Der deutsche römisch-katholische Moraltheologe Eberhard Schockenhoff tritt erneut für eine Neubewertung der Homosexualität ein:

„Wo immer Werte wie Freundschaft, Verlässlichkeit, Treue, Füreinander-Einstehen und Verantwortung gelebt werden, verdient dies moralische Anerkennung, unabhängig davon, unter dem Vorzeichen welcher sexuellen Orientierung dies geschieht.“ Diese moralische Anerkennung gelte dann nicht nur den jeweiligen Partnern als Individuen oder Privatleuten, „sondern auch der öffentlichen Lebensform (eingetragene Lebenspartnerschaft), die sie gewählt haben, um ihrem Zusammensein rechtliche Verbindlichkeit und institutionellen Schutz zu geben“. Die naturrechtliche Betrachtungsweise – der Naturzweck der Sexualität ist die Zeugung von Nachkommenschaft – vermöge nicht zu erklären, warum die nicht realisierte Fortpflanzungsfunktion menschlicher Sexualität die anderen Sinndimensionen entwertet, die ebenso zur Bedeutungsfülle menschlicher Sexualität gehören: die Lustfunktion, die Beziehungsfunktion und die „identitätsverbürgende Funktion im Sinne der existenziellen Erfahrung von Intimität und Geborgenheit“. Der Moraltheologe stellt hier für seine theologische Disziplin einen „Wechsel in der Argumentationsweise“ in Richtung einer „Beziehungsethik“ fest. Nimmt man die Grundthese der mehrdimensionalen Sinnhaftigkeit menschlicher Sexualität ernst, führe dies zur „Abkehr von einer objektivistischen Aktmoral“, schrieb er in einem Beitrag für die aktuelle Ausgabe der Linzer „Theologisch-praktischen Quartalschrift“ (ThPQ). (religion.ORF.at vom 21. 10.; KAP vom 21. 10.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Der chaldäisch-katholische Bischof von Aleppo, Antoine Audo, sagte im Gespräch mit Radio Vatikan, dass die Kirche in Syrien alles dafür tun werde, um Frieden und Versöhnung zu fördern. Für die Christen in Syrien hat 2020 mit einer Friedensmesse begonnen. Die Kirche sei überall präsent, auch dort, wo die Sunniten bewusst alles zerstört hätten. „In Aleppo haben die Menschen die wahre Haltung der Kirche entdeckt und zwar jene der Nächstenliebe. Es geht um die Hilfe für die Armen, es geht um den Respekt gegenüber Menschen. Das ist der Dialog des Lebens. Das ist das Schöne hier, trotz des Krieges. Die Christen haben diese Berufung und zwar mit einer Dynamik der Einheit. […] Wir müssen diese Dynamik der Einheit schaffen, was viel Kraft, spiritueller Glaube und Hoffnung bedarf.“ (vn v. 3. 1.)

     

  • Der Professor für Liturgiewissenschaft an der Universität Münster, Clemens Leonhard, plädiert für einen kirchlichen Segen für homosexuelle Paare: In den derzeitigen Vorschriften für eine Trauung wird z. B. für ältere Leute der Hinweis auf Kinder weggelassen. Sonderregelungen im Segensgebet gibt es ebenso bei Trauungen mit Christen anderer Konfessionen oder Religionen oder sogar für Atheisten. Warum also nicht auch für Homosexuelle, wenn es nur eine Segnung ist, fragt Leonhard. Es geht ja in den Trauungstexten „um das Glück der konkreten Menschen“ und er zitiert: „Wo Mann und Frau in Liebe zueinander stehen und füreinander sorgen, einander verzeihen, einander ertragen, wird deine Treue sichtbar.“ Diesen Satz könnte man doch auf „zwei Frauen oder zwei Männern“ umschreiben. Dem Wunsch der Homosexuellen nach einer Segnung gehört „nicht aus Großzügigkeit, sondern aus Gerechtigkeit“ entsprochen. (Die Furche v. 2. 1.)

     

  • Beim Angelus-Gebet zum Hochfest Epiphanie (6. Jänner) hat Papst Franziskus den Gläubigen der katholischen und orthodoxen Ostkirchen gratuliert. „Für sie und ihre Gemeinden wünschen wir das Licht und den Frieden von Christus, dem Retter“, sagte er beim Mittagsgebet vor Tausenden Gläubigen auf dem Petersplatz. Er lud die Anwesenden zu einem Applaus für die ostkirchlichen Getauften ein, die ihr Weihnachtsfest am 7. Januar feiern.  (vn v. 6. 1.)

     

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