Ein Vierteljahrhundert für die Zukunft der Kirche
Presseaussendung zu 25 Jahre Wir sind Kirche, 07. April 2020

Am Karfreitag 1995 starteten drei Personen aus Tirol das „Kirchenvolks-Begehren“, in dem mit fünf Forderungen eine Erneuerung der katholischen Kirche eingeklagt wurde. Vorausgegangen war der Missbrauchsskandal um Kardinal Hans Hermann Groer, der von der Kirchenleitung lange geleugnet, dann bagatellisiert und erst viel zu spät zugegeben wurde.

 

Die fünf Forderungen lauteten:

  1. Aufbau einer geschwisterlichen Kirche jenseits von Klerikalismus und Machtstrukturen
  2. Zugänge von Frauen zu allen kirchlichen Ämtern
  3. Freie Entscheidung der Lebensform auch für Priester
  4. Menschenfreundliche Sexualmoral
  5. Frohbotschaft statt Drohbotschaft.

 

Innerhalb von nur drei Wochen und ohne jede Unterstützung durch kirchliche oder staatliche Institutionen (und auch ohne Computer und Handys) unterschrieben allein in Österreich mehr als 505.000 Menschen die Forderungen dieses Kirchenvolks-Begehrens.

Während die österreichischen Bischöfe von Rom angewiesen waren, die Initiative möglichst zum Schweigen zu bringen bzw. wenigstens totzuschweigen, begannen in weiterer Folge Christinnen und Christen weltweit, sich für diese Reformschritte einzusetzen.

Heute gibt es die aus dem Kirchenvolks-Begehren hervorgegangene Plattform „Wir sind Kirche“ (WAC-I We are Church International) auf allen Kontinenten und in zwanzig Ländern. Auch der derzeitige „Synodale Weg“ in Deutschland unter Mitwirkung der dortigen Bischöfe beschäftigt sich in seinen Foren mit genau den Problemen, die „Wir sind Kirche“ seit 25 Jahren aufzeigt.

Trotz der Reformresistenz der römischen Kurie sind inzwischen viele Weichen richtig gestellt: die Alleinherrschaft des Klerus (zer)bröckelt, Frauen übernehmen immer mehr auch höhere Ämter und Aufgaben in der Kirche, Priester in Partnerschaften und mit Kindern werden weitgehend von ihren Gemeinden und manchmal auch von ihren Bischöfen akzeptiert, verheiratete Seelsorgerinnen und Seelsorger übernehmen Pfarrgemeindeleitungen, Papst Franziskus schreibt über die „Lust an der Liebe“ und die Botschaft von einem strafenden Gott ist weitgehend der eines liebenden gewichen.

Martha Heizer, Vorsitzende von Wir sind Kirche-Österreich, betont, „Wir sind Kirche war von Anfang an eine Reformbewegung für die Zukunft der Kirche. Das ist sie auch heute noch. Wir stehen dem Papst zur Seite und kämpfen mit ihm gegen den Klerikalismus in unserer Kirche.“

Pfarrer Gidi Außerhofer, stellvertretender Vorsitzender, hebt die Verwirklichung der Taufberufung  durch das Zweite Vatikanum hervor: „Durch die Taufe werden wir alle zu Priester*innen, Prophet*innen und König*innen. Dieses Bewusstsein bei allen Gläubigen zu intensivieren, ist uns ein großes Anliegen.“

Harald Prinz, Sprecher von „Wir sind Kirche – Oberösterreich“, ist überzeugt, dass für eine Erneuerung der katholischen Kirche immer noch viel zu tun bleibt: „Frauen werden immer noch vom Priesteramt ausgeschlossen und damit aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert; andere als heterosexuelle Orientierungen werden in der Kirche weitgehend immer noch nicht akzeptiert; Priestern wird ein Familienleben offiziell immer noch vorenthalten; Mitbestimmung und Menschenrechte sind innerkirchlich auch heute noch viel zu oft Fremdwörter ...“.

 

„Wir sind Kirche“ zieht nach 25 Jahren engagierten Einsatzes für Reformen der katholischen Kirche daher nüchtern Bilanz: Es gibt immer noch viel zu tun!

 

Absam, Oberalm, Enns, Karwoche 2020

 

Für die Plattform „Wir sind Kirche“-Österreich:

Dr. Martha Heizer, martha@heizer.at, 0650 4168500

Dr. Harald Prinz, harald.prinz@dioezese-linz.at, 0676-87765889

Pfarrer Gidi Außerhofer, pfarrer.oberalm@pfarre.kirchen.net, 06676 87465411

 

Radio Tirol brachte aus aktuellem Anlass ein äußerst hörenswertes Interview mit Martha Heizer:

https://tirol.orf.at/player/20200430/TGOTT/1588273390000

 

 

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