Zum Segens-Verbot des Vatikan für gleichgeschlechtliche Paare.

Zum vom Vatikan ausgesprochenen Segnungsverbot für Homosexuelle haben Vertreter der römisch-katholischen Kirche eine Unterschriftenliste von 200 Menschen an Bischof Helmut Dieser und Birgit Mock übergeben, den beiden Vorsitzenden des Synodal-Forums „Sexualität und Partnerschaft“. „Wir verbinden damit die Erwartung, dass gleichgeschlechtliche liebende Paare künftig nicht nur die Möglichkeit einer kirchlichen Segnung erhalten, sondern volle Anerkennung erfahren", sagte der Würzburger Hochschulpfarrer Burkhard Hose bei der Übergabe im Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Unter den Unterstützern sind Priester, Ordensleute, Theologen, Seelsorger sowie Gemeinde- und Pastoralreferenten. Mit ihrer Unterschrift erklären sie sich bereit, weiterhin homosexuelle Paare zu segnen. (sz.de v. 28. 3.)

 

Hinsichtlich des Neins der vatikanischen Glaubenskongregation zur Segnung homosexueller Paare warnen BibelwissenschaftlerInnen vor moralischen Bewertungen biblischer Texte. Diesbezüglich äußerten sich die Direktorin des Österreichischen katholischen Bibelwerks, Elisabeth Birnbaum, und der deutsche Bibelwissenschaftler Thomas Hieke der Universität Mainz. Die Bibel kenne nicht, wie Birnbaum im Online-Feuilleton „feinschwarz“ schreibt, das heutige Konzept „von Homosexualität als eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft auf Augenhöhe“. Und Hieke dazu: Zwar seien „heterosexuelle Beziehungen zur Zeugung von Nachkommen der Plan Gottes“. Jedoch stehe nicht in der Bibel, „dass dies der einzige Plan Gottes mit dem Phänomen menschlicher Sexualität sei“. Der Wiener Alttestamentler, Ludger Schwienhorst-Schönberger, sagte in einer Stellungnahme gegenüber Kathpress, dass es innerhalb der Bibel keinerlei Anhaltspunkte für oder gegen eine Segnung homsexueller Beziehungen gebe. Die Bibel ächte zwar „bestimmte gleichgeschlechtliche Akte unter Männern", aber dies aus ganz bestimmten Gründen“. Hieke verweist auf den Text von Genesis 19, wo Männer von Sodom mittels analem Geschlechtsverkehr Lot und seine Gäste demütigen wollen. „Die Sünde der Männer von Sodom ist also nicht Homosexualität, sondern die gewaltsame Unterdrückung von Fremden und Schutzbedürftigen.“ Auch alttestamentliche Verbote – „Du darfst nicht mit einem Mann schlafen, wie man mit einer Frau schläft; das wäre ein Gräuel“ (Lev 18,22) – beziehen sich auf illegitime Sexualbeziehungen, die meist mit Inzest zu tun haben. „Eine homoerotische Veranlagung bzw. homosexuelle Identität sind nicht im Blick. […Das heißt aber nicht,] „dass sich Gott an diese Interpretationen anschließt und ebenfalls den Segen verweigert.“ Die Verweigerung des Segens sei „eine subtile und daher umso gravierendere Entwürdigung der Ausgeschlossenen“. Aufgabe der Kirche sei es, „die Botschaft Gottes von ihrer geschichtlichen Bedingtheit loszulösen und ins Heute zu übersetzen, statt die damaligen Gesellschaftsordnungen und Moralvorstellungen um jeden Preis zu prolongieren“. Das Argument „In der Bibel steht aber …“ gelte nicht, so Birnbaum. Gefragt sei aktuell eine neue Lesart der Bibel, die den befreienden und erlösenden Gott bezeuge: „Einen Gott, der lieber sein Verhalten ändert, als dass er seine Gebote rigoros verwirklicht haben will […] Einen Gott, der alle Menschen segnet, noch bevor er ihnen Aufgaben erteilt. […] In einem solchen Stück könnte die Bibel ihre Stärken jedenfalls ideal entfalten. Ein dankbares Publikum wäre der Kirche gewiss.“ Auch der Linzer Beziehungs-, Ehe- und Familienseelsorger Franz Harant, Leiter der „Regenbogenpastoral Österreich“, kritisiert in der Tageszeitung „Österreich“ die vom Vatikan eingenommene „verkürzende, einengende und ausschließende“ Haltung. Aktuell gelte es, die kirchliche Sexualmoral „verantwortungsvoll zu überdenken und verheutigt neu zu formulieren […] Zärtlichkeit und Sexualität als körperlicher Ausdruck von Liebe sowie lustvoll gelebt, hat auch in sich einen Wert. Diesen Wert gilt es neu zu definieren.“ (religion.ORF.at u. kap v. 31. 3. u. viele Medien)

