Ökumene

Die deutsche Reformbewegung „Wir sind Kirche“ hat den Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode (65) als Reformer gelobt: Bode verlange immer wieder mit deutlichen Worten mehr Einfluss von Frauen und spreche sich dafür aus, die Rolle der Priester in der römisch-katholischen Kirche zu überdenken, sagte der Sprecher der Bewegung, Christian Weisner der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx sagte, Bode habe beim Wandel in der römisch-katholischen Kirche entscheidende Impulse gesetzt. Zurückhaltend äußerte sich der Erzbischof allerdings auf die Frage, ob das Osnabrücker Modell, Frauen ehrenamtlich in die Gemeindeleitung einzubinden, Vorbild für ganz Deutschland sein könne. Dies müsse jedes Bistum für sich selbst entscheiden, sagte der Kardinal. (http://www.spiegel.de vom 4. 9.)

 

Der künftige Limburger römisch-katholische Bischof Georg Bätzing plädiert dafür, den für 2021 vorgesehenen Deutschen Evangelischen Kirchentag in Frankfurt am Main als gemeinsamen Ökumenischen Kirchentag zu begehen. Damit schloss sich Bätzing einem Vorschlag des Präsidenten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung, an. „Alles, was wir zusammen können, sollten wir zusammen tun“, sagte Bätzing, der demnächst im Limburger Dom zum Bischof geweiht. Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hatten zuletzt bekräftigt, an den Plänen für einen dritten Ökumenischen Kirchentag 2021 in Frankfurt festzuhalten. (www.de.radiovaticana.va u. kna v. 7. 9.)

 

Im Rahmen einer ökumenischen Bildungsreise der Erzdiözese Salzburg und der evangelischen Diözese Salzburg-Tirol mit Erzbischof Dr. Franz Lackner sowie Superintendent Olivier Dantine an der Spitze erkundeten vor kurzem 62 Interessierte die Orte Erfurt, Eisenach, Helfta, Eisleben, Mansfeld, Wittenberg und Augsburg. Das Ziel dieser Reise bestand nicht nur im Besuch der historisch interessanten Lutherstätten, sondern auch im Austausch und im Miteinander-Beten von evangelischen und römisch-katholischen Christinnen und Christen. Neben den Häusern und Kirchen, in denen Martin Luther gelebt und gewirkt hatte, standen Meister Eckhart, Elisabeth von Thüringen, Gertrud von Helfta und Johann Sebastian Bach mit deren Wirkungsstätten auf dem Reiseprogramm. „Die wichtigste Botschaft Luthers, dass wir uns aufs Wesentliche – auf Christus – berufen sollen, sollte wieder mehr ins Gedächtnis gerufen werden. Das fasziniert mich“, sagte Erzbischof Franz Lackner. Eine ökumenisch besetzte Bildungsreise dieser Art soll es in Zukunft wieder geben. (www.kirchen.net vom 14. 9.)

 

