Zusammenarbeit und Dialog mit den (Welt-)Religionen: (Islam u.a.)

Der Vatikan und die Kairoer Universität al-Azhar haben den Vereinten Nationen in New York vorgeschlagen, einen neuen „Welttag der menschlichen Geschwisterlichkeit“ einzurichten. Kurienkardinal Miguel Ayuso und al-Azhar-Richter Muhammad Abd al-Salam haben am 5. Dezember UN-Generalsekretär Antonio Guterres eine gemeinsame Botschaft des Papstes und des Groß-Imams Ahmad al-Tayyeb übergeben. Darin regen die Beiden an, den 4. Februar jährlich als weltweiten Gedenk- und Aktionstag im Zeichen der Geschwisterlichkeit zu begehen. Zudem schlagen sie ein Weltgipfeltreffen zur menschlichen Geschwisterlichkeit vor. Laut der Vatikanmitteilung hat Generalsekretär Guterres den Vorschlag anerkennend entgegengenommen und signalisiert, die Initiative unterstützen zu wollen. Er habe seinen Sonderberater für die Verhütung von Völkermord, den Senegalesen Adama Dieng, beauftragt, mit dem „Komitee zur menschlichen Geschwisterlichkeit“ zusammenzuarbeiten, das der Vatikan und die al-Azhar gegründet hatten zur Umsetzung der Grundsätze des gemeinsamen Dialog-Dokumentes vom 4. Februar 2019 in Abu Dhabi. Der Vatikan und die al-Azhar-Lehrautorität des sunnitischen Islam verpflichten sich in diesem „Dokument zur menschlichen Brüderlichkeit“ zum Einsatz für Dialog und Frieden sowie zu Gewaltverzicht und zum Schutz der Schöpfung. (vn v. 5. 12.; JA v. 15. 12.)

 

Erzbischof Sebastian Shaw von Lahore, der Verantwortliche für den interreligiösen Dialog, hat in diesen Tagen eine Koranschule in Multan (Pakistan) besucht. Von Priestern begleitet führte er anschließend auch Gespräche in der Fakultät für islamische Studien an der Universität der Stadt. Der Erzbischof ist davon überzeugt, dass dieser Dialog schon in den Schulen stattfinden muss. In der Koranschule wurden Shaw und seine Begleiter vom verantwortlichen Imam begrüßt. Anschließend pflanzten sie im Schulhof einen Olivenbaum als Zeichen des Friedens. Dabei sprachen alle, auch die Schüler, das Gebet „Herr, mache mich zu einem Werkzeug deines Friedens“, das dem hl. Franz von Assisi zugeschrieben wird. In der Universität überreichte dann der Erzbischof den Lehrkräften eine Urdu-Übersetzung des Dokuments zur universellen Geschwisterlichkeit, das Papst Franziskus und Sunnitenführer Ahmed al-Tayyeb im Februar in Abu Dhabi unterschrieben hatten. (fides u. vn v. 6. 12.)

 

Das vom nahöstlichen Kirchenrat (MECC) konzipierte Projekt „Kairos im Nahen Osten“ soll eine globale Reflexion über den Zustand der christlichen Kirchen des Nahen Ostens anstoßen. Von 6. bis 8. Dezember haben sich auf Initiative der Abteilung für Theologie und Ökumene des MECC insgesamt 25 Expertinnen und Experten aus verschiedenen Ländern im „Bethania-Zentrum“ in Harissa (Libanon) versammelt, um die Leitlinien dieses Wegs zu erörtern. Sie beschlossen ein Arbeitsdokument, das theologische und spirituelle Ansätze für die Analyse der Situation enthält, mit der sich die Christen im Nahen Osten konfrontiert sehen. Einen besonderen Akzent setzt das Dokument auf den Beitrag der Kirchen im öffentlichen Raum. Die maronitische Libanesin Souraya Bechealany, die Generalsekretärin des MECC, betonte die Wichtigkeit des „Kairos“-Projekts, das eine „realistische und gleichzeitig prophetische“ Sicht der Situation der Christen in der Region fördern soll. Am 2. September war eine MECC-Delegation unter Leitung von Bechealany durch Papst Franziskus im Vatikan. Bei dieser Gelegenheit wurde dem Papst auch das „Kairos“-Projekt vorgestellt. Papst Franziskus forderte die Mitglieder des Rates auf, ihre Entscheidungen und Maßnahmen auf der synodalen Erfahrung aufzubauen. Im MECC mit Sitz in Beirut – gegründet 1974 in Nikosia – sind alle Kirchenfamilien (katholisch, orthodox, orientalisch-orthodox, reformatorisch) vertreten. Bechealany ist maronitische Christin und lehrt Theologie an der Université Saint-Joseph in Beirut. (vn v. 11. 12.)

