Innerkirchliche Reformansätze: (Frauen, Zölibat, wiederverheiratet Geschiedene, Moral ..)

Die Kirche liegt nach Worten des Bamberger Erzbischofs Ludwig Schick „in vielfacher Weise in Trümmern". Daher brauche es „Bekehrung und Erneuerung", forderte er in seinem nun veröffentlichten Hirtenbrief: Es soll „nicht um eine neue Kirche gehen, sondern um die Erneuerung der Kirche Jesu Christi, die seit 2.000 Jahren besteht". Die systemischen Fehler sind zu beheben, wie es der „Synodale Weg“ und der von Papst Franziskus initiierte „Synodale Prozess“ wollten. Die Katholiken rief er auf: „Auftreten, nicht austreten!“. (domradio.de v. 4. 3.)

Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige fordert nachdrücklich, dass die Kirche „ständig der Umkehr bedarf und erneuert werden muss". Dies gelänge noch besser, „wenn Macht in unseren Reihen nicht so absolut und unkontrolliert ausgeübt werden könnte", mahnte er in einem „Brief zur österlichen Bußzeit": „Die Bestürzung und Scham über das, was an sexuellem und geistlichem Missbrauch unter uns ans Licht gekommen ist, macht sprachlos oder wütend. […] Hinzu kommen Erfahrungen, ungebührlich bevormundet oder sogar diskriminiert worden zu sein, auch das Ausbleiben notwendiger Reformen". Feige leitet auch die Ökumene-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz. (domradio.de v. 4. 3.)

Die Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz, Beate Gilles, betont die Notwendigkeit von Veränderungen in der Kirche. „Die von den Bischöfen in Auftrag gegebene MHG-Studie über die möglichen systemischen Faktoren der Missbrauchstaten hat dazu geführt, dass der Weg zu Reformen und Erneuerungen unumkehrbar ist", sagte sie in der Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischöfe. Mit Blick auf das römisch-katholische Eheverständnis sagte sie: „Es ist nicht falsch, ein Ideal zu formulieren. Aber die große Kunst ist es, das Ideal mit dem ganzen Leben in Einklang zu bringen und das Leben auch in seinen Brüchen wahrzunehmen." Die Generalsekretärin sprach sich auch für eine stärkere Rolle von Frauen in der römisch-katholischen Kirche aus. „Ich fand es immer traurig, wenn Frauen in die evangelische Kirche konvertierten, um ihrer Berufung folgen zu können und Pfarrerin geworden sind. […] Ich kenne auch viele Ordensschwestern, die die Berufung zur Priesterin spüren. Es sind Berufungen Gottes - und es gilt, sie ernst zu nehmen und ihnen Entfaltungsraum zu geben. […] Die Möglichkeit von Frauen zu predigen bereichert die Kirche. Gegenwärtig sind sie bei der Eucharistiefeier am Sonntag von diesem Dienst ausgeschlossen. Das ist ein Verlust." (kna v. 5. 3.)

In der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz im oberfränkischen Wallfahrtsort Vierzehnheiligen wird auch über den deutschen „Synodalen Weg“ gesprochen. Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick erhofft sich im Interview mit dem Portal katholisch.de „vertiefte, gute und von möglichst vielen akzeptierte Lösungen. […] Ich habe die Hoffnung, dass wir Bischöfe auf einer gemeinsamen Linie bleiben und die wichtigen Reformen gemeinsam durchführen“. Er plädiert für die Priesterweihe von verheirateten Männern (das sogenannte „viri probati“-Modell) und zeigt sich offen für den Diakonat der Frau. Der „Synodale Weg“ ist kein Sonderweg innerhalb der Weltkirche, denn „die Fragen, wie Amtsträger mit den Gläubigen umgehen, die Frage nach der Rolle von Frauen in der Kirche oder die nach den Herausforderungen des priesterlichen Dienstes, sind die gleichen. Sie werden andernorts auch diskutiert.“ Der Krieg in der Ukraine war ein weiteres Thema des Interviews. (katholisch.de u. vn v. 7. 3.)

