Innerkirchliche Reformansätze: (Frauen, Zölibat, wiederverheiratet Geschiedene, Moral ..)

Eine Gruppe von Frauen, darunter zahlreiche Ordensschwestern, fordert das Stimmrecht für Frauen bei Bischofssynoden. Drei Tage vor der Amazonassynode, findet dazu eine Veranstaltung in der Bibliotheca Valcelliana in Rom statt. Die Schweizer Ordensfrau Irene Gassmann, Priorin des Benediktinerinnenklosters Fahr, sprach bei einer Pressekonferenz in Rom von „Geschlechterdiskriminierung“: „Ich denke, dass gerade zu einer Synode, wo es um Themen geht, die das ganze Volk Gottes in einer Region oder auch weltweit betreffen, die Frauen da auch dazugehören und die Erfahrungen der Frauen. Wenn das einfach nicht einbezogen wird, dass die Frauen dann auch mitbestimmen können, denke ich, vergibt sich die Kirche auch eine riesige Chance, wenn sie auf dieses Potenzial verzichtet. Und zudem geht es auch um eine Gleichberechtigung. Wenn es möglich ist, dass ein Ordensmann, der nicht Priester ist, bei der Synode mitbestimmen kann und eine Ordensschwester nicht, dann ist das eine Geschlechterdiskriminierung. […] Ich glaube, es geht um das Zeichen, das damit gesetzt würde. Und auch ein Zeichen, auf das ganz viele Katholikinnen und Katholiken warten, dass die Kirche den Frauen zugesteht, dass sie auch ein Recht haben mitzustimmen bis zum Schluss.“ Schwester Simone Campbell, Leiterin von „Nuns on the Bus” (USA) meint dazu „Wenn Brüder abstimmen können, können auch Schwestern abstimmen. […] Es geht darum, die ganze Kirche sprechen zu lassen“. Das Stimmrecht für Ordensfrauen wäre ein Schritt hin zu sichtbarer Gleichberechtigung, sagte Deborah Rose-Milavec, Generalsekretärin der US-amerikanischen Organisation FutureChurch. Die in Liechtenstein ansässige römisch-katholische Stiftung Organisation „Voices of Faith“ koordiniert Aktivistinnen, die das Stimmrecht für Frauen bei der Synode verlangen. (vn v. 2. 10.)

 

Der künftige luxemburgische Kardinal Jean-Claude Hollerich kann sich vorstellen, verheiratete Männer zu römisch-katholischen Priestern zu weihen. Zur Debatte um eine Zulassung sogenannter „viri probati“, zum Priesteramt sagte er vor Journalisten im Vatikan, wenn im Amazonasgebiet ganze Regionen keine Eucharistie feiern könnten, sei das ein großes Problem. „Wenn da viri probati eine Lösung sind, warum nicht? […] Ich liebe meinen Zölibat, ich stehe dazu, aber ich sehe, dass die verheirateten Diakone anders predigen können als ich, und das finde ich an sich eine wunderbare Ergänzung.“ Hollerich nimmt auf persönliche Einladung des Papstes an der Amazonien-Synode teil. (kna u. vn v. 5. 10.)

 

Eine Gruppe von Bischöfen setzt sich laut einem Bericht des spanischen Portals Religion Digital für ein Frauenstimmrecht bei der aktuellen Amazonien-Synode im Vatikan ein. Kardinal Lorenzo Baldisseri, Generalsekretär der Bischofssynode, prüft das Anliegen. Konkret geht es darum, den 35 Frauen im Teilnehmerkreis, unter ihnen 20 Ordensmitglieder, ein Stimmrecht zuzuerkennen. Schon bei der Jugendsynode 2018 erteilte Papst Franziskus auch zwei Ordensbrüdern ohne Priesterweihe das Stimmrecht. Auch bei der aktuellen Amazonien-Synode gibt es mit Fr. Miguel Angel Gonzalez Antolin von der Brüdergemeinschaft der Heiligen Familie von Belley einen von der Union der Generaloberen entsandten Ordensvertreter, der kein Priester aber dennoch stimmberechtigt ist. Die spanische Ordensfrau Maria Luisa Berzosa sieht mit Blick auf ein Frauenstimmrecht „weder kanonische noch theologische Vorbehalte“. Die angestrebte Änderung sei „eine natürliche Entwicklung“. (kap u. vn v. 8. 10.)

