Innerkirchliche Reformansätze: (Frauen, Zölibat, wiederverheiratet Geschiedene, Moral ..)

Die Grundform des priesterlichen Dienstes in der römisch-katholischen Kirche wird die ehelose Lebensform bleiben, betonte Kardinal Christoph Schönborn in einem Fernsehinterview. Er habe sich trotzdem bei der Amazonien-Synode für die Weihe bewährter verheirateter Männer zu Priestern in Ausnahmefällen ausgesprochen und für diesen Vorschlag im Schlussdokument votiert. (kap u. vn v. 4. 11.)

 

Laut der Theologin Birgit Weiler, die als Expertin für interkulturelle Theologie zur Amazonien-Synode geladen war, ist der Textabschnitt zum Frauendiakonat im Schlussdokument der Amazonien-Synode „sehr vorsichtig" formuliert. Es galt „sicher zu stellen, dass dieser Abschnitt überhaupt im Schlussdokument erscheint“. Viele Frauen, aber auch mehrere Bischöfe hätten den Wunsch vorgetragen, die Diakonninenweihe in Amazonien einzuführen. Dieser Artikel hätte wahrscheinlich die meisten Gegenstimmen erhalten – und das wollte man vermeiden. Viele Beiträge in der Synodenaula wie auch in den kleinen Arbeitszirkeln hätten ungeachtet dessen die Notwendigkeit unterstrichen, „effektiv an der Überwindung von Machismo und Klerikalismus in der Kirche im Allgemeinen und der Kirche Amazoniens im Besonderen zu arbeiten“ sowie Frauen mehr Leitungsverantwortung zu übertragen. Laut Weiler wurde dies „nicht nur von uns Frauen, sondern ebenso von vielen Bischöfen gefordert“. Die bei der Synode anwesenden Frauen hätten ein eigenes Gesuch an den Papst gestellt, die Frage des Frauendiakonats weiterzuführen. Franziskus versprach in einer Rede am Ende der Synode, die Kommission zum Frauendiakonat mit neuen Mitgliedern zu besetzen, „um in der Frage weiterzukommen“. (kap u. vn v. 4. 11.)

 

Die Bischöfe Manfred Scheuer (Linz) und Hermann Glettler (Innsbruck) haben sich für eine Zulassung bewährter verheirateter Männer („viri probati") zur Priesterweihe ausgesprochen. Er sehe, dass es dafür „wirklich an der Zeit" sei, „die Zulassung von viri probati zur Priesterweihe jetzt anzugehen", sagte Bischof Scheuer in einem Interview mit dem ORF. Die in Rom versammelten Bischöfe der Amazonien-Synode schlugen dem Papst u.a. vor, angesichts des teils eklatanten Priestermangel in der Region den Fokus auf verheiratete Ständige Diakone zu legen und aus diesem Personenkreis in Einzelfällen auch Priester zu weihen. „Ich hoffe sehr, dass die Fragen, die für Amazonien besprochen worden sind, auch bei uns weitergeführt werden", erklärte Scheuer. Das gelte einerseits für die Möglichkeit der Priesterweihe für „viri probati“, andererseits aber genauso für das Diakonat der Frau. Bei diesem Thema hoffe er, „dass es jetzt noch weitergeht", bekundete der Bischof, der bereits in der Vergangenheit für Fortschritte in Richtung Frauendiakonat plädiert hatte. Auch in der „Tiroler Tageszeitung" (TT vom 5. November) sprach sich der Linzer Bischof für eine Öffnung bei den Zulassungsbedingungen zum Priesteramt aus. Scheuers Nachfolger in Innsbruck, Hermann Glettler, hielt es ebenfalls in der TT vom 5. November für sinnvoll, in gewissen Ortskirchen „viri probati" optional zu Priestern zu weihen. Der Papst werde die Empfehlungen der Amazonas-Synode nun genau prüfen und „auf kluge Art und Weise umsetzen", zeigte er sich überzeugt. (kap v. 5. 11.)