Kardinal Maurice Piat von Port-Louis (Mauritius) hat die Weltsynode als eine „echte Erneuerung" der Kirche hervorgehoben. Der von Papst Franziskus ausgerufene Prozess sei „Gegengift für Klerikalismus", zitierten lokale Medien den Kardinal. Wolle die römisch-katholische Kirche auch in Krisenzeiten weiterhin eine Rolle spielen, sollte sie nach einem „gesünderen demokratischen Lebensweg" suchen. Dazu müsse sie sich eingestehen, dass sie selbst „Schwächen" habe, so Piat. (kap v. 7. 3.)

Die Synoden-Untersekretärin Nathalie Becquart hat Frauen für ihr Engagement in der Kirche und im Reformprozess gedankt. Frauen seien „oft die treibende Kraft hinter der Synodalität“, schreibt Becquart in einem Newsletter zum Weltfrauentag. „Der synodale Prozess ist eine wunderbare Gelegenheit, den Stimmen der Frauen Gehör zu verschaffen und ihre Erfahrungen, ihre Sensibilität und ihre Überlegungen in die Unterscheidung der Kirche einzubringen“. Auf diese Weise könne „dieser notwendige gemeinsame Weg von Männern und Frauen im Dienst an der Sendung der Kirche“ gestärkt werden. Die Weltbischofssynode im Oktober 2023 im Vatikan ist das Ziel des „Synodalen Prozesses“. (vn v. 8. 3.)

Anlässlich des Internationalen Frauentages rufen die Katholische Aktion (KAÖ), die Katholische Frauenbewegung (kfbö) und die Katholische Jugend (KJÖ) zur Überwindung stereotyper Frauen- und Männerbilder in Kirche und Gesellschaft auf. Das jesuanische Menschenbild unterscheide nicht „zwischen Mann und Frau, Sklaven und Freien“, betonte KAÖ-Vizepräsidentin Katharina Renner in einer gemeinsamen Aussendung: „Benachteiligung und Verfügungsgewalt über Frauen, die wir in Kirche wie Gesellschaft immer wieder erleben, laufen diesem Bild zuwider.“ Für Frauen in der Kirche gehe es zunächst darum, „gegen den Verfassungsfehler in der katholischen Kirche anzugehen“, um glaubwürdig zu sein im generellen Auftreten gegen Unrechtsstrukturen, bis hin zu Gewalt gegen Frauen, betonte Renner. „Biologismus bzw. die willkürliche Definition einer männlichen und weiblichen ‚Natur‘“ verursachten in Kirche „Unrechtsstrukturen“, erklärte kfbö-Vorsitzende Angelika Ritter-Grepl. KAÖ-Vizepräsidentin Brigitte Knell erinnerte an die Forderung nach der Zulassung von Frauen zu allen Ämtern in der römisch-katholischen Kirche. „Glaubwürdig von Gott zu erzählen, ist nicht an ein Geschlecht gebunden“. In der Aussendung verwies sie auch auf Initiativen von Frauen in der Kirche wie „Maria Magdalena&Co“, „bleiben-erheben-wandeln“, „Maria 2.0“ oder „Myrophorinnen“, die sich für die Gleichberechtigung von Frauen in der Kirche einsetzen. Magdalena Bachleitner, ehrenamtliche Vorsitzende der KJÖ, kritisierte in der Aussendung: „Die ausschließlich männliche Leitungsebene begünstigt neben sexualisiertem Missbrauch geschlechtsspezifische Gewalt.“ (kap v. 8. 3.)

Das „Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken“ hat den „Synodalen Weg“ verteidigt. Der Generalsekretär des Verbands, Georg Austen, antwortete auf einen kritischen Brief der nordischen Bischofskonferenz: „Wir als Bonifatiuswerk begrüßen nach wie vor den Synodalen Weg“. Es gehe „nicht darum, einem Zeitgeist nachzugehen, sondern um die Frage, wie das Evangelium zeitgerecht in die Welt von heute übersetzt werden kann. Und um die Frage, wie die Lebens- und Glaubensfragen der Menschen als Zeichen der Zeit gedeutet und wahrgenommen werden können.“ Der Synodale Weg sei kein „Debattierclub“, sondern „ein geistlicher Erneuerungsprozess der Kirche“. (vn v. 11. 3.)

