Innerkirchliche Reformansätze: (Frauen, Zölibat, wiederverheiratet Geschiedene, Moral ..)

Die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) und der Schweizerische Katholische Frauenbund (SKF) haben ihre Gespräche über den Prozess „Gemeinsam auf dem Weg zur Erneuerung der Kirche“ fortgeführt. Bei der nächsten Sitzung wird erörtert, was genau die Anlauf- bzw. Ombudsstellen für Fragen der Gleichstellung zwischen den Geschlechtern sein und leisten sollen. Der SKF und der Frauenrat der SBK „schätzen das konstruktive Miteinander“ sowie „den spürbaren Willen, gemeinsam für Geschlechtergerechtigkeit innerhalb der katholischen Kirche einzustehen“, heißt es in einer Mitteilung. Die Delegation der SBK vertraten Weihbischof Denis Theurillat sowie Marlies Höchli (Frauenrat SBK). Der SKF wurde durch Vorstandsmitglied Iva Boutellier sowie Präsidentin Simone Curau-Aepli repräsentiert. Viele Katholikinnen in der Schweiz wünschen sich Reformen in ihrer Kirche, ähnlich wie etwa in Deutschland mit seinem „Synodalen Weg“. So schlägt der SKF über die Ombudsstellen für Gleichstellungsfragen hinaus auch Quoten zur Vertretung von Frauen in kirchlichen Leitungsgremien vor. Die SBK hat der SKF vorgeschlagen, Frauen mit beratender Stimme an ihren Vollversammlungen zu beteiligen. Der SKF hat für Frauen auch neue Formen der sakramentalen Sendung für Taufe und Krankensalbung gefordert. (vn v. 3. 2.)

 

Vor Beginn der zweitägigen Digitalkonferenz des Reformdialogs „Synodaler Weg“ hat der Hamburger Erzbischof Stefan Heße eine ergebnisoffene Diskussion über das Frauenpriestertum gefordert. „Es hat in der katholischen Kirche immer eine Weiterentwicklung der Lehre gegeben. Und deswegen sollten wir das auch hier nicht von vornherein ausschließen", sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung". Klar sei, dass eine solche Entscheidung nur von einem Konzil gefällt werden könne. Eine Positionierung zu dem Thema seitens der deutschen Bischöfe müsse daher „so gut werden, dass sie auch im Dialog mit Rom trägt und in den Diskurs mit anderen Ortskirchen weltweit eingespeist werden könne. […Dringlich sei die Frage:] Wo kann man jetzt schon etwas tun? Ich denke etwa an Abteilungsleiterinnen im Ordinariat. […] Wir müssen auf allen Ebenen Frauen weiter in Verantwortung bringen." Unterdessen schlug der Bonner Stadtdechant Wolfgang Picken im Kölner Portal domradio.de vor: „Warum nicht ein neues Amt schaffen, das Frauen offensteht und das ohne Weiteres auch genutzt werden kann, das man auch mit Macht und Kompetenz ausstatten kann?“ Seines Erachtens täte die Kirche gut daran, nicht nur „alte Bastionen zu stürmen, sondern auch irgendwie neu und kreativ unterwegs zu sein". (kna u. kap v. 4. 2.)

 

Die Frage nach der Zukunft des priesterlichen Dienstes in der Kirche steht im Zentrum einer Dreiländer-Tagung römisch-katholischer Akademien von Deutschland, Österreich und der Schweiz. Am 11./12. Februar werden u. a. der Salzburger Erzbischof Franz Lackner, der Prager Theologe Tomas Halik und P. Klaus Mertes die Frage diskutieren, welche Folgen die Missbrauchskrise für den Dienst des Priesters und sein Selbstverständnis hat. Die Tagung trägt den Titel „Gestaltwandel des Priesterlichen. Verortung des Leitungsdienstes in einer sich wandelnden Kirche" und steht im Kontext des deutschen Reformprozesses „Synodaler Weg". Inhaltlich eröffnet wird die Tagung mit einem Impuls von Erzbischof Lackner zum Thema „Das Geistliche Amt in einer Kirche, die sich wandelt". Es folgen Online-Vorträge u. a. von der Erfurter Theologin Prof. Julia Knop. Nach einer Diskussionseinheit sollen dann die Themen in verschiedenen Workshops bearbeitet werden, u. a. zur Zukunft der Priesterausbildung. Am zweiten Tag steht die Leitungskultur in der Kirche auf dem Programm. Den Abschluss bildet ein „weltkirchlicher Ausblick" vom Amazonas-Bischof Bernardo Johannes Bahlmann. (kap v. 5. 2.)