 

Ein neu gebildetes römisch-katholisches Frauen-Netzwerk von Frauenverbänden, Initiativen, Frauenorden und kirchlichen Gremien aus Österreich, Deutschland, Liechtenstein sowie der Schweiz hat die Dringlichkeit unterstrichen, „dass angesichts der katastrophalen Kirchenkrise die dringend notwendigen Reformen jetzt in Angriff zu nehmen sind. […] Wir Frauen haben keine Zeit mehr zu warten. Wir stehen gemeinsam auf und setzen uns mit aller Macht dafür ein, dass die Kirche Zukunft hat - lebensfreundlich und frauengerecht", erklärte Chantal Götz von der globalen Initiative „Voices of Faith" in einer Aussendung des Netzwerks. „Voices of Faith" ist laut eigener Aussage bemüht, führende Vertreter der römisch-katholischen Kirche „mit der globalen katholischen Gemeinschaft zusammenzubringen, auf dass sie erkennen mögen, dass Frauen über das Fachwissen, die Fähigkeiten und Talente verfügen, um innerhalb der Kirche bedeutende Führungsrollen übernehmen zu können". Und weiter hieß es: „Wir rufen alle Frauen auf: Nutzt eure positive Macht zur Veränderung!" Um diese Forderung zu konkretisieren, wurden bei der Zusammenkunft Kernthemen benannt und Arbeitsgruppen dazu eingerichtet, u. a. zu Sakramententheologie und Ämterstruktur, Kriterien und Transparenz bei Bischofsweihen sowie Stellenbesetzungen. An dem Stuttgarter Vernetzungstreffen waren u.a. Vertreterinnen des Katholischen Deutschen Frauenbundes, der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands, die Initiative "Maria 2.0", der Frauenkirche Zentralschweiz, des Synodalrats Zürich und mehrerer Frauenorden anwesend. Aus Österreich kamen die Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs, Veronika Pernsteiner, Maria Eicher von der Frauenkommission der Diözese Linz und Martha Heizer von „Wir sind Kirche". (kap v. 5. 11.)

 

Zehn Generalvikare deutscher Diözesen haben in einem gemeinsamen Brief an die Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken beim „synodalen Weg“ grundlegende Reformen der Kirche gefordert. Unterschrieben haben den Brief die Generalvikare der (Erz-)Bistümer Berlin, Essen, Hamburg, Hildesheim, Limburg, Magdeburg, Münster, Osnabrück, Speyer und Trier. „Wir halten das damit verknüpfte Anliegen einer grundlegenden Reform der Kirche in Deutschland für dringend notwendig, ja für essentiell“, schreiben die Bischofsvertreter. Nach „tiefgehenden und ehrlichen Gesprächen“ sei man überzeugt, „dass uns Gottes Wille zu deutlichen Schritten der Veränderung ermutigt“. Im „Weiter-so-Modus“ könne die Kirche ihrem Auftrag nicht gerecht werden. Man stehe gemeinsam mit den deutschen Bischöfen für die Umsetzung der Reformbeschlüsse bereit. Der Brief der Generalvikare richtet sich an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Kardinal Reinhard Marx, und Thomas Sternberg, den Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). Nur eine offene und Vielfalt zulassende Kirche habe die Chance, in der Gesellschaft „wirksam präsent bleiben zu können“. (kna u. vn v. 5. 11.)

 

Papst Franziskus erwägt, weitere Frauen in Spitzenfunktionen der Kurie zu ernennen. „Ja, sicher“ könnten Frauen „Dikasteriumschefs sein“, sagte der Papst vor den Angehörigen des Dikasteriums für Laien, Familie und Leben. Bei der jüngst erfolgten Neubesetzung der Leitung des Wirschaftsdikasteriums seien „auf der finalen Liste zwei Frauen gestanden; sie hätten Dikasteriumchefs werden können”. In der päpstlichen Laien-Behörde gebe es heute „das Geschenk zweier Untersekretärinnen. […] Und zwei sind wenige! Wir müssen vorangehen und Frauen in beratende und auch entscheidende Positionen holen, ohne Angst.“ Der Papst erinnerte daran, dass eine der Untersekretärinnen des Laiendiaksteriums – die italienische Kirchenrechtlerin Linda Ghisoni – beim vatikanischen Kinderschutzgipfel im Februar eine überzeugende Rede gehalten hatte. „Sie hat eine neue Musik vorgebracht, eine neue Art zu sehen und zu denken. Und das war bereichernd.“ Beobachter erwarten, dass die geplante Kurien-Reform für Laien und damit auch für Frauen den Weg in Spitzenpositionen ebnet. (vn v. 17. 11.)