 

Der Münsteraner Kirchenhistoriker Hubert Wolf sieht im Zölibat einen „Risikofaktor“ in Bezug auf sexuellen Missbrauch. Auch wenn ein kausaler Zusammenhang mit der Zölibatspflicht kaum zu beweisen ist, so gibt es doch „zahlreiche Argumente“, die den Zölibat als „Risikofaktor“ erscheinen lassen und die für eine Aufhebung des Pflichtzölibats sprechen. „Wenn die Bischöfe ihre Ankündigungen ernst nehmen, dass es ihnen wirklich um die Opfer und das ihnen von Geistlichen zugefügte Leid geht, dann sind sie verpflichtet, den Zölibat grundsätzlich auf den Prüfstand zu stellen“, betonte Wolf in einem Vortrag in Wien beim diesjährigen „dies facultatis“ der Katholisch-theologischen Fakultät der Universität Wien: Einer „Männerkirche“ liege ein Priesterbild zugrunde, welches dem Priester gegenüber dem Laien eine „herausgehobene Sonderstellung“ zuspreche. Dies begünstige insgesamt den sexuellen Missbrauch, führte Wolf aus unter Verweis auf die von der Deutschen Bischofskonferenz in Auftrag gegebene Studie „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige“. Es gebe einen klaren „Zusammenhang zwischen klerikal männerbündischem Kirchensystem, Macht, Missbrauch und Zölibat. […] Wenn die Amazonas-Synode nach einer gründlichen Güterabwägung die Weihe verheirateter Männer zu Priestern vorschlagen würde, dann stünde sie und Papst Franziskus durchaus auf dem Boden der kirchlichen Tradition. Niemand, der die Kirchengeschichte ernst nimmt, könnte ihnen einen grundsätzlichen Paradigmenwechsel oder gar Traditionsbruch vorwerfen." Als weitere Eckpunkte einer Kirchenreform nannte Wolf die Schaffung „transparenter und gerechter Strukturen“ sowie „einklagbare Grundrechte für alle Christen“, eine „unabhängige Verwaltungsgerichtsbarkeit, eine zeitgemäße Sexualmoral, die Gleichberechtigung von Frauen und die Auswahl kirchlicher Amtsträger auf allen Ebenen durch die Gläubigen“. (kap u. religion.orf v. 15. 10.)

 

Erstmals werden an der Vollversammlung der französischen Bischöfe in Lourdes im November auch Nicht-Bischöfe teilnehmen. Pro Diözese seien zwei getaufte Laien, Priester oder Diakone für eineinhalb Tage zu der Versammlung eingeladen, berichtet die französische Zeitung „La Croix“. Ob die Bischöfe Männer oder Frauen aus ihren Diözesen mitbringen, ist ihnen überlassen. Ziel sei es, die Kirche in Frankreich damit wieder näher an die Bürger zu rücken. (kap u. vn v. 15. 10.)

 

Die in Österreich wirkenden ständigen Diakone sprechen sich für verheiratete Priester sowie Frauen als Diakoninnen aus. In einem Manifest zum 50-Jahr-Jubiläum, das bei der Diakonentagung in Wiener Neustadt verabschiedet wurde, heißt es: „Auf dem Hintergrund unserer 50-jährigen Erfahrung als berufstätige und verheiratete Männer rufen wir die Österreichische Bischofskonferenz auf, eine Veränderung der Zulassungsbedingungen zu den Ämtern der Kirche zu prüfen und dafür erste Schritte zu setzen.“ Die Wege zum Weihepriestertum sollten auch für verheiratete Männer geöffnet werden, „die in einem Zivilberuf tätig sind und sich im zweiten Bildungsweg auf dieses Amt vorbereiten“. Der auch in Österreich schmerzlich spürbare Priestermangel habe Auswirkungen auf die Diakone, die zunehmend priesterliche Dienste übernehmen müssten und von den Gemeinden zunehmend als „Ersatzpriester“ eingesetzt seien. „Es erfüllt uns mit Sorge, dass die spezifisch diakonale Ausrichtung unseres Weiheamtes Schaden leidet, was bereits jetzt zu einem schleichenden Identitätsverlust für viele Diakone führt“, schreiben die Diakone und erinnern daran, dass am Beginn der Wiedereinführung des ständigen Diakonats durch das Zweite Vatikanische Konzil (1962-65) der „Mut zum Experiment“ gestanden sei. „Die sakramentale Bestärkung des im wahrsten Sinne des Wortes diakonalen Dienstes von Frauen in vielfältigen pastoralen Bereichen durch den Zugang zum Amt der Diakonin wäre somit ein deutliches Zeichen der Wertschätzung der Frauen in der Kirche. […] Wir ständigen Diakone in Österreich sind davon überzeugt, dass diese Öffnung des ständigen Diakonats für Frauen eine nicht länger aufschiebbare Notwendigkeit ist.“ Das „Wiener Neustädter Manifest“ wurde an Weihbischof Leichtfried zur Weiterleitung an die Österreichische Bischofskonferenz übergeben. (religion.ORF.at/KAP v. 15. 10.)