 

Die erste weibliche Strafverfolgerin im Vatikanstaat kommt aus Italien: Papst Franziskus ernannte die Juristin Catia Summaria zur Staatsanwältin des Berufungsgerichtes. Frau Summaria ist 73 Jahre alt und stammt aus der italienischen Provinz Bari. Von 2001 bis 2017 war sie Vize-Generalstaatsanwältin am Berufungsgericht in Rom. (vn v. 5. 2.)

 

Zwei Untersekretäre für die Bischofssynode hat Papst Franziskus ernannt; darunter ist erstmals eine Frau, die für die Bischofssynode dieses Amt mit Stimmrecht ausfüllen wird: Schwester Nathalie Becquart (51) vom Institut „La Xavière, Missionnaires du Christ Jésus“. Sie studierte Philosophie und Theologie am Centre Sèvres-Facultés jésuites de Paris, spezialisierte sich auf Ekklesiologie mit Forschung über Synodalität an der Boston College School of Theology and Ministry. Seit 2019 war sie Konsultorin des Generalsekretariats der Bischofssynode. Kardinal Mario Grech, zuständig für die Vorbereitung und Durchführung der Bischofssynoden, sagte im Interview mit Radio Vatikan zu ihrer Ernennung u. a. folgendes: „Die Ernennung von Schwester Nathalie Becquart zur Untersekretärin hilft uns also, uns konkret daran zu erinnern, dass in den synodalen Prozessen die Stimme des Volkes Gottes einen besonderen Platz hat […] Papst Franziskus hat bei mehreren Gelegenheiten betont, wie wichtig es ist, dass Frauen stärker in kirchliche Unterscheidungs- und Entscheidungsprozesse einbezogen werden. [… Ich möchte, dass] alle Mitarbeiter des Synodensekretariats in einem Geist der Zusammenarbeit arbeiten und mit einem neuen Stil der „synodalen“ Leitung experimentieren, einer Leitung im Dienst, die weniger klerikal und hierarchisch ist, die Partizipation und Mitverantwortung zulässt.“ Und er zitiert Papst Franziskus: „Synodalität [ist] der Weg ist, den Gott von der Kirche des dritten Jahrtausends erwartet“. Sr. Becquart sieht ihre Ernennung zur Untersekretärin mit Stimmrecht als Vertrauensbeweis für Frauen in der Kirche. (vn v. 6. 2.)

 

Gewaltenteilung ist eines der zentralen Themen des deutschen „Synodalen Wegs“. Karin Kortmann, Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, wünscht sich, dass die Gläubigen „an der Basis den Bischof wählen können“. Denn nur so erhalte das Amt Legitimität, sagte sie dem „Weser-Kurier". Mit Blick auf das Unterdrücken eines Missbrauch-Gutachtens durch den Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki sprach Kortmann, die auch dem Präsidium des Synodalen Wegs angehört, von einem „Desaster" für die römisch-katholische Kirche. Eines der vier thematischen Foren des Reformprozesses beschäftigt sich mit dem Thema „Macht und Gewaltenteilung". Dieses hat bereits einen Grundtext erarbeitet, bei dem unter anderem Wahlen bei kirchlichen Leitungsämtern ins Spiel gebracht werden. (kna v. 7. 2.)

