Zusammenarbeit und Dialog mit den (Welt-)Religionen: (Islam u.a.)

Abu Dhabi setzt eine weitere Geste der Toleranz und benennt die große neue Moschee in der Hauptstadt „Maria, die Mutter Jesu“. Bisher trug sie den Namen „Scheich Mohammed Bin Zayed-Moschee“. Die Umbenennung wurde von Scheich Mohammed Bin Zayed Al Nahyan, dem Kronprinzen von Abu Dhabi, angeordnet. Der für die Vereinigten Arabischen Emirate zuständige Apostolische Vikar, Bischof Paul Hinder, sagte der katholischen Nachrichtenagentur „asianews“, die Umbenennung sei eine „wichtige Geste der Toleranz“ und ein weiterer Schritt der „Offenheit und des Interesses am Dialog“. Auch dass die römisch-katholische Josefskathedrale nur wenige Schritte daneben steht, zeige symbolisch den Willen zum Miteinander beider Religionen. Die Staatsministerin für Toleranzfragen, Scheicha Lubna Al-Qasimi, dankte dem Kronprinzen für dieses Signal der Toleranz. (JA v. 2. 6.)

 

Am 3. Juli traf eine Delegation des Päpstlichen Dialogrates in Kairo al-Azhar-Vertreter. Al-Azhar gilt als eine der bedeutendsten Lehr- und Forschungseinrichtungen für den sunnitischen Islam. Ort der Zusammenkunft war die Apostolische Nuntiatur. Die Vertreter beider Seiten hätten ihren Willen bekundet, auf der Linie der Reden von Papst Franziskus und des Großimams der al-Azhar-Universität, Ahmed Mohammed al-Tayyeb bei der Kairoer Friedenskonferenz vom 28. April, weiterhin gemeinsam über einen interreligiösen Dialog nachzudenken. (rv v. 4. 7.)

 

Zu friedlichem Zusammenleben hat Franziskus Palästinenser und Israelis ermutigt. In einer am 5. Juli live übertragenen Videobotschaft an eine internationale Konferenz des Bildungsnetzwerkes „Scholas Occurentes“ in Jerusalem rief der Papst zu Friedensarbeit durch Bildung auf: Dass eine Einheit trotz bestehender Unterschiede möglich sei, hätten die rund 150 Wissenschaftler und Religionsvertreter bewiesen, die zu dieser Begegnung an der Hebräischen Universität in Jerusalem zusammentraten, so der Papst. „Ihr selbst habt, ausgehend von eurer Verschiedenheit, Einheit erreicht. Das hat euch niemand beigebracht. Ihr habt sie erlebt.“ In der Begegnung liege eine Kraft, die Menschen verbinde, statt sie zu trennen. Die Bildung müsse der Friedensarbeit und Völkerverständigung dienen. Diesem Auftrag habe sich „Scholas Occurentes“ verschrieben. Es gehe darum, eine Kultur der Begegnung durch Bildung zu fördern, über Grenzen und Kulturen hinweg. Die heutige „zersplitterte“ Welt mit ihren Abschottungstendenzen habe dies bitte nötig, so Papst Franziskus in der Videobotschaft. (rv v. 5. 7.)

 

Ein Zeichen gegen islamistischen Terror wollen europäische Imame mit einem Friedensmarsch in verschiedene europäische Städte setzen. 60 französische Imame gehen dabei vom 8.-14. Juli zusammen mit Gläubigen und Vertretern anderer Religionen die Orte der letzten Anschläge ab, wie „asianews“ berichtet. Die Aktion findet daher in Berlin, Brüssel, London, Saint Etienne du Rouvray, Toulouse und Nizza statt, wo die Gruppe jeweils von hochrangigen Politikern empfangen wird, in Berlin etwa von Bundeskanzlerin Angela Merkel und in Paris von Präsident Emmanuel Macron. Das Netzwerk wolle mit der Aktion die islamischen Gemeinschaften dazu anregen, angesichts der vermehrten Anschläge Position für Gewaltfreiheit zu beziehen. Die beiden Organisatoren der Initiative sind der französische Imam Hassan Chalghoumi, der Exekutivdirektor der französischen Friedensinitiative „Union des Peuples pur la Paix” sowie der französische Schriftsteller Marek Halter. (asianews u. rv v. 1. 7.)

