Zur Irak-Reise von Papst Franziskus (5. bis 8. März)

Im Irak tätige religiöse Organisationen haben anlässlich der Papstreise vom 5. bis zum 8. März ein gemeinsames Statement für Solidarität, Geschwisterlichkeit und interreligiösen Dialog unterzeichnet. In der interreligiösen Erklärung verpflichten sich die Organisationen, Diskriminierung und Missionierung abzulehnen, die kulturellen Werte und Überzeugungen anderer zu respektieren, den sozialen Zusammenhalt zu fördern und die Zusammenarbeit bei der Hilfe für Bedürftige zu stärken. Sie rufen zudem die Internationale Gemeinschaft auf, dem irakischen Volk zu helfen, die gegenwärtigen Herausforderungen „in einem wahren Geist der menschlichen Geschwisterlichkeit und Solidarität“ zu bewältigen. Die Erklärung unterschrieben unter anderem mehrere Caritas-Einrichtungen, die christlich-muslimische Adyan-Stiftung, Islamic Relief Worldwide und der Lutherische Weltbund. Schon in seiner Enzyklika „Fratelli tutti“ habe Papst Franziskus daran erinnert, dass sich keiner allein retten könne, heißt es in dem Manifest. Als positives Beispiel interreligiöser Zusammenarbeit verweisen die Unterzeichner auf das Abu Dhabi-Dokument von 2019 zur Brüderlichkeit aller Menschen hin , das Papst Franziskus und Großimam Ahmad Mohammad Al-Tayyeb unterzeichneten. „Als glaubensbasierte Organisationen schließen wir uns vollständig dieser Botschaft der Geschwisterlichkeit und des Dialogs an“. (vn v. 3. 3.)

 

Der Generalsekretär des „Hohen Komitees für die menschliche Geschwisterlichkeit“ in Abu Dhabi, der islamische Richters Mohamed Abdelsalam, bezeichnet die Reise des Papstes in den Irak als „historisches Ereignis“. Es sei eine wichtige Geste, das Krisenland, „das seit Jahren unter Kriegen, Spaltungen und Terrorismus leidet“, zu unterstützen. Gerade das Beharren des Papstes, das irakische Volk trotz der Pandemie zu unterstützen, sei „ein klares Zeichen für den humanitären Ansatz, den der Papst verfolgt“, würdigt der islamische Richter. Dies sei auch „eine echte Verkörperung der Prinzipien, die im Dokument der menschlichen Geschwisterlichkeit [von 2019] und in der päpstlichen Enzyklika ,Fratelli Tutti´ verankert sind“. Der Papst trage gleich mehrere Botschaften der Solidarität mit den Opfern von Gewalt und Terrorismus und der Förderung der Werte der Geschwisterlichkeit und des Bürgersinns im Irak und darüber hinaus mit sich. „Es ist nicht gewöhnlich, dass eine so große Friedensfigur und ein Religionsführer, der die Welt auf dem Weg zu Frieden und Koexistenz führt, dies tut“, schreibt Abdesalam. (vn v. 4. 3.)

 

„Ein neuer Geist eilt nach Mossul“: Diesen Titel hat die Ministerin für Kultur und Jugend der Vereinigten Arabischen Emirate, Noura bint Mohammed al-Kabi, für ihr Schreiben anlässlich der aktuellen Reise des Papstes in den Irak gewählt: „Wir begrüßen Papst Franziskus herzlich im arabischen Raum und arbeiten weiter daran, die Botschaft der ,Menschlichen Geschwisterlichkeit`, der Harmonie und Liebe, weiter auf der ganzen Welt zu verbreiten, damit die Menschen einander helfen mögen und Partner für Fortschritt und Wohl sind, anstelle von Kriegen, Hass und Rivalitäten. […] Der Besuch des Papstes in Mossul, seine Irakreise steht unter dem Motto ‚Ihr seid alle Brüder‘. Das ist lebendiger Ausdruck des Dokuments über die Geschwisterlichkeit aller Menschen, welches Papst Franziskus und der Großscheich von Al-Azhar, Ahmed al-Tayyeb 2019 in Abu Dhabi unterzeichnet haben“, betont Frau Noura weiter. Die Erklärung von Abu Dhabi zeige, dass der Dialog in Toleranz zwischen den Religionen „eine starke, menschliche Antwort auf obskures terroristisches Gedankengut“ ist. Nach dem Besuch von Papst Franziskus in den Emiraten 2019 hat Abu Dhabi beim Wiederaufbau des Irak geholfen, z. B. auch Projekte für Restaurierung und Wiederaufbau von zwei Kirchen unterstützt, der Al-Tahira-Kirche und der Al-Mayasa (Al-Sa'a)-Kirche. (vn v. 5. 3.)