 

Die vom Papst verfügte Kirchenrechtsänderung, wonach auch Frauen als Messdienerinnen, Lektorinnen oder Kommunionshelferinnen ihre Dienste am Altar versehen dürfen, nährt die „Hoffnung darauf, dass auch in Richtung der Weiheämter weitergedacht wird", sagt die Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs, Angelika Ritter-Grepl, in einem Interview der Zeitschrift „Woman" vom 8. Februar. Auch die Ernennung von Sr. Nathalie Becquart zur stimmberechtigten Unterstaatssekretärin der Bischofssynode bedeute, dass die Tür zu mehr Gleichberechtigung „wirklich aufgemacht" wurde. „Allerdings bleibt es eine Herausforderung, die Frage nach dem Priestertum für Frauen produktiv anzugehen. […] Gleiche Rechte für Frauen und Männer sollen selbstverständlich sein." Die Umsetzung dieses Anspruchs sei nur mehr „eine Frage der Zeit“. (kap 11. 2.)

 

Der Schweizerische Katholische Frauenbund (SKF), der Bund Schweizerischer Jüdischer Frauenorganisationen (BSJF) und die Evangelischen Frauen Schweiz (EFS) rufen dazu auf, am 7. März der Verhüllungsinitiative nicht zuzustimmen. „Die Initiative untergräbt die Toleranz für Frauen, die sichtbare religiöse Zeichen tragen“, erklärte Gabi Elikan, Mitglied des BSJF-Vorstands. Das vorgeschlagene Gesichtsverhüllungsverbot missachte das garantierte Recht, religiöse Bräuche und Gebote zu leben, worunter auch Kleidersitten fielen. Die drei Verbände lehnen die Initiative ab, weil sie ein Klima schaffe, das Toleranz untergrabe und Polarisierung fördere. Stattdessen unterstützen die drei Verbände den Gegenvorschlag des Schweizer Bundesrates, der die Enthüllung nur für Identifikationszwecke durch die staatlichen Behörden vorsieht. (kath.ch u. vn v. 14. 2.)

 

Der Aachener Bischof Helmut Dieser setzt sich für eine Öffnung der römisch-katholischen Sexuallehre für Homosexuelle ein. „Keiner kann sich seine sexuelle Orientierung aussuchen. Sexualität ist eine Sprache der Beziehung, der Annahme, der Freude am Leben und des Füreinander-Einstehens“, sagte er im Interview mit der KNA. Bischof Dieser leitet im deutschen „Synodalen Weg“ ein Forum zum Thema Partnerschaft und Sexualität. „Wenn wir im Forum diese Linie gleichziehen, müssten wir den Papst bitten, die entsprechenden Passagen des Katechismus zu überdenken und abzuändern“, sagte er. Der Katechismus der römisch-katholischen Kirche untersage ausdrücklich eine Diskriminierung Homosexueller. Und zur Enthaltsamkeit: „Enthaltsamkeit ist aber nach der Überzeugung der Kirche auch eine besondere Gabe Gottes. Die hat nicht jeder. […] Das muss als erstes Mal aus dem Katechismus herausgenommen sein. [… Notwendig ist eine] Pastoral mit homosexuellen Menschen, die mehr zu sagen hat, als dass man sie nicht diskriminieren darf. […] Aber ich meine auch, dass wir dem Gesamtphänomen Sexualität nicht gerecht werden, so wie es uns heute die Humanwissenschaften beschreiben können“, so Dieser. (kna u. vn v. 14 . 2.)

 

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann sieht in einem offenen Brief in der römisch-katholischen Kirche häufig „eine unheilige Allianz zwischen einem übersteigerten Selbstbild des Klerikers und überzogenen Erwartungen der Gläubigen“. Diese Allianz zerbreche derzeit. „Wenn wir uns das eingestehen, können wir es besser annehmen und zum Positiven wenden“. Allerdings verfügten Bischöfe nicht über „göttliches Sonderwissen“. (bistum-trier.de; vn v. 20. 2.)

