Zusammenarbeit und Dialog mit den (Welt-)Religionen: (Islam u.a.)

Seit Dezember 2015 haben die französischen Behörden 20 Moscheen geschlossen, in denen es Anhaltspunkte dafür gab, dass dort ein radikaler Islam gepredigt werde. Das gab der französische Innenminister Bernard Cazeneuve am 1. August im Gespräch mit Vertretern des französischen Rates für Muslime bekannt. Cazeneuve betonte, dass es in Frankreich keinen Platz gebe für diejenigen, die in Gebetsräumen und Moscheen Hass verherrlichen und fördern und die einige republikanische Prinzipien wie zum Beispiel die Gleichheit zwischen Mann und Frau nicht respektieren. Der Innenminister hat außerdem berichtet, dass seit 2012 80 radikale Personen abgeschoben worden sind, während einige Dutzend weiterer Abschiebeverfahren noch laufen. Auch die ausländische Finanzierung der Moscheegemeinden stehe auf dem Prüfstand. Eine neu zu gründende französische Behörde könnte die Finanzierung der Gemeinden in „totaler Transparenz“ ermöglichen. (www.de.radiovaticana.va u. asianews v. 2. 8.)

 

 

Hat sich die nigerianische Terrorgruppe „Boko Haram“ gespalten? Sie hat offenbar einen neuen Anführer. Dabei soll es sich um Abu Musab al-Barnawi handeln, der bisher als Sprecher der Miliz galt, berichtete die BBC am 3. August. Den Informationen des Senders zufolge hat die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) die Personalie bekanntgegeben. Boko Haram hat sich 2015 dem IS angeschlossen, wird jedoch Experten zufolge als der kleinere Partner angesehen. Sie terrorisiert seit Jahren Christen und gemäßigte Muslime im Norden des afrikanischen Landes sowie in den Nachbarregionen. Einen Tag nach der Ernennung des neuen Anführers meldete sich nach BBC-Informationen vom 4. August der bisherige Boko-Haram-Chef Abubakar Shekau zu Wort. Er betonte in einer Botschaft, weiterhin der Führer der 2002 gegründeten Gruppierung zu sein. Bereits seit längerem war spekuliert worden, ob Shekau noch am Leben sein könnte. Bereits mehrfach wurde über seinen angeblichen Tod berichtet. Die nun veröffentlichte Nachricht wäre die erste von ihm seit einem Jahr. Bisher ist allerdings noch unklar, ob sie wirklich von ihm stammt. Es handelt sich den Angaben zufolge um eine Tonaufzeichnung, nicht um eine Videobotschaft. Für Terrorexperten deutet die Entwicklung auf eine mögliche Spaltung von „Boko Haram“ hin. (www.de.radiovaticana.va u. kna vom 3. u. 4. 8.)

 

Wer glaubt, fundamentalistische Gewalt habe mit Religion nichts zu tun, erliegt einer Selbsttäuschung: Das sagte die islamische Theologin und Religionswissenschaftlerin Hamideh Mohagheghi bei einem Vortrag im Rahmen der „Salzburger Hochschulwochen" am 5. August. „Es ist das Gebot der Stunde, genau hinzusehen und nicht den Fanatikern die Deutungshoheit über die religiösen Quellen zu überlassen", mahnte die am Seminar für Islamische Theologie der Universität Paderborn lehrende Mohagheghi. „Wir müssen nicht nur verstehen, was Menschen zu leidenschaftlichen religiösen Fanatikern macht, sondern auch leidenschaftlich dagegen antreten". Bloße Theologie und das Pochen auf theologischen Richtigstellungen sei nicht genug. Man müsse genauer nach den Ursachen der Anfälligkeit junger Menschen für religiöse kurzschlüssige Antworten und sich auf Religion berufende grassierende Gewalt (wie z. B. im IS) forschen. „Es sind Menschen, die das Gefühl haben, den Boden unter den Füßen zu verlieren". Fundamentalismus sei daher letztlich eine „Fluchtbewegung in Gewissheit", die selbst die Hörigkeit auf neue Autoritäten in Kauf nimmt „aus purer Angst vor dem Verlust der neu gewonnenen Gewissheit". Theologisch gelte es offen zu thematisieren, dass etwa islamische Quellen tatsächlich eine „Sprache der Gewalt" kennen; eine fundamentalistische Auslegung blende jedoch den jeweiligen Kontext der Texte. So könne eine missbrauchte religiöse Tradition zugleich zum „Zündstoff für Fanatismus" werden. (www.de.radiovaticana.va u. kap v. 5. 8.; JA v. 21. 8.; KircheIn 09/2016)

