Innerkirchliche Reformansätze: (Frauen, Zölibat, wiederverheiratet Geschiedene, Moral…)

Konfessionsverschiedene Ehepartner sollten bei der Eucharistie nicht getrennt werden, fordert der italienische Kardinal Francesco Coccopalmerio in einem Interview mit der Zeitung La Stampa. Nach Ansicht des ehemaligen Präsidenten des Päpstlichen Rates für Gesetzestexte gibt es keine „berechtige Notwendigkeit“, nichtkatholische Ehepartner von der Kommunion auszuschließen. Der Kardinal reagiert damit auf eine Anfrage der deutschen Bischofskonferenz. Ein „delikates Problem“ sei, dass nach katholischer Lehre beim Sakramenten-Empfang eine Gnadenvermittlung erfolge. Dieser Aspekt müsse mit dem Prinzip der Kircheneinheit abgewogen werden, wobei nach Aussage Coccopalmieros gerade im Fall von Eheleuten der gemeinsame Empfang der Kommunion ein Hoffnungszeichen mit Blick auf eine Vereinigung der Kirchen sein könnte. Einzige Voraussetzung ist für den Kardinal, dass die Nicht-Katholiken glauben, „dass das Brot und der Wein im Eucharistiesakrament Leib und Blut Christi", also der ganze Jesus Christus sind. Die sogenannte „Transsubstantiation“ – die wesenhafte Wandlung von Brot und Wein in Leib und Blut – müsse hingegen nicht unbedingt geglaubt werden. (vn v. 2. 8.; JA v. 12. 8.)

 

Kardinal Daniel DiNardo, Erzbischof von Galveston-Houston, hat eine Erklärung zu den Missbrauchsvorwürfen gegen den US-Erzbischof Theodore McCarrick abgegeben. In seinem Schreiben geht der Präsident der US-Bischofskonferenz scharf mit seiner Kirche ins Gericht: „Die Vorwürfe gegen Erzbischof Theodore McCarrick offenbaren ein schweres moralisches Versagen innerhalb der Kirche. Sie verursachen bei Bischöfen Wut, Trauer und Scham. Ich weiß, dass sie es bei mir tun.“ Sowohl die Missbräuche selbst, als auch die Tatsache, dass sie über Jahrzehnte hinweg geheim blieben, hätte auch den Opfern großes Leid zugefügt. Zugleich bat DiNardo die Opfer von sexuellen Übergriffen, sich zu melden und im Fall möglicher Straftaten auch die lokalen Behörden einzuschalten. „Unsere Kirche leidet unter einer Krise der Sexualmoral“, schreibt DiNardo abschließend. In der Zukunft wolle man aus den Fehlern der Vergangenheit lernen. (vn v. 2. 8.)

 

Im Katechismus der Katholischen Kirche steht ab sofort ein klares Nein zur Todesstrafe. Papst Franziskus hat eine Neuformulierung des Absatzes 2267 genehmigt, gab der Vatikan am 4. August bekannt. „Lange Zeit wurde der Rückgriff auf die Todesstrafe durch die rechtmäßige Autorität – nach einem ordentlichen Gerichtsverfahren – als eine angemessene Antwort auf die Schwere einiger Verbrechen und als ein annehmbares, wenn auch extremes Mittel zur Wahrung des Gemeinwohls angesehen.“ Heute gebe es jedoch „ein wachsendes Bewusstsein dafür, dass die Würde der Person auch dann nicht verloren geht, wenn jemand schwerste Verbrechen begangen hat“. Die Strafvollzugssysteme der einzelnen Staaten hätten sich dahingehend weiterentwickelt, dass den Angeklagten eine „pflichtgemäße Verteidigung“ garantiert und auch für eine „Besserung“ der Täter gearbeitet werde. Deshalb lehrt die Kirche, dass „die Todesstrafe unzulässig ist, weil sie gegen die Unantastbarkeit und Würde der Person verstößt, und setzt sich mit Entschiedenheit für deren Abschaffung in der ganzen Welt ein.“ Eine „harmonische Entwicklung der Lehre“ erfordere es, sich von Positionen zu verabschieden, „die heutzutage dem neuen Verständnis der christlichen Wahrheit entschieden zuwiderlaufen“, so Papst Franziskus. (vn v. 4. 8.; Die Furche v. 9. 8.; JA v. 12. 8.; KircheIn 09/2018)

 

In einem Interview mit der Monatszeitschrift „Kirche In“ sieht Miklós Beer, Bischof von Vác (Ungarn) positive Entwicklungen in der ungarischen Kirche: Er nennte den Einsatz von – oft verheirateten – 30 Laien als ständige Diakone, „von denen viele selbstständig eine Pfarre leiten“ sowie mehr als 500 sogenannter „Akholithen“, die in Seelsorge und Liturgie ihre Dienste einbringen: „Das zeigt, dass die Gemeinden sich bewegen, dass wir Schritt für Schritt aus der Sackgasse des Klerikalismus herauskommen.“ Und zum Zölibat sagt er: „Ich hoffe sehr, noch zu erleben, dass wir verheiratete Männer zu Priestern weihen dürfen.“ (Kirche In 08/2018)

 