Es gibt ein neues katholisch-evangelisches Dokument zu Martin Luther: Die beiden großen Kirchen in Deutschland haben am 16. September ihre Absicht bekräftigt, das Reformationsgedenken 2017 als „ökumenisches Ereignis“ zu feiern. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Kardinal Reinhard Marx, und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, haben in München dazu ein 92-seitiges „Gemeinsames Wort zum Jahr 2017“ vorgestellt. Am 31. Oktober 2017 jährt sich zum 500. Mal die Veröffentlichung der 95 Thesen Martin Luthers (1483-1546), die als Beginn der Reformation gilt. Das Dokument mit dem Titel „Erinnerungen heilen - Jesus Christus bezeugen“ geht sowohl auf die gegenseitigen Verwundungen in den vergangenen 500 Jahren ein als auch auf die ökumenische Annäherung in den letzten Jahrzehnten. Es stellt die theologische Grundlage dar, das Gedenken „gemeinsam als Christusfest“ zu feiern. Einen zentralen Gottesdienst zur „Heilung der Erinnerung“ planen DBK und EKD am 11. März 2017 in Hildesheim. Dass das Reformationsgedenken ein ökumenisches „Fest“ werden soll, ist nach den Worten von Marx und Bedford-Strohm keineswegs selbstverständlich. Die bisherigen Gedenktage dienten eher der konfessionellen Profilierung und befestigten die Gräben zwischen den Kirchen. Diesmal soll es anders werden: Es sei „ein herausragender Moment unserer Gemeinschaft, nach Jahrhunderten gegenseitiger Abgrenzung ein Reformationsjubiläum in dieser Bereitschaft zu Vergebung und Aufbruch zu begehen“, betonten der EKD-Ratsvorsitzende und der DBK-Vorsitzende in ihrem Geleitwort. Als weiterhin offene Fragen werden Eucharistie- und Abendmahlsgemeinschaft sowie das Kirchen- und Amtsverständnis angesprochen. Bei der Weiterarbeit müsse jede Kirche der Versuchung widerstehen, „das eigene Selbstverständnis als theologisches Maß für alle Kirchen zu wählen“. Unter dem Titel „Theologische Schlüssel - 500 Jahre Reformation in der Ökumene heute“ steht das umfangreichste Kapitel des Textes. Darin wollen „beide Seiten erklären, was sie aneinander schätzen und inwieweit sie ihre eigenen theologischen Grundbegriffe nicht mehr ohne die ebenso kritische wie konstruktive Auseinandersetzung mit denen der anderen Seite formulieren können“. (religion.ORF.at; KAP u. KNA vom 16. 9.)

 

Im Oktober ist ein weiteres Treffen von Papst Franziskus mit dem anglikanischen Primas Justin Welby geplant, und zwar anlässlich der Feierlichkeiten zum 50. Jubiläum des anglikanischen Zentrums in Rom. Laut der katholischen Wochenzeitung „Tablet“ wird Welby auch an einer Vesper in der römischen Basilika „Santi Andrea e Gregorio al Monte Celio“ teilnehmen. Außerdem wird Papst Franziskus am 12. Oktober eine Nachricht nach Westminster Abbey senden, wo die britische Premierministerin Theresa May, der römisch-katholische Primas Vincent Nichols und der Erzbischof Welby eine Ansprache zum Ende der Sklaverei halten werden. (www.de.radiovaticana.va rv. u. sir 21.09.2016 ah)

 

Mit einer Einigung bei der 14. Vollversammlung der Internationalen Kommission für den theologischen Dialog zwischen Vertretern der römisch-katholischen und der orthodoxen Kirche ist am 22. September das Treffen in Francavilla al Mare in der Erzdiözese Chieti-Vasto in Mittelitalien zu Ende gegangen. Wie das Außenamt des Moskauer Patriarchats berichtet, fand das Dokument mit dem Titel „Synodalität und Primat im ersten Jahrtausend: Auf dem Weg zu einem gemeinsamen Verständnis im Dienst der Einheit der Kirche“ allgemeine Zustimmung. Nur die Delegation der georgisch-orthodoxen Kirche brachte in einer eigenen Stellungnahme ihre abweichende Meinung zu einzelnen Abschnitten des Dokuments zum Ausdruck. Diese abweichende Stellungnahme wird in der Abschlusserklärung des Dokuments mitveröffentlicht. Die bulgarisch-orthodoxe Kirche war in Chieti nicht präsent. Der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion (Alfejew), plädierte in Francavilla dafür, die nächste Phase des Dialogs der Synodalität und dem Primat der Kirche im zweiten Jahrtausend zu widmen. In diesem Zusammenhang müsse auch das nach 1054 entstandene Phänomen der „Unionen“ von Teilen der orthodoxen Kirche mit Rom behandelt werden. Dieses Thema sei nach wie vor ein „Stolperstein“ in den orthodox-katholischen Beziehungen. Daher sei es angezeigt, die Diskussion im Hinblick auf das zweite Jahrtausend fortzuführen, erklärte Hilarion. Der zweite Repräsentant der russisch-orthodoxen Kirche, Archimandrit Irenaeus Steenberg von der Abtei Saint Silouan in Kalifornien, betonte ebenfalls, dass die Diskussion über Synodalität und Primat im zweiten Jahrtausend - einschließlich der Frage des „Uniatismus“ - notwendig sei. Die russisch-orthodoxe Kirche werde in jedem Fall weiterhin intensiv am orthodox-katholischen Dialog mitarbeiten, auch wenn die Fragen der ekklesiologischen und kanonischen Folgen der „Unionen“ ungelöst bleiben. Im Abschlussdokument der 14. Vollversammlung wird auch die Solidarität der Bischöfe und Theologen mit der leidenden Bevölkerung des Nahen Ostens betont. (www.de.radiovaticana.va u. kap v. 22. 9.)