 

In der Kirche Amazoniens übernehmen Frauen bereits jetzt viele pastorale Aufgaben, berichtet die brasilianische Ordensfrau Mary Agnes Njeri Mwangi bei der Amazonien-Synode in Rom. Daher wäre das Diakoninnen-Amt eine Anerkennung für Frauen. Ein Stimmrecht für Frauen bei künftigen Bischofssynoden sei „das Mindeste". Egal ob die römisch-katholische Kirche neue Ämter und Dienste für Frauen schaffe, seien und blieben Frauen überall präsent, sagte Schwester Mary Agnes. Bereits jetzt übernehmen Frauen in der Kirche Amazoniens viele Aufgaben: Sie koordinieren Seelsorgeeinsätze, leiten Wortgottesdienste und Andachten, halten Taufkatechese, geben Lebensberatung und halten Beerdigungen. Eine weibliche Form des Diakonenamtes wäre eine Anerkennung dieser Arbeit, so die aus Kenia stammende Schwester, die seit fast 20 Jahren im nordbrasilianischen Bundesstaat Roraima arbeitet. ( kap v. 18. 10.)

 

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) schließt sich der Forderung nach einem Stimmrecht für Frauen bei der nächsten Bischofssynode an. Es sei „sehr bedauerlich, dass es wohl kein Stimmrecht für Frauen bei der laufenden Amazonas-Synode geben wird“, betonte der ZdK-Hauptausschuss in Bonn. Das Thema sei bereits bei der Jugendsynode im vergangenen Herbst aufgekommen, so ZdK-Präsident Thomas Sternberg. „Damals durften Ordensbrüder, die Nichtpriester waren, mit abstimmen, nicht aber Ordensfrauen. Dass das jetzt wieder so gehandhabt wird, ist nicht nachvollziehbar.“ Bereits jetzt werde die Hauptlast der pastoralen Arbeit von Frauen geleistet. Daher seien Frauen auch bei Entscheidungen zur Seelsorge mit einzubeziehen. (kna u. vn v. 19. 10.)

 