 

Die römisch-katholische Reformbewegung „Maria 2.0" hat an mehreren Orten in Deutschland Thesen an Kirchentüren aufgehängt. „Wir sind total gespannt auf die Reaktionen", sagte Johanna Stamm von „Maria 2.0". „Wir wollen eine Diskussion anstoßen und zum Austausch anregen." Stamm war im Kreis Offenbach unterwegs und klebte die Plakate mit den Forderungen der Bewegung an rund 15 Kirchentüren. „In unserer Kirche haben alle Menschen Zugang zu allen Ämtern", lautet die erste These auf den Plakaten. Aktionen gab es aber auch in anderen hessischen Städten, etwa in Frankfurt. „Maria 2.0" ist ein Zusammenschluss von Frauen in der römisch-katholischen Kirche. Die Gruppe setzt sich für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern in der Kirche ein. Die Aktivistinnen kämpfen gegen sexuellen Missbrauch, Machtmissbrauch, das Pflichtzölibat und für eine offenere Sexualmoral. Die bundesweite Aktion fand vor der Vollversammlung der Deutschen Bischöfe statt. (sueddeutsche.de v. 21. 2.)

 

Jesuitenpater Hans Langendörfer sieht Reformbedarf bei den Strukturen der Deutschen Bischofskonferenz. „Bis heute ist in Haushaltsfragen Einstimmigkeit erforderlich. Früher war das oft auch ein Instrument der Knebelung, wo Bischöfe gesagt haben, entweder ihr macht das jetzt so oder ich stimme dagegen", sagte der langjährige Sekretär der Bischofskonferenz in einem Interview von domradio.de. Zu den wichtigsten innerkirchlichen Herausforderungen zählte der Jesuit eine stärkere Beteiligung von Frauen. Hier sei ein Gesinnungswandel im Gange, der sich unter anderem in einer Mitarbeit von Frauen in vielen leitenden Positionen in der Kirche zeige. „Dann haben wir die lauten Stimmen der Frauenverbände und von Maria 2.0. Die helfen uns aber, dass wir das Thema nach vorne bringen", so Langendörfer. (kna u. kap v. 21. 2.)

 

Zum ersten Mal wird eine Frau Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz (DBK): Beate Gilles (50), Theologin und bisherige Familien-, Kinder- und Jugend-Verantwortliche im Bistum Limburg, wurde auf der Online-Vollversammlung der Bischöfe dafür gewählt. Der DBK-Vorsitzende Georg Bätzing, schon bisher als Limburger Bischof ihr Vorgesetzter, würdigte Frau Gilles als „theologisch versiert, kirchlich loyal und rheinisch-katholisch-humorvoll.“ Frau Gilles sprach von einem „sehr bewegenden Moment. […] Es ist deutlich zu spüren, dass ein Wunsch nach Veränderung da ist.“ Der deutsche „Synodale Weg“ tue der Kirche gut. Im Synodalen Weg kämen die Themen, die den Katholiken heute unter den Nägeln brennen, auf den Tisch, so Bischof Bätzing.“ (dbk u. vn v. 23. 2.; Die Furche v. 25. 2. u. viele Medien)

 