Im Bistum Essen können erstmals Laien - und darunter Frauen - die Taufe spenden. Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck beauftragte in einem Gottesdienst 17 Pastoral- und Gemeindereferentinnen sowie einen Gemeindereferenten für diese sonst in der Regel Geistlichen vorbehaltene Sakramentenspendung. In seiner Predigt erläuterte er, dass die Taufe ursprünglich nur von Bischöfen gespendet worden sei. „Die Kirche hat in den vergangenen 2.000 Jahren immer wieder auf äußere Gegebenheiten reagiert", sagte die Leiterin der Abteilung Glaube, Liturgie und Kultur im Bistum Essen, Theresa Kohlmeyer. „Heute haben wir zum einen weniger Priester als früher, zum anderen aber auch ein hohes Bedürfnis der Tauffamilien nach einer möglichst individuellen Begleitung und Gottesdienst-Gestaltung." Auf diese Situation reagiere das Ruhrbistum. Die 18 neuen Taufspenderinnen und -spender üben den Angaben zufolge ihre neue Aufgabe zunächst auf drei Jahre befristet und im Rahmen einer kirchenrechtlichen Ausnahmegenehmigung aus. (domradio.de v. 14. 3.)

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat bei einer Festmesse zum 20-jährigen Bestehen von Queer-Gottesdiensten in München um Entschuldigung gebeten für die Diskriminierung Homosexueller durch die römisch-katholische Kirche. Als Bischof wolle er dafür einstehen, „dass wir Schritt für Schritt zu einer inklusiven Kirche werden". Dabei gelte es auch diejenigen mitzunehmen, denen das schwerfalle. Bei dem Gottesdienst in der Kirche St. Paul lag eine Regenbogenfahne auf den Altarstufen. Der Kardinal sagte, ihn hätten die Lebensgeschichten queerer Menschen tief berührt. Für Jesus gehe es um den Primat der Liebe. Alle zwischenmenschlichen Beziehungen müssten davon geprägt sein, dann sind sie auch von Gott angenommen. Beim Jubiläumsempfang im Pfarrsaal von St. Paul erinnerte Pastoralreferent Gerhard Wachinger dass die Queer-Gottesdienste seit 2002 das Werk Ehrenamtlicher gewesen sei, das Ordinariat sei nicht um Erlaubnis gefragt worden. Kardinal Marx sagte, er unterstütze die beim Reformprojekt „Synodaler Weg" von der Mehrheit angestrebte Neuakzentuierung der römisch-katholischen Sexuallehre. Der Kardinal zeigte sich überzeugt, dass der Ansatz einer Beziehungsethik richtig sei. Liebe, Verlässlichkeit und Treue könnten auch in nicht-heterosexueller Form ihren Ausdruck finden. Zugleich versicherte er, dass entsprechende Beschlüsse beim „Synodalen Weg", etwa zu Segensfeiern, in seiner Erzdiözese umgesetzt würden. (kna u. kap und andere v. 14. 3)

Der Bochumer Neutestamentler Thomas Söding mahnt Reformen in der römisch-katholischen Kirche ein. „Wir brauchen Reformen – jetzt“, sagte der Vizepräsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) im Paulusdom von Münster: „Es kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein, dass Frauen in allen Bereichen der Gesellschaft gleichberechtigt sind, aber in der Kirche nicht“. Auch die Art und Weise, in der die Kirche von Sexualmoral spreche, müsse erneuert werden. „Wir müssen sehen, […] wie sie mit ihren Traditionen, Riten, Dogmen und Ethik in einer pluralistischen Gesellschaft, die demokratische Strukturen entwickelt, Kirche sein kann.“ Seit den Zeiten der Apostel habe die Kirche immer wieder den Mut zu Neuem aufbringen müssen. Sehr häufig werde als „normativ“ angesehen, „was in der letzten oder vorletzten Generation die Kirche geprägt hat“. Da sei es „gut, einen längeren Atem zu haben, etwas weitere Horizonte zu öffnen, auf die Heilige Schrift zu schauen, sich mit der Kirchengeschichte zu beschäftigen“. Dann sehe man, wie unterschiedlich es gelingen könne, katholisch zu sein.“ (bistum-münster.de u. vn v. 17. 3.)