 

Einem muslimischen Mann droht in Pakistan ein Gerichtsurteil wegen der Vergewaltigung einer 16-jährigen Christin. Dass eine solche Straftat ein Urteil nach sich zieht, hat in Pakistan Seltenheitswert, heißt es in einer Mitteilung der Britisch-Pakistanischen Christlichen Vereinigung. Der 22-jährige Mann hatte die Vergewaltigung des christlichen Mädchens in der Stadt Farroqabad im Punjab zugegeben. (www.de.radiovaticana.va u. ucanews v. 5. 8.)

 

In einem Dialogkomitee zwischen chaldäisch-katholischen Christen und schiitischen Muslimen in Bagdad sollen die freundschaftlichen Beziehungen gestärkt werden. Patriarch Louis Raphael Sako traf sich in Bagdad mit vier schiitischen Vertretern aus dem Irak und dem Iran: die Scheiche Ala-ed-din-Jazairi und Jassim Mandalawi aus Najaf (Irak) sowie die Scheiche Hamid Reza und Hamid Albabai aus Qom (Iran). Die Christen des Orients müssen „Hauptdarsteller im Dialog mit dem Islam“ sein, sagte Sako zur der Nachrichtenagentur „fides“. Noch vor den theologischen Fragen sollte sich der Dialog zunächst sozialen Problemen widmen, wie etwa der Frage der Gerechtigkeit und der Anerkennung der Menschenrechte. (JA v. 7. 8)

 

In dem von der syrischen Regierung kontrollierten Gebieten existiert ein gutes Miteinander zwischen Christen und Muslimen. Dies sagte der griechisch-katholische melkitische Erzbischof von Homs, Jean-Abdo Arbach. Dort gibt es keine Spaltung und „bis heute kein Problem mit dem Zusammenleben“. Es bestünden gute Beziehungen zwischen den Religionen. Wenn es Auseinandersetzungen gibt, dann brechen sie nur wegen lokaler Probleme aus. „Im Gegenteil, die Christen können nicht ohne die Muslime leben und umgekehrt“, sagte Arbach. (JA vom 7. 8.)

 

