Innerkirchliche Reformansätze: (Frauen, Zölibat, wiederverheiratet Geschiedenene, Moral…)

Römisch-katholische Frauen aus den USA predigen im Internet: Eine Webseite mit Video-Predigten ist am 1. November in den USA an den Start gegangen. Das Portal www.catholicwomenpreach.org sieht eine Predigt – beginnend mit dem Advent – zu jedem Sonntagsevangelium vor, zu denen u.a. die US-amerikanische Dominikanerin Jamie Phelps predigt. Das englischsprachige Angebot versteht sich als „Inspiration und theologisch geprägte Ressource“ für Priester, Diakone und Katechisten, schreiben die Gründerinnen des Portals. Überdies soll die Predigt-Initiative die Stimme von Frauen und ihr Nachdenken über den Glauben hörbar machen. (www.de.radiovaticana.va v. 2. 11.)

 

Klärende Worte aus dem Vatikan zu den dogmatisch unhaltbaren Aussagen eines Priesters von „Radio Maria“: Im Rahmen einer Sendung des italienischen Radiosenders „Radio Maria“ hatte Pater Giovanni Cavalcoli gesagt, Gott habe die Italiener mit dem Erdbeben für die jüngst beschlossene Legalisierung von homosexuellen Lebenspartnerschaften strafen wollen. Der vatikanische Innenminister Erzbischof Angelo Becciu bezeichnete die Worte als „beleidigend für Gläubige und skandalös für Nicht-Gläubige“. Becciu entschuldigte sich bei den durch die schweren Erdbeben der vergangenen Woche obdachlos gewordenen Menschen. Der Papst sei ihnen nahe, versicherte der Erzbischof. „Wer von ,Radio Maria' aus von