 

Die Ansprache von Dr. Barham Ahmad Salih, seit 2018 Präsident des Irak, bei der Ankunft von Papst Franziskus in Bagdad in Auszügen: „Im Namen Gottes, des Barmherzigen, […wir] heißen Sie willkommen, Heiliger Vater, und freuen uns über Ihre Anwesenheit hier bei uns im Irak, im Land Mesopotamien, im Land der Propheten und der großen Religionen. […] Trotz der Gewalt, der Tyrannei und des Totalitarismus, die unser Land in den verschiedenen Phasen unserer Geschichte heimgesucht haben, sind die Iraker stolz darauf, seit vielen Jahrhunderten in Städten zu leben, in denen Muslime, Christen, Juden, Sabäer und Jesiden in den Stadtvierteln dicht beieinander leben, als wahre Geschwister. Kirchen stehen in unmittelbarer Nähe zu Moscheen und Gebetsstätten, und das Läuten der Glocken vermischt sich mit dem Ruf des Muezzin, der die Muslime zum Gebet ruft. Und die Iraker sind auch stolz darauf, Beschützer der Kirchen zu sein. Nach dem Terroristen-Angriff auf die Kirche „Unserer Lieben Frau von der Erlösung“ standen die jungen Muslime Seite an Seite mit den jungen Christen, ihren Geschwistern. Es war, als wären sich die irakischen Muslim bewusst geworden, dass sie ihre patriotische und humanitäre Verantwortung dazu verpflichtet, die Kirche genauso zu verteidigen, wie sie ihre Heimat und ihre heiligen Stätten verteidigen würden. […] In den ersten Tagen des Islamischen Staates [im 7. Jhdt.] prägte Imam Ali folgenden Ausspruch voller Menschlichkeit: ‚Es gibt zwei Arten von Menschen: er ist entweder dein Bruder in der Religion oder Deinesgleichen in der Schöpfung.‘ Dies ist unsere inspirierende Geschichte der friedlichen Koexistenz, der Liebe und der Geschwisterlichkeit unter den Menschen. Und das ist unsere Gegenwart, die diese erhabenen und edlen Werte hervorbringt. In den letzten zwei Jahrzehnten haben wir den größten Krieg gegen den Terrorismus erlebt: […] Es sind Tragödien, deren Opfer alle Menschen geworden sind, aber wir beziehen uns insbesondere auf das große Leid unserer christlichen Brüder und Schwestern, die gezwungen wurden, ihre Häuser und ihre Heimat zu verlassen. […] Die Christen des Irak, die Christen des Orients, die Menschen dieses Landes haben sich Seite an Seite mit ihren Geschwistern aller Konfessionen den verschiedenen Herausforderungen gestellt. Ihr historischer Beitrag der Zivilisation und des Kampfes war bedeutend, und sie haben sich beim Aufbau unserer Gesellschaften zusammengeschlossen und den authentischen östlichen Bräuchen, Traditionen und Werten Leben eingehaucht. … [Eine Wiedergutmachung] wird sich erst dann einstellen, wenn die Rückwanderung von Vertriebenen und Ausgewanderten aus den Asylländern ohne Zwang beginnt, und dies erfordert einen energischen Einsatz für die wirtschaftliche Entwicklung und die Stabilität der Sicherheit in der gesamten Region, um ein nationales Umfeld zu schaffen, das die eingewanderten und ausgewanderten Söhne und Töchter dieses Landes gleichermaßen anzieht: vor allem Christen und Jesiden. […] Danke für Ihren großzügigen historischen Besuch und für alles, was Sie für das Wohl der Menschen auf der Erde tun….“ (vn v. 5. 3.)