In der Auftaktveranstaltung zur Salzburger Vortragsreihe „Gemeinsam unterwegs: Synodalität als Möglichkeitsraum" weist Dietmar Winkler, Professor für Kirchengeschichte an der Uni Salzburg, auf synodale Versäumnisse auf regionaler und weltkirchlicher Ebene hin und analysiert die Spannung zwischen Primat und Synodalität: Auch jetzt schon gäbe es in der römisch-katholischen Kirche eine Reihe von Möglichkeiten, Synodalität verstärkt zu leben. Nur werden sie noch zu wenig genutzt. Mit der Vortragsreihe will die katholisch-theologische Fakultät den „Synodalen Prozess“, der Teil der Weltbischofssynode 2023 ist, auf wissenschaftlichem Niveau und mit ökumenischen Perspektiven begleiten und bereichern. Synodalität bedeute, gemeinsam einen Weg zu gehen, so Dekan Michael Zichy in seinen Grußworten: Ziel des Synodalen Prozesses sei es, allen Gläubigen Gelegenheit zu bieten, „aufeinander und auf den Heiligen Geist zu hören", wie es Papst Franziskus formuliert habe. Und daher seien auch alle Gläubigen, alle Gemeinden und Diözesen, aber auch Ordensgemeinschaften, Kurienbehörden, römisch-katholische Vereinigungen, Gemeinschaften und Fakultäten aufgerufen, jeweils für sich einen solchen synodalen Prozess zu unternehmen. „Synodalität ist das Wesen der Kirche als Gemeinschaft, sie drückt die vom Geist bewirkte Einheit in der Vielfalt aus", betonte Prof. Dietmar Winkler in seinem Vortrag. Daher sei es auch notwendig, „dass die Kirche als sichtbare Gemeinschaft synodale Strukturen auf allen Ebenen hat". Winkler ist u.a. Synodalitätsbeauftragter der Theologischen Fakultät Salzburg und Vorsitzender der Salzburger Pro Oriente-Sektion. Auf Diözesanebene gebe es Priesterräte, Diözesanräte, Pastoralräte und Diözesansynoden. Tatsächlich habe es aber seit den Diözesansynoden der 1970er-Jahre in Österreich keine solchen mehr gegeben und es wurde auf dieses synodale Element verzichtet. Eine Problematik liegt für Winkler auch darin, dass der einzige Gesetzgeber einer Diözesansynode der Diözesanbischof ist; die anderen Mitglieder der Synode hätten nur beratende Stimme. Gemeinsame Entscheidungsfindungsprozesse, Partizipation und Subsidiarität würden de facto nicht gelebt, bemängelte Winkler: Auf regionaler Ebene gäbe es gemäß Kirchenrecht Provinzial- und Plenarkonzile: Ein „Plenarkonzil“ ist ein Konzil für alle Kirchen derselben Bischofskonferenz. Das „Provinzialkonzil“ betrifft eine Kirchenprovinz. In Österreich werde leider nur die Bischofskonferenz als synodales Element aktiv. „Die Bischöfe beraten und entscheiden allein und unter sich und haben bisher die Notwendigkeit der synodalen Möglichkeiten von Provinzial- und Plenarkonzilen noch nicht erkannt", so der Theologe, der von einem „Versäumnis" sprach. Versäumnisse zeigten sich auch bei der Institution der Welt-Bischofssynode. Bis zur Familiensynode (2020) gab es 13 ordentliche und zwei außerordentliche Bischofssynoden gegeben, die allerdings weithin ohne nennenswerte Resonanz blieben, kritisierte Winkler. Den Grund dafür ortete er in Versäumnissen in den Verläufen und in der fehlenden Einbindung des Volkes Gottes in den Ortskirchen. Denn sowohl der Vorbereitungsprozess, also die Konsultation weiter Kreise der Gläubigen, als auch der Rezeptionsprozess und damit die Umsetzung und Implementierung der Ergebnisse, seien wesentliche Bestandteile einer Synode. „Ohne Vorbereitung und Umsetzung hat sie eigentlich gar nicht stattgefunden", so das überspitzte Fazit des Theologen. Das solle sich nun freilich mit der aktuellen Bischofssynode bzw. dem Synodalen Prozess ändern. (kap v. 17. 3.)