Eine kleine, dem heiligen Antonius geweihte Kirche in Somalia wurde am 7. August wieder aufs Neue eingeweiht, mitten in einem Gebiet, das hauptsächlich von Muslimen bewohnt wird. Der Bischof von Dschibuti und Apostolische Administrator von Mogadischu, Giorgio Bertin, leitete die Feier in der Stadt Hargeisa. Der Franziskaner, der seit vierzig Jahren im Land lebt, erzählt im Gespräch mit Radio Vatikan: „Die Kirche ist um 1950 von Kapuzinern erbaut worden. […Im] April 1988 kam es in diesem Landesteil zu einer Rebellion gegen die zentrale Autorität von Mogadischu, und die kleine Kirche wurde besetzt, geplündert. Danach quartierten sich hier sogar Leute ein, die ein Dach über dem Kopf suchten. Im Jahr 1996 ist mir gelungen, mit der Hilfe eines somalischen Mitarbeiters, der für die Caritas Somalia arbeitete, das Gelände der Kirche, die Kirche selbst und das Haus, das dem Priester als Wohnung diente, wiederzubekommen. […Im vergangenen Januar] habe ich mich dazu entschlossen, die örtlichen Behörden zu treffen. Ich habe ihnen gesagt, dass ich die Kirche wieder öffnen möchte, um die Seelsorge für die katholischen Arbeiter im Land sicherzustellen und gleichzeitig auch humanitäre Hilfen über unsere Caritas zu organisieren.“ Die Rebellen der „al Shabaab“ und der „Islamische Staat“ seien auf somalischem Territorium sehr präsent, vor allem im Süden des Landes komme es immer wieder zu Anschlägen. Bischof Bertin ergänzt: „Der Süden Somalias bleibt nach wie vor sehr unsicher. […] Wir versuchen mit mehreren Projekten, den jungen Menschen eine Ausbildung zu verschaffen, um ihnen auf dem Arbeitsmarkt Chancen zu geben. Zum Beispiel in Mogadischu haben wir Ausbildungskurse für Klempner und Elektriker eingerichtet, außerdem kümmern wir uns um das Gesundheitswesen. Dabei helfen uns auch die internationalen Caritas-Organisationen, die Mittel zur Verfügung stellen, um diesen Menschen zu helfen, in ihrem Land zu bleiben“. (www.de.radiovaticana.va v. 10. 8.)

 

Die Journalistin und Schriftstellerin Güner Yasemin Balci kritisiert die Islamverbände in Deutschland: „Die liberalen muslimischen Stimmen, die es gibt, arbeiten im Verborgenen, weil sie von uns und von der Politik nicht ausreichend geschützt werden“, sagte sie der Zeitung „Die Welt“. Imame, die z. B. tolerieren, dass eine Muslimin einen nichtreligiösen Freund hat, gingen „jeden Tag ein Risiko ein“. (www.de.radiovaticana.va u. kna v. 12. 8.)

 

Der französische Kurienkardinal Jean-Louis Tauran betont, „dass die Religionen Friedens-Faktoren sind“. In einem Artikel der Vatikan-Zeitung „L’Osservatore Romano“ erzählt der Leiter des päpstlichen Dialog-Rates, er sei Ende Juli in Frankreich gewesen, als IS-Terroristen in der Normandie den Priester Jacques Hamel töteten. Natürlich „untergraben“ solche Mordtaten „die Glaubwürdigkeit des Dialogs der Religionen“, sagte Tauran. Aber die Fortführung dieses Dialogs sei umso wichtiger, „damit nicht der Hass gewinnt“. Ihm werde immer klarer, „dass viele Probleme mit der Ignoranz auf der einen wie auf der anderen Seite zu tun haben […] Aus Ignoranz entsteht Angst“. Die Partner im interreligiösen Dialog sollten lernen, aus den „Tragödien von gestern und von heute“ Lehren und „Weisheit“ zu ziehen, „um neue, vernünftigere und mutigere Wege aufzutun“. (www.de.radiovaticana.va u. ossrom v. 13. 8.)

 

Der Freiburger islamische Theologe Abdel-Hakim Ourghi kritisiert die Behauptung vieler Moslems, der islamische Extremismus hätte nichts mit dem Islam zu tun: „Es ist einfach nicht mehr vertretbar, zu behaupten, dass Islam nichts mit dem Extremismus zu tun hat oder dass die Extremisten keine Moslems sind.“ Er begrüßte die Unterscheidung des Papstes Franziskus, dass der Islam insgesamt nicht terroristisch und gewalttätig sei. Doch ist klar, dass sich viele Islamisten auf bestimmte „Koransuren und das politische Handeln des Propheten selbst“ berufen. Die muslimischen Dachverbände in Deutschland seien „meilenweit entfernt“ von einem aufgeklärten, humanistischen Islam, so der muslimische Theologe. (JA v. 14. 8.)