 

Christen und Muslime machen sich gemeinsam für eine neue Staatsdoktrin im arabischen Raum stark. Eine hochrangig besetzte christlich-islamische Versammlung an der römisch-katholischen Université Notre-Dame-de Louaizé in Beirut verabschiedete am 2. Juli auf Initiative des maronitischen Patriarchen Kardinal Bechara Boutros Rai die sogenannte „Erklärung von Louaizé“, die sich als Weiterführung der „Erklärung der Al Azhar-Universität“ vom 1. März versteht. Das Papier regt die Errichtung von arabischen „Staaten ziviler Natur“ an, mit gleichen Rechten und Pflichten für alle Bürgerinnen und Bürger. Der „Staat ziviler Natur“ würde auch die Trennung zwischen Staat und Religion sowie die rechtliche Gleichstellung unabhängig vom Religionsbekenntnis deutlicher herausarbeiten. Eingeladen hatte der maronitische Patriarch Rai. In der Erklärung vom 2. Juli wird das Votum von Al Azhar für einen „nationalen Verfassungsstaat" auf der Grundlage der rechtlichen Gleichstellung aller Bürger, die Hochschätzung der kulturellen und religiösen Pluralität sowie die Verwendung des Begriffs „Bürgerschaft" anstelle von „Mehrheit" und „Minderheit" ausdrücklich gewürdigt. Die „Erklärung von Louaizé" bedeutet den endgültigen Abschied vom Konzept des „islamischen Staates". Auch Scheich Abbas Choumane, der Stellvertreter des Al-Azhar-Großimams Ahmad al-Tayyeb, verwendete in seinem Beitrag den Begriff „Staat ziviler Natur". Das Papier verpflichtet den Libanon und alle anderen arabischen Länder zur verstärkten Auseinandersetzung mit dem Extremismus. Es sei notwendig, sich auf „Ausgleich und Gleichgewicht" zu konzentrieren und die Zusammenarbeit zwischen religiösen und kulturellen Institutionen zu stärken, um eine „neue Kultur" zu schaffen. Man werde auch Kontakt mit dem Vatikan sowie anderen christlichen und muslimischen Institutionen aufnehmen. (kap u. rv v. 4. 7.).

 

Ein theologischer Trialog zwischen Buddhismus, Islam und Christentum findet ab dem 12. Juli in Münster (Nordrhein-Westfalen) statt. Dazu kommen rund 20 Wissenschaftler aus aller Welt am Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Universität zusammen, um zentrale Glaubensannahmen der drei Weltreligionen zu vergleichen und deren gesellschaftliche Bedeutung zu erörtern. Dieser so genannte „Existenzcluster“ an der Uni Münster verknüpft insgesamt ca. 200 Geistes- und Sozialwissenschaftler aus 20 Fächern. Die Veranstaltung, bei der Experten aus Japan, den USA, Thailand, Vietnam, der Türkei und Deutschland versammelt sind, ist laut Angaben der Veranstalter einer der ersten weltweiten Trialoge dieser Art. Der islamische Theologe Prof. Dr. Mouhanad Khorchide spricht über das Verhältnis des Islams zu anderen Religionen. Der thailändische Religionswissenschaftler Prof. Dr. Imtiyaz Yusuf befasst sich mit den Spannungen zwischen Muslimen und Buddhisten in Asien. Im Mittelpunkt der Tagung stehen buddhistische, christliche und islamische Menschenbilder sowie Vorstellungen vom Bösen. Die Tagung ist Teil einer Konferenzreihe im Rahmen des Projektes „Shin Buddhism, Christianity, Islam: Conversations in Comparative Theology“. Nach der Auftakttagung im Februar in Kyoto zum Thema Wahrheit und Wirklichkeit und dem Trialog in Münster wollen die Forscher 2018 an der Georgetown University in Washington über Fragen des religiösen und gesellschaftlichen Handelns der drei Religionen sprechen. (rv. v. 6. 7.)

