Ökumene

Beim Angelus-Gebet zum Hochfest Epiphanie (6. Jänner) hat Papst Franziskus den Gläubigen der katholischen und orthodoxen Ostkirchen gratuliert. „Für sie und ihre Gemeinden wünschen wir das Licht und den Frieden von Christus, dem Retter“, sagte er beim Mittagsgebet vor Tausenden Gläubigen auf dem Petersplatz. Er lud die Anwesenden zu einem Applaus für die ostkirchlichen Getauften ein, die ihr Weihnachtsfest am 7. Januar feiern.  (vn v. 6. 1.)

 

Der lutherische Landesbischof von Hannover, Ralf Meister, hat die Gründung von „ökumenischen Gemeinden“ vorgeschlagen. „Das ist zwar ein ferner Wunsch, aber man kann ihn ja ruhig einmal äußern.“ Noch sei unklar, wie solche Gemeinden aussehen könnten, fügte er im Evangelischen Pressedienst (epd) hinzu unter Hinweis auf die bestehenden Differenzen „zum Beispiel mit dem Abendmahl. […] Wir brauchen Initiativen, die uns in beiden Kirchen herausfordern“, so der Bischof. Es sei „großartig und ermutigend, dass wir hier in Niedersachsen mit unseren katholischen Bischöfen, Franz-Josef Bode in Osnabrück und Heiner Wilmer in Hildesheim, solche möglichen Perspektiven überhaupt bedenken können“. Wilmer begrüßte auf epd-Anfrage die Anregung: „Wie wir in der Seelsorge gemeinsame Wege gehen können, ist eine richtige und wichtige Frage für die Zukunft. Damit werden wir uns in der Ökumene ganz sicher weiter befassen“, sagte der Hildesheimer Bischof. (kna u. vn v. 7. 1.)]

 

Glaubensverlust in Europa, Flüchtlinge und Ökumene: Diese Themen hat der Pfarrer der evangelisch-lutherischen Gemeinde Roms, Michael Jonas, mit Papst Franziskus besprochen. Bei dem Treffen ging es unter anderem um die Bedeutung der christlichen Barmherzigkeit, so der lutherische Pfarrer. Er habe Franziskus auch eine erneute Einladung zum Besuch der deutschen evangelischen Gemeinde in Rom überbracht. Der Papst habe ihm geantwortet, dass er für diese Gemeinde immer offen sei. (vn v. 10. 1.)

 

Der Leiter des Außenamts der russisch-orthodoxen Kirche, Metropolit Hilarion (Alfejew), ist in Moskau mit Joseph Werth, dem römisch-katholischen Bischof von Nowosibirsk, zusammengetroffen. Bei der Begegnung war auch der scheidende Vatikan-Botschafter in Moskau, Erzbischof Celestino Migliore, anwesend. Die Beziehungen zwischen orthodoxer und römisch-katholischer Kirche und „Fragen des gemeinsamen Interesses" waren laut Angaben des Außenamts des Moskauer Patriarchats die Themen. (kap u. vn v. 15. 1.)

 

In Deutschland wird die bundesweite Gebetswoche für die Einheit der Christen in Hannover eröffnet. Der Eröffnungsgottesdienst soll besonders an Menschen auf der Flucht erinnern, kündigte die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) an. Als Symbole kämen unter anderem ein Rettungsboot in der Kirche und beschriftete Rettungswesten zum Einsatz. Die Predigt soll der orthodoxe ACK-Vorsitzende, Erzpriester Radu Constantin Miron, halten. Daneben hätten weitere Vertreter aus Kirche, Politik und Gesellschaft ihre Teilnahme angekündigt, darunter auch der Hildesheimer Weihbischof Nikolaus Schwerdtfeger. (kna u. vn v. 16. 1.)