Die Kirche ist sehr wohl ermächtigt, Frauen die Priesterweihe zu spenden, schreibt Bernd Jochen Hilberath, emeritierter Professor für Dogmatische Theologie und Dogmengeschichte der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen. Papst Johannes Paul II. hatte in „Ordinatio sacerdotalis“ 1994 mit höchster Autorität geschrieben, dass die Kirche nicht die Vollmacht habe, Frauen zu Priesterinnen zu weihen, und verlangt, dass sich alle Gläubigen endgültig daran zu halten hätten. Dazu Prof. Hilberath u.a. wörtlich in feinschwarz.de: „Keineswegs sehen sich ‚alle‘ Gläubigen in der Lage, diese ‚Definition‘ guten Gewissens und theologisch überzeugt mitzutragen.“ Ausgehend vom neutestamentlichen Befund zeigt die historische Betrachtung: „Von denen, die Frauen vom Diakonat ausschließen wollen, wird gern auf die Einheit des Ordo verwiesen, der sich in drei „Weiheämter“ [Diakon/Priester/Bischof] entfaltet habe. Dieser ‚eine Ordo‘ ist allerdings eine Fiktion. […die Kirchengeschichte kennt] vielfältige Beispiele, dass Frauen Dienste/Ämter/Kompetenzen wahrnahmen, zu denen heute ordiniert würde. Der endgültige Ausschluss der Frauen von den durch Ordination übertragenen Ämtern und dessen nachträgliche theologische „Legitimierung“ ist also theologisch nicht zwingend. […] In seiner Reaktion auf ‚Ordinatio sacerdotalis‘ formulierte der damalige Primas der Anglikanischen Gemeinschaft: Treue zu Jesus Christus heißt, uns zu fragen, was Christus heute von uns will. Ist das eine unorthodoxe oder gar häretische Position? Wenn die Aufgabe der Amtsträger bei zentralen kirchlichen Vollzügen als Handeln ‚in persona Christi capitis‘ bezeichnet wird, so ist damit nicht ein Nachahmen Jesu wie etwa bei Passionsspielen gemeint. Persona meint nicht Person entsprechend unserem abendländischen Menschenbild, sondern Rolle: Der Priester handelt in der Rolle Jesu Christi, der es ist – wie schon Augustinus lehrte – , der tauft, der uns die verwandelten Gaben von Brot und Wein reicht. […] Wenn Dietrich Bonhoeffer das Wesen Jesu theologisch als „Dasein für andere“ bestimmt, dann wird deutlich, wie sehr eine „Funktion für“ ein Wesen prägt. […] Erlöst sind wir jedenfalls nicht durch Gott in einem Mann, sondern durch den menschgewordenen Gott. Die Wesensfunktion, das Handeln im Auftrag Christi, ist nicht ein ‚ich bin jetzt der Herr Jesus für euch‘. Ein Mannsein ist hier nirgendwo gefordert, ja es wäre, um einer Verwechslung von Jesus Christus und dem Amtsträger vorzubeugen, symbolisch angebrachter, dass Männer und Frauen diesen Dienst ausüben und damit vom menschgewordenen Gott verkünden.“ Dann begründet Hilberath die Unhaltbarkeit des Braut-Bräutigam-Arguments. Schließlich ist für Hilberath das Sakramentsverständnis von Hugo von St. Viktor hilfreich, der sagt: „Das Sakrament ist ein äußerliches Zeichen, das die Gnade ‚aufgrund der Ähnlichkeit repräsentiert, aufgrund der Einsetzung bezeichnet und aufgrund der Heiligung enthält“ Hilberath dazu: „Welche ‚natürliche Ähnlichkeit‘ ist notwendig, um Christus als den Geber [der Sakramente] zu repräsentieren? […] Soll also die Geistgestalt [des auferweckten] Christi repräsentiert werden, ergäbe sich als ‚natürliche‘ Ähnlichkeit, dass der Geist Christi durch Frauen und Mütter ‚natürlich‘ dargestellt würde…“ (feinschwarz.de v. 26. 2.)

 

