Zusammenarbeit und Dialog mit den Weltreligionen: (Islam u.a.)
  1. In dem bislang sehr streng buddhistischen Land Myanmar sind neue Gesetze zur Religionsharmonie geplant. Das entsprechende Gesetzespaket der Regierung selbst bezeichnete Kardinal Charles Maung Bo gegenüber Asianews als „mutig“. Auf den Weg gebracht hat es die regierende Partei von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi. Die Maßnahmen haben zum Ziel, in Myanmar das „friedliche Zusammenleben zwischen den verschiedenen Konfessionen zu fördern und gegen all diejenigen vorzugehen, die diesen Status stören“. Dies bezieht sich auf Zusammenstöße zwischen Buddhisten und Angehörigen religiöser Minderheiten, vor allem Muslime und Christen. Das Gesetz war bereits während der Militärjunta in Planung, kam jedoch nie ins Parlament. (www.de.radiovaticana.va. u. asianews vom 6. 6.)

  2. Das „Zentrum für Islam und Gesellschaft“ im schweizerischen Fribourg wird am 13. Juni offiziell eingeweiht. Das teilten die Verantwortlichen am 7. Juni mit. Seine Arbeit hatte das Zentrum nach einigen politischen und öffentlichen Debatten bereits im Januar aufgenommen. Die Einrichtung hat den Zweck, Themen des Islam in einer säkularen europäischen Umgebung wissenschaftlich zu beleuchten. Das Islam-Zentrum ist verwaltungstechnisch in die Katholisch-Theologische Fakultät eingebunden, soll aber fakultätenübergreifend arbeiten. Es steht muslimischen wie nichtmuslimischen Studierenden offen und soll nach eigenen Angaben als Kompetenzzentrum von nationaler Bedeutung fungieren. Leiter sind der christliche Theologe Hansjörg Schmid und der muslimische Theologe Serdar Kurnaz. Beide stammen aus Deutschland. (www.de.radiovaticana.va vom 7. 6.)

  3. Der Präsident des Päpstlichen Familienrats, Erzbischof Vincenzo Paglia, spricht im Iran über die Familie und die Rechte der Frau. Gemeinsam mit der iranischen Vizepräsidentin für Frauen und Familienangelegenheiten, Shahindokth Molaverdi, wolle sich Erzbischof Paglia austauschen. Dabei soll auch das Apostolische Schreiben Amoris Laetita vorgestellt werden. Familie und Frauen sähen sich zunehmend den Herausforderungen der Globalisierung, des demografischen Wandels sowie der Kriege und Armut ausgesetzt, heißt es in einer Mitteilung des Vatikan. Geplant ist auch der Besuch einer Konferenz zu dem Thema sowie die Visite karitativer Einrichtungen. (www.de.radiovaticana.va vom 13. 6.)

  4. Der syrische Präsident Bashar al-Assad plant eine neue säkulare Verfassung für Syrien, die sich nicht mehr auf die muslimischen Gesetze der Scharia beziehen soll. Das gab der Präsident am 13. Juni bei einer Begegnung mit Vertretern der syrisch-katholischen Kirche unter Leitung des Patriarchen Ignace Youssif III. bekannt. Alle Bürger sollen gleiche Rechte haben und die oft unterschwellige Diskriminierung religiöser Minderheiten soll abgeschafft werden. Während der eineinhalbstündigen Begegnung betonte Assad auch, dass die neue säkulare Verfassung auch die bisher zwingend muslimische Religionszugehörigkeit des Staatsoberhauptes abschaffen soll. (www.de.radiovaticana.va u. fides vom 17. 6.)

  5. Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) verurteilt das Attentat eines Moslems auf ein Schwulenlokal in Orlando (USA). Bei der Attacke wurden von ihm 49 Menschen erschossen und 50 verletzt. „Nichts kann diese verheerende Gewaltorgie rechtfertigen – erst recht keine religiöse Argumentation“, schreibt die IGGÖ in eine Aussendung. Auch wird begrüßt, „dass die größte muslimische Vertretung in den USA sich rasch mit einer deutlichen Verurteilung zu Wort meldete“. (Die Furche v. 16. 6.)