 

Für die Begegnung mit dem wichtigsten Repräsentanten des schiitischen Islam außerhalb des Iran, Großayatollah Ali as-Sistani, flog der Papst am zweiten Tag seiner Irakreise eigens in das zentralirakische Nadschaf. Das von einer Goldkuppel überwölbtes Grab von Imam Ali, dem Schwiegersohn des Propheten Mohammed, ist eine heilige Stätte des Islam und Wallfahrtsort für Schiiten aus aller Welt. Sistani, der die bekannte Hochschule von Nadschaf leitet, äußert sich moderat und spricht sich für ein friedliches Zusammenleben von Angehörigen der verschiedenen Religionen aus. Der Flug des Papstes zu Sistani war ein Höflichkeitsbesuch. Der Vatikan unterhält seit Jahrzehnten Beziehungen zu schiitischen Theologen, vor allem im Iran. Als eine bleibende Erinnerung an das Treffen wird – wie der irakische Premierminister Mustafa al-Kadimi per Twitter angekündigte – der 6. März in Zukunft als „Nationaler Tag der Toleranz“ begangen werden. (vn v. 6. 3. und zahlreiche Medien)

 

Dass Papst Franziskus in Nadschaf den schiitischen Großayatollah Ali as-Sistani zu einem Höflichkeitsbesuch getroffen hat, ist ein „Meilenstein“, sagt Dr. Shahrazad Houshmand, islamische Theologin an der Universität Teheran und Mitglied im Frauenrat des Päpstlichen Kulturrates, im Interview mit Radio Vatikan. „Sistani ist der wichtigste religiöse, theologische und juristische Bezugspunkt für Muslime im Irak, und nicht nur im Irak. […] Das Treffen dieser beiden Religionsführer ist nicht nur eine absolute Premiere, sondern sie haben auch in ihrem Denken einiges gemeinsam.“ Katholiken und Schiiten ähneln sich in ihrer Heiligen- und Märtyrerverehrung, auch in ihrer Passionsfrömmigkeit. „Ayatollah Sistani hat großen Respekt vor Glaubenden anderer Religionen, und das haben wir auch beim Bischof von Rom gesehen. Ihnen [beiden] geht es um die gesamte Menschheit und darum, dass jeder Mensch als solcher respektiert und geliebt werden sollte. Das außerordentliche Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen, das Papst Franziskus und der Großimam al-Tayyeb im Februar 2019 in Abu Dhabi unterzeichnet haben, sagt es schon im ersten Satz, dass der Glaube uns dazu bringen soll, uns um unsere Nächsten zu kümmern. Das Treffen mit Ayatollah Sistani liegt genau auf dieser Wellenlänge.“ Anders als schiitische Führer im benachbarten Iran steht Sistani für einen „quietistischen“ Kurs: Er hat in den letzten Jahren in heiklen Momenten den Weg der irakischen Gesellschaft zur Demokratie unterstützt. Er hat allein dadurch, dass er einem Treffen mit Franziskus zustimmte, ein deutliches Zeichen gesetzt. Er drängt in seinen Büchern und Reden „die Schiiten, nicht nur an ihr eigenes Wohl zu denken, sondern auch an das der Sunniten, das der Christen und so weiter. Sich selbst nennt er einen Knecht der Schiiten, der Sunniten, der Kurden und der Christen“, sagte Frau Houshmand. (vn v. 6. 3.)

 

„Mit dem Papstbesuch wird die Welt noch einmal auf den Irak schauen, auf die Situation der Jesiden und Christen“, erklärte in Düsseldorf der Vorsitzende des Zentralrates der Jesiden in Deutschland, Irfan Ortac. Die Hauptverantwortung für die schlechte Lage der Jesiden liege nicht nur beim „Islamischen Staat“, so Ortac. Irakische Politiker stellten sich „stumm, taub und blind, wenn sie auf die Verfolgung von Christen und Jesiden angesprochen“ würden. Er sei sich sicher, dass Franziskus „hinter verschlossenen Türen deutliche Worte finden wird“ über diese Missstände. Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende des Religionsrates der deutschen Jesiden, Sheikh Ali Saydo: „Wir alle brauchen den Frieden. Wir alle sind Geschöpfe Gottes.“ In Erbil werde Papst Franziskus Sheikh Ali Elyas treffen, den spirituellen Führer der Jesiden. In Westeuropa gibt es inzwischen einige jesidische Gemeinden, die weltweit größte (rund 150.000 Jesiden) in der deutschen Diasporagemeinde. (kna u. vn v. 6. 3.)