 

Am Vorabend des G20-Gipfels in Hamburg haben Vertreter von acht Religionen gemeinsam um Frieden gebetet. Bei der Veranstaltung am 6. Juli in Hamburg sagte die evangelische Bischöfin Kirsten Fehrs: „Wir dürfen uns nicht damit abfinden, dass immer wieder Menschen anderen das Leben zur Hölle machen.“ Damit bezog sie sich auf den Protestmarsch „Welcome to Hell“, der zeitgleich stattfand. Protestanten, Katholiken, Muslime, Juden, Hindus, Buddhisten, Aleviten und Bahai nahmen an dem Gebet teil und zitierten aus ihren religiösen Schriften. Gemeinsam forderten sie die Staats- und Regierungschefs auf, sich für eine gerechtere Welt einzusetzen. (kna u. rv v. 7. 7.)

 

Der in Paris gestartete „Marsch der Muslime gegen den Terrorismus" hat Station in Berlin gemacht. Am 9. Juli bekräftigten Imame aus zahlreichen europäischen Ländern gemeinsam mit christlichen und jüdischen Vertretern ihre Position gegen Gewalt im Namen der Religion. Der Initiator, der Pariser Imam Hassen Chalghoumi, betonte in Berlin in der evangelischen Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, der Terrorismus könne nur gemeinsam besiegt werden. Rund sechzig Imame reisen bis 14. Juli als Friedensbotschafter durch Europa. Gestartet waren sie in Paris. Weitere Stationen der Rundreise werden Brüssel und einige französische Städte sein. (kna u. rv v. 9. 7.)

 

Die Regierung Indonesiens hat die radikale islamistische Organisation Hizbut Tahrir aufgelöst. Das berichtet die asiatische Nachrichtenagentur Ucanews. Hizbut Tahrir hatte die Absicht geäußert, Indonesien in ein Kalifat mit islamischer Rechtsprechung umzuwandeln. Am 10. Juli hatte Präsident Joko Widodo ein Dekret erlassen, das es dem Staat ermöglicht, extreme Gruppen, ohne Prozess zu verbieten. Damit soll die nationale Sicherheit gefestigt werden. Der Vorsitzende der „Katholischen Graduierten und Intellektuellen“ in Indonesien, Hargo Madirahardjo, bestätigte, die Regierung hatte vor dem Erlass aufgrund von Bedenken von Menschenrechtsorganisationen Rechtsexperten befragt. In Deutschland ist Hizbut Tahrir bereits seit 2003 verboten. (ucan u. rv u. 19. 7.)

 

Glimpflicher Ausgang für eine junge Saudierin, die sich mit offenem Haar und Minirock in einem kurzen Video zeigte: Die Polizei in Ryad hat die 27-Jährige nach wenigen Stunden ohne Auflagen freigelassen. Das berichtet die katholische Agentur asianews unter Berufung auf das saudische Ministerium für Information und Kultur. In der Vernehmung habe die junge Frau angegeben, das Video sei ohne ihr Wissen veröffentlicht worden. Überdies sind darin keine anderen Personen zu sehen, weshalb kein skandalöses Verhalten vorliege. Das kurze Video war in den sozialen Medien aufgetaucht und hatte im arabischen Raum heftige, kontroverse Reaktionen ausgelöst. Beobachter werten die Freilassung der jungen Frau als Erfolg einer neuen „progressiven“ Linie in dem wahabitischen Königreich, die sich mit der kürzlichen Ernennung des 31-jährigen Thronfolgers Muhammad bin Salman abzeichnet. (asianews u. rv v. 21. 7.)