 

Die Spitze des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) beschloss mit großer Mehrheit, dass Laienkatholiken sich am "Synodalen Weg" beteiligen. Dort soll über Macht, die zölibatäre Lebensform der Priester, über Sexualmoral und einen möglichen Zugang von Frauen zu Weiheämtern offen geredet werden. Bischöfe und Laienvertreter hoffen, die Krise überwinden zu können, in der die römisch-katholische Kirche steckt, seit das Ausmaß der sexuellen Gewalt in der Kirche offenbar geworden ist. Die Rede, mit der die ZdK-Vizepräsidentin Claudia Lücking-Michel die Delegierten um Zustimmung bat, zeigte aber, dass im ZdK noch längst nicht die Skepsis überwunden ist, ob dieser Weg tatsächlich zu echten Reformen führt. So sieht die Satzung des Prozesses vor, dass Beschlüsse nur gefasst werden können, wenn ihnen zwei Drittel der vertretenen Bischöfe zustimmen. Und jeder Bischof kann selber entscheiden, was er von den Ergebnissen umsetzt. Man müsse sich an das Kirchenrecht halten, sagte Lücking-Michel. Aber man habe das Frauenthema durchgesetzt und erreicht, „dass die Bischofskonferenz das ZdK als Partner auf Augenhöhe anerkennt". (www.sueddeutsche.de v. 22. 11.)

 

Der 16er-Rat, der über die Umsetzung der Ergebnisse der Amazonien-Synode wachen soll, ist nun vollständig besetzt. Erstmals sind auch drei Laien darin vertreten. Papst Franziskus hat den Mann und die beiden Frauen persönlich ernannt. Alle drei Laien des Rates gehören der indigenen Minderheit ihrer Länder an und hatten beratend an der Synode teilgenommen. Es handelt sich um die brasilianische Ordensfrau Laura Vicuña Pereira Manso, die Indigenenführerin Patricia Gualinga aus Ecuador sowie einem Peruaner. Die 13 übrigen Mitglieder des Rates sind gewählte Bischöfe, unter ihnen Erwin Kräutler, der austro-brasilianische emeritierte Bischof von Xingu, und der brasilianische Kardinal Cláudio Hummes, Präsident des kirchlichen Panamazonien-Netzwerks REPAM. Auf der Grundlage der Beschlüsse der Amazonien-Synode wird Papst Franziskus ein postsynodales Schreiben verfassen. (vn v. 23. 11.)

 

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) will Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare. Andernfalls schaffe die Kirche „existenzielle Notsituationen". Wenn solche Paare für ihr gemeinsames Leben den „kirchlich vermittelten Segen Gottes" wünschten, dürften diese nicht abgewiesen werden, heißt es in einem in Bonn verabschiedeten Beschluss. Nach geltender römisch-katholischer Lehre kann es das Sakrament der Ehe nur zwischen Mann und Frau geben. Die Kirche beruft sich dabei vor allem auf die biblische Überlieferung und das sogenannte Naturrecht. Das ZdK hatte sich bereits 2015 prinzipiell für eine Segnung homosexueller Paare ausgesprochen. In dem jetzt verabschiedeten Papier bezeichnet das ZdK die theologischen Grundlagen, auf denen gleichgeschlechtliche Paare von Segnungsfeiern ausgeschlossen werden, als überholt. Auch bestehe keine Verwechslungsgefahr mit dem Sakrament der Ehe. Das ZdK ermutigt die Ortsbischöfe, derartige Segensfeiern zu ermöglichen. Kirchenrechtlich sei das möglich. Auch andere Partnerschaften, denen eine kirchliche Trauung nicht offenstehe, könnten davon profitieren wie etwa geschiedene Katholiken, die in einer neuen Beziehung leben. (kna u. www.zeit.de v. 23. 11.)

 

Der Vatikan lässt sich in Zukunft von Jugendlichen beraten und hat eine internationale Beratungsgruppe aus Jugendlichen und jungen Erwachsenen eingerichtet. Das 20-köpfige Komitee soll dem Dikasterium für Laien, Familie und Leben beratend zur Verfügung stehen. Die Hälfte der neuen Beratungsgruppe sind Frauen, darunter eine aus Österreich. Carina Baumgartner gehört der Salesianischen Jugendbewegung in Wien an. Die 20 jungen Menschen aus allen Erdteilen nahmen bereits 2018 an der Jugend-Bischofssynode teil. Die Ernennung erfolgt auf drei Jahre. Das erste Treffen ist im April 2020 in Rom geplant. (vn v. 24. 11.; JA v. 8. 12.)