 

Eine „mobile Medizinstation für interreligiöse Harmonie“ initiierten die Caritas von Colombo und das interreligiöse Komitee von Negombo gemeinsam mit dem örtlichen Gesundheitsamt und dem städtischen Krankenhauslabor. Singhalesen, Katholiken und Buddhisten stünden der muslimischen Gemeinschaft nach den Ostermassakern misstrauisch gegenüber. Dem will das neue Projekt entgegentreten: Wiederherstellung des interreligiösen Vertrauens und der Harmonie zwischen den Gemeinschaften, aus denen das Land nach den Ostermassakern besteht, bei gleichzeitiger Verbesserung der Gesundheit der Bevölkerung. Mehr als 150 Menschen, meist Muslime, aber auch Katholiken und Menschen anderer Religionen, haben sich in der mobilen Station untersuchen lassen. Insgesamt sieben muslimische und singhalesische Ärzte waren als Freiwillige tätig. Herr Jude Fernando, Katholik und Mitglied des interreligiösen Komitees, erklärte: „Gemeinsam mit der Caritas wollen wir das Misstrauen abbauen. [..] Unser Volk und sogar einige katholische Priester denken, dass alle Muslime schlecht sind. Deshalb versuchen wir, diese Einstellung durch ähnliche Programme zu beseitigen". (asianews u. vn v.11. 12.)

 

 „Wir sind alle Guineer und wir sind ein Volk und haben einen einzigen Schöpfergott“, heißt es in einem ökumenischen und interreligiösen Gebet für den Frieden in Guinea-Bissau. Die römisch-katholische Gemeinde in Empada kam mit der evangelischen und der muslimischen Gemeinschaft für zu einem Friedensgebet zusammen, da sich die religiösen Spannungen des Landes zunehmend verschärft haben. Ursache dafür seien unter anderem auch die enormen schwierigen Bedingungen, unter denen die Mehrheit der Bürger lebe. Pfarrer Augusto Mutna Tamba, der die römisch-katholische Gemeinde vor Ort leitet, begrüßte nach dem gemeinsamen Singen der Nationalhymne, die Anwesenden und dankte allen, die dieses wichtige historische Ereignis ermöglicht hatten. In ihren Ansprachen appellierten die Religionsvertreter von Guinea-Bissau an alle Guineer, für Frieden und nationale Einheit zu beten. Ustas Aladje Abubacar, Imam der Zentralmoschee von Mansoa und Präsident des Vereins der Imame von Guinea-Bissau, würdigte die Tatsache, dass die Veranstaltung in einer Schule stattfand, die nach Bischof Settimio A. Ferrazzetta, dem ersten Bischof von Guinea-Bissau benannt sei. Dieser sei eine wichtige Bezugsperson für das Engagement für Frieden und Einheit des Landes gewesen. Der Imam forderte die Guineer auf, dem Vorbild des großen Bischofs zu folgen und auf Hassreden zu verzichten. (fides u. vn v. 18. 12.)

 

Die deutsche Regierung hat der Einführung von jüdischen Militärseelsorgern bei der Bundeswehr zugestimmt. Dafür soll ein Staatsvertrag zwischen der Bundesregierung und dem Zentralrat der Juden in Deutschland geschlossen werden. (JA v. 22. 12.)

