Zusammenarbeit und Dialog mit den (Welt-)Religionen: (Islam u.a.)

Der Vatikan hat den Muslimen in aller Welt, wie üblich, zu ihrem Fastenmonat Ramadan geschrieben. In einer Botschaft verurteilt der Päpstliche Dialog-Rat gleichzeitig die jüngsten Angriffe auf Kirchen, Moscheen und Synagogen. Der Text erinnert an das „Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen“, das Papst Franziskus und der ägyptische Großimam Ahmed al-Tayyib 2019 in Abu Dhabi unterzeichnet haben. „Ich glaube, der Ramadan hat dieses Jahr für Muslime eine mehr innerliche Dimension, weil der gemeinschaftliche Aspekt nicht gefeiert werden kann“, sagte Kardinal Miguel Àngel Ayuso Guixot, Präsident des Dialogrates im Interview mit Radio Vatikan. Die großen Religionen haben angesichts der Corona-Pandemie eine gemeinsame Botschaft. „Wir können, wie Papst Franziskus es genannt hat, für eine ‚Ansteckung durch Hoffnung‘ sorgen. Wir können als religiöse Führer Einheit, Solidarität und Geschwisterlichkeit fördern, damit wir aus diesem Moment alle besser herauskommen, als wir hineingegangen sind.“ (vn v. 1. 5.)

 

Der „Hohe Ausschuss für die menschliche Geschwisterlichkeit“ unter der Federführung der Vereinigten Arabischen Emirate ruft angesichts der Corona-Pandemie alle Menschen gleich welcher Religion zum Gebet und zur Unterstützung von Betroffenen auf. Für den 14. Mai bittet das Gremium zu einem gemeinsamen, interreligiösen Gebet-Tag. In seiner Einladung wendet sich der Ausschuss an „alle religiösen Führungspersonen und Menschen der Welt“. Angesichts der „großen Gefahr“ der Corona-Pandemie sollten sie sich „betend, fastend und mit Werken der Barmherzigkeit an Gott wenden“. Der 14. Mai solle fortan der „Tag des Gebets, des Fastens sowie der Werke der Barmherzigkeit und des Bittens für die Menschheit“ sein. Die Pandemie könne Gelegenheit dazu zu sein, in Menschlichkeit und Kooperation zu wachsen, „sodass unsere Welt nach dieser Seuche menschlicher und geschwisterlicher werde als zuvor“. Das „Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen - für ein friedliches Zusammenleben in der Welt“, das Papst Franziskus und der ägyptische Großimam Ahmed al-Tayyib 2019 unterzeichnet haben, ist eine christlich-muslimische Selbstverpflichtung auf den gemeinsamen Einsatz für Frieden, die Wahrung der Menschenrechte und Religionsfreiheit und tätige Nächstenliebe, die mit mehreren Treffen und Initiativen bereits einige Früchte getragen hat. (vn v. 2. 5.)

 

Die Theologische Fakultät der Universität Trier hat zur stärkeren Auseinandersetzung mit dem Islam einen eigenen Lehrstuhl eingerichtet. In dieser Form sei er für den interreligiösen Dialog mit den abrahamitischen Religionen mit Schwerpunkt Islam einzigartig, teilte die Universität mit. Es gelte, die drei großen monotheistischen Religionen vergleichend zu betrachten und strukturelle Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede zu untersuchen. Seit dem Sommer unterrichtet der Islamwissenschaftler und römisch-katholische Theologe Dennis Halft (38) am Lehrstuhl. Das Studium von Judentum, Christentum und Islam sowie der verschiedenen Sprachen und Kulturen solle zu einem „informierten Dialog auf Augenhöhe" beitragen, erklärte Halft. Er promovierte in Islamwissenschaft. Studien- und Forschungsaufenthalte führten ihn unter anderem nach Damaskus, Kairo, Teheran und Jerusalem. (kna u. ap v. 4. 5.)

 

Der Generalsekretär der Konferenz der Europäischen Rabbiner (CER), Gady Gronich, glaubt an „ein neues Zeitalter im interreligiösen Dialog“. Die Pandemie habe deutlich gemacht, „dass wir alle im gleichen Boot sitzen“, sagte er der „Deutschen Welle“. Dabei verwies er auf die Einschränkungen für Gemeinden in vielen Ländern. Das habe zu einer neuen Dynamik geführt. Er nannte als Beispiele gemeinsame Gebete, Online-Botschaften oder Erfahrungsaustausch. All das seien „Aktivitäten, die es wohl vor Corona so nicht gegeben hätte“. Am 14. Mai führen die großen Religionen und Kirchen einen Tag des Fastens und Betens gegen das Vordringen der Pandemie durch. Für ihn ist das „ein schönes Signal der gemeinsamen Solidarität und Zuversicht“. Auch Aiman Mazyek, der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, sprach von einer „sehr wichtigen Initiative, die uns Kraft und Energie in diesen schweren Zeiten verspricht“. (vn v. 14. 5.)