 

Einen offenen und klärenden Austausch aller Gläubigen über die Zukunft der Kirche erhoffen sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), der Münchner Kardinal Reinhard Marx, und der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, im Rahmen des „Synodalen Weges“, der am 1. Dezember offiziell startet. Die Gläubigen seien eingeladen, den Austausch „durch eigene Stellungnahmen und Gebet mitzutragen, den Weg in den Gemeinden mitzugehen und die Arbeit der Synodalversammlung und der Synodalforen, in denen es konkret um Macht und Gewaltenteilung in der Kirche, Partnerschaft und Sexualität, die priesterliche Lebensform sowie die Rolle der Frau in unserer Kirche gehen soll, zu begleiten,“ heißt es in einer Mitteilung der DBK. Ausdrücklich sind auch Menschen zum Austausch eingeladen, die „Schwierigkeiten mit dem Glauben und der Kirche haben, die Vertrauen verloren haben oder als Suchende unterwegs sind“, so Marx und Sternberg in dem Schreiben. (vn v. 27. 11.)

 

Nach dem Stopp aus Rom wird es im Bistum Trier zum 1. Januar 2020 doch keine Großpfarreien geben. Bischof Stephan Ackermann werde die Dekrete in Rheinland-Pfalz und im Saarland zurücknehmen, teilte Generalvikar Ulrich Graf von Plettenberg in Trier mit. Damit reagiert das Bistum auf eine Entscheidung der römischen Kleruskongregation. Das Bistum Trier wollte nach bisherigen Plänen bis zum 1. Januar 2021 bistumsweit 35 Großpfarreien errichten, die die bisher 887 kleinen Pfarreien in gut 170 Pfarreiengemeinschaften ablösen sollen. In der vergangenen Woche hatte Ackermann die Dekrete zur Errichtung der ersten 15 neuen Großpfarreien zum 1. Januar 2020 erlassen. Die Klerusbehörde im Vatikan hatte unter anderem auf Beschwerden der Priestergemeinschaft Unio Apostolica und mehrerer Katholiken aus dem Bistum reagiert. Die Anstellungsverhältnisse der Frauen und Männer in den geplanten Leitungsteams der Pfarreien der Zukunft werden vorläufig beibehalten. (dpa v. 26. 11.; vn u. www. sueddeutsche.de v. 27. 11.; JA v. 1. 12.)

 

Papst Franziskus würdigt die Internationale Theologische Kommission zum 50-jährigen Bestehen. Bei der Begegnung hob der Papst zwei Texte hervor, die die TheologInnen der Kommission ausgearbeitet hatten. „Der erste bietet eine theologische Einordung der Synodalität im Leben und der Mission der Kirche. […] Die Synodalität ist ein Stil, ein gemeinsames Vorwärtsgehen, und das ist es, was der Herr sich von der Kirche des dritten Jahrtausends erwartet. […] Die Synodalität ist ein Weg der Kirche, die eine Seele hat, die der Heilige Geist ist.“ Der zweite Text dreht sich um das Menschenrecht der Religionsfreiheit: „Die ehrliche Achtung der Religionsfreiheit, die in einem fruchtbaren Dialog zwischen Staat und Religionen kultiviert wird, ist hingegen ein großer Beitrag zum Wohl aller und zum Frieden.“ Papst Paul VI. habe die Kommission eingeführt, um die „fruchtbare Zusammenarbeit“ zwischen Theologen und Lehramt zu fördern. „Der Theologe muss vorwärts gehen, er muss das studieren, was darüber hinaus geht, er muss auch die Dinge angehen, die nicht klar sind und in der Diskussion riskieren“, schreibt der Papst. In der aktuellen, rund 30-köpfigen Theologischen Kommission sitzen auch der Bonner Dogmatiker Karl-Heinz Menke sowie die Dogmatikerin Marianne Schlosser, die in Wien Theologie der Spiritualität lehrt. (vn v. 29 11.)

 