 

Die Feier der „Großen orthodoxe Wasserweihe“ ist in Österreich in den vergangenen Jahren längst zu einem konfessionsübergreifenden kirchlichen Fest geworden. Am 12. Jänner feierte Metropolit Arsenios (Kardamakis) die Wasserweihe in Innsbruck und Bregenz und konnte dabei u.a. auch die Bischöfe Hermann Glettler und Benno Elbs begrüßen. Eigentlicher Termin für die Wasserweihe ist das Hochfest der Epiphanie am 6. Jänner. In der Großen Wasserweihe kommt auch der Einsatz der Christen für die „Bewahrung der Schöpfung" zum Ausdruck. In Bregenz warfen Metropolit Arsenios und Bischof Benno Elbs ein Kreuz drei Mal in den Bodensee, das jedes Mal von jungen Tauchern wieder herausgefischt wurde. Bei der Zeremonie sprach Bischof Elbs über die Bedeutung der Taufe als stärkste Verbindung zwischen den Christen. Beide Bischöfe plädierten für weitere ökumenische Schritte und zeigten sich zuversichtlich, dass die Kirchentrennung überwunden werden könne. In Innsbruck fanden Gottesdienst und Wasserweihe in der Kirche der Barmherzigen Schwestern statt. Einer der Höhepunkte des Festes war dort das Segnen und Anschneiden des traditionellen Neujahr-Glückskuchens: In diese „Vasipolita" wird eine Münze eingebacken. Wer sie in seinem Kuchenstück findet, startet mit einer Extraportion Glück ins neue Jahr. Metropolit Arsenios und Bischof Glettler nahmen das Anschneiden des Kuchens gemeinsam vor. Jene orthodoxe Gläubige, die das Weihnachtsfest nach dem Julianischen Kalender feiern – vor allem die russisch-orthodoxe und serbisch-orthodoxe Kirche – feiern die Wasserweihe am 19. Jänner. (kap v. 16. 1.)

 

Als getaufte Christen glauben wir, dass Christus uns in jenen Menschen begegnen will, die im Leben buchstäblich oder im übertragenen Sinne Schiffbruch erlitten haben. Das sagte der Papst bei einer Audienz für die lutherische Delegation aus Finnland, die seit Jahren zum Auftakt der Gebetswoche für die Einheit der Christen den Vatikan besucht. Dann erläuterte der Papst die Bedeutung der Taufe, die alle Christen vereine. Was ebenfalls vereine, sei nicht nur das gemeinsame Beten, sondern auch das gemeinsame Handeln und meinte – ohne sie namentlich zu erwähnen – Flüchtlinge, die im Meer in Seenot geraten. Die finnischen „Freunde“ bat er, „als Boten der Menschheit, als Empfänger der Güte des fleischgewordenen Gottes“ zu handeln. Alle Christen seien „gemeinsam in der Gemeinschaft aller Getauften unterwegs“. Zum Schluss seiner Rede erinnerte der Papst an zwei Ebenen der Ökumene. Einerseits stünde die geistliche Ökumene gerade in der Gebetswoche im Mittelpunkt, andererseits gebe es den ökumenischen Dialog, der zu einer Vertiefung des Zusammenseins führt. „Möge dieses Zusammensein in Finnland weiter wachsen, sich entwickeln und Früchte tragen.“ Zum Abschluss der ökumenischen Tage findet 25. Jänner eine ökumenische Vesper am Hochfest der Bekehrung des Heiligen Apostels Paulus in der Basilika „Sankt Paul vor den Mauern“ statt. (vn v. 17. 1.)

 

Gastfreundschaft ist eine „ökumenische Tugend“, sagte Papst Franziskus am 15. Jänner bei einer Generalaudienz. Es sei wichtig, die „anderen Christen“ als „unsere wahren Brüder und Schwestern in Christus“ zu erkennen. In der Audienzhalle ging der Papst auf das Motto der diesjährigen Gebetswoche für die Einheit der Christen ein, das den freundlichen Empfang des Apostels Paulus auf der Insel Malta beschreibt. Diese „ungewöhnliche Freundschaft“ müsse auch in der Ökumene gelten: „Da mag dir dann einer sagen: ,Der ist doch ein Protestant, jener ein Orthodoxer.´ Ja, aber wir sind Geschwister in Christus.“ Der Heilige Geist säe überall seine Güte aus. Zur ökumenischen Gastfreundschaft gehöre auch der Wunsch, die Erfahrungen, die andere Christen mit Gott machten, kennen zu lernen. Die Christen müssten zusammenhalten und gemeinsam daran arbeiten, „den Migranten die Liebe Gottes, die von Jesus Christus offenbart wurde, zu zeigen. […] Wenn wir zusammenarbeiten, um die ökumenische Gastfreundschaft zu leben, insbesondere gegenüber denen, deren Leben am verwundbarsten ist, werden wir alle, alle Christen - Protestanten, Orthodoxe, Katholiken, alle Christen - bessere Menschen, bessere Jünger und ein geeinteres christliches Volk sein. Dies wird uns der Einheit, die Gottes Wille für uns ist, noch näherbringen“, so der Papst. (vn v. 19. 1.)