 

Der 6. März wird im Irak künftig als „Tag der Toleranz und des Zusammenlebens“ begangen. Das teilte Ministerpräsident Mustafa Kasimi per Twitter mit. Das Datum erinnere an das „historische Treffen" des Papstes mit dem schiitischen Großajatollah Ali as-Sistani und an die interreligiöse Begegnung in Ur. Der neue Gedenktag ist ein weiteres Zeichen des guten Willens des Irak, Frieden und Versöhnung zwischen Angehörigen verschiedener Religionen zu fördern. Im Dezember 2020 hatte die Regierung das christliche Weihnachtsfest zum Feiertag im Irak erklärt. (vn v. 7. 3. u. viele Medien)

 

Der prominente israelische Rabbiner David Rosen, eine jüdische Schlüsselfigur des interreligiösen Dialogs, regt einen Beitritt des Judentums zum Geschwisterlichkeits-Dokument von Abu-Dhabi (2019) an. Rosen würdigte die Irak-Reise von Papst Franziskus und sagte, es sei „schön, dass der in Abu Dhabi begonnene Weg weitergeht“. Zufrieden zeigte sich der orthodoxe Rabbiner im Gespräch mit Asianews auch darüber, dass sowohl der Papst als auch der irakische Präsident in ihren Reden das Judentum erwähnt haben. Er wünsche sich nun eine Ausdehnung des Abu-Dhabi-Dokuments auf das Judentum. Gerade für die islamische Welt wäre eine Präsenz des Judentums in diesem Dokument bedeutsam. Skeptisch zeigte sich der Rabbiner über eine Aussöhnung mit dem schiitischen Iran. In der schiitischen Welt sei Großayatollah Ali as-Sistani, den der Papst besuchte, eine Figur, „der man gerne begegnet“, andere seien es nicht. Deshalb sei es „wichtig, dass der Papst in den Irak geht, um ihm die Hand zu geben". (asianews u. vn v. 7. 3.)

 

Die Regierung des Irak will offenbar für mehr Sicherheit und Wiederaufbau im Irak sorgen und dabei insbesondere religiöse Minderheiten berücksichtigen. Dies dürfte eine Frucht des jüngsten Papstbesuches im Land sein. Ein von verschiedenen Ministerien getragenes Komitee sei von der irakischen Regierung damit beauftragt worden, an der Umsetzung entsprechender Vorschläge zu arbeiten, zitiert der Fides-Dienst die Zeitung „Al Araby Al Jadeed“. Das politische Gremium soll demnach Anregungen und Vorschläge umsetzen, die während des jüngsten Besuchs von Papst Franziskus im Irak zur Sprache gekommen seien. Dabei soll insbesondere die Lage der christlichen Gemeinden und anderer Bevölkerungsgruppen in der Ninive-Ebene und im Raum Bagdad verbessert werden – etwa durch mehr Schutz für Christen vor organisierten Milizen. Auch werde im betreffenden Dossier die Frage der illegalen Enteignung von irakischen Christen und anderer Minderheiten behandelt, die ihre Häuser im Zuge von Gewalt und Verfolgung verlassen mussten und diese nach Rückkehr besetzt vorfanden. Der chaldäische Patriarch, Kardinal Louis Raphael Sako I., hatte jüngst kirchliche Vorschläge für einen Wiederaufbau des Iraks skizziert, die unter anderem im Austausch mit politischen Vertretern des Irak erarbeitet worden seien. (fides u. vn v. 30. 3.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Nach dem Nein des Vatikan zu einer Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren fordert der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck „eine ernsthafte und zutiefst wertschätzende Neubewertung der Homosexualität". Die bloße Wiederholung der „Wertung von Homosexualität auf naturrechtlicher Basis" werde heute nicht mehr verstanden und auch nicht mehr akzeptiert, schreibt er in einem Brief an alle Pfarreien. Gerade in den Zuschriften vieler SeelsorgerInnen komme „eine offene Ablehnung der lehramtlichen Position zum Ausdruck, die nicht mehr ignoriert werden darf". Bei aller Wertschätzung von Schriftzeugnis, Lehramt und Tradition müsse es um eine „Übersetzung der Zeichen der Zeit" gehen. Die gesamte Tradition sei „als ein lebendiges Geschehen zu begreifen". Gerade die Segensfeiern seien entstanden aus der seelsorglichen Begleitung der betroffenen Menschen. „Über das Gute ihres Lebens einen Segen zu sprechen, der nicht einer Trauung ähnelt, wohl aber Zeichen der Begleitung ist, soll doch zeigen: Im Namen der Kirche ist Gott in dieser Beziehung gegenwärtig." Ähnlich 2600 Geistliche in Deutschland, zahlreiche Priester in Österreich, sowie die österreichischen Bischöfe Wilhelm Krautwaschl (Graz-Seckau), Josef Markets (Gurk-Klagenfurt), Hermann Glettler (Linz) und der Antwerpener Bischof Johan Bonny. (kna u. zahlreiche Medien ab. 20. 3.)