 

Trotz Protesten islamischer Hardliner hat die pakistanische Regierung die lang erwartete „Kommission für Nationale Minderheiten“ gegründet. Damit erfüllte sie eine Anweisung des Obersten Gerichts von Pakistan. (JA v. 17. 5.)

 

Yuval Katz-Wilfing ist seit 1. Mai neuer Geschäftsführer des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Der in Israel geborene und in den USA aufgewachsene jüdische Religionswissenschaftler lebt seit 2008 in Wien, wo er Religionswissenschaft studierte. Er arbeitet seit Jahren im Wiener Koordinierungsausschuss mit und war u.a. als Lektor der Universität Wien in zahlreichen Veranstaltungen als Referent tätig. Religiös verwurzelt ist Katz-Wilfing in der liberalen jüdischen Gemeinde Wien als Vorbeter, Talmudlehrer und Vorstandsmitglied. Der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit wurde 1956 vom Wiener Judaistik-Professor Kurt Schubert gegründet. Präsident ist derzeit der römisch-katholische Religionspädagoge em. Univ. Prof. Martin Jäggle, Vizepräsidenten sind die evangelische Pfarrerin Margit Leuthold und der jüdische Informatiker Willy Weisz. (kap v. 19. 5.

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Die Kultur- und Jugendministerin der Vereinigten Arabischen Emirate, Noura Al Kaabi, kritisierte die Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee und betonte, die Kulturschätze der Menschheit – wie die Hagia Sophia – müssten „in ihrem Wert und in ihrer Funktion“ bewahrt werden, sie dürften nicht „unpassend“ verwendet oder für „persönliche Zwecke instrumentalisiert“ werden. Die Entscheidung der türkischen Politik betreffe zutiefst die ganze Menschheit, weil es sich bei der Hagia Sophia um eine UNESCO-Welterbe-Stätte von „außerordentlichem Wert für alle Völker und Kulturen“ handle. Die Hagia Sophia sei „eine Brücke zwischen unterschiedlichen Menschen, […] ein wichtiges Beispiel der Interaktion und des Dialogs zwischen Asien und Europa und sollte ein harmonisches Zeugnis menschlicher Geschichte bleiben“. (JA v. 2. 8.)

     

  • Im Interview mit den „Salzburger Nachrichten“ plädiert Dr. Julia Knop, die Dogmatikerin an der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Erfurt, für einen „Mentalitätswandel“ der römisch-katholischen Kirche, weil die „Geschlechtergerechtigkeit [heute] schlichtweg unhinterfragbar ist“: „Wenn es in der Antike Diakoninnen gegeben hat, könnte es sie auch heute geben. […] Es wäre ein Wandel zum Verständnis des Weiheamtes, das geerdet ist, das rechenschaftspflichtig ist und nicht den Amtsträger in den Himmel lobt und zu einer besonderen Mittlergestalt stilisiert. Ein Wandel zu einem kirchlichen System, das heutigen Standards von Transparenz und Kontrolle, von Gewaltenteilung und Geschlechtergerechtigkeit entspricht. Zu einer Kirche, die glaubwürdig ist.“ (SN vom 1. 8.)

     

  • Vor einigen Monaten noch gab es im palästinensischen Gaza-Streifen noch keine Corona-Infektionen. Pater Romanelli sagte im Radio Vatikan „Für mich war es ein Wunder. Da wir schon damals ahnten, was auf uns zukommen könnte – haben wir die Zeit genutzt: Wir haben Aktivitäten im Freien organisiert, und natürlich Gottesdienste, aber auch Seminare und Ausflüge ans Meer. […] Mit solchen Angeboten hilft die Kirche tausenden Menschen und zwar Mitbürgern christlichen wie muslimischen Glaubens. […] Wir haben auch Wettkämpfe für die jungen Leute organisiert, Angebote für Kinder und ein besonderes Programm im Marienmonat Mai. Immer haben ganz viele Leute mitgemacht, auch die griechisch-Orthodoxen. Ökumene ist für uns Alltag.“ Doch jetzt wurden die ersten vier Fälle von Corona im Flüchtlingslager Al-Mughasi entdeckt, in dem etwa 120.000 Menschen leben. Die Hamas-Regierung verhängte einen zweitägigen Lockdown. „Viele Menschen haben keine Hoffnung. Es gibt natürlich immer Leute, die nicht einverstanden sind und sich beschweren.“ Von daher ist Pater Romanelli froh, wenn er und seine Gemeinde den Menschen Hilfe und Hoffnung bringen können – und zwar egal, welcher Religion sie angehören. (vn v. 27. 8.)

     

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