 

In Kairo hat am 18. August ein gemeinsames Jugendseminar des Weltkirchenrats und der Al-Azhar-Universität zum Thema „Jugendengagement, Religion und Gewalt“ begonnen. Es ist das erste Mal, dass der Weltkirchenrat bei einem Jugendseminar mit Al Azhar zusammenarbeitet, wie der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) berichtet. An dem bis 22. August anberaumten Seminar nehmen 40 junge Leute aus 14 Ländern teil, je zur Hälfte Christen und Muslime. Im Verlauf des Seminars treffen die jungen Leute auch mit dem koptisch-orthodoxen Papst-Patriarchen Tawadros II., mit dem Großimam der Al Azhar, Ahmad Mohammad al-Tayyeb, und mit dem Generalsekretär der Arabischen Liga, Ahmed Abu al-Ghayt, zusammen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Seminars setzen sich u.a. mit der Frage der Wirkung religiöser Botschaften auseinander und zwar unter dem Gesichtspunkt, ob diese Botschaften Beiträge zum Aufbau des Friedens sind oder zur Gewalt beitragen. Auch soll die Rolle religiöser Institutionen wie jene des Ökumenischen Instituts in Bossey oder der Al Azhar-Universität im Hinblick auf die Förderung des Friedens untersucht werden. „Religion und Jugend stehen heute oft im Zentrum von Ereignissen, die mit Gewalt und Radikalisierung verbunden sind“, sagte Carla Khijoyan, die Jugendreferentin des Weltkirchenrats: „Unsere Antwort ist nicht Angst und Isolation, sondern die Einladung, miteinander zu arbeiten und miteinander auf dem Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens zu gehen.“ (www.de.radiovaticana.va u. kap v. 19. 8.)

 

Im Stadtgefängnis von Karachi in Pakistan ist eine Kapelle für christliche Häftlinge eröffnet worden. Dies gilt als Seltenheit im mehrheitlich islamischen Pakistan, wie der asiatische katholische Pressedienst „Ucanews“ am 19. August berichtete. Obwohl die pakistanische Verfassung offiziell die Religionsfreiheit garantiert, wird der Bau nicht-muslimischer Gotteshäuser auf öffentlichem Grund üblicherweise nicht erlaubt. Im aktuellen Fall sei eine Ausnahme gemacht worden. Die Kapelle wurde mit finanzieller Hilfe der Nichtregierungsorganisation Angel Patient Care Services nur wenige Meter neben der Moschee des Gefängnisses erbaut. Etwa 100 der 4.500 Häftlinge seien Christen, heißt es. (www.de.radiovaticana.va u. ucanews u. kna v. 20. 8.; JA v. 4. 9.)

 

Ein schiitischer Großayatollah Irans dankt Papst Franziskus für dessen Abgrenzung des Islam vom Terror. Mit Freude habe er Ende Juli bei der Polenreise des Papstes dessen Statement „Islam ist nicht gleich Terrorismus“ vernommen, heißt es in einem Brief des Großayatollahs von Ghom/Qum, Naser Makarem Shirazi, an den Papst. Er fordert sämtliche Religionsführer auf, klar und deutlich Stellung zu beziehen „gegenüber Gewalt und Barbarei in der Welt, besonders wenn dies im Namen der Religion geschieht.“ Zudem verurteilte er den terroristischen Anschlag auf den französischen Priester Jacques Hamel Ende Juli, dessen Attentäter er als „Takfiri“ (=Fanatiker) bezeichnete. „Takfiri-Sekten“, zu denen er etwa die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) zählt, stellen aus Sicht Shirazis die „aktuell schlimmste Krise der heutigen Zeit“ dar und stehen seiner Meinung nach außerhalb des Islam. Wie bereits Papst Franziskus deutlich gemacht habe, hätten solche „barbarischen Taten“ nichts mit „von Gott gesandten Religionen“ [sic!] und ihren verschiedenen Denkschulen zu tun, sagte Shirazi. (www.de.radiovaticana.va u. kna v. 22. 8.; JA v. 4. 9.)