 

Der italienische Kardinal Pietro Boetto ist posthum von der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte „Yad Vashem“ als „Gerechter unter den Völkern“ geehrt worden. Er hat während seiner Amtszeit als Erzbischof von Genua in den Jahren von 1938 bis 1945 zahlreiche Juden vor der Auslieferung an die Nazi-Schergen bewahrt. (JA v. 23. 7.)

 

Der apostolische Nuntius in Bosnien und Herzegowina, Luigi Pezzuto, hat den Interreligiösen Rat des Landes für dessen Einsatz für Frieden im Land gewürdigt. Der Erzbischof hob insbesondere „das Brückenbauen zwischen den religiösen Oberhäuptern“ hervor. Der vor 20 Jahren gegründete Rat helfe den Menschen, „das eigene Herz und die eigenen Gedanken zu ändern mit der Kraft des eigenen Glaubens und religiösen Werten“. Dadurch werde auch einem Wandel der gesamten Gesellschaft mitgewirkt, sagte Pezzuto laut einer aktuellen Mitteilung der Bischofskonferenz des Landes. Der „Interreligiöse Rat von Bosnien und Herzegowina“ wurde 1997 von Spitzenvertretern der islamischen Glaubensgemeinschaft, der serbisch-orthodoxen, der römisch-katholischen Kirche sowie der jüdischen Glaubensgemeinschaft des Landes gegründet. Diese Initiative für die Versöhnung zwischen den noch kurz zuvor im Krieg gegenüberstehenden Völkern des Landes wirkt fortan als Nichtregierungsorganisation. In den vergangenen 20 Jahren hat der Rat mehr als hundert Projekte in Bosnien und Herzegowina realisiert. Eines davon war beispielsweise die Dokumentation der Übergriffe auf religiöse Objekte. Zu weiteren Projekten gehören u.a. Tage der offenen Tür der religiösen Objekte, eine öffentliche Diskussion zum Thema „Mein Beitrag zum dauernden Frieden" sowie Treffen junger Theologen der jeweiligen Glaubensgemeinschaften. Der Interreligiöse Rat von Bosnien und Herzegowina wird derzeit vom serbisch-orthodoxen Bischof Grigorije (Duric) als Präsident geleitet. Weitere Mitglieder der Versammlung sind: Husejin Smajic, Stellvertreter des bosnischen Großmuftis, der römisch-katholische Erzbischof von Vrhbosna, Kardinal Vinko Puljic, sowie Jakob Finci, Präsident der Jüdischen Gemeinschaft von Bosnien und Herzegowina. (kap u. rv v. 26. 7.)

 

„Solange der politische Islam nicht aufgegeben wird, wird Pater Hamel nicht das letzte Opfer dieses Wahnsinns bleiben.“ Mit dieser Aussage reagierte der Vize-Präsident der Konferenz französischer Imame, Hocine Drouiche von Nizza, auf Kritik aus den Reihen europäischer Muslimführer am sogenannten „Muslimischen Marsch gegen Terror“. Die Verbreitung des politischen Islams, hat seinen Grund in der Zusammenarbeit mit Ländern wie Saudi Arabien und der Unbeweglichkeit der islamischen Religionsführer in Europa, aber auch im laxen Verhalten von Politikern, meinte Drouiches. In diesem Zusammenhang kritisierte er, dass europäische Staatschefs aus wirtschaftlichen Interessen weiterhin Verbindungen zu Ländern wie Saudi-Arabien und Katar aufrecht halten. Die dort vertretene politisch-extremistische Form des Islams bringe viele Jugendlichen dazu, „für Gott zu sterben, anstatt zu leben, indem sie Gutes tun und den Menschen auf der Erde helfen.“ (asianews u. rv v. 29. 7.)