     

  • Im Irak tätige religiöse Organisationen haben anlässlich der Papstreise vom 5. bis zum 8. März ein gemeinsames Statement für Solidarität, Geschwisterlichkeit und interreligiösen Dialog unterzeichnet. In der interreligiösen Erklärung verpflichten sich die Organisationen, Diskriminierung und Missionierung abzulehnen, die kulturellen Werte und Überzeugungen anderer zu respektieren, den sozialen Zusammenhalt zu fördern und die Zusammenarbeit bei der Hilfe für Bedürftige zu stärken. Sie rufen zudem die Internationale Gemeinschaft auf, dem irakischen Volk zu helfen, die gegenwärtigen Herausforderungen „in einem wahren Geist der menschlichen Geschwisterlichkeit und Solidarität“ zu bewältigen. Die Erklärung unterschrieben unter anderem mehrere Caritas-Einrichtungen, die christlich-muslimische Adyan-Stiftung, Islamic Relief Worldwide und der Lutherische Weltbund. Schon in seiner Enzyklika „Fratelli tutti“ habe Papst Franziskus daran erinnert, dass sich keiner allein retten könne, heißt es in dem Manifest. Als positives Beispiel interreligiöser Zusammenarbeit verweisen die Unterzeichner auf das Abu Dhabi-Dokument von 2019 zur Brüderlichkeit aller Menschen hin , das Papst Franziskus und Großimam Ahmad Mohammad Al-Tayyeb unterzeichneten. „Als glaubensbasierte Organisationen schließen wir uns vollständig dieser Botschaft der Geschwisterlichkeit und des Dialogs an“. (vn v. 3. 3.)

     