 

Die Annäherung zwischen den USA und dem Iran setzt sich auch religiös fort und zeigt sich in einer gemeinsamen Erklärung der römisch-katholischen Bischöfe der USA und einiger geistlichen Führer Irans. In von der US-Bischofskonferenz am 24. August veröffentlichten gemeinsamen Erklärung sprechen sich die Religionsführer für eine Kultur der Toleranz und gegen Terrorismus aus. Es sei notwendig, die religiöse Tradition anderer zu respektieren. Das gemeinsame Papier ist das Ergebnis eines Dialogs, der 2014 in der iranischen Stadt Qom/Qum begonnen und im Juni 2016 Juni in Rom fortgesetzt wurde. Die beiden Religionen seien „vereint in ihrer Sorge für das Leben und die Würde der menschlichen Person“, so die Katholische Nachrichtenagentur KNA. (www.de.radiovaticana.va u. kna v. 25. 8.; JA v. 4. 9.)

 

Die Kommission der Vereinten Nationen für die Abschaffung der Rassendiskriminierung fordert Pakistan zur Streichung der Blasphemie-Paragraphen auf. In einem am 26. August veröffentlichten Bericht zur Lage würdigt die Kommission mit Sitz in Genf „die Bemühungen des Staates um die Verhinderung des Missbrauchs des Blasphemieparagraphen”. Sie beanstandet sie aber die unklare Definition dessen, was ein Verstoß gegen die Religion überhaupt ist. Das UN-Gremium spricht von häufig auftauchenden falschen Anschuldigungen. Zugleich seien Richter, die sich mit Blasphemiefällen befassen, oft „Einschüchterungen und Drohungen bis hin zum Mord ausgesetzt“. (www.de.radiovaticana.va u. fides v. 30. 8.)

 

In Frankreich wird eine Stiftung für den Dialog mit dem Islam eigerichtet. Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve fordert einen Islam in Frankreich, der sich an den Werten dieses Landes orientiert. „Frankreich braucht mehr denn je eine besänftigte Beziehung mit den Muslimen“, sagte Cazeneuve im Interview der Zeitung La Croix. Eine nicht konfessionelle Stiftung für den Islam in Frankreich soll künftig Projekte im Bereich Ausbildung und Kultur fördern. Präsident soll der frühere Innenminister Jean-Pierre Chevenement werden. (www.de.radiovaticana.va u. kna v. 29. 8.)

 

Russlands Oberrabbiner Berel Lazar sieht in seinem Land viele positive Entwicklungen für die jüdische Glaubensgemeinschaft seit dem Ende des kommunistischen Regimes 1990. Antisemitismus sei heute in Russland marginal, „dank der harten Politik der Führung des Landes gegen jegliche Escheinungsform“ von Antisemitismus, unterstrich Lazar in Moskau bei einer Konferenz vor 500 Rabbinern aus 30 europäischen Staaten. Im Vergleich zu anderen Staaten in Europa gehe es den Juden in Russland gut, es gebe neue Synagogen und Gemeindezentren. Das Treffen in Moskau vorige Woche war die größte Rabbiner-Versammlung in Russland seit Jahrzehnten. (www.de.radiovaticana.va u. kna v. 30. 8.)