 

Im Zeichen des 75. Geburtstags von Kardinal Christoph Schönborn und des Gedenkens an die koptischen Märtyrer in Libyen stand am 14. Jänner der „Ökumenische Empfang“ des Wiener Erzbischofs anlässlich der Weltgebetswoche für die Einheit der Christen. Eindrucksvoller Auftakt war die Vesper im byzantinischen Ritus im Wiener Priesterseminar, die Michael Prohazka, ein „Pro Oriente“-Vorstandsmitglied, Vizerektor des „Collegium Orientale“ in Eichstätt und frühere Abt des Stiftes Geras, zelebrierte. Dabei wurde an jene 20 koptische Christen und an ihren ghanesischen Kollegen gedacht, die islamistische Terroristen im Februar 2015 ermordeten. Zahlreiche RepräsentantInnen der christlichen Kirchen Wiens, wie z.B. Kardinal Schönborn, der orthodoxe Metropolit Arsenios (Kardamakis), der evangelisch-lutherische Bischof Michael Chalupka und Domdekan Rudolf Prokschi, der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), nahmen daran teil. Im Hinblick auf die heutige Situation in der Ökumene unterstrich Kardinal Schönborn, dass es viele erfreuliche Ereignisse gegeben habe und nannte als Beispiele das 500-Jahr-Gedenken der Reformation 2017 oder im Vorjahr die 150-Jahr-Feier der Baptisten in Österreich. Besonders hob er eine Niederlassung der Bruderhof-Gemeinschaft aus der Tradition der Täufer („Hutterer“) im Weinviertel hervor. „Ich erlebe es als Geschenk, dass diese Gemeinschaft bei uns wieder Fuß fassen kann“. (kap u. vn v. 19. 1.)

 

In Kasachstan wurde ein Ökumenischer Rat der Kirchen gegründet. Darin sind die russisch-orthodoxe, die römisch-katholische und die evangelisch-lutherische Kirche vertreten. Dies bestätigte der Vorsitzende der römisch-katholischen Bischofskonferenz des Landes, Jose Luis Mumbiela Sierra, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur „Fides“. Die Initiative sei ein wichtiges „Zeichen der Einheit“. „Wir freuen uns sehr, dass die Idee Gestalt angenommen hat, denn dies ermöglicht uns auch, unsere Beziehungen in der Region zu verbessern". Die Liturgiesprache ist zwar Russisch, er möchte aber die Glaubensverkündigung auch in kasachischer Sprache fördern (vn v. 30. 1.)

 