 

Mehrere römisch-katholische Frauenverbände fordern von der Glaubenskongregation, das umstrittene Nein zur Segnung homosexueller Paare aufzuheben. Insgesamt fünf Verbände unterzeichneten dazu einen Offenen Brief. Darin heißt es: „Der Auftrag der Kirche, als Heilszeichen in der Welt wirksam zu sein, bedeutet, sich gegen Homophobie zu wenden und sich für Geschlechtergerechtigkeit, auch auf Grundlage der Humanwissenschaften, einzusetzen." Die Lebenswirklichkeit von gleichgeschlechtlichen Paaren müsse anerkannt werden. Nötig sei ein offener Dialog über eine Reform der kirchlichen Lehre mit dem „Kirchenvolk in seiner ganzen Breite und Vielfalt". Diese Reform müsse sich „an der Liebe Gottes zu dem ihm ebenbildlichen Menschen" orientieren. Von einem Segen könne niemand ausgeschlossen werden. „Gottes Liebe ist allen Menschen zugesagt, unabhängig von ihrer sexuellen Ausrichtung. Sie diskriminiert nicht. Sie (ver-)urteilt nicht. […] Verantwortete sexuelle Liebesbeziehungen können nicht auf die Ehe reduziert werden." Wenn die Kirche Menschen ausgrenze, stelle sie ihre Glaubwürdigkeit infrage und diskreditiere Glaubende. Unterzeichnet ist der Brief von der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands, dem Katholischen Deutschen Frauenbund, dem Schweizerischen Katholischen Frauenbund, der Katholischen Frauenbewegung Österreichs und der Katholischen Frauenbewegung Südtirol. (kna u. domradio.de v. 1. 4. u. viele Medien)

 

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Limburger Bischof Georg Bätzing, hat zu Ostern den mangelnden Reformwillen der römisch-katholischen Kirche kritisiert: Er leide an der Kirche, „wenn sie durch Skandale gläubige Menschen ins Wanken bringt oder durch erstarrte Strukturen und mangelnde Veränderungsbereitschaft vielen den Zugang zum Glauben blockiert", sagte er im Limburger Dom. Zuletzt hatte Bätzing das Segnungsverbot des Vatikans für homosexuelle Paare kritisiert. Er könne das Unverständnis der Gläubigen verstehen „und teile es ausdrücklich […] Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass die katholische Sexuallehre einer Weiterentwicklung im Licht der seit Jahrzehnten vorliegenden humanwissenschaftlichen und theologischen Erkenntnis bedarf." (sz.de u. faz.de v. 4. 4.)

 

Der Bonner Alttestamentler Ulrich Berges hält die Ablehnung von Segnungsfeiern für homosexuelle Paare durch den Vatikan aufgrund alttestamentlicher Bibelstellen für exegetisch „inakzeptabel". Das Alte Testament (AT) und die altorientalische Welt hätten keine homosexuellen Beziehungen im Sinne gleichberechtigter und rechtlich anerkannter Lebenspartnerschaften gekannt, schreibt er im Internetportal „Kirche + Leben“. Wenn es im Buch Levitikus heißt, ein Mann dürfe nicht mit einem Mann wie mit einer Frau schlafen (Lev 18,22), so sei dies im Kontext der altorientalischen Welt als „eine gewalttätige Handlung" zu verstehen. „Dass ein Mann beim Geschlechtsverkehr die Rolle der Frau einnimmt und dann penetriert wird“ bedeutet hier, wie in anderen Bibelstellen auch, eine Vergewaltigung. Und diese Gewalt ist natürlich zu verbieten. Die Päpstliche Bibelkommission habe vor zwei Jahren bereits festgehalten, dass „in den Erzähltraditionen der Bibel keine Hinweise auf homosexuelle Praktiken zu finden sind, weder als zu tadelnde Verhaltensweisen noch als tolerierte oder befürwortete Einstellungen", so Berges. Also ist es exegetisch „inakzeptabel“, für das Verbot homosexueller Beziehungen Stellen des AT heranzuziehen. (katholisch.de v. 13. 4.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Zum vom Vatikan ausgesprochenen Segnungsverbot für Homosexuelle haben Vertreter der römisch-katholischen Kirche eine Unterschriftenliste von 200 Menschen an Bischof Helmut Dieser und Birgit Mock übergeben, den beiden Vorsitzenden des Synodal-Forums „Sexualität und Partnerschaft“. „Wir verbinden damit die Erwartung, dass gleichgeschlechtliche liebende Paare künftig nicht nur die Möglichkeit einer kirchlichen Segnung erhalten, sondern volle Anerkennung erfahren", sagte der Würzburger Hochschulpfarrer Burkhard Hose bei der Übergabe im Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Unter den Unterstützern sind Priester, Ordensleute, Theologen, Seelsorger sowie Gemeinde- und Pastoralreferenten. Mit ihrer Unterschrift erklären sie sich bereit, weiterhin homosexuelle Paare zu segnen. (sz.de v. 28. 3.)