 

Ein bemerkenswertes Fest: Die jüngste Ortskirche der Welt, die Mongolei, hat ihren ersten einheimischen Priester. Am 30. August empfing der 29 Jahre alte Mongole Joseph Enkh Baatar in der Kathedrale von Ulan Bator das Sakrament der Priesterweihe. In dem Land leben nur etwa 1.300 Katholiken. Seine Ausbildung hat der Jungpriester in einem Seminar in Südkorea absolviert. In seinem Land wird er nun in einer Pfarrei mit 21 Getauften wirken. Der Asienkenner Pater Bernardo Cervellera, der Direktor der Agentur Asianews, sagt dazu: „In der Mongolei missionarisch zu arbeiten, bedeutet, sich mit einer Grundkultur schamanischer Religiosität auseinanderzusetzen. Die Menschen sehen Priester als Punkt der Begegnung zwischen Himmel und Erde, zwischen Gott und Mensch. Und dann gibt es eine starke buddhistisch-tibetische Tradition. Wenn wir also jetzt erstmals einen mongolischen römisch-katholischen Priester haben, der dieser Kultur angehört, […] kann er tatsächlich eine Arbeit der Inkulturation vornehmen, auf kultureller und theologischer Ebene, die bei einem ausländischen Missionar schwieriger und langsamer vonstattengeht.“ „Sehr langsam und geduldig“ ist die Kirche in der Mongolei gewachsen, „auch über Freundschaft. […] Nach dem Fall des Sowjet-Reichs garantiert die Mongolei Religionsfreiheit“, erzählt Pater Cervellera (www.de.radiovaticana.va v. 30. 8.)

 

Indiens Regierungschef Narendra Modi äußert sich ungewöhnlich positiv über die Mutter Teresa. In einer Radiobotschaft sagte er lobend, die Ordensfrau habe „ihr ganzes Leben im Dienst der Armen und Benachteiligten in Indien hingegeben“. Die Heiligsprechung Mutter Teresas sei für die Inder ein Grund, stolz zu sein. Modi gehört der regierenden radikalen Hindu-Partei BJP an. Der Regierungschef schickt eine elfköpfige Delegation unter Leitung des Außenministers Sushma Swaraj zu den Feierlichkeiten. Es ist das erste Mal, dass eine indische Regierungsdelegation zu einer Heiligsprechung reist. (www.de.radiovaticana.va v. 31. 8.)

 

Das ägyptische Parlament hat am 31. August das neue liberalere Gesetz über den Kirchenbau mit Zweidrittelmehrheit verabschiedet. Es besagt u.a., dass Gouverneure der ägyptischen Provinzen innerhalb von vier Monaten auf Bauanträge für christliche Kirchen antworten müssen. Eine Verweigerung muss begründet werden. Die christlichen Gemeinden können dagegen Berufung einlegen. Die Kirchen hatten sich nach langem Ringen mit der Regierung auf den Text verständigt. Nach Beratungen im Heiligen Synod der Kirche am 25. August und jüngsten Gesprächen mit Präsident Abdel Fattah al-Sisi und Premier Sherif Ismael hatte sich die koptische Kirche zuversichtlich gezeigt, dass zuletzt „auf Augenhöhe“ gesprochen und eine Kompromisslösung erreicht worden sei. Der zehn Artikel umfassende Gesetzentwurf werde nun nicht mehr beeinsprucht, hieß es. Das neue Gesetz ersetzt ein Dekret aus osmanischer Zeit mit vielen einschränkenden Vorschriften, wie zum Beispiel das Bauverbot in der Nähe von Schulen, Kanälen, Regierungsgebäuden, Eisenbahnlinien oder Wohngebieten. In vielen Fällen führten diese Bestimmungen dazu, dass oft gar keine Kirchen in von Christen bewohnten Gegenden gebaut wurden. (www.de.radiovaticana.va u. kap v. 1. 9.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Nach dem Nein des Vatikan zu einer Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren fordert der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck „eine ernsthafte und zutiefst wertschätzende Neubewertung der Homosexualität". Die bloße Wiederholung der „Wertung von Homosexualität auf naturrechtlicher Basis" werde heute nicht mehr verstanden und auch nicht mehr akzeptiert, schreibt er in einem Brief an alle Pfarreien. Gerade in den Zuschriften vieler SeelsorgerInnen komme „eine offene Ablehnung der lehramtlichen Position zum Ausdruck, die nicht mehr ignoriert werden darf". Bei aller Wertschätzung von Schriftzeugnis, Lehramt und Tradition müsse es um eine „Übersetzung der Zeichen der Zeit" gehen. Die gesamte Tradition sei „als ein lebendiges Geschehen zu begreifen". Gerade die Segensfeiern seien entstanden aus der seelsorglichen Begleitung der betroffenen Menschen. „Über das Gute ihres Lebens einen Segen zu sprechen, der nicht einer Trauung ähnelt, wohl aber Zeichen der Begleitung ist, soll doch zeigen: Im Namen der Kirche ist Gott in dieser Beziehung gegenwärtig." Ähnlich 2600 Geistliche in Deutschland, zahlreiche Priester in Österreich, sowie die österreichischen Bischöfe Wilhelm Krautwaschl (Graz-Seckau), Josef Markets (Gurk-Klagenfurt), Hermann Glettler (Linz) und der Antwerpener Bischof Johan Bonny. (kna u. zahlreiche Medien ab. 20. 3.)