 

Der oberste Gerichtshof Indiens hat fünf Christen freigesprochen, die wegen des angeblichen Mordes an einem hinduistischen Geistlichen im Jahr 2008 zu lebenslanger Haft verurteilt worden waren. Das berichtete „missio Aachen“. Den Christen war vorgeworfen worden, im August 2008 in der Region Kandhamal im Bundesstaat Odisha einen Geistlichen der Hindu ermordet zu haben. Die Beschuldigten gehören der indigenen Bevölkerung der Adivasi und den sozial ausgegrenzten Dalits an. Die Anwälte der beschuldigten Christen hatten erklärt, die Anschuldigungen seien fingiert gewesen. Maoistische Rebellen hatten schließlich die Verantwortung für die Tat übernommen. (JA v. 22. 12.)

 

Indonesien will zum Schutz von Kirchen während der Weihnachtsfeiertage mehr als 160.000 Sicherheitskräfte einsetzen, rund doppelt so viele wie im Vorjahr. Das berichtete der asiatische Pressedienst „Ucanews“. Neben Polizei, Militär und Behördenmitarbeitern beteiligt sich auch etwa die Hälfte der sieben Millionen Jungmitglieder der muslimischen Massenorganisation Nahdlatul Ulama an den Schutzmaßnahmen. Der Vorsitzende der Jugendorganisation, Yaqut Cholil Qoumas, wird mit den Worten zitiert: „Die Anhänger anderer Religionen zu schützen, einschließlich der Christen, ist gleichbedeutend mit dem Schutz Indonesiens.“ (JA v. 22. 12.)

 

In der vom Krieg schwer gezeichneten syrischen Metropole Aleppo ist die renovierte Kathedrale der armenisch-katholischen Kirche wiedereröffnet worden. An der Feier mit Erzbischof Boutros Marayati nahmen auch Vertreter weiterer christlicher Konfessionen sowie der muslimische Großmufti Ahmad Badreddin Hassoun teil. Man habe bei der Kirchweihe das „alte“ Mosaik Syriens erlebt, sagte päpstliche Botschafter in Syrien, Kardinal Mario Zenari, im Interview mit „Radio Vatikan“. Syrien sei vor dem Krieg ein buntes, offenes Land gewesen, in dem die verschiedenen Religionsgemeinschaften friedlich miteinander lebten. Er von einem „Tag der Hoffnung“ sprach – „und das ist, was die Menschen hier sehr brauchen“. Großmufti Badreddin Hassoun sagte laut Bericht der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur SANA bei der Eröffnung der Kathedrale: „Wir bauen wieder auf, was der Terrorismus zerstört hat: Kirchen, Moscheen und Fabriken“. (JA v. 22. 12.)

 

Der Advent und die Weihnachtsfeiertage bieten in Pakistan eine „fruchtbare Gelegenheit“ für den interreligiösen Dialog. Die Nachrichtenagentur „Fides“ berichtet über das neue Projekt der Nationalen Kommission für Interreligiösen Dialog und Ökumene der Bischofskonferenz von Pakistan: In den vergangenen Tagen wurde ein interreligiöses Treffen in Lahore im Hinblick auf Weihnachten organisiert. Alle wichtigsten religiösen Führer und die zivilen Behörden seien anwesend gewesen. Neben dem Präsidenten der Kommission, Erzbischof Sebastian Francis Shaw, war der Provinzialminister für Minderheiten und Menschenrechte aus dem Punjab, Ajaz Alam Augustine, anwesend, ebenso die muslimischen Gelehrten Hafiz Sayed Ashiq Hussain, Moulana Muhammad Asim Makhdoom und Badar Munir. Auch viele Priester und Ordensleute, die sich im islamisch-christlichen Dialog engagieren, wie P. Inayat Bernard, Fr. Qaisar Feroz, P. Francis Sabir, arbeiten am Projekt mit. Beim Treffen wurden Passagen aus der Bibel und dem Koran vorgetragen. Brennende Kerzen symbolisierten den Wunsch nach Frieden, die zentrale Botschaft von Weihnachten. Kinder aus verschiedenen Schulen sangen Weihnachtslieder. Die muslimischen Führer würdigten die Initiative der Kommission der römisch-katholischen Bischöfe und sprachen in ihrer Begrüßung von „einer außergewöhnlichen Demonstration interreligiöser Harmonie, die in Pakistan dringend notwendig ist“. P. Francis Nadeem, Exekutivsekretär der Kommission und Organisator der Veranstaltung, sagte: „Dies ist der größte Wunsch der Anwesenden, der von den Führern aller Religionen geteilt wird: Dialog und Gebet. Möge Weihnachten Frieden, Toleranz, Glück und Solidarität unter allen Religionen erzeugen.“ (fides u. vn v. 23. 12.)