  6. Der Vatikan ruft Muslime zur Zusammenarbeit für Menschen in Not auf. Zum Fastenmonat Ramadan schickt der Rat für den Interreligiösen Dialog eine Botschaft an die Muslime mit dem Titel „Christen und Muslime. Empfänger und Instrumente der göttlichen Barmherzigkeit“. Kardinal Jean-Louis Tauran, der die Botschaft im Namen von Papst Franziskus unterschrieben hat, schickt Muslimen die besten Wünsche für die Zeit des Fastens. Doch man schaue auch auf eine Zeit mit vielen Konflikten, denen Menschen zu Opfer fallen. Davor dürfe man im Fastenmonat, der auch die Zeit der guten Taten ist, nicht die Augen verschließen. „Es stimmt, dass die Situationen oft sehr komplex sind und dass ihre Lösungen unsere Kapazitäten übersteigen. Daher ist es wichtig, dass wir zusammenarbeiten, Menschen in Not zu helfen.“ Tauran schreibt von der Freundschaft und Nachbarschaft zwischen Christen und Muslimen. Ein Thema, das sowohl Muslimen als auch Christen am Herzen läge, sei die Barmherzigkeit. „Wir wissen, dass das Christentum und der Islam an einen barmherzigen Gott glauben“. Um diese Barmherzigkeit zu unterstreichen habe Franziskus das Heilige Jahr der Barmherzigkeit ausgerufen, weil gerade jetzt die Zeit der Barmherzigkeit nötig sei, die Zeit, um Wunden zu heilen. Auch ihre Pilgerfahrt nach Mekka, die sogenannte „hajj" sei eine besondere Zeit für Muslime, um diese Barmherzigkeit Gottes zu spüren. (www.de.radiovaticana.va vom 17. 6.)

  7. Über einhunderttausend muslimische Prediger und Rechtsgelehrte aus Bangladesch verurteilen in einem Rechtsgutachten („Fatwa“) am 18. Juni den Terror und die Selbstmordanschläge im Namen Allahs als unislamisch. Die Christen in Bangladesch würdigen die Veröffentlichung der Fatwa als „positiven Schritt“. Das berichtet das Nachrichtenportal Ucanews am 18. Juni. „Der Islam ist eine Religion des Friedens, doch leider missbrauchen Opportunisten sie, um Gewalttaten zu vollbringen“, sagte der Generalsekretär der Vereinigung von Christen in Bangladesch dem Portal. Mit dieser Fatwa sollen Sympathisanten und Unterstützer des militanten und radikalen Islam entmutigt und Gewalttaten im Namen des Islam reduziert werden. Der Prozess für das islamische Rechtsgutachten wurde schon im vergangenen Dezember gestartet, innerhalb von fünf Monaten hatte der Initiator Farid Uddin Masuud (Vorsitzender des Rates muslimischer Theologen Jamiatul Ulama und Imam von Bangladeschs größter Eid-Gemeinschaft in Sholakia) 101.850 Unterschriften gesammelt, knapp ein Zehntel davon von Frauen. (www.de.radiovaticana.va u. ucanews vom 18. 6.)

  8. Am 19. Juni wurde Ibrahim Olgun zum neuen Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) gewählt. Er ist ein Sohn türkischer Eltern, in Österreich geboren und versteht sich als „Brückenbauer“: „Ich habe selbst erlebt, wie es ist, hier in Österreich aufzuwachsen und sich nach der eigenen Identität zu fragen. Was ist Religion und was ist Tradition? Es lohnt sich, darüber zu reflektieren und dann theologisch zu forschen“, meinte Olgun vor seiner Wahl. (Die Furche vom 23. 6.; derStandard.at vom 20. 6.)

  9. Im syrischen Aleppo versorgen Christen arme Muslime mit Speisen. Jeden Tag im Ramadan spenden sie ein Frühstück vor dem Sonnenaufgang und ein Abendessen nach dem Sonnenuntergang. Die Webseite „ankawa.com“ zeigt Fotos, wie christliche Familien die Speisen zubereiten. Verteilt werden die Mahlzeiten in der Nähe der syrisch-orthodoxen Kathedrale. Der lange Bürgerkrieg habe viele Christen und Muslime zu Gesten der Solidarität inspiriert, heißt es in einer Mitteilung des Patriarchen. Zahlreiche muslimische Waisenkinder werden in Einrichtungen der orthodoxen Kirche untergebracht. (JA v. 26. 6.)

