen für homosexuelle Paare: In den derzeitigen Vorschriften für eine Trauung wird z. B. für ältere Leute der Hinweis auf Kinder weggelassen. Sonderregelungen im Segensgebet gibt es ebenso bei Trauungen mit Christen anderer Konfessionen oder Religionen oder sogar für Atheisten. Warum also nicht auch für Homosexuelle, wenn es nur eine Segnung ist, fragt Leonhard. Es geht ja in den Trauungstexten „um das Glück der konkreten Menschen“ und er zitiert: „Wo Mann und Frau in Liebe zueinander stehen und füreinander sorgen, einander verzeihen, einander ertragen, wird deine Treue sichtbar.“ Diesen Satz könnte man doch auf „zwei Frauen oder zwei Männern“ umschreiben. Dem Wunsch der Homosexuellen nach einer Segnung gehört „nicht aus Großzügigkeit, sondern aus Gerechtigkeit“ entsprochen. (Die Furche v. 2. 1.)

     

  • Beim Angelus-Gebet zum Hochfest Epiphanie (6. Jänner) hat Papst Franziskus den Gläubigen der katholischen und orthodoxen Ostkirchen gratuliert. „Für sie und ihre Gemeinden wünschen wir das Licht und den Frieden von Christus, dem Retter“, sagte er beim Mittagsgebet vor Tausenden Gläubigen auf dem Petersplatz. Er lud die Anwesenden zu einem Applaus für die ostkirchlichen Getauften ein, die ihr Weihnachtsfest am 7. Januar feiern.  (vn v. 6. 1.)

     

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