 

 

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Nach dem Nein des Vatikan zu einer Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren fordert der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck „eine ernsthafte und zutiefst wertschätzende Neubewertung der Homosexualität". Die bloße Wiederholung der „Wertung von Homosexualität auf naturrechtlicher Basis" werde heute nicht mehr verstanden und auch nicht mehr akzeptiert, schreibt er in einem Brief an alle Pfarreien. Gerade in den Zuschriften vieler SeelsorgerInnen komme „eine offene Ablehnung der lehramtlichen Position zum Ausdruck, die nicht mehr ignoriert werden darf". Bei aller Wertschätzung von Schriftzeugnis, Lehramt und Tradition müsse es um eine „Übersetzung der Zeichen der Zeit" gehen. Die gesamte Tradition sei „als ein lebendiges Geschehen zu begreifen". Gerade die Segensfeiern seien entstanden aus der seelsorglichen Begleitung der betroffenen Menschen. „Über das Gute ihres Lebens einen Segen zu sprechen, der nicht einer Trauung ähnelt, wohl aber Zeichen der Begleitung ist, soll doch zeigen: Im Namen der Kirche ist Gott in dieser Beziehung gegenwärtig." Ähnlich 2600 Geistliche in Deutschland, zahlreiche Priester in Österreich, sowie die österreichischen Bischöfe Wilhelm Krautwaschl (Graz-Seckau), Josef Markets (Gurk-Klagenfurt), Hermann Glettler (Linz) und der Antwerpener Bischof Johan Bonny. (kna u. zahlreiche Medien ab. 20. 3.)

     

  • Im Irak tätige religiöse Organisationen haben anlässlich der Papstreise vom 5. bis zum 8. März ein gemeinsames Statement für Solidarität, Geschwisterlichkeit und interreligiösen Dialog unterzeichnet. In der interreligiösen Erklärung verpflichten sich die Organisationen, Diskriminierung und Missionierung abzulehnen, die kulturellen Werte und Überzeugungen anderer zu respektieren, den sozialen Zusammenhalt zu fördern und die Zusammenarbeit bei der Hilfe für Bedürftige zu stärken. Sie rufen zudem die Internationale Gemeinschaft auf, dem irakischen Volk zu helfen, die gegenwärtigen Herausforderungen „in einem wahren Geist der menschlichen Geschwisterlichkeit und Solidarität“ zu bewältigen. Die Erklärung unterschrieben unter anderem mehrere Caritas-Einrichtungen, die christlich-muslimische Adyan-Stiftung, Islamic Relief Worldwide und der Lutherische Weltbund. Schon in seiner Enzyklika „Fratelli tutti“ habe Papst Franziskus daran erinnert, dass sich keiner allein retten könne, heißt es in dem Manifest. Als positives Beispiel interreligiöser Zusammenarbeit verweisen die Unterzeichner auf das Abu Dhabi-Dokument von 2019 zur Brüderlichkeit aller Menschen hin , das Papst Franziskus und Großimam Ahmad Mohammad Al-Tayyeb unterzeichneten. „Als glaubensbasierte Organisationen schließen wir uns vollständig dieser Botschaft der Geschwisterlichkeit und des Dialogs an“. (vn v. 3. 3.)

     