 

Unter dem Titel „Heute gerecht leben“ findet bis zum 25. September in Wien die zweite christlich-islamische Dialogkonferenz statt. Römisch-katholische, orthodoxe und muslimische Theologen und Philosophen diskutieren über verschiedene Voraussetzungen für ein respektvolles Zusammenleben von Christen und Muslimen. Die muslimischen Teilnehmer kommen vor allem aus dem Iran und vertreten die schiitische Richtung des Islam. Die Dialogkonferenz wird vom „Institut für Religion und Frieden“ und von der Johannes-Messner-Gesellschaft veranstaltet. Die erste Tagung dieser Art fand 2014 im Iran statt. Von Seiten der orthodoxen Kirche in Österreich nimmt u.a. der Theologe Ioan Moga an dem Symposion teil. Er betonte, dass es zum interreligiösen wie interkulturellen Dialog keine Alternative gebe. Gerade auch der persönliche Kontakt zu Vertretern der jeweils anderen Seite könne dazu beitragen, Vorurteile abzubauen. (www.de.radiovaticana.va u. kap v. 23. 9.)

 

In Berlin wird eine neue Stiftung für den Bau eines Gotteshauses für drei Religionen eingerichtet. Die „Stiftung House of One“ hat die Aufgabe, den „Dialoganfragen aus aller Welt“ gerecht zu werden. Sie geht aus dem bisherigen Trägerverein „Bet- und Lehrhaus Petriplatz Berlin“ hervor. Das Gotteshaus soll getrennte Gebetsräume für Juden, Christen und Muslime sowie einen gemeinsamen Raum der Begegnung erhalten. Dem Stiftungsrat gehören unter anderem der Rabbiner Andreas Nachama und der Imam Kadir Sanci an. Der Bau soll im Stadtzentrum auf den Fundamenten der kriegszerstörten evangelischen Petrikirche errichtet werden. Träger des Projekts sind die evangelischen Kirchengemeinde Sankt Petri-Sankt Marien, die jüdische Gemeinde, das Abraham Geiger Kolleg und das muslimische „Forum für Interkulturellen Dialog“. (www.de.radiovaticana.va u. kna v. 23. 9.)

 

Die Diözese Regensburg hat seit 24. September ein neues Ostkirchen-Institut. Bischof Rudolf Voderholzer will damit an Traditionen anknüpfen, denn eine Vorläufereinrichtung hat vor vier Jahren ihre Arbeit beendet. Er habe dieses „große Erbe“ fortführen wollen, sagte er. Zur Gründung war Kardinal Kurt Koch aus dem Vatikan angereist. Der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen wollte damit ein Signal setzen: „Die Dialoge gelingen nur, wenn sie lokal, regional und universal stattfinden“, sagte er. Er glaube fest daran, dass das Trennende zwischen der Kirche in Rom und den Ostkirchen überwunden werden könne. „Ich werde es sicher erleben. Ich weiß nur nicht, ob noch auf Erden oder schon im Himmel“. Bereits am Gründungstag debattierten Kirchenvertreter bei einem internationalen ökumenischen Symposium über den „Dialog 2.0“. Der Tag endete mit einer ökumenischen Vesper in der Dominikanerkirche. Der Wunsch nach einer Wiedervereinigung seit der Trennung 1054 sei da, sagt der Kardinal. „Seit dem 2. Vatikanischen Konzil hat jeder Papst diese tiefe Sehnsucht gehabt. Das war auch auf orthodoxer Seite so.“ Koch erinnerte an ein Telegramm des Patriarchen Athenagoras an Papst Paul VI., in dem er schrieb: „Die Zeit des christlichen Mutes ist gekommen. Wir lieben einander, wir teilen den selben Glauben. Es ist Zeit, das wir uns auf dem Weg machen zum gemeinsamen Altar.“ Die Neukonzeption bindet das Institut mehr in die Diözesanstruktur ein und soll Beiträge zur besseren wechselseitigen Kenntnis östlicher und westlicher Tradition sowie zur „Wiederherstellung kirchlicher Einheit in Vielfalt“ leisten, so Bischof Voderholzer. (www.de.radiovaticana.va u. kna v. 25.9.; www.mittelbayerische.de und kap v. 24. 9.)