Papst Franziskus erwartet seinen eigenen Tod „als Papst entweder im Amt oder emeritiert. Und in Rom". Das hat das 84-jährige Kirchenoberhaupt in einem Gespräch mit dem argentinischen Arzt und Journalisten Nestor Castro verraten. In dem laut Castro gut einstündigen Interview sprach Franziskus auch über eine frühere Angst-Neurose aus der Zeit der argentinischen Militärdiktatur 1976-1983, die er unter anderem mit der Hilfe einer Psychiaterin überwunden habe. Das Gespräch mit Franziskus ist Teil von Castros Buch „La Salud de los Papas" (Die Gesundheit der Päpste), das in diesen Tagen in Argentinien erscheint. (vn v. 27. 2.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Nach dem Nein des Vatikan zu einer Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren fordert der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck „eine ernsthafte und zutiefst wertschätzende Neubewertung der Homosexualität". Die bloße Wiederholung der „Wertung von Homosexualität auf naturrechtlicher Basis" werde heute nicht mehr verstanden und auch nicht mehr akzeptiert, schreibt er in einem Brief an alle Pfarreien. Gerade in den Zuschriften vieler SeelsorgerInnen komme „eine offene Ablehnung der lehramtlichen Position zum Ausdruck, die nicht mehr ignoriert werden darf". Bei aller Wertschätzung von Schriftzeugnis, Lehramt und Tradition müsse es um eine „Übersetzung der Zeichen der Zeit" gehen. Die gesamte Tradition sei „als ein lebendiges Geschehen zu begreifen". Gerade die Segensfeiern seien entstanden aus der seelsorglichen Begleitung der betroffenen Menschen. „Über das Gute ihres Lebens einen Segen zu sprechen, der nicht einer Trauung ähnelt, wohl aber Zeichen der Begleitung ist, soll doch zeigen: Im Namen der Kirche ist Gott in dieser Beziehung gegenwärtig." Ähnlich 2600 Geistliche in Deutschland, zahlreiche Priester in Österreich, sowie die österreichischen Bischöfe Wilhelm Krautwaschl (Graz-Seckau), Josef Markets (Gurk-Klagenfurt), Hermann Glettler (Linz) und der Antwerpener Bischof Johan Bonny. (kna u. zahlreiche Medien ab. 20. 3.)

     

  • Im Irak tätige religiöse Organisationen haben anlässlich der Papstreise vom 5. bis zum 8. März ein gemeinsames Statement für Solidarität, Geschwisterlichkeit und interreligiösen Dialog unterzeichnet. In der interreligiösen Erklärung verpflichten sich die Organisationen, Diskriminierung und Missionierung abzulehnen, die kulturellen Werte und Überzeugungen anderer zu respektieren, den sozialen Zusammenhalt zu fördern und die Zusammenarbeit bei der Hilfe für Bedürftige zu stärken. Sie rufen zudem die Internationale Gemeinschaft auf, dem irakischen Volk zu helfen, die gegenwärtigen Herausforderungen „in einem wahren Geist der menschlichen Geschwisterlichkeit und Solidarität“ zu bewältigen. Die Erklärung unterschrieben unter anderem mehrere Caritas-Einrichtungen, die christlich-muslimische Adyan-Stiftung, Islamic Relief Worldwide und der Lutherische Weltbund. Schon in seiner Enzyklika „Fratelli tutti“ habe Papst Franziskus daran erinnert, dass sich keiner allein retten könne, heißt es in dem Manifest. Als positives Beispiel interreligiöser Zusammenarbeit verweisen die Unterzeichner auf das Abu Dhabi-Dokument von 2019 zur Brüderlichkeit aller Menschen hin , das Papst Franziskus und Großimam Ahmad Mohammad Al-Tayyeb unterzeichneten. „Als glaubensbasierte Organisationen schließen wir uns vollständig dieser Botschaft der Geschwisterlichkeit und des Dialogs an“. (vn v. 3. 3.)

     