Der neue Katakombenpakt der Amazonien-Bischöfe für das „Gemeinsame Haus“ (in deutscher Übersetzung): „Für eine Kirche mit einem amazonischem Gesicht, arm und dienend, prophetisch und samaritanisch. Wir, Teilnehmende der Synode für Amazonien, teilen die Freude, inmitten zahlreicher indigener Völker, Quilombolas, Flussuferbewohner, Migranten und Gemeinden am Rande der Städte dieses riesigen Territoriums des Planeten zu leben. […] Wir erinnern uns mit Dankbarkeit an diejenigen Bischöfe, die in den Katakomben der Heiligen Domitilla am Ende des II. Vatikanischen Konzils den Pakt für eine dienende und arme Kirche unterzeichnet haben […] und verpflichten uns persönlich und gemeinschaftlich zu Folgendem: 1. Angesichts der extremen Bedrohung durch die globale Erwärmung und die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen, verpflichten wir uns, in unseren Territorien und Ländern und mit unserem Lebensstil, den Amazonas-Regenwald aufrechtzuerhalten. […] 4. In unseren Kirchen erneuern wir die vorrangige Option für die Armen. […] 9. In unseren Ortskirchen etablieren wir einen synodalen Lebensstil, wo Vertreterinnen und Vertreter der Urbevölkerung, Missionarinnen und Missionaren, Laiien und Laien aufgrund ihrer Taufe und in Gemeinschaft mit ihren Pastoren in Diözesanversammlungen, Pastoralräten und Pfarreien und schließlich in allem, was ihnen in der Leitung der Gemeinden obliegt, eine Stimme haben. 10. Wir fordern die dringende Anerkennung der bereits in den Gemeinden bestehenden kirchlichen Dienste, die von Pastoralreferent(inn)en, indigenen Katechet(inn)en, Lektor(inne)n und Dienern und Dienerinnen von Wortgottesdiensten ausgeübt werden. […] 12. Wir erkennen die Dienste und die bestehende Diakonie der großen Zahl von Frauen an, die heute im Amazonasgebiet Gemeinden leiten und suchen sie, durch ein angemessenes Amt als weibliche Gemeindeleiterinnen zu stärken. […] Mögen vor allem unsere kirchlichen Gemeinden uns mit ihrer Fürsprache, ihrer Zuneigung zum Herrn und, wenn nötig, mit der Liebe geschwisterlicher Berichtigung helfen. Katakomben der Heiligen Domitilla, Rom, 20. Oktober 2019“. (vn v. 21. 10.; Ja v. 3. 11.)

 

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat dafür plädiert, mit Blick auf den Priestermangel stärker die Möglichkeit des Dispenses vom Zölibat zu nutzen. Dies gelte für „in Ehe, Familie und Beruf bewährte Männer“, sagte Schick in einem Interview des Magazins „Leben“. Dies sei schon jetzt bei verheirateten evangelischen Pfarrern möglich, die katholisch würden. „Der Zölibat ist ein großes Geschenk und hat hervorragende Heilige, Missionare und Seelsorger hervorgebracht, auch heute“. Deshalb dürfe er nicht geringgeschätzt werden, „ebenso wenig wie der priesterliche Dienst verheirateter Männer, die wir in den katholischen Ostkirchen und auch bei uns haben.“ Hinsichtlich der Frauenordination ist er ablehnend, meint jedoch: „Wie die Geschichte weiter verläuft, weiß ich nicht.“ (kna u. vn v. 23. 10.)

 

In der Stadt Mossul (Irak) werden die syrisch-katholische Al-Tahera-Kirche und die lateinische Al-Saa’a-Kirche gemeinsam durch die UNESCO und die Vereinigten Arabischen Emirate saniert. Dafür hatten 2018 die Emirate 50,4 Millionen US-Dollar zugesagt. (JA v. 27. 10.)

 