 

Mit einem ökumenischen Gottesdienst am Rand des Flüchtlingslagers Friedland (Deutschland) und einem anschließenden Begegnungsfest ist am 25. September die 41. Interkulturelle Woche eröffnet worden. Sie ist eine bundesweite Initiative der Deutschen Bischofskonferenz, der Evangelischen Kirche in Deutschland und der griechisch-orthodoxen Metropolie. Der Gottesdienst wurde geleitet vom stellvertretenden Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, dem Hildesheimer Bischof Norbert Trelle, vom Kulturbeauftragten der evangelischen Kirche in Deutschland, Johann Hinrich Claussen, sowie vom Archimandrit Gerasimos Frangoulakis als Vertreter der griechisch-orthodoxen Metropolie von Deutschland. In seiner Einführung zum ökumenischen Gottesdienst nahm Bischof Trelle Bezug auf die bewegte Geschichte des Grenzdurchgangslagers bei Göttingen (Niedersachsen): „Wir wollen eine umfassende Solidarität mit Migranten […] Das ist die moralische Substanz unserer gemeinsamen Überzeugungen und unterschiedlichen religiösen Traditionen, die ein gemeinsames Fundament haben in den Grundwerten von Barmherzigkeit, Gastfreundschaft und tätiger Nächstenliebe.“ In seiner Predigt betonte Clausen: Es ist gut, „dass es die Interkulturelle Woche […] gibt, um gemeinsam zu überlegen, wie wir einträchtig in Vielfalt leben können.“ Mit einem Friedensgruß von Vertretern der jüdischen Gemeinde in Göttingen und der muslimischen Gemeinschaft schloss der ökumenische Gottesdienst. (www.de.radiovaticana.va v. 25. 9.)

 

Die römisch-katholische Kirche kommt den unierten Kirchen des orthodoxen Ritus entgegen und passt die Regelung für Mischehen den orthodoxen Gepflogenheiten an: Mischehen zwischen Katholiken und katholisch-unierten Christen können nun auch nach dem ostkirchlichen Ritus erlaubt geschlossen werden. (JA v. 25. 9.)

 