Die internationale Kommission für den offiziellen theologischen Dialog zwischen der römisch-katholischen Kirche und den orientalisch-orthodoxen Kirchen tagt derzeit in der syrisch-orthodoxen Patriarchen-Residenz im libanesischen Atchaneh. Auch Kardinal Kurt Koch, Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen und Ko-Vorsitzender der internationalen Kommission, nimmt daran teil. Am 27. Jänner empfing der syrisch-orthodoxe Patriarch Mor Ignatios Aphrem II. die Kommissionsmitglieder und unterstrich die Bedeutung des Dialogs, der die Kirchen der „Einheit in Christus“ nähergebracht habe. Aphrem II. besuchte auch seinen syrisch-katholischen Amtsbruder Mor Ignatios Yousef III. Younan in dessen Amtssitz in Beirut. An diesem ökumenischen Treffen nahmen auch die beiden Ko-Vorsitzenden der katholisch-orientalisch orthodoxen Dialogkommission - Kardinal Koch und der koptisch-orthodoxe Metropolit Anba Kyrillos - und weitere Mitglieder der Dialogkommission teil. Yousef III. ging in seiner Ansprache auf den Heiligen Ephrem den Syrer ein, der schon vor 100 Jahren auch von der römisch-katholischen Kirche als Heiliger anerkannt wurde. Damit unterstrich er die Bedeutung des Heiligen im Hinblick auf die Annäherung der Kirchen. (kap u. vn v. 30. 1.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Aus Protest gegen das vatikanische Verbot der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare verlassen viele Belgierinnen und Belgier die Kirche. Das sagte der Bischof von Antwerpen, Johan Bonny, bei einer Onlinekonferenz und beklagte, dass die vatikanische Glaubenskongregation nicht vor der Veröffentlichung des Dokuments die Bischöfe und die vatikanische Familienbehörde miteinbezogen habe. Das Papier sei „theologisch schwach“ und zeuge von einer „Unfähigkeit, zeitgenössische Entwicklungen in der biblischen, der Sakramenten-und Moraltheologie“ aufzunehmen. „Es ist, als ob es in der Zeit von Pius XII. geschrieben wurde.“ Der Bischof verwies auf das Papst-Dokument „Amoris laetitia“ von 2016, das neue, positive Elemente in der Familienseelsorge propagiere. Es gebe eben „ verschiedene Möglichkeiten, einander zu lieben, aufeinander aufzupassen und Verantwortung in Kirche und Gesellschaft zu übernehmen“. Nach den Skandalen der vergangenen Jahre sei „entscheidend, das Vertrauen der Gläubigen wiederzugewinnen, und deshalb sagen wir belgischen Bischöfe ‚genug ist genug!‘ “. Er schäme sich für seine Kirche. Seiner Position hatte sich auch die Belgische Bischofskonferenz angeschlossen. Es gelte anzuerkennen, „dass sich die Zeiten geändert haben“, so Bonny. Es gehe nicht nur um Homosexuelle, sondern um alle, die anders zusammenleben, also auch Geschiedene etc. (religion.ORF.at; apa; kap u. kna v. 2. 5.)

     

  • Nach Schüssen auf die Bochumer Synagoge haben die Kirchengemeinden der Stadt ein Zeichen der Solidarität organisiert: Rund 50 Vertreter der evangelischen und römisch-katholischen Kirche hielten eine Nachtwache, wie das „Neue RuhrWort“ berichtet. „Als ich von den Schüssen in unserer Stadt und auf die Synagoge gehört habe, war ich fassungslos“, sagte Superintendent Gerald Hagmann. In dieser Situation sei wichtig zu zeigen, „dass uns unsere jüdischen Geschwister am Herzen liegen und wir als Glaubensgemeinschaften in Bochum füreinander da sind.“ Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen, Grigory Rabinovich, bedankte sich. „Wir haben uns dieses Land und diese Stadt, Bochum ausgesucht, hier ist unsere Heimat.“ Der Staatsschutz des Bochumer Polizeipräsidiums ermittelt und bittet um Hinweise. (vn u. kna v. 2. 5.)

     

  • Der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer befürwortet den Zugang von Frauen zu Weiheämtern in der römisch-katholischen Kirche. „Ich denke schon seit vielen Jahren, dass uns da etwas verloren geht. […] Ich halte es für notwendig, dass Frauen Zugang zu den Ämtern haben", sagte Pfeffer bei einer Online-Veranstaltung der katholischen Akademie „Die Wolfsburg". Er fordert einen fundamentalen Wandel des Priesterbildes. Im Rahmen der Veranstaltung diskutierte er unter anderem mit der Benediktinerin Philippa Rath aus der Abtei Sankt Hildegard in Rüdesheim-Eibingen, die im Februar das Buch „Weil Gott es so will" herausgegeben hatte. Darin erzählen 150 Frauen darüber, sich zur Priesterin oder Diakonin berufen zu fühlen. „Diese Berufungsgeschichten sind Leidensgeschichten," so Rath. Sie wies auf Spielräume im Kirchenrecht hin, die etwa in der Schweiz bereits genutzt würden. Dort leiteten Frauen Gemeinden. Philippa Rath ist Mitglied im Forum „Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche" im Reformprozess „Synodaler Weg“. (kna u.  katholisch.de v. 3. 5.)

     

  • Papst Franziskus hat den orthodoxen Christen und den römisch-katholischen Ostkirchen zum Osterfest gratuliert. „Ich sende unseren Brüdern und Schwestern der orthodoxen Kirchen und der katholischen Ostkirchen, die heute nach dem julianischen Kalender das Osterfest feiern, meine herzlichsten Glückwünsche“, so Franziskus, der insbesondere der Gemeinschaften gedachte, die „in besonders schwierigen Situationen“ leben. (vn v. 2. 5.)

     

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