Der populäre Wiener Dompfarrer Toni Faber äußerte im Interview in der Kirchenzeitung „Der Sonntag" zu seinem 60. Geburtstag die Hoffnung, noch Reformen hinsichtlich des Frauenpriestertums und -diakonats erleben zu dürfen. Als er vor 40 Jahren zu studieren begann, habe er mit Frauenpriestertum und -diakonat in den nächsten 25 Jahren gerechnet. Sollte er hier noch etwas Entscheidendes erleben, würde es ihn „sehr freuen". Es gebe genügend Bedarf an guten Priestern und guten Priesterinnen, an guten Diakonen und Diakoninnen. In manchen traditionellen Verantwortungsbereichen könnten „Frauen mit ihren fantastischen Talenten und Fähigkeiten noch einmal sehr vieles neu einbringen", woran es Männern oft mangle. (kap v. 17. 3.)

Das vatikanische Presseamt hat das neue Grundgesetz des Vatikans veröffentlicht. Die „Apostolische Konstitution“ mit dem Titel „Praedicate Evangelium“ (Verkündet das Evangelium) ordnet die Kurie neu: Seit Jahren hat Papst Franziskus mit seinem Kardinalsrat an diesem Grundlagentext gearbeitet. Das Grundgesetz soll sicherstellen, dass die römische Kurie sich noch stärker als Dienstleisterin der Ortskirchen in aller Welt versteht. Alle zentralen Einrichtungen der Kurie mit Ausnahme des Staatssekretariats heißen künftig „Dikasterium“. Das bisherige päpstliche Almosenamt wird als Dikasterium für den Dienst der Nächstenliebe aufgewertet. Die Apostolische Konstitution gibt bezeichnenderweise der bisherigen Glaubenskongregation keine Sonderstellung mehr. Außerdem wird festgeschrieben, dass auch Laien - und damit auch Frauen - vatikanische Behörden leiten können. Es gehe darum, „die Ausübung des Dienstes der Kurie besser mit dem Weg der Evangelisierung in Einklang zu bringen, den die Kirche geht“. Die Präambel betont auch das Prinzip der Synodalität, das dem Papst besonders am Herzen liegt: In der „Kirche des Zuhörens“ könne jeder von jedem lernen. „Die Erneuerung der Kirche und in ihr auch der römischen Kurie muss diese grundlegende Gegenseitigkeit widerspiegeln. […] Die römische Kurie steht nicht zwischen dem Papst und den Bischöfen, sondern stellt sich in den Dienst beider.“ Außerdem wird betont, eine Kurienreform müsse „die Beteiligung von Laien und Frauen auch in leitenden und verantwortlichen Funktionen vorsehen“. Die Reform zielt auf eine „gesunde Dezentralisierung" der Kirche: Die Kurie solle den Bischöfen „die Kompetenz überlassen", als Hirten, Lehrer und Seelsorger „jene Fragen zu lösen, die sie gut kennen", sofern sie „die Einheit der Lehre, der Disziplin und der Gemeinschaft der Kirche nicht beeinträchtigen". Die Kurienreform „muss die Miteinbeziehung von männlichen und weiblichen Laien, auch in Rollen der Regierung und der Verantwortung, vorsehen”. Begründet wird dies damit, dass Getaufte im Laienstand wegen ihres Familienlebens, ihrer Kenntnis der Wirklichkeit und ihres Glaubens „die Wege Gottes in der Welt entdecken”. Der Präfekt, also Leiter einer Kurieneinrichtung, kann auch ein Nichtkleriker sein. Statt „Kardinal-Staatssekretär” leitet jetzt ein „Staatssekretär” das „Päpstliche Staatssekretäriat“, womit die Möglichkeit angedeutet ist, ein Mann ohne Priesterweihe oder eine Frau könnten eines Tages auch diese Rolle einnehmen, die seit jeher als die wichtigste an der Seite des Papstes gilt. Jede Ernennung von Priestern und Ordensleuten zu Präfekten, Sekretären und Untersekretären gelten nun für fünf Jahre und kann um weitere fünf Jahre verlängert werden. Nach spätestens zehn Jahren müssen die Priester und Ordensleute zurück in ihre Heimatbistümer oder Ordensgemeinschaften. Für Laien ist keine derartige Befristung vorgesehen. Kardinäle, Bischöfe, Priester, Ordensleute und Laien sollen so ausgewählt werden, dass sie die „Katholizität der Kirche” sichtbar machen, das heißt, aus verschiedenen Kulturkreisen und eben auch Lebensständen stammen. Darüber hinaus sollen alle, die an der Kurie arbeiten, dazu in der Lage sein, „die Zeichen der Zeit" zu erkennen. Auch innerhalb der Kurie will Papst Franziskus den Austausch und die Zusammenarbeit stärken. So sieht „Praedicate Evangelium” regelmäßige „Regierungssitzungen” der Kurienleiter mit dem Papst vor. Das Bischofsdikasterium soll künftig bei der Auswahl von Bischöfen nicht nur die Vorschläge der Ortskirchen und der Nuntiaturen hören, sondern darüber hinaus „auch in geeigneter Form Angehörige des Volkes Gottes in den jeweiligen Diözesen miteinbeziehen”. Das ist neu! Die Zusammenarbeit zwischen Laien und Priestern ist künftig ebenfalls Thema im Dikasterium, sodass beide ihr Bewusstein für die geteilte „Mitverantwortung für das Leben und die Sendung der Kirche” schärfen. Zusätzlich hat dieses Dikasterium nun die Aufgabe, „im Einvernehmen mit den anderen betroffenen Dikasterien die Vorschläge der Bischofskonferenzen zur Einrichtung neuer Ämter und kirchlicher Dienste, die Laien anvertraut werden sollen, entsprechend den Bedürfnissen der Teilkirchen zu bewerten und zu genehmigen.” Auch die Sorge um wiederverheiratete Geschiedene ist im Grundgesetz der Kurienreform als Aufgabe des Dikasteriums vermerkt. Für sie sollen – immer in Zusammenarbeit mit den Bischofskonferenzen - „Modelle der pastoralen Begleitung, der Gewissensbildung und der Integration” gesammelt und vorgeschlagen werden. Neben dem Staatssekretariat und den 16 Dikasterien gehören unverändert die drei Gerichtshöfe der Weltkirche zur Römischen Kurie: die Apostolische Pönitentiarie, die Apostolische Signatur und die Rota Romana, darüber hinaus verschiedene Wirtschaftsorganismen und weitere „Büros“ für verschiedene Aufgaben. (vn und zahlreiche Medien v. 19. u. 20. 3.)