  • Die Enzyklika „Fratelli tutti“ über Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft steht im Zentrum eines Web-Seminars, bei dem weibliche Führungspersönlichkeiten unterschiedlicher Religionen und Kulturen zu Wort kommen. Organisiert wurde das ökumenische und interreligiöse Seminar von der Weltunion katholischer Frauenverbände (WUCWO) anlässlich des internationalen Weltfrauentags am 8. März. Zwei Vatikangremien wirken dabei mit: der weibliche Beraterstab des päpstlichen Kulturrates und der Päpstliche Rat für Interreligiösen Dialog. Neben einer Videobotschaft der ehemaligen UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova, die als weibliches Mitglied im „Hohen Komitee für die Brüderlichkeit unter den Menschen“ im islamisch-christlichen Dialog engagiert ist, sind Beiträge weiterer Vertreterinnen aus Christentum, Judentum und Islam, Buddhismus und Hinduismus vorgesehen. Das Wort ergreifen etwa die Soziologieprofessorin und Vatikanberaterin Consuelo Corradi, Leiterin des Frauenrates im Päpstlichen Kulturrat, sowie die muslimische Theologin Shahrzad Houshmand, die ebenfalls dort Mitglied ist. Auch sprechen die Präsidentin des Interreligiösen und Interkulturellen Komitees des Internationalen Rates der Jüdischen Frauen, Nadine Iarchy. Weitere Beiträge kommen von Elena Seishin Viviani von der Buddhistischen Union und Svamini Hamsananda Ghiri von der Hinduistischen Union in Italien. Grußworte sprechen Kardinal Gianfranco Ravasi, Präsident der Päpstlichen Kulturrates, und Kardinal Miguel Ángel Ayuso Guixot, Präfekt des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog. „Wir sind dann im Jahr 2020 zu einer gemeinsamen Erklärung gekommen und haben festgestellt, dass es gemeinsame Punkte gibt, um menschliche Geschwisterlichkeit gemäß den vom Papst angegebenen Richtlinien durch Frauen in der Welt zu verwirklichen. In diesem Jahr 2021 hoffen wir, diesen Weg des Dialogs einen Schritt weiterzugehen und zu konkretisieren - es geht jetzt darum, von Erklärungen zu Fakten überzugehen“, sagt die Argentinierin Maria Lia Zervino, Präsidentin der WUCWO, im Interview mit Radio Vatikan. (vn v. 3. 3.)

     

  • Der Innsbrucker Pastoraltheologe Christian Bauer fordert eine Neuausrichtung der Priesterausbildung. Es brauche „einen anderen, postklerikalen Geist", schreibt er in einem Gastbeitrag für das Portal katholisch.de. Angehende Priester müssten „aus ihrer persönlichen Komfortzone heraus“. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) habe es „durchaus bemerkenswerte Neuansätze" gegeben. Unter dem heutigen Papst ergäben sich neue Möglichkeiten, da Franziskus die Synodalität als gemeinsames Vorangehen aller Getauften propagiere. Bislang führe die Priesterausbildung häufig zu einem „Hineinsozialisieren in einen klerikalen Habitus, der längst als ein wesentlicher Grund des geistlichen Missbrauchs bis hin zu sexualisierter Gewalt identifiziert ist". In Priesterseminaren entstehe oft ein „verhängnisvoller klerikaler Korpsgeist". Es brauche jedoch individuelle Möglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln, fordert der Pastoraltheologe. Zudem sollten „angehende Priester, Gemeinde- und Pastoralreferent*innen" nicht in „XXL-Seminaren" abgeschottet sein, sondern in dezentralen Wohngemeinschaften am ‚normalen' Studierendenleben" teilhaben. Prof. Bauer äußerte sich deshalb, weil eine Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz ein Reformkonzept vorgelegt hat, wonach die Priesterausbildung nur noch an wenigen Standorten in Deutschland erfolgen soll. Dies stieß zum Teil auf heftige Kritik. (kna u. kap v. 2. 3.)

     

  • Der deutsche Ökumenische Kirchentag (ÖKT) 2021 wird anders als alle Kirchentage bisher. Ein Beispiel dafür ist „Schaut hin – Von der Krise zur Vision“, das Anfang März veröffentlichte gemeinsame Magazin der römisch-katholischen und evangelischen Kirche für den Religionsunterricht. Konkret arbeiteten hier das Dezernat Schule und Bildung im Bistum Limburg und das Religionspädagogische Institut der Evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck und der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) zusammen. Das Heft bietet für Schulen Unterrichtsmaterialien zu den zentralen Themen des ÖKTs an: von Glaube und Spiritualität über die Bewahrung der Schöpfung bis hin zu Wirtschaft. „Es ist so wichtig, dass gerade Kinder und Jugendliche erkennen können, dass Christ-Sein nicht bedeutet, weltfern zu sein“, schreiben in ihrem Geleitwort der Bischof von Limburg, Georg Bätzing, sowie die Bischöfin von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, und der Kirchenpräsident der EKHN, Volker Jung. (vn [=Vatican News] v. 2. 3.)

     

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