     

  • Im Irak tätige religiöse Organisationen haben anlässlich der Papstreise vom 5. bis zum 8. März ein gemeinsames Statement für Solidarität, Geschwisterlichkeit und interreligiösen Dialog unterzeichnet. In der interreligiösen Erklärung verpflichten sich die Organisationen, Diskriminierung und Missionierung abzulehnen, die kulturellen Werte und Überzeugungen anderer zu respektieren, den sozialen Zusammenhalt zu fördern und die Zusammenarbeit bei der Hilfe für Bedürftige zu stärken. Sie rufen zudem die Internationale Gemeinschaft auf, dem irakischen Volk zu helfen, die gegenwärtigen Herausforderungen „in einem wahren Geist der menschlichen Geschwisterlichkeit und Solidarität“ zu bewältigen. Die Erklärung unterschrieben unter anderem mehrere Caritas-Einrichtungen, die christlich-muslimische Adyan-Stiftung, Islamic Relief Worldwide und der Lutherische Weltbund. Schon in seiner Enzyklika „Fratelli tutti“ habe Papst Franziskus daran erinnert, dass sich keiner allein retten könne, heißt es in dem Manifest. Als positives Beispiel interreligiöser Zusammenarbeit verweisen die Unterzeichner auf das Abu Dhabi-Dokument von 2019 zur Brüderlichkeit aller Menschen hin , das Papst Franziskus und Großimam Ahmad Mohammad Al-Tayyeb unterzeichneten. „Als glaubensbasierte Organisationen schließen wir uns vollständig dieser Botschaft der Geschwisterlichkeit und des Dialogs an“. (vn v. 3. 3.)

     

  • Die Enzyklika „Fratelli tutti“ über Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft steht im Zentrum eines Web-Seminars, bei dem weibliche Führungspersönlichkeiten unterschiedlicher Religionen und Kulturen zu Wort kommen. Organisiert wurde das ökumenische und interreligiöse Seminar von der Weltunion katholischer Frauenverbände (WUCWO) anlässlich des internationalen Weltfrauentags am 8. März. Zwei Vatikangremien wirken dabei mit: der weibliche Beraterstab des päpstlichen Kulturrates und der Päpstliche Rat für Interreligiösen Dialog. Neben einer Videobotschaft der ehemaligen UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova, die als weibliches Mitglied im „Hohen Komitee für die Brüderlichkeit unter den Menschen“ im islamisch-christlichen Dialog engagiert ist, sind Beiträge weiterer Vertreterinnen aus Christentum, Judentum und Islam, Buddhismus und Hinduismus vorgesehen. Das Wort ergreifen etwa die Soziologieprofessorin und Vatikanberaterin Consuelo Corradi, Leiterin des Frauenrates im Päpstlichen Kulturrat, sowie die muslimische Theologin Shahrzad Houshmand, die ebenfalls dort Mitglied ist. Auch sprechen die Präsidentin des Interreligiösen und Interkulturellen Komitees des Internationalen Rates der Jüdischen Frauen, Nadine Iarchy. Weitere Beiträge kommen von Elena Seishin Viviani von der Buddhistischen Union und Svamini Hamsananda Ghiri von der Hinduistischen Union in Italien. Grußworte sprechen Kardinal Gianfranco Ravasi, Präsident der Päpstlichen Kulturrates, und Kardinal Miguel Ángel Ayuso Guixot, Präfekt des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog. „Wir sind dann im Jahr 2020 zu einer gemeinsamen Erklärung gekommen und haben festgestellt, dass es gemeinsame Punkte gibt, um menschliche Geschwisterlichkeit gemäß den vom Papst angegebenen Richtlinien durch Frauen in der Welt zu verwirklichen. In diesem Jahr 2021 hoffen wir, diesen Weg des Dialogs einen Schritt weiterzugehen und zu konkretisieren - es geht jetzt darum, von Erklärungen zu Fakten überzugehen“, sagt die Argentinierin Maria Lia Zervino, Präsidentin der WUCWO, im Interview mit Radio Vatikan. (vn v. 3. 3.)

     

  • Der Innsbrucker Pastoraltheologe Christian Bauer fordert eine Neuausrichtung der Priesterausbildung. Es brauche „einen anderen, postklerikalen Geist", schreibt er in einem Gastbeitrag für das Portal katholisch.de. Angehende Priester müssten „aus ihrer persönlichen Komfortzone heraus“. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) habe es „durchaus bemerkenswerte Neuansätze" gegeben. Unter dem heutigen Papst ergäben sich neue Möglichkeiten, da Franziskus die Synodalität als gemeinsames Vorangehen aller Getauften propagiere. Bislang führe die Priesterausbildung häufig zu einem „Hineinsozialisieren in einen klerikalen Habitus, der längst als ein wesentlicher Grund des geistlichen Missbrauchs bis hin zu sexualisierter Gewalt identifiziert ist". In Priesterseminaren entstehe oft ein „verhängnisvoller klerikaler Korpsgeist". Es brauche jedoch individuelle Möglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln, fordert der Pastoraltheologe. Zudem sollten „angehende Priester, Gemeinde- und Pastoralreferent*innen" nicht in „XXL-Seminaren" abgeschottet sein, sondern in dezentralen Wohngemeinschaften am ‚normalen' Studierendenleben" teilhaben. Prof. Bauer äußerte sich deshalb, weil eine Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz ein Reformkonzept vorgelegt hat, wonach die Priesterausbildung nur noch an wenigen Standorten in Deutschland erfolgen soll. Dies stieß zum Teil auf heftige Kritik. (kna u. kap v. 2. 3.)

     

  • Der deutsche Ökumenische Kirchentag (ÖKT) 2021 wird anders als alle Kirchentage bisher. Ein Beispiel dafür ist „Schaut hin – Von der Krise zur Vision“, das Anfang März veröffentlichte gemeinsame Magazin der römisch-katholischen und evangelischen Kirche für den Religionsunterricht. Konkret arbeiteten hier das Dezernat Schule und Bildung im Bistum Limburg und das Religionspädagogische Institut der Evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck und der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) zusammen. Das Heft bietet für Schulen Unterrichtsmaterialien zu den zentralen Themen des ÖKTs an: von Glaube und Spiritualität über die Bewahrung der Schöpfung bis hin zu Wirtschaft. „Es ist so wichtig, dass gerade Kinder und Jugendliche erkennen können, dass Christ-Sein nicht bedeutet, weltfern zu sein“, schreiben in ihrem Geleitwort der Bischof von Limburg, Georg Bätzing, sowie die Bischöfin von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, und der Kirchenpräsident der EKHN, Volker Jung. (vn [=Vatican News] v. 2. 3.)

     

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