Rund 1.000 Katholiken und Protestanten aus ganz Deutschland pilgern von 9. bis 16. Oktober unter dem Motto „Mit Luther zum Papst“ gemeinsam nach Rom. Es ist das „größte ökumenische Projekt“ im Rahmen des Gedenkjahres zum Beginn der Reformation vor 500 Jahren, so die beiden Kirchen in Sachsen-Anhalt als die Veranstalter. Vor allem junge Menschen unter 30 aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen nehmen teil. Begleitet werden sie vom römisch-katholischen Magdeburger Bischof Gerhard Feige, der mitteldeutschen Landesbischöfin Ilse Junkermann und vom Anhalts Kirchenpräsidenten Joachim Liebig. In einer Audienz bei Papst Franziskus wollen ihm die Pilger selbst erarbeitete Wünsche zur Ökumene als „Thesenbuch“ überreichen. Geplant ist zudem ein Gottesdienst mit dem für Ökumene zuständigen Kurienkardinal Kurt Koch. (kna v. 29. 9.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Nach dem Nein des Vatikan zu einer Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren fordert der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck „eine ernsthafte und zutiefst wertschätzende Neubewertung der Homosexualität". Die bloße Wiederholung der „Wertung von Homosexualität auf naturrechtlicher Basis" werde heute nicht mehr verstanden und auch nicht mehr akzeptiert, schreibt er in einem Brief an alle Pfarreien. Gerade in den Zuschriften vieler SeelsorgerInnen komme „eine offene Ablehnung der lehramtlichen Position zum Ausdruck, die nicht mehr ignoriert werden darf". Bei aller Wertschätzung von Schriftzeugnis, Lehramt und Tradition müsse es um eine „Übersetzung der Zeichen der Zeit" gehen. Die gesamte Tradition sei „als ein lebendiges Geschehen zu begreifen". Gerade die Segensfeiern seien entstanden aus der seelsorglichen Begleitung der betroffenen Menschen. „Über das Gute ihres Lebens einen Segen zu sprechen, der nicht einer Trauung ähnelt, wohl aber Zeichen der Begleitung ist, soll doch zeigen: Im Namen der Kirche ist Gott in dieser Beziehung gegenwärtig." Ähnlich 2600 Geistliche in Deutschland, zahlreiche Priester in Österreich, sowie die österreichischen Bischöfe Wilhelm Krautwaschl (Graz-Seckau), Josef Markets (Gurk-Klagenfurt), Hermann Glettler (Linz) und der Antwerpener Bischof Johan Bonny. (kna u. zahlreiche Medien ab. 20. 3.)

     

  • Im Irak tätige religiöse Organisationen haben anlässlich der Papstreise vom 5. bis zum 8. März ein gemeinsames Statement für Solidarität, Geschwisterlichkeit und interreligiösen Dialog unterzeichnet. In der interreligiösen Erklärung verpflichten sich die Organisationen, Diskriminierung und Missionierung abzulehnen, die kulturellen Werte und Überzeugungen anderer zu respektieren, den sozialen Zusammenhalt zu fördern und die Zusammenarbeit bei der Hilfe für Bedürftige zu stärken. Sie rufen zudem die Internationale Gemeinschaft auf, dem irakischen Volk zu helfen, die gegenwärtigen Herausforderungen „in einem wahren Geist der menschlichen Geschwisterlichkeit und Solidarität“ zu bewältigen. Die Erklärung unterschrieben unter anderem mehrere Caritas-Einrichtungen, die christlich-muslimische Adyan-Stiftung, Islamic Relief Worldwide und der Lutherische Weltbund. Schon in seiner Enzyklika „Fratelli tutti“ habe Papst Franziskus daran erinnert, dass sich keiner allein retten könne, heißt es in dem Manifest. Als positives Beispiel interreligiöser Zusammenarbeit verweisen die Unterzeichner auf das Abu Dhabi-Dokument von 2019 zur Brüderlichkeit aller Menschen hin , das Papst Franziskus und Großimam Ahmad Mohammad Al-Tayyeb unterzeichneten. „Als glaubensbasierte Organisationen schließen wir uns vollständig dieser Botschaft der Geschwisterlichkeit und des Dialogs an“. (vn v. 3. 3.)

     