Über jeden Artikel des Schlussdokuments der Amazonien-Synode wurde einzeln abgestimmt, um wenigstens eine Zweidrittelmehrheit zu erhalten, damit er seinen Platz im Schlussdokument findet, schreibt der deutsch-brasilianische Bischof Johannes Bahlmann in einem Blogeintrag über die Synode. Alle 120 Artikel fanden mindestens eine Drei-Viertel-Mehrheit, sogar der Artikel über die Weihe von „viri probati“: 185 Stimmberechtigte, 128 ja zu 41 nein. Es war kein simples „Abnicken”, sondern man hatte sich sehr wohl mit allem auseinandergesetzt. Die Bischöfe wollen, dass für abgeschiedene Amazonas-Gemeinden ständige Diakone zu Priestern geweiht werden können. Besonders die Ämter der Frauen in der Kirche wurden nochmals stärker berücksichtigt und erhielten dadurch guten Rückhalt. Der Diakonat der Frau wurde in der Synode befürwortend viel besprochen, aber der Abschnitt dazu fiel im Schlussdokument etwas blass aus: „Die meisten Arbeitsgruppen sind in dieser Frage viel weiter gegangen und haben sich für die Weihe von Frauen zu Diakoninnen ausgesprochen“, sagte hingegen Bischof Erwin Kräutler im Interview mit den Salzburger Nachrichten (SN). Interessanterweise fand auch ein neuer Amazonas-Ritus Eingang ins Dokument. Da geht es um eine neue inkulturierte Liturgie. (vn v. 26. 10.; SN v. 2. 11.; JA v. 3. 11.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Nach dem Nein des Vatikan zu einer Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren fordert der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck „eine ernsthafte und zutiefst wertschätzende Neubewertung der Homosexualität". Die bloße Wiederholung der „Wertung von Homosexualität auf naturrechtlicher Basis" werde heute nicht mehr verstanden und auch nicht mehr akzeptiert, schreibt er in einem Brief an alle Pfarreien. Gerade in den Zuschriften vieler SeelsorgerInnen komme „eine offene Ablehnung der lehramtlichen Position zum Ausdruck, die nicht mehr ignoriert werden darf". Bei aller Wertschätzung von Schriftzeugnis, Lehramt und Tradition müsse es um eine „Übersetzung der Zeichen der Zeit" gehen. Die gesamte Tradition sei „als ein lebendiges Geschehen zu begreifen". Gerade die Segensfeiern seien entstanden aus der seelsorglichen Begleitung der betroffenen Menschen. „Über das Gute ihres Lebens einen Segen zu sprechen, der nicht einer Trauung ähnelt, wohl aber Zeichen der Begleitung ist, soll doch zeigen: Im Namen der Kirche ist Gott in dieser Beziehung gegenwärtig." Ähnlich 2600 Geistliche in Deutschland, zahlreiche Priester in Österreich, sowie die österreichischen Bischöfe Wilhelm Krautwaschl (Graz-Seckau), Josef Markets (Gurk-Klagenfurt), Hermann Glettler (Linz) und der Antwerpener Bischof Johan Bonny. (kna u. zahlreiche Medien ab. 20. 3.)

     

  • Im Irak tätige religiöse Organisationen haben anlässlich der Papstreise vom 5. bis zum 8. März ein gemeinsames Statement für Solidarität, Geschwisterlichkeit und interreligiösen Dialog unterzeichnet. In der interreligiösen Erklärung verpflichten sich die Organisationen, Diskriminierung und Missionierung abzulehnen, die kulturellen Werte und Überzeugungen anderer zu respektieren, den sozialen Zusammenhalt zu fördern und die Zusammenarbeit bei der Hilfe für Bedürftige zu stärken. Sie rufen zudem die Internationale Gemeinschaft auf, dem irakischen Volk zu helfen, die gegenwärtigen Herausforderungen „in einem wahren Geist der menschlichen Geschwisterlichkeit und Solidarität“ zu bewältigen. Die Erklärung unterschrieben unter anderem mehrere Caritas-Einrichtungen, die christlich-muslimische Adyan-Stiftung, Islamic Relief Worldwide und der Lutherische Weltbund. Schon in seiner Enzyklika „Fratelli tutti“ habe Papst Franziskus daran erinnert, dass sich keiner allein retten könne, heißt es in dem Manifest. Als positives Beispiel interreligiöser Zusammenarbeit verweisen die Unterzeichner auf das Abu Dhabi-Dokument von 2019 zur Brüderlichkeit aller Menschen hin , das Papst Franziskus und Großimam Ahmad Mohammad Al-Tayyeb unterzeichneten. „Als glaubensbasierte Organisationen schließen wir uns vollständig dieser Botschaft der Geschwisterlichkeit und des Dialogs an“. (vn v. 3. 3.)

     