  • Die Enzyklika „Fratelli tutti“ über Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft steht im Zentrum eines Web-Seminars, bei dem weibliche Führungspersönlichkeiten unterschiedlicher Religionen und Kulturen zu Wort kommen. Organisiert wurde das ökumenische und interreligiöse Seminar von der Weltunion katholischer Frauenverbände (WUCWO) anlässlich des internationalen Weltfrauentags am 8. März. Zwei Vatikangremien wirken dabei mit: der weibliche Beraterstab des päpstlichen Kulturrates und der Päpstliche Rat für Interreligiösen Dialog. Neben einer Videobotschaft der ehemaligen UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova, die als weibliches Mitglied im „Hohen Komitee für die Brüderlichkeit unter den Menschen“ im islamisch-christlichen Dialog engagiert ist, sind Beiträge weiterer Vertreterinnen aus Christentum, Judentum und Islam, Buddhismus und Hinduismus vorgesehen. Das Wort ergreifen etwa die Soziologieprofessorin und Vatikanberaterin Consuelo Corradi, Leiterin des Frauenrates im Päpstlichen Kulturrat, sowie die muslimische Theologin Shahrzad Houshmand, die ebenfalls dort Mitglied ist. Auch sprechen die Präsidentin des Interreligiösen und Interkulturellen Komitees des Internationalen Rates der Jüdischen Frauen, Nadine Iarchy. Weitere Beiträge kommen von Elena Seishin Viviani von der Buddhistischen Union und Svamini Hamsananda Ghiri von der Hinduistischen Union in Italien. Grußworte sprechen Kardinal Gianfranco Ravasi, Präsident der Päpstlichen Kulturrates, und Kardinal Miguel Ángel Ayuso Guixot, Präfekt des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog. „Wir sind dann im Jahr 2020 zu einer gemeinsamen Erklärung gekommen und haben festgestellt, dass es gemeinsame Punkte gibt, um menschliche Geschwisterlichkeit gemäß den vom Papst angegebenen Richtlinien durch Frauen in der Welt zu verwirklichen. In diesem Jahr 2021 hoffen wir, diesen Weg des Dialogs einen Schritt weiterzugehen und zu konkretisieren - es geht jetzt darum, von Erklärungen zu Fakten überzugehen“, sagt die Argentinierin Maria Lia Zervino, Präsidentin der WUCWO, im Interview mit Radio Vatikan. (vn v. 3. 3.)

     

  • Der Innsbrucker Pastoraltheologe Christian Bauer fordert eine Neuausrichtung der Priesterausbildung. Es brauche „einen anderen, postklerikalen Geist", schreibt er in einem Gastbeitrag für das Portal katholisch.de. Angehende Priester müssten „aus ihrer persönlichen Komfortzone heraus“. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) habe es „durchaus bemerkenswerte Neuansätze" gegeben. Unter dem heutigen Papst ergäben sich neue Möglichkeiten, da Franziskus die Synodalität als gemeinsames Vorangehen aller Getauften propagiere. Bislang führe die Priesterausbildung häufig zu einem „Hineinsozialisieren in einen klerikalen Habitus, der längst als ein wesentlicher Grund des geistlichen Missbrauchs bis hin zu sexualisierter Gewalt identifiziert ist". In Priesterseminaren entstehe oft ein „verhängnisvoller klerikaler Korpsgeist". Es brauche jedoch individuelle Möglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln, fordert der Pastoraltheologe. Zudem sollten „angehende Priester, Gemeinde- und Pastoralreferent*innen" nicht in „XXL-Seminaren" abgeschottet sein, sondern in dezentralen Wohngemeinschaften am ‚normalen' Studierendenleben" teilhaben. Prof. Bauer äußerte sich deshalb, weil eine Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz ein Reformkonzept vorgelegt hat, wonach die Priesterausbildung nur noch an wenigen Standorten in Deutschland erfolgen soll. Dies stieß zum Teil auf heftige Kritik. (kna u. kap v. 2. 3.)

     

  • Der deutsche Ökumenische Kirchentag (ÖKT) 2021 wird anders als alle Kirchentage bisher. Ein Beispiel dafür ist „Schaut hin – Von der Krise zur Vision“, das Anfang März veröffentlichte gemeinsame Magazin der römisch-katholischen und evangelischen Kirche für den Religionsunterricht. Konkret arbeiteten hier das Dezernat Schule und Bildung im Bistum Limburg und das Religionspädagogische Institut der Evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck und der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) zusammen. Das Heft bietet für Schulen Unterrichtsmaterialien zu den zentralen Themen des ÖKTs an: von Glaube und Spiritualität über die Bewahrung der Schöpfung bis hin zu Wirtschaft. „Es ist so wichtig, dass gerade Kinder und Jugendliche erkennen können, dass Christ-Sein nicht bedeutet, weltfern zu sein“, schreiben in ihrem Geleitwort der Bischof von Limburg, Georg Bätzing, sowie die Bischöfin von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, und der Kirchenpräsident der EKHN, Volker Jung. (vn [=Vatican News] v. 2. 3.)

     

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