Die Reformen in der römisch-katholischen Kirche gehen langsam voran, aber sie werden kommen. Davon ist die deutsche Ordensfrau Jordana Schmidt überzeugt. Die Dominikanerin von Bethanien war eine der HauptreferentInnen bei der Herbsttagung der heimischen Ordensgemeinschaften in Wien-Lainz. Im Gespräch mit Journalisten nahm sie u.a. zum „Synodalen Weg" in Deutschland, zur Initiative „Maria 2.0" bzw. zum Zölibat Stellung. Forderungen von „Maria 2.0" sind die Zulassung von Frauen zu allen Weiheämtern, die Aufhebung des Pflichtzölibats sowie die vollständige und transparente Aufklärung von Missbrauchsfällen in der römisch-katholischen Kirche. Die Reformbewegung ist vor allem in Deutschland, aber auch in Österreich aktiv. Das „Amt hat mit Berufung zu tun und nicht mit dem Geschlecht", so Sr. Jordana wörtlich. Sie könne sich Frauen in geistlichen Ämtern gut vorstellen: „Gott macht es sicher nicht vom Geschlecht abhängig". Als positiv bemerkt sie, dass die Bischöfe das Leid und die Unzufriedenheit der Frauen wahrnehmen würden. „Das sind Frauen, die die die Kirche lieben und etwas verändern und mitbestimmen wollen, und zwar auf Augenhöhe". Leider „verändert sich ja nur etwas, wenn jemand laut schreit". Beim Pflichtzölibat wird sich nach Auffassung der Ordensfrau wohl erst dann etwas verändern, „wenn mehr Priester dazu stehen, dass sie ihn nicht einhalten. […] Ich kenne einige von den Priestern, die Frauen und/oder Kinder haben. Und wenn sie das öffentlich machen, dann wird sich mehr verändern." Den „Synodalen Weg" bezeichnete Schmidt als Chance: „Wir müssen sehen, was engt uns ein, und wir müssen Dinge verändern, indem wir sie einfach tun.“ (kap v. 29. 11.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Die Kultur- und Jugendministerin der Vereinigten Arabischen Emirate, Noura Al Kaabi, kritisierte die Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee und betonte, die Kulturschätze der Menschheit – wie die Hagia Sophia – müssten „in ihrem Wert und in ihrer Funktion“ bewahrt werden, sie dürften nicht „unpassend“ verwendet oder für „persönliche Zwecke instrumentalisiert“ werden. Die Entscheidung der türkischen Politik betreffe zutiefst die ganze Menschheit, weil es sich bei der Hagia Sophia um eine UNESCO-Welterbe-Stätte von „außerordentlichem Wert für alle Völker und Kulturen“ handle. Die Hagia Sophia sei „eine Brücke zwischen unterschiedlichen Menschen, […] ein wichtiges Beispiel der Interaktion und des Dialogs zwischen Asien und Europa und sollte ein harmonisches Zeugnis menschlicher Geschichte bleiben“. (JA v. 2. 8.)

     

  • Im Interview mit den „Salzburger Nachrichten“ plädiert Dr. Julia Knop, die Dogmatikerin an der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Erfurt, für einen „Mentalitätswandel“ der römisch-katholischen Kirche, weil die „Geschlechtergerechtigkeit [heute] schlichtweg unhinterfragbar ist“: „Wenn es in der Antike Diakoninnen gegeben hat, könnte es sie auch heute geben. […] Es wäre ein Wandel zum Verständnis des Weiheamtes, das geerdet ist, das rechenschaftspflichtig ist und nicht den Amtsträger in den Himmel lobt und zu einer besonderen Mittlergestalt stilisiert. Ein Wandel zu einem kirchlichen System, das heutigen Standards von Transparenz und Kontrolle, von Gewaltenteilung und Geschlechtergerechtigkeit entspricht. Zu einer Kirche, die glaubwürdig ist.“ (SN vom 1. 8.)

     

  • Vor einigen Monaten noch gab es im palästinensischen Gaza-Streifen noch keine Corona-Infektionen. Pater Romanelli sagte im Radio Vatikan „Für mich war es ein Wunder. Da wir schon damals ahnten, was auf uns zukommen könnte – haben wir die Zeit genutzt: Wir haben Aktivitäten im Freien organisiert, und natürlich Gottesdienste, aber auch Seminare und Ausflüge ans Meer. […] Mit solchen Angeboten hilft die Kirche tausenden Menschen und zwar Mitbürgern christlichen wie muslimischen Glaubens. […] Wir haben auch Wettkämpfe für die jungen Leute organisiert, Angebote für Kinder und ein besonderes Programm im Marienmonat Mai. Immer haben ganz viele Leute mitgemacht, auch die griechisch-Orthodoxen. Ökumene ist für uns Alltag.“ Doch jetzt wurden die ersten vier Fälle von Corona im Flüchtlingslager Al-Mughasi entdeckt, in dem etwa 120.000 Menschen leben. Die Hamas-Regierung verhängte einen zweitägigen Lockdown. „Viele Menschen haben keine Hoffnung. Es gibt natürlich immer Leute, die nicht einverstanden sind und sich beschweren.“ Von daher ist Pater Romanelli froh, wenn er und seine Gemeinde den Menschen Hilfe und Hoffnung bringen können – und zwar egal, welcher Religion sie angehören. (vn v. 27. 8.)

     

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