Christliche Frauen in Indien haben mehr Präsenz in kirchlichen Gremien gefordert, um gezielter gegen sexuellen Missbrauch vorzugehen und für Gerechtigkeit zu sorgen. Etwa 100 Frauen einer indisch-christlichen Frauenbewegung gingen dafür auf die Straße. In einer nachfolgenden Pressemitteilung gaben sie bekannt, dass Frauen wegen der patriarchalischen Strukturen in der Kirche vernachlässigt würden. Sie schreiben: „Wir haben uns über Alter, Herkunft und christliche Konfession hinweggesetzt und Unzufriedenheit über den Mangel weiblicher Stimmen und Entscheidungsbefugnissen von Frauen in der Kirche geäußert“. Die engagierte Katholikin und Theologin Astrid Lobo Gajiwala in Mumbai zeigte sich gegenüber „Ucanews“ entsetzt vom Verhalten der indischen Bischofskonferenz. Eine Nonne hatte den römisch-katholischen Bischof Franco Mulakkal von Jalandhar im Punjab beschuldigt, sie zwischen 2014 und 2016 vergewaltigt zu haben. Dazu schweigen die Bischöfe. „Wir fordern, dass die Kirchenleitung dem Prälaten alle pastoralen Pflichten entzieht, um den Weg für eine unparteiische Untersuchung der Anschuldigung gegen ihn zu ebnen", sagte Gajiwala zu Ucanews. (ucanews u. vn v.16. 8.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Als erstes islamisches Land der Welt hat Pakistan den Brauch der Mitgift quasi verboten. Dem neuen Gesetz zufolge wird die Mitgift deutlich beschränkt, wenn auch nicht völlig abgeschafft. Die Regierung habe damit eine „historische Entscheidung" getroffen, die „wichtig für die Ärmsten der Nation" sei, sagte der Bischof von Hyderabad, Samson Shukardin, laut der Nachrichtenagentur „Fides“. Die Ausgaben für die Mitgift würden oft auf Kosten der täglichen Bedürfnisse gehen und besonders arme Familien nicht selten in Schulden stürzen. „Darüber hinaus ist materieller Reichtum sicherlich nicht der zentrale Aspekt der Ehe", betonte Shukardin. Er drängte das zuständige Ministerium, bei der Umsetzung des Gesetzes ein besonderes Augenmerk darauf zu legen, „dass keine Frau Gewalt ausgesetzt ist, weil sie keine ausreichende Mitgift mitgebracht hat". In Pakistan waren bisher Geschenke und Mitgift in der Heiratsurkunde dokumentiert sowie festgeschrieben, wie im Falle einer Scheidung zu verfahren wäre. Vor Pakistan haben in den vergangenen Jahren bereits Indien wie auch das säkular verfasste Bangladesch die Praxis des Forderns und Annehmens von Mitgift verboten. In traditionell orientierten Teilen der Gesellschaft wird sie jedoch weiterhin im Geheimen praktiziert. (fides u. kap u. vn v. 1. 12.)

     

  • Die „Römisch-Katholische Zentralkonferenz der Schweiz“ (RKZ), der Zusammenschluss der römisch-katholischen Kantonalkirchen, tritt offiziell für die Zulassung zum Priesteramt ein unabhängig von Zivilstand und Geschlecht. Auf Antrag der Landeskirche Baselland hat die Plenarversammlung der RKZ diese Zielsetzung in ihre Strategieplanung für die Jahre 2020 bis 2023 aufgenommen. Im gleichen Passus des Dokuments setzt sich die RKZ dafür ein, dass die Kirche den Frauen aufgrund ihrer gleichen Würde auch gleiche Rechte einräumt und das Volk Gottes an Entscheidungen beteiligt. Die Zustimmung der am 28. November per Videokonferenz abgehaltenen Plenarversammlung zu dem Antrag der Landeskirche Baselland erfolgte mit gut zwei Dritteln der Stimmen, teilte Landeskirchenratspräsident Ivo Corvini der Baselbieter Synode mit. Die Landeskirche Baselland ist seit ihrer Gleichstellungsinitiative von 2014 durch ihre Kirchenverfassung verpflichtet, sich für dieses Anliegen einzusetzen. (www.kirche-heute.ch v. 2. 12.)

     

  • Der theologische Dialog zwischen römisch-katholischer und orthodoxer Kirche sollte von Initiativen des gemeinsamen Zeugnisses begleitet werden. Das betonte der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. nach Angaben der Stiftung „Pro Oriente“ in der Liturgie zum Andreas-Fest im Istanbuler Phanar. Bei diesen „Initiativen des Zeugnisses" gehe es um Aktionen in gegenseitigem Vertrauen. An dem Gottesdienst in der St. Georgskathedrale nahm auch eine „brüderliche Delegation" aus dem Vatikan mit Kardinal Kurt Koch teil. Der nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) in Gang gekommene Dialog schreite mit „Beharrlichkeit, Realismus und vollem Vertrauen in die Göttliche Vorsehung" auf jenem Weg voran, der zum Ziel der so sehr ersehnten vollen Einheit führen werde. Das werde trotz der Einwände jener geschehen, die entweder den Wert der Theologie gering schätzten oder die Ökumene für eine Utopie hielten. Die jüngsten „tragischen Ereignisse der Gewalt im Namen Gottes und der Religion" machten den Wert und die Bedeutung des interreligiösen Dialogs deutlich. Der Patriarch ist überzeugt, dass die Ausarbeitung einer allgemein akzeptierten christlichen Anthropologie eine wichtige Unterstützung für die Beziehungen von orthodoxer und römisch-katholischer Kirche bedeuten würde. Denn erst dann werden die Kirchen auf dem Weg der Wahrheit und der Liebe, den Quellen wahren Lebens und wahrer Freiheit in Christus, voranschreiten. (kap v. 2. 12.)

     

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