  • Die Enzyklika „Fratelli tutti“ über Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft steht im Zentrum eines Web-Seminars, bei dem weibliche Führungspersönlichkeiten unterschiedlicher Religionen und Kulturen zu Wort kommen. Organisiert wurde das ökumenische und interreligiöse Seminar von der Weltunion katholischer Frauenverbände (WUCWO) anlässlich des internationalen Weltfrauentags am 8. März. Zwei Vatikangremien wirken dabei mit: der weibliche Beraterstab des päpstlichen Kulturrates und der Päpstliche Rat für Interreligiösen Dialog. Neben einer Videobotschaft der ehemaligen UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova, die als weibliches Mitglied im „Hohen Komitee für die Brüderlichkeit unter den Menschen“ im islamisch-christlichen Dialog engagiert ist, sind Beiträge weiterer Vertreterinnen aus Christentum, Judentum und Islam, Buddhismus und Hinduismus vorgesehen. Das Wort ergreifen etwa die Soziologieprofessorin und Vatikanberaterin Consuelo Corradi, Leiterin des Frauenrates im Päpstlichen Kulturrat, sowie die muslimische Theologin Shahrzad Houshmand, die ebenfalls dort Mitglied ist. Auch sprechen die Präsidentin des Interreligiösen und Interkulturellen Komitees des Internationalen Rates der Jüdischen Frauen, Nadine Iarchy. Weitere Beiträge kommen von Elena Seishin Viviani von der Buddhistischen Union und Svamini Hamsananda Ghiri von der Hinduistischen Union in Italien. Grußworte sprechen Kardinal Gianfranco Ravasi, Präsident der Päpstlichen Kulturrates, und Kardinal Miguel Ángel Ayuso Guixot, Präfekt des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog. „Wir sind dann im Jahr 2020 zu einer gemeinsamen Erklärung gekommen und haben festgestellt, dass es gemeinsame Punkte gibt, um menschliche Geschwisterlichkeit gemäß den vom Papst angegebenen Richtlinien durch Frauen in der Welt zu verwirklichen. In diesem Jahr 2021 hoffen wir, diesen Weg des Dialogs einen Schritt weiterzugehen und zu konkretisieren - es geht jetzt darum, von Erklärungen zu Fakten überzugehen“, sagt die Argentinierin Maria Lia Zervino, Präsidentin der WUCWO, im Interview mit Radio Vatikan. (vn v. 3. 3.)

     

  • Der Innsbrucker Pastoraltheologe Christian Bauer fordert eine Neuausrichtung der Priesterausbildung. Es brauche „einen anderen, postklerikalen Geist", schreibt er in einem Gastbeitrag für das Portal katholisch.de. Angehende Priester müssten „aus ihrer persönlichen Komfortzone heraus“. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) habe es „durchaus bemerkenswerte Neuansätze" gegeben. Unter dem heutigen Papst ergäben sich neue Möglichkeiten, da Franziskus die Synodalität als gemeinsames Vorangehen aller Getauften propagiere. Bislang führe die Priesterausbildung häufig zu einem „Hineinsozialisieren in einen klerikalen Habitus, der längst als ein wesentlicher Grund des geistlichen Missbrauchs bis hin zu sexualisierter Gewalt identifiziert ist". In Priesterseminaren entstehe oft ein „verhängnisvoller klerikaler Korpsgeist". Es brauche jedoch individuelle Möglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln, fordert der Pastoraltheologe. Zudem sollten „angehende Priester, Gemeinde- und Pastoralreferent*innen" nicht in „XXL-Seminaren" abgeschottet sein, sondern in dezentralen Wohngemeinschaften am ‚normalen' Studierendenleben" teilhaben. Prof. Bauer äußerte sich deshalb, weil eine Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz ein Reformkonzept vorgelegt hat, wonach die Priesterausbildung nur noch an wenigen Standorten in Deutschland erfolgen soll. Dies stieß zum Teil auf heftige Kritik. (kna u. kap v. 2. 3.)

     

  • Der deutsche Ökumenische Kirchentag (ÖKT) 2021 wird anders als alle Kirchentage bisher. Ein Beispiel dafür ist „Schaut hin – Von der Krise zur Vision“, das Anfang März veröffentlichte gemeinsame Magazin der römisch-katholischen und evangelischen Kirche für den Religionsunterricht. Konkret arbeiteten hier das Dezernat Schule und Bildung im Bistum Limburg und das Religionspädagogische Institut der Evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck und der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) zusammen. Das Heft bietet für Schulen Unterrichtsmaterialien zu den zentralen Themen des ÖKTs an: von Glaube und Spiritualität über die Bewahrung der Schöpfung bis hin zu Wirtschaft. „Es ist so wichtig, dass gerade Kinder und Jugendliche erkennen können, dass Christ-Sein nicht bedeutet, weltfern zu sein“, schreiben in ihrem Geleitwort der Bischof von Limburg, Georg Bätzing, sowie die Bischöfin von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, und der Kirchenpräsident der EKHN, Volker Jung. (vn [=Vatican News] v. 2. 3.)

     

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