  • Die Enzyklika „Fratelli tutti“ über Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft steht im Zentrum eines Web-Seminars, bei dem weibliche Führungspersönlichkeiten unterschiedlicher Religionen und Kulturen zu Wort kommen. Organisiert wurde das ökumenische und interreligiöse Seminar von der Weltunion katholischer Frauenverbände (WUCWO) anlässlich des internationalen Weltfrauentags am 8. März. Zwei Vatikangremien wirken dabei mit: der weibliche Beraterstab des päpstlichen Kulturrates und der Päpstliche Rat für Interreligiösen Dialog. Neben einer Videobotschaft der ehemaligen UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova, die als weibliches Mitglied im „Hohen Komitee für die Brüderlichkeit unter den Menschen“ im islamisch-christlichen Dialog engagiert ist, sind Beiträge weiterer Vertreterinnen aus Christentum, Judentum und Islam, Buddhismus und Hinduismus vorgesehen. Das Wort ergreifen etwa die Soziologieprofessorin und Vatikanberaterin Consuelo Corradi, Leiterin des Frauenrates im Päpstlichen Kulturrat, sowie die muslimische Theologin Shahrzad Houshmand, die ebenfalls dort Mitglied ist. Auch sprechen die Präsidentin des Interreligiösen und Interkulturellen Komitees des Internationalen Rates der Jüdischen Frauen, Nadine Iarchy. Weitere Beiträge kommen von Elena Seishin Viviani von der Buddhistischen Union und Svamini Hamsananda Ghiri von der Hinduistischen Union in Italien. Grußworte sprechen Kardinal Gianfranco Ravasi, Präsident der Päpstlichen Kulturrates, und Kardinal Miguel Ángel Ayuso Guixot, Präfekt des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog. „Wir sind dann im Jahr 2020 zu einer gemeinsamen Erklärung gekommen und haben festgestellt, dass es gemeinsame Punkte gibt, um menschliche Geschwisterlichkeit gemäß den vom Papst angegebenen Richtlinien durch Frauen in der Welt zu verwirklichen. In diesem Jahr 2021 hoffen wir, diesen Weg des Dialogs einen Schritt weiterzugehen und zu konkretisieren - es geht jetzt darum, von Erklärungen zu Fakten überzugehen“, sagt die Argentinierin Maria Lia Zervino, Präsidentin der WUCWO, im Interview mit Radio Vatikan. (vn v. 3. 3.)

     

  • Der Innsbrucker Pastoraltheologe Christian Bauer fordert eine Neuausrichtung der Priesterausbildung. Es brauche „einen anderen, postklerikalen Geist", schreibt er in einem Gastbeitrag für das Portal katholisch.de. Angehende Priester müssten „aus ihrer persönlichen Komfortzone heraus“. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) habe es „durchaus bemerkenswerte Neuansätze" gegeben. Unter dem heutigen Papst ergäben sich neue Möglichkeiten, da Franziskus die Synodalität als gemeinsames Vorangehen aller Getauften propagiere. Bislang führe die Priesterausbildung häufig zu einem „Hineinsozialisieren in einen klerikalen Habitus, der längst als ein wesentlicher Grund des geistlichen Missbrauchs bis hin zu sexualisierter Gewalt identifiziert ist". In Priesterseminaren entstehe oft ein „verhängnisvoller klerikaler Korpsgeist". Es brauche jedoch individuelle Möglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln, fordert der Pastoraltheologe. Zudem sollten „angehende Priester, Gemeinde- und Pastoralreferent*innen" nicht in „XXL-Seminaren" abgeschottet sein, sondern in dezentralen Wohngemeinschaften am ‚normalen' Studierendenleben" teilhaben. Prof. Bauer äußerte sich deshalb, weil eine Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz ein Reformkonzept vorgelegt hat, wonach die Priesterausbildung nur noch an wenigen Standorten in Deutschland erfolgen soll. Dies stieß zum Teil auf heftige Kritik. (kna u. kap v. 2. 3.)

     

  • Der deutsche Ökumenische Kirchentag (ÖKT) 2021 wird anders als alle Kirchentage bisher. Ein Beispiel dafür ist „Schaut hin – Von der Krise zur Vision“, das Anfang März veröffentlichte gemeinsame Magazin der römisch-katholischen und evangelischen Kirche für den Religionsunterricht. Konkret arbeiteten hier das Dezernat Schule und Bildung im Bistum Limburg und das Religionspädagogische Institut der Evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck und der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) zusammen. Das Heft bietet für Schulen Unterrichtsmaterialien zu den zentralen Themen des ÖKTs an: von Glaube und Spiritualität über die Bewahrung der Schöpfung bis hin zu Wirtschaft. „Es ist so wichtig, dass gerade Kinder und Jugendliche erkennen können, dass Christ-Sein nicht bedeutet, weltfern zu sein“, schreiben in ihrem Geleitwort der Bischof von Limburg, Georg Bätzing, sowie die Bischöfin von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, und der Kirchenpräsident der EKHN, Volker Jung. (vn [=Vatican News] v. 2. 3.)

     

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