     

  • Paul Jacques Marie Desfarges, der Erzbischof von Algier, hat die Geschwisterlichkeit am Osterfest betont und sieht darin eine Chance für den interreligiösen Dialog. In einem Brief an seine Diözese stellt er eine Verbindung zwischen Ostern und der Irak-Reise des Papstes im März 2021 her: Jesus Christus habe sich allen „zum Bruder gemacht“, Gott selbst sei „unser geschwisterliches Band mit allen Menschen“. Der Papst habe bei seiner Irak-Reise auf diese Bedeutung der Geschwisterlichkeit in Ur, der Ursprungsstadt Abrahams, hingewiesen, „indem er zu seinen Brüdern der verschiedenen muslimischen Konfessionen, der großen schiitischen und sunnitischen Traditionen und der verschiedenen Minderheiten, der Jesiden, Mazdäer, Sabäer und anderen“ gegangen sei. Desfrages wies darauf hin, dass dies auch die Berufung der algerischen Kirche sei. Ein besonderer Moment, um diese Geschwisterlichkeit zu leben, sei der Fastenmonat Ramadan (13. 4. – 12. 5.): „Diese Zeit der spirituellen Erneuerung für unsere muslimischen Brüder und Schwestern ist eine Gelegenheit, uns mit unseren Herzen mit ihren Gebeten zu verbinden.“ (vn v. 3. 4.)

     

  • Zum ersten Mal seit 1983 ändert ein Papst das kirchliche Gesetzbuch „Codex Iuris Canonici“ (CIC) substantiell. [P. W.: 1983 bis 2017 gab es nur unwesentliche Änderungen.]: Um den Frauen die Möglichkeit zu geben, als Lektorinnen oder Akolythinnen im Altarraum einen offiziellen Dienst zu tun, streicht Papst Franziskus ein Wort, und zwar: „männlich“: Somit beginnt der Satz in CIC c. 1024 jetzt nur mehr mit „Laien, die das Alter und die Begabung haben…“  [P. W.: Es gäbe noch zahlreiche Stellen des CIC, wo „männlich“ bzw. „Mann“ gestrichen werden sollte!] (Wir-sind-Kirche-Zeitung Nr. 109/2021)

     

  • Die Schweizer Kirchen starten ab Ostern mit einer neuen Initiative: Auf www.lichtschenken.ch kann man virtuell Lichter anzünden und so ein Lichtermeer der Solidarität bilden. Ökumenisch gemeinsam veröffentlichen die evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS), die römisch-katholische Zentralkonferenz der Schweiz, die Schweizer Bischofskonferenz (SBK), die Christkatholische Kirche der Schweiz, die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz und die Schweizerische Evangelische Allianz dafür eine dreisprachige Gedenkseite. Die Pressesprecherin der SBK, Encarnación Berger-Lobato, dazu im Gespräch mit Radio Vatikan: Wegen Corona „war es der SBK und anderen christlichen Kirchen wichtig, eine ökumenische Solidaritätsaktion zu starten und so ein gemeinsames Zeichen der Hoffnung zu setzen. […] Diese Kerzen werden uns vom Karsamstag bis zum Pfingstmontag begleiten und uns immer wieder daran erinnern, dass Jesus Christus das Licht in unserem Leben ist und dass nicht der Tod die Pandemie besiegen wird, sondern das Leben und die Hoffnung.“ Was von vornherein klar war: Es sollte ein ökumenisches Projekt sein. Für Rita Famos, Präsidentin der EKS, ist es wichtig, das Osterlicht, das das Leben symbolisiert, weiterzugeben. „Lichtschenken.ch wird eine ganz andere Art von Corona-Demonstration sein: Eine Demonstration unseres Zusammenhalts und unserer Zuversicht.“ (vn v. 3. 4.)

     

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