  • Die Enzyklika „Fratelli tutti“ über Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft steht im Zentrum eines Web-Seminars, bei dem weibliche Führungspersönlichkeiten unterschiedlicher Religionen und Kulturen zu Wort kommen. Organisiert wurde das ökumenische und interreligiöse Seminar von der Weltunion katholischer Frauenverbände (WUCWO) anlässlich des internationalen Weltfrauentags am 8. März. Zwei Vatikangremien wirken dabei mit: der weibliche Beraterstab des päpstlichen Kulturrates und der Päpstliche Rat für Interreligiösen Dialog. Neben einer Videobotschaft der ehemaligen UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova, die als weibliches Mitglied im „Hohen Komitee für die Brüderlichkeit unter den Menschen“ im islamisch-christlichen Dialog engagiert ist, sind Beiträge weiterer Vertreterinnen aus Christentum, Judentum und Islam, Buddhismus und Hinduismus vorgesehen. Das Wort ergreifen etwa die Soziologieprofessorin und Vatikanberaterin Consuelo Corradi, Leiterin des Frauenrates im Päpstlichen Kulturrat, sowie die muslimische Theologin Shahrzad Houshmand, die ebenfalls dort Mitglied ist. Auch sprechen die Präsidentin des Interreligiösen und Interkulturellen Komitees des Internationalen Rates der Jüdischen Frauen, Nadine Iarchy. Weitere Beiträge kommen von Elena Seishin Viviani von der Buddhistischen Union und Svamini Hamsananda Ghiri von der Hinduistischen Union in Italien. Grußworte sprechen Kardinal Gianfranco Ravasi, Präsident der Päpstlichen Kulturrates, und Kardinal Miguel Ángel Ayuso Guixot, Präfekt des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog. „Wir sind dann im Jahr 2020 zu einer gemeinsamen Erklärung gekommen und haben festgestellt, dass es gemeinsame Punkte gibt, um menschliche Geschwisterlichkeit gemäß den vom Papst angegebenen Richtlinien durch Frauen in der Welt zu verwirklichen. In diesem Jahr 2021 hoffen wir, diesen Weg des Dialogs einen Schritt weiterzugehen und zu konkretisieren - es geht jetzt darum, von Erklärungen zu Fakten überzugehen“, sagt die Argentinierin Maria Lia Zervino, Präsidentin der WUCWO, im Interview mit Radio Vatikan. (vn v. 3. 3.)

     

  • Der Innsbrucker Pastoraltheologe Christian Bauer fordert eine Neuausrichtung der Priesterausbildung. Es brauche „einen anderen, postklerikalen Geist", schreibt er in einem Gastbeitrag für das Portal katholisch.de. Angehende Priester müssten „aus ihrer persönlichen Komfortzone heraus“. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) habe es „durchaus bemerkenswerte Neuansätze" gegeben. Unter dem heutigen Papst ergäben sich neue Möglichkeiten, da Franziskus die Synodalität als gemeinsames Vorangehen aller Getauften propagiere. Bislang führe die Priesterausbildung häufig zu einem „Hineinsozialisieren in einen klerikalen Habitus, der längst als ein wesentlicher Grund des geistlichen Missbrauchs bis hin zu sexualisierter Gewalt identifiziert ist". In Priesterseminaren entstehe oft ein „verhängnisvoller klerikaler Korpsgeist". Es brauche jedoch individuelle Möglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln, fordert der Pastoraltheologe. Zudem sollten „angehende Priester, Gemeinde- und Pastoralreferent*innen" nicht in „XXL-Seminaren" abgeschottet sein, sondern in dezentralen Wohngemeinschaften am ‚normalen' Studierendenleben" teilhaben. Prof. Bauer äußerte sich deshalb, weil eine Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz ein Reformkonzept vorgelegt hat, wonach die Priesterausbildung nur noch an wenigen Standorten in Deutschland erfolgen soll. Dies stieß zum Teil auf heftige Kritik. (kna u. kap v. 2. 3.)

     

  • Der deutsche Ökumenische Kirchentag (ÖKT) 2021 wird anders als alle Kirchentage bisher. Ein Beispiel dafür ist „Schaut hin – Von der Krise zur Vision“, das Anfang März veröffentlichte gemeinsame Magazin der römisch-katholischen und evangelischen Kirche für den Religionsunterricht. Konkret arbeiteten hier das Dezernat Schule und Bildung im Bistum Limburg und das Religionspädagogische Institut der Evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck und der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) zusammen. Das Heft bietet für Schulen Unterrichtsmaterialien zu den zentralen Themen des ÖKTs an: von Glaube und Spiritualität über die Bewahrung der Schöpfung bis hin zu Wirtschaft. „Es ist so wichtig, dass gerade Kinder und Jugendliche erkennen können, dass Christ-Sein nicht bedeutet, weltfern zu sein“, schreiben in ihrem Geleitwort der Bischof von Limburg, Georg Bätzing, sowie die Bischöfin von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, und der Kirchenpräsident der EKHN, Volker Jung. (vn [=Vatican News] v. 2. 3.)

     

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