Der Münsteraner Kirchenhistoriker Hubert Wolf hält eine baldige Öffnung des Diakonats für Frauen für möglich.

„Wenn der Papst nun eine solche [Kommission zur Frage des Frauendiakonats] fordert, ist es zumindest theoretisch möglich, dass die Ergebnisse dieser Kommission zu Änderungen führen“, so Wolf in einem Interview mit der KNA am 14. Mai. „Die Forschung zum Thema ist in den letzten Jahren sehr breit gewesen. Wir wissen, dass es in der Kirchengeschichte sehr unterschiedliche Typen von Diakoninnen gab: verheiratete Frauen, die Bischöfen zugearbeitet haben, Frauen mit der Jungfrauenweihe, vor allem aber Äbtissinnen. Deshalb ist es hochinteressant, dass Papst Franziskus sich dazu vor 900 Ordensoberinnen geäußert hat. Damit greift er eine Tradition auf, nämlich dass die Äbtissinnenweihe der Diakoninnen- oder sogar der Bischofsweihe sehr ähnlich war,“ meint Wolf. Der Forschungsstand lautet kurz zusammengefasst: „Es besteht kein Zweifel, dass es über Jahrhunderte in der Kirche Diakoninnen gab, die in einem analogen Ritus wie dem für Männer ordiniert wurden: Diakoninnen gab es in der alten Kirche, in der Ostkirche ohnehin und bei uns in der Westkirche bis ins 12. oder 13. Jahrhundert. […] Wenn das jetzt geprüft wird, freut mich das als Kirchenhistoriker. Franziskus versucht, Traditionen in der Kirchengeschichte anzuschauen. […] Wenn das Ergebnis der historischen Überprüfung wäre, dass es in der Tradition über 1.000 Jahre Frauen gegeben hat, die eine sakramentale Diakonatsweihe gehabt und vielleicht auch während der Messe das Evangelium verkündet haben - eine der vornehmsten Aufgaben dieses Amtes - dann kommt man an diesem Faktum nicht vorbei. Dann stellt sich auch die Frage nicht mehr, ob es dies geben darf oder nicht. […] Der Diakonat ist eine eigene Weihestufe. Oft wird so getan, als ob es immer nur um die Vorstufe zur Priesterweihe ginge, also ein Durchgangsstadium. Aber das Zweite Vatikanische Konzil (1962 bis 1965) hat auch den in früheren Zeiten gängigen Ständigen Diakonat wiederentdeckt - als eigenständiges Amt. Dann kann es doch zumindest auch theoretisch einen Ständigen Frauendiakonat geben, der nicht automatisch zur Priesterweihe führen muss.“ Und Wolf weist auf die heute noch gültige Weihe von Kathäuserinnen hin und stellt die Frage: Werden sie „nicht automatisch zu Diakoninnen geweiht und haben immer noch in der Messfeier das Recht, das Evangelium zu verkünden? Wenn das so ist, dann gibt es doch offenbar Frauen als Diakoninnen.“ (www. domradio.de u. KNA vom 14. 5.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Als erstes islamisches Land der Welt hat Pakistan den Brauch der Mitgift quasi verboten. Dem neuen Gesetz zufolge wird die Mitgift deutlich beschränkt, wenn auch nicht völlig abgeschafft. Die Regierung habe damit eine „historische Entscheidung" getroffen, die „wichtig für die Ärmsten der Nation" sei, sagte der Bischof von Hyderabad, Samson Shukardin, laut der Nachrichtenagentur „Fides“. Die Ausgaben für die Mitgift würden oft auf Kosten der täglichen Bedürfnisse gehen und besonders arme Familien nicht selten in Schulden stürzen. „Darüber hinaus ist materieller Reichtum sicherlich nicht der zentrale Aspekt der Ehe", betonte Shukardin. Er drängte das zuständige Ministerium, bei der Umsetzung des Gesetzes ein besonderes Augenmerk darauf zu legen, „dass keine Frau Gewalt ausgesetzt ist, weil sie keine ausreichende Mitgift mitgebracht hat". In Pakistan waren bisher Geschenke und Mitgift in der Heiratsurkunde dokumentiert sowie festgeschrieben, wie im Falle einer Scheidung zu verfahren wäre. Vor Pakistan haben in den vergangenen Jahren bereits Indien wie auch das säkular verfasste Bangladesch die Praxis des Forderns und Annehmens von Mitgift verboten. In traditionell orientierten Teilen der Gesellschaft wird sie jedoch weiterhin im Geheimen praktiziert. (fides u. kap u. vn v. 1. 12.)

     

  • Die „Römisch-Katholische Zentralkonferenz der Schweiz“ (RKZ), der Zusammenschluss der römisch-katholischen Kantonalkirchen, tritt offiziell für die Zulassung zum Priesteramt ein unabhängig von Zivilstand und Geschlecht. Auf Antrag der Landeskirche Baselland hat die Plenarversammlung der RKZ diese Zielsetzung in ihre Strategieplanung für die Jahre 2020 bis 2023 aufgenommen. Im gleichen Passus des Dokuments setzt sich die RKZ dafür ein, dass die Kirche den Frauen aufgrund ihrer gleichen Würde auch gleiche Rechte einräumt und das Volk Gottes an Entscheidungen beteiligt. Die Zustimmung der am 28. November per Videokonferenz abgehaltenen Plenarversammlung zu dem Antrag der Landeskirche Baselland erfolgte mit gut zwei Dritteln der Stimmen, teilte Landeskirchenratspräsident Ivo Corvini der Baselbieter Synode mit. Die Landeskirche Baselland ist seit ihrer Gleichstellungsinitiative von 2014 durch ihre Kirchenverfassung verpflichtet, sich für dieses Anliegen einzusetzen. (www.kirche-heute.ch v. 2. 12.)

     

  • Der theologische Dialog zwischen römisch-katholischer und orthodoxer Kirche sollte von Initiativen des gemeinsamen Zeugnisses begleitet werden. Das betonte der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. nach Angaben der Stiftung „Pro Oriente“ in der Liturgie zum Andreas-Fest im Istanbuler Phanar. Bei diesen „Initiativen des Zeugnisses" gehe es um Aktionen in gegenseitigem Vertrauen. An dem Gottesdienst in der St. Georgskathedrale nahm auch eine „brüderliche Delegation" aus dem Vatikan mit Kardinal Kurt Koch teil. Der nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) in Gang gekommene Dialog schreite mit „Beharrlichkeit, Realismus und vollem Vertrauen in die Göttliche Vorsehung" auf jenem Weg voran, der zum Ziel der so sehr ersehnten vollen Einheit führen werde. Das werde trotz der Einwände jener geschehen, die entweder den Wert der Theologie gering schätzten oder die Ökumene für eine Utopie hielten. Die jüngsten „tragischen Ereignisse der Gewalt im Namen Gottes und der Religion" machten den Wert und die Bedeutung des interreligiösen Dialogs deutlich. Der Patriarch ist überzeugt, dass die Ausarbeitung einer allgemein akzeptierten christlichen Anthropologie eine wichtige Unterstützung für die Beziehungen von orthodoxer und römisch-katholischer Kirche bedeuten würde. Denn erst dann werden die Kirchen auf dem Weg der Wahrheit und der Liebe, den Quellen wahren Lebens und wahrer Freiheit in Christus, voranschreiten. (kap v. 2. 12.)

     

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