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch schließt die Weihe von Frauen in der römisch-katholischen Kirche nicht kategorisch aus. „Ich kann mir Priesterinnen in der katholischen Kirche vorstellen“, sagte er der „Berliner Zeitung“. Dies müsse aber „in Einheit mit der Weltkirche“ geschehen. „Ich möchte nicht, dass von uns aus wieder eine Spaltung der Kirche ihren Ausgang nimmt.“ Grundsätzlich gelte es zu überdenken, „wie viel Gemeinsamkeit in der Kirche nötig ist und wie viel Verschiedenheit in ihr möglich und sinnvoll. Ich meine, dass mehr Verschiedenheit möglich wäre. […] Mein Vorschlag wäre, die Diakonenweihe für Frauen zu öffnen. Aber ich halte es auch für notwendig, dass wir die Frage, ob Frauen Priesterinnen werden können, auf universaler Ebene ins Gespräch bringen.“ Weiter kündigte Koch einen besonderen Berliner Gottesdienst für Homosexuelle an: „Wenn Homosexualität etwas Gegebenes ist und nicht anerzogen, ist auch sie ein Geschenk Gottes“. Auch „Segnungen homosexueller Paare kann ich mir gut vorstellen“. Und mit Blick auf die deutschen Waffenlieferungen an die Ukraine erläuterte er: „Wir sind grundsätzlich der Überzeugung, dass Waffen keinen Frieden schaffen. Aber auch das Recht, sich zu verteidigen, gehört zur christlichen Friedensethik.“ (kn a u. kap v. 23. 3.)