Der deutsche römisch-katholische Moraltheologe Eberhard Schockenhoff tritt erneut für eine Neubewertung der Homosexualität ein:

„Wo immer Werte wie Freundschaft, Verlässlichkeit, Treue, Füreinander-Einstehen und Verantwortung gelebt werden, verdient dies moralische Anerkennung, unabhängig davon, unter dem Vorzeichen welcher sexuellen Orientierung dies geschieht.“ Diese moralische Anerkennung gelte dann nicht nur den jeweiligen Partnern als Individuen oder Privatleuten, „sondern auch der öffentlichen Lebensform (eingetragene Lebenspartnerschaft), die sie gewählt haben, um ihrem Zusammensein rechtliche Verbindlichkeit und institutionellen Schutz zu geben“. Die naturrechtliche Betrachtungsweise – der Naturzweck der Sexualität ist die Zeugung von Nachkommenschaft – vermöge nicht zu erklären, warum die nicht realisierte Fortpflanzungsfunktion menschlicher Sexualität die anderen Sinndimensionen entwertet, die ebenso zur Bedeutungsfülle menschlicher Sexualität gehören: die Lustfunktion, die Beziehungsfunktion und die „identitätsverbürgende Funktion im Sinne der existenziellen Erfahrung von Intimität und Geborgenheit“. Der Moraltheologe stellt hier für seine theologische Disziplin einen „Wechsel in der Argumentationsweise“ in Richtung einer „Beziehungsethik“ fest. Nimmt man die Grundthese der mehrdimensionalen Sinnhaftigkeit menschlicher Sexualität ernst, führe dies zur „Abkehr von einer objektivistischen Aktmoral“, schrieb er in einem Beitrag für die aktuelle Ausgabe der Linzer „Theologisch-praktischen Quartalschrift“ (ThPQ). (religion.ORF.at vom 21. 10.; KAP vom 21. 10.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Der Vatikan gratuliert Buddhisten zu ihrem Vesakh/Hanamatsuri-Fest. „Buddhisten und Christen – bauen wir eine Kultur des Mitleids und der Geschwisterlichkeit auf“ lautet der Titel der vatikanischen Grußbotschaft. Religionen könnten gemeinsam zur Friedensarbeit und zum Aufbau einer Kultur des Mitleids, der Geschwisterlichkeit und der Begegnung beitragen, hält das Dokument des päpstlichen Rates für interreligiösen Dialog fest. Dabei gelte es, einen „Stil der Nähe“ zu pflegen, der in einen konkreten gemeinsamen Einsatz für die Ärmsten und den Schutz der Schöpfung münden könne, heißt es mit Verweis auf Papst Franziskus weiter. Er hatte dazu im November 2019 bei einer Begegnung mit dem höchsten Buddhisten-Patriarchen in Bangkok aufgerufen. Die Grußbotschaft anlässlich des höchsten buddhistischen Festes verweist darüber hinaus auf den „Globalen Bildungspakt“, der im Oktober im Vatikan unterzeichnet werden soll, sowie auf das christlich-muslimische „Dokument über die Geschwisterlichkeit aller Menschen“ vom Februar 2019, das die friedensstiftende Rolle der Religionen hervorhebt. Mit dem Vesakh-Fest feiern Buddhisten die Geburt, Erleuchtung und den Tod des Buddhas. (vn v. 2. 4.)

     

  • Papst Franziskus hat eine neue Studienkommission zur Untersuchung des Frauendiakonats eingerichtet. Mit Barbara Hallensleben und Manfred Hauke gehören dem Gremium zwei deutsche, in der Schweiz lehrende Dogmatiker an. Insgesamt besteht die Studienkommission aus zehn Sachverständigen, je fünf Frauen und Männer. Zum Vorsitzenden bestimmte der Papst den italienischen Kardinal Giuseppe Petrocchi, Erzbischof von L’Aquila. Es ist bereits die zweite Studienkommission zum Frauendiakonat, die Papst Franziskus einrichtet. Die erste hatte Franziskus 2016 auf Anregung von Ordensoberinnen ins Leben gerufen. Diese Kommission kam zu keinem eindeutigen Ergebnis über die Realität des Frauendiakonats in der frühen Kirche. Einige römisch-katholische Ortskirchen äußern weiterhin Bedarf am Frauendiakonat. Bei der Amazonien-Synode im vergangenen Oktober kam das Thema häufig auf; das mit Zweidrittelmehrheit der Synodenväter gebilligte Schlussdokument schlägt vor, die Möglichkeit des Frauendiakonats weiterhin zu prüfen. In der Orthodoxie hatte zuletzt das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel eine Wiederbelebung des Frauendiakonats ins Spiel gebracht. (vn v. 8. 4.)

     

  • Die römisch-katholischen und evangelischen Kirchengemeinden in Deutschland wollen mit einem ökumenischen Glockenläuten ein Zeichen der Zuversicht in Zeiten der Corona-Pandemie setzen. Am Abend des Palmsonntags sollen zu Beginn der Karwoche um 19.30 Uhr alle Kirchenglocken in Deutschland ebenso läuten wie am Ostersonntag um 12.00 Uhr. Für den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, soll das Läuten Hoffnung vermitteln, im Sinn der Osterbotschaft: „Der Tod hat keine Macht über das Leben“. „Läuten wir, um die Herzen der Menschen zu erreichen“, sagt der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing. (vn v. 3. 4.)