 

Im von Unruhen gebeutelten Mali haben sich mehr als 3.000 Vertreter von Politik und Zivilgesellschaft getroffen, um über einen „integrativen nationalen Dialog“ zu diskutieren. Uneinigkeit gab es bei dem Treffen in der Hauptstadt Bamako darüber, welche politische Rolle die Scharia in Zukunft spielen sollte. Daniel Coulibaly, der Vertreter von römisch-katholischen und protestantischen Gläubigen argumentierte: Der Präsident der Republik könne sich zwar einer Religion zugehörig fühlen, „aber wenn er als Präsident der Republik fungiert, hat er keine Religion, weil das Amt keine Religion hat". Er lehnte auch den Vorschlag des Vertreters des Hohen Islamischen Rates ab, dass der Präsident der Republik einen Eid auf den Koran oder die Bibel – je nach seinem Glauben – ablegen solle. Starke Worte für die Trennung von Religion und Staat fand Frau Traoré Lalia Ba, Mitglied einer Bürgerkoalition für die Zivilgesellschaft: „Rühr‘ meinen Säkularismus nicht an!" Eine Verwendung der Scharia würde „das Land ins Mittelalter zurückversetzen“, kritisierte sie. Am Ende der Konferenz forderten die TeilnehmerInnen die politischen Akteure auf, sich von radikalen „religiösen Formationen und anderen religiös organisierten Gruppen" zu distanzieren und betonten, dass es die Vielfalt des Denkens sei, die ein Land stärke. (cath.ch. u. vn v. 24. 12.)

 

InMarokko haben an den Weihnachtsfeiertagen um die hundert junge Muslime in den Städten Marrakesch, Casablanca, Mohammedia, Fès und Tanger Weihnachtsgrüße mit rund 200 jungen Christen ausgetauscht. Einen neuen Schwung im interreligiösen Dialog beobachtet der Franziskaner-Pater Manuel Corullòn. Das habe mit Besuch von Papst Franziskus im März 2019 in Marokko zu tun. Corullòn berichtet über die Visite der Jugendlichen in seiner Gemeinde von Rabat: „Am Tag des Heiligen Abends ist zu uns eine Gruppe junge Marokkaner in die Kirche gekommen, um uns Weihnachtswünsche zu überbringen und die jungen Christen unserer Gemeinde zu grüßen. Das war wirklich eine sehr bedeutsame und auch prophetische Geste für den Dialog und die Begegnung. […] Weihnachten ist so auch ein Moment, um geschwisterlich und in Freundschaft viele Werte zu teilen, die Muslime und Christen vereinen.[…] In diesen Monaten werden viele Dialogtreffen organisiert, und es sind Muslime, die Christen einladen, daran teilzunehmen. Der Weihnachtsbesuch der jungen Muslime bei uns geschah aus diesem Geist des Dialoges heraus, der durch den Papstbesuch in Marokko inspiriert und erneuert wurde.“ Das tolerantere Klima habe sicherlich auch mit dem Dokument von Abu Dhabi zu tun, das Papst Franziskus in den Vereinigten Arabischen Emiraten gemeinsam mit dem Kairoer Großscheich Ahmad al-Tayyeb unterzeichnete, meinte Corullòn. (vn v. 26. 12.)

 

Als erster Bundesstaat von Malaysia hat Sabah den Heiligen Abend zum zusätzlichen Feiertag erklärt. Bislang galt in dem Staat auf Borneo nur der Christtag am 25. Dezember als Feiertag. Mit dieser Entscheidung habe Regierungschef Mohd Shafie Apdal Weihnachten die gleiche Bedeutung wie dem chinesischen Neujahrsfest und dem Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan zugemessen, die in ganz Malaysia mit zwei offiziellen Feiertagen begangen werden, berichtete der asiatische Pressedienst „Ucanews“. 9% der Malaysier sind Christen. (JA v. 29. 12.)

 

 

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