  10. Im irakischen Erbil wird eine neue Kirche geweiht: Mit vielfältigen Initiativen zeigen die Christen im Irak, dass sie nicht aufgeben. Der chaldäisch-katholische Patriarch Louis Raphael Sako hat in Erbil – der Hauptstadt der kurdischen Autonomieregion im Norden des Irak – am 27. Juni eine neue Kirche geweiht, die dem Gnadenbild „Unserer Lieben Frau von der immerwährenden Hilfe“ geweiht ist. Das neue Gotteshaus steht nach Angaben des Pressedienstes der Stiftung „Pro Oriente“ im Stadtteil Ankawa, wo viele Christen Zuflucht gefunden haben, die vor den IS-Terroristen aus Mossul oder den Städten der Ninive-Ebene fliehen mussten. Der Bau des großen neuen Gotteshauses wurde zum Teil aus Spenden der Gläubigen finanziert und soll vor allem für die seelsorgliche Betreuung sowie liturgische und karitative Aktivitäten der Flüchtlinge bestimmt sein. (www.die-tagespost.de v. 1. 7.; JA v. 10. 7.)

     

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Die Kultur- und Jugendministerin der Vereinigten Arabischen Emirate, Noura Al Kaabi, kritisierte die Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee und betonte, die Kulturschätze der Menschheit – wie die Hagia Sophia – müssten „in ihrem Wert und in ihrer Funktion“ bewahrt werden, sie dürften nicht „unpassend“ verwendet oder für „persönliche Zwecke instrumentalisiert“ werden. Die Entscheidung der türkischen Politik betreffe zutiefst die ganze Menschheit, weil es sich bei der Hagia Sophia um eine UNESCO-Welterbe-Stätte von „außerordentlichem Wert für alle Völker und Kulturen“ handle. Die Hagia Sophia sei „eine Brücke zwischen unterschiedlichen Menschen, […] ein wichtiges Beispiel der Interaktion und des Dialogs zwischen Asien und Europa und sollte ein harmonisches Zeugnis menschlicher Geschichte bleiben“. (JA v. 2. 8.)

     

  • Im Interview mit den „Salzburger Nachrichten“ plädiert Dr. Julia Knop, die Dogmatikerin an der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Erfurt, für einen „Mentalitätswandel“ der römisch-katholischen Kirche, weil die „Geschlechtergerechtigkeit [heute] schlichtweg unhinterfragbar ist“: „Wenn es in der Antike Diakoninnen gegeben hat, könnte es sie auch heute geben. […] Es wäre ein Wandel zum Verständnis des Weiheamtes, das geerdet ist, das rechenschaftspflichtig ist und nicht den Amtsträger in den Himmel lobt und zu einer besonderen Mittlergestalt stilisiert. Ein Wandel zu einem kirchlichen System, das heutigen Standards von Transparenz und Kontrolle, von Gewaltenteilung und Geschlechtergerechtigkeit entspricht. Zu einer Kirche, die glaubwürdig ist.“ (SN vom 1. 8.)

     

  • Vor einigen Monaten noch gab es im palästinensischen Gaza-Streifen noch keine Corona-Infektionen. Pater Romanelli sagte im Radio Vatikan „Für mich war es ein Wunder. Da wir schon damals ahnten, was auf uns zukommen könnte – haben wir die Zeit genutzt: Wir haben Aktivitäten im Freien organisiert, und natürlich Gottesdienste, aber auch Seminare und Ausflüge ans Meer. […] Mit solchen Angeboten hilft die Kirche tausenden Menschen und zwar Mitbürgern christlichen wie muslimischen Glaubens. […] Wir haben auch Wettkämpfe für die jungen Leute organisiert, Angebote für Kinder und ein besonderes Programm im Marienmonat Mai. Immer haben ganz viele Leute mitgemacht, auch die griechisch-Orthodoxen. Ökumene ist für uns Alltag.“ Doch jetzt wurden die ersten vier Fälle von Corona im Flüchtlingslager Al-Mughasi entdeckt, in dem etwa 120.000 Menschen leben. Die Hamas-Regierung verhängte einen zweitägigen Lockdown. „Viele Menschen haben keine Hoffnung. Es gibt natürlich immer Leute, die nicht einverstanden sind und sich beschweren.“ Von daher ist Pater Romanelli froh, wenn er und seine Gemeinde den Menschen Hilfe und Hoffnung bringen können – und zwar egal, welcher Religion sie angehören. (vn v. 27. 8.)

     

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