Zusammenarbeit und Dialog mit den (Welt-)Religionen: (Islam u.a.)

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. hat in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Communio" einen Beitrag zum christlich-jüdischen Dialog veröffentlicht. Ziel des Benedikt-Textes sei zunächst nur eine private Reflexion auf die nachkonziliare Absage an die sogenannte „Substitutionstheorie" – die Vorstellung, die Kirche sei an die Stelle Israels getreten – und über den „nie gekündigten Bund" „Beide Thesen […] sind im Grunde richtig, sind aber doch in vielem ungenau und müssen kritisch weiter bedacht werden". Denn es habe eine „Substitutionstheorie" „als solche nicht gegeben" und es komme dem Judentum aus christlicher Sicht stets ein besonderer Status zu, insofern das Judentum „nicht eine Religion unter anderen" sei, sondern „in einer besonderen Situation steht und daher auch als solches von der Kirche anerkannt werden muss". Es gibt aber auch bleibende Differenzen wie z. B. die Messias-Frage: Für das Judentum bleibe ein gewisser messianischer Verheißungsüberschuss, denn Jesus habe ja kein messianisches Friedensreich gegründet, sondern seine Messianität verstanden als „eine Zeit der Freiheit". Auch die Frage des „nie gekündigten Bundes" zwischen Gott und den Juden verlange nach Differenzierungen, etwa in dem Sinne, dass es nicht nur den einen Bund zwischen Gott und seinem Volk gab, sondern viele unterschiedliche Bünde. „Die Formel vom ‚nie gekündigten Bund‘ mag in einer ersten Phase des neuen Dialogs zwischen Juden und Christen eine Hilfe gewesen sein, taugt aber nicht auf Dauer, um die Größe der Wirklichkeit einigermaßen angemessen auszudrücken", so Benedikt XVI. (kap u. vn v. 6. 7.)

 

Der jordanische König Abdullah II. erhält am 13. November für seinen Beitrag zur interreligiösen Verständigung den sogenannten Templeton-Preis, gestiftet von der US-Familie Templeton zur Ehrung von verdienstvollen Einzelpersonen. König Abdullah habe mehr für die Harmonie innerhalb des Islams und zwischen dem Islam und anderen Religionen geleistet als jede andere lebende politische Führerpersönlichkeit, hieß es in der Begründung laut der jordanischen Nachrichtenagentur „Petra“. Zu früheren Preisträgern gehörten Politiker, Wissenschaftler sowie die Mutter Theresa von Kalkutta, der Taizé-Gründer Frère Roger Schutz und der Dalai Lama. Der Preis ist mit 1,25 Millionen US-Dollar dotiert. (JA v. 8. 7.)

 

Das König-Abdullah-Zentrum für Interreligiösen und Interkulturellen Dialog (KAICIID) in Wien hat den am 6. Juli verstorbenen Kurienkardinal Jean-Louis Tauran als „großes Vorbild“ gewürdigt. Im Nachruf heißt es, Tauran sei ein Freund gewesen und ein Pionier im interreligiösen Dialog. Unterzeichnet ist die Erklärung vom Generalsekretär des Dialogozentrums Faisal Bin Abdulrahman Bin Muaammar. „Jeder, der die Ehre hatte, Kardinal Tauran zu treffen, erinnert sich an diesen großen Mann - und wurde inspiriert, sein Lebenswerk der Förderung von Harmonie durch Religionsdialog fortzuführen“, schreibt der Saudi. Mit der „ununterbrochenen Unterstützung“ Taurans sei es gelungen, das Zentrum als interreligiöse und zwischenstaatliche Organisation aufzubauen. Außer den Gründungsstaaten Saudi-Arabien, Österreich und Spanien vereine das Zentrum auch Spitzenvertreter von Buddhismus, Hinduismus, Christentum, Islam und Judentum unter einem Dach. Kardinal Tauran war amtierender Präsident des Päpstlichen Dialogrates und als solcher die führende Kraft im Vatikan für den Dialog mit der muslimischen Welt. (kap u. vn v. 9. 7.; JA v. 15. 7.)

 

Zum ersten Mal seit Jahrzehnten gibt es wieder einen orthodoxen Metropoliten von Ankara. Bei der Tagung des Heiligen Synods des Patriarchats von Konstantinopel, die am 11. Juli unter dem Vorsitz des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. im Dreifaltigkeitskloster auf der Insel Chalki im Marmara-Meer stattfand, wurde der bisherige Metropolit der Schweiz, Jeremias Caligiorgis, einstimmig zum neuen orthodoxen Metropoliten der türkischen Hauptstadt gewählt, wie die Stiftung „Pro Oriente“ berichtet. In einem Interview schildert hat der Metropolit von Bursa, Elpidophoros (Lambriniadis), den Wiederaufbau der kleinasiatischen Eparchien des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel. Er stellte fest, man müsse zugeben, dass die Minderheiten unter Recep T. Erdogan besser leben als je zuvor. Zum ersten Mal würden Angehörige der Minderheiten als gleichberechtigte Staatsbürger angesehen. Der Ökumenische Patriarch werde - ebenso wie die anderen Kirchenoberhäupter - von den Behörden respektiert. Zur Amtseinführung von Präsident Erdogan am 9. Juli war Bartholomaios I. offiziell eingeladen und saß beim Festakt mit dem Leiter des „Diyanet“, des armenisch-apostolischen Patriarchats, und dem jüdischen Oberrabbiner in der ersten Reihe (kap v.11. 7; JA v 22.7.)

 

Der koptische Papst-Patriarch Tawadros II. besuchte am 13. Juli erstmals das König-Abdullah-Dialogzentrum (KAICIID) am Wiener Schottenring. Generalsekretär Faisal bin Muaammar betonte danach, der Besuch sei ein „weiterer Schritt der langen Tradition der koptisch-orthodoxen Kirche im Bereich des Dialogs, der kulturellen Begegnungen über 1.000 Jahre und der Ausarbeitung einer Reihe zeitgenössischer interreligiöser und interkultureller Initiativen und Dialoge“ gewesen. (J v. 29. 7.)

 

Erstmals bekleidet ein Katholik im mehrheitlich islamischen Malaysia das Amt des Obersten Richters. Er ist vom König zum Nachfolger des zurückgetretenen Mohammed Raus Sharif ernannt worden, berichtet der asiatische Pressedienst Ucanews am 13. Juli. Politische Beobachter werten dies als weiteres Reformsignal der neuen Regierung von Ministerpräsident Mohammed Mahathir. Unter seinem abgewählten Vorgänger Najib Razak war das Justizsystem leider zum Erfüllungsgehilfen der korrupten Regierung geworden und urteilte immer häufiger streng islamisch. Malanjum kann auf eine erfolgreiche juristische Karriere zurückblicken. So war er in Spitzenpositionen an Gerichten der beiden malaysischen Staaten Sabah und Sarawak sowie Richter am Bundesgericht. Der Vater von drei Kindern ist der zweite Christ in einer Top-Position in Malaysias Justizsystem. Im Juni ernannte der Ministerpräsident Mahathir den Mar-Thoma-Christen Tommy Thomas zum Generalstaatsanwalt. In Malaysia ist ein Generalstaatsanwalt zugleich Justiz- und Verfassungsminister. (kna u. vn v. 14. 7.; JA v. 22. 7.)

 

Nach dem historischen Friedensschluss zwischen Eritrea und Äthiopien hat Eritrea in dem ehemals befeindeten Staat seine Botschaft wiederöffnet. Der äthiopische Premierminister Abiy Ahmed und Eritreas Präsident Isaias Afwerki nahmen am 16. Juli gemeinsam an der Eröffnungszeremonie der eritreischen Botschaft in Addis Abeba teil. „Willkommen zu Hause, Präsident Isaias“, twitterte der Sprecher des äthiopischen Premierministers und spielte damit auf die Einheit beider Länder bis 1991 an. Seit 14. Juli tagt in der äthiopischen Hauptstadt die Vereinigung der Bischofskonferenzen Ostafrikas (AMECEA). Diesen politischen Durchbruch verstehen die anwesenden Bischöfe aus acht Ländern als Motivation für Dialog und Zusammenarbeit in der gesamten Region. Kardinal Berhaneyesus Demerew Souraphiel, römisch-katholischer Erzbischof von Addis Abeba und Vorsitzender der AMECEA, zum historischen Friedensschluss: „Einheit ist für Ostafrika besonders aktuell und dringend, denn in den Gesellschaften dieser Länder sind große ethnische und kulturelle Spannungen vorzufinden. Diese Probleme behindern den Weg dieser Nationen, die eine gemeinsame starke Identität finden müssen, an der Basis.“ Die Ortskirchen bemühen sich um Friedensarbeit und interreligiösen Dialog. Der Vatikan ermutigte die Kirchenvertreter in Addis Abeba zu noch stärkerer Zusammenarbeit und mehr Selbständigkeit: „Die Kirche der AMECEA-Region sollte ihr Bewusstsein darüber erneuern, dass ihre Zukunft nicht länger von Missionaren oder Entwicklungsarbeitern anderer Kontinente abhängt“, sagte Erzbischof Protase Rugambwa von der Kongregation für die Evangelisierung der Völker zu Beginn des Treffens. (vn v. 17. 7.)

 

Die römisch-katholische Kathedrale „Unsere Liebe Frau von Arabien“ im muslimischen Königreich Bahrain soll 2021 fertiggestellt als das geistliche Zentrum mit Ausbildungs- und Begegnungseinrichtungen für mehr als zwei Millionen Katholiken des Apostolischen Vikariats Nördliches Arabien. Dazu gehören die Golfstaaten Katar, Kuwait und Saudi-Arabien. Standort ist die Kleinstadt Awali, etwa 30km entfernt von Manama, der Hauptstadt Bahrains. König Scheich Hamad bin Isa al-Chalifa hatte der römisch-katholischen Gemeinde das Grundstück geschenkt. In die Grundmauer der Kirche wurde im Juni 2018 eine „Zeitkapsel“ eingebaut, die die Geschichte der römisch-katholischen Kirche und der Vikariatsgemeinde zeigt. In Bahrain ist der Islam Staatsreligion und die Scharia geltendes Recht. Etwa zehn Prozent der ca. 1,5 Millionen Menschen im Königreich sind Katholiken, die meisten von ihnen Arbeitsmigranten aus Osteuropa, Südindien und den Philippinen. (Kirche in Not u. vn v. 18. 7.)

 

Indiens Höchstgericht wandte sich diese Woche an das Parlament mit dem Vorschlag, ein Gesetz zu erarbeiten, um Lynchmorden Einhalt zu gebieten, berichtet die asiatische Nachrichtenagentur Ucanews. Lynchmorde beginnen oft mit falschen Nachrichten und Anschuldigungen und enden für die Opfer meistens tödlich. Oft gerieten bei Lynchmorden Angehörige von Minderheiten ins Visier, beklagen verschiedene Menschenrechtsorganisationen, die die Zögerlichkeit der Regierung für die Gewalt mitverantwortlich machen. (ucan u. vn v. 20. 7.)

 

Die Teilnehmer der internationalen Konferenz zum Thema Religionsfreiheit in Washington DC haben eine Abschlusserklärung veröffentlicht. Die sogenannte „Potomac-Erklärung“ hält fest, dass jeder das Recht hat, seine Religion oder Weltanschauung zu leben. Etwa 80 Prozent der Weltbevölkerung erleben ernsthafte Einschränkungen in der Ausübung ihrer Religion. „Verfolgung, Repression und Diskriminierung aufgrund des Glaubens oder des Nicht-Glaubens ist eine tägliche Realität für viele Menschen“. Der Glaube motiviere die Menschen, Frieden, Toleranz und Gerechtigkeit zu fördern, den Armen zu helfen, sich um Kranke zu sorgen. Zehn Punkte werden angeführt, wie wichtig es ist, das Recht auf Religionsfreiheit zu schützen. An dem Treffen vom 24. bis 26. Juli nahmen über 80 Delegationen, mehr als 40 AußenministerInnen oder deren VertreterInnen teil. Darunter waren auch religiöse Führungspersönlichkeiten. (vn v. 27. 7.)

 

Mehr als 3500 Menschen waren am Start des Charity-Laufs „Run4U“ am 29. Juli, den die Erzdiözese Jakarta organisierte, um Geld für den Bau von Kirchen in verschiedenen Teilen des Landes zu sammeln. Die meisten Läufer waren Katholiken, jedoch hätten sich auch zahlreiche Muslime beteiligt, berichtet Ucanews. Schwester Vincensa von den Jesus-Nachfolgern zeigte sich beeindruckt, wie gut das Sportereignis organisiert war und wie es Menschen unterschiedlichen Glaubens zusammenbrachte: „Das war wirklich etwas Besonderes, nicht nur mit Katholiken, sondern auch mit Nicht-Katholiken zu laufen. Wir konnten wirklich diesen Geist der ‚Einheit in der Vielfalt‘ spüren.“ Der Erzbischof von Jakarta, Ignatius Suharyo Hardjoatmodjo, sagte in einer Videobotschaft, der Charity-Run sei ein Mittel, die Geschwisterlichkeit unter den Indonesiern zu fördern: (ucan u. vn v. 31. 7.)

 

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Als erstes islamisches Land der Welt hat Pakistan den Brauch der Mitgift quasi verboten. Dem neuen Gesetz zufolge wird die Mitgift deutlich beschränkt, wenn auch nicht völlig abgeschafft. Die Regierung habe damit eine „historische Entscheidung" getroffen, die „wichtig für die Ärmsten der Nation" sei, sagte der Bischof von Hyderabad, Samson Shukardin, laut der Nachrichtenagentur „Fides“. Die Ausgaben für die Mitgift würden oft auf Kosten der täglichen Bedürfnisse gehen und besonders arme Familien nicht selten in Schulden stürzen. „Darüber hinaus ist materieller Reichtum sicherlich nicht der zentrale Aspekt der Ehe", betonte Shukardin. Er drängte das zuständige Ministerium, bei der Umsetzung des Gesetzes ein besonderes Augenmerk darauf zu legen, „dass keine Frau Gewalt ausgesetzt ist, weil sie keine ausreichende Mitgift mitgebracht hat". In Pakistan waren bisher Geschenke und Mitgift in der Heiratsurkunde dokumentiert sowie festgeschrieben, wie im Falle einer Scheidung zu verfahren wäre. Vor Pakistan haben in den vergangenen Jahren bereits Indien wie auch das säkular verfasste Bangladesch die Praxis des Forderns und Annehmens von Mitgift verboten. In traditionell orientierten Teilen der Gesellschaft wird sie jedoch weiterhin im Geheimen praktiziert. (fides u. kap u. vn v. 1. 12.)

     

  • Die „Römisch-Katholische Zentralkonferenz der Schweiz“ (RKZ), der Zusammenschluss der römisch-katholischen Kantonalkirchen, tritt offiziell für die Zulassung zum Priesteramt ein unabhängig von Zivilstand und Geschlecht. Auf Antrag der Landeskirche Baselland hat die Plenarversammlung der RKZ diese Zielsetzung in ihre Strategieplanung für die Jahre 2020 bis 2023 aufgenommen. Im gleichen Passus des Dokuments setzt sich die RKZ dafür ein, dass die Kirche den Frauen aufgrund ihrer gleichen Würde auch gleiche Rechte einräumt und das Volk Gottes an Entscheidungen beteiligt. Die Zustimmung der am 28. November per Videokonferenz abgehaltenen Plenarversammlung zu dem Antrag der Landeskirche Baselland erfolgte mit gut zwei Dritteln der Stimmen, teilte Landeskirchenratspräsident Ivo Corvini der Baselbieter Synode mit. Die Landeskirche Baselland ist seit ihrer Gleichstellungsinitiative von 2014 durch ihre Kirchenverfassung verpflichtet, sich für dieses Anliegen einzusetzen. (www.kirche-heute.ch v. 2. 12.)

     

  • Der theologische Dialog zwischen römisch-katholischer und orthodoxer Kirche sollte von Initiativen des gemeinsamen Zeugnisses begleitet werden. Das betonte der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. nach Angaben der Stiftung „Pro Oriente“ in der Liturgie zum Andreas-Fest im Istanbuler Phanar. Bei diesen „Initiativen des Zeugnisses" gehe es um Aktionen in gegenseitigem Vertrauen. An dem Gottesdienst in der St. Georgskathedrale nahm auch eine „brüderliche Delegation" aus dem Vatikan mit Kardinal Kurt Koch teil. Der nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) in Gang gekommene Dialog schreite mit „Beharrlichkeit, Realismus und vollem Vertrauen in die Göttliche Vorsehung" auf jenem Weg voran, der zum Ziel der so sehr ersehnten vollen Einheit führen werde. Das werde trotz der Einwände jener geschehen, die entweder den Wert der Theologie gering schätzten oder die Ökumene für eine Utopie hielten. Die jüngsten „tragischen Ereignisse der Gewalt im Namen Gottes und der Religion" machten den Wert und die Bedeutung des interreligiösen Dialogs deutlich. Der Patriarch ist überzeugt, dass die Ausarbeitung einer allgemein akzeptierten christlichen Anthropologie eine wichtige Unterstützung für die Beziehungen von orthodoxer und römisch-katholischer Kirche bedeuten würde. Denn erst dann werden die Kirchen auf dem Weg der Wahrheit und der Liebe, den Quellen wahren Lebens und wahrer Freiheit in Christus, voranschreiten. (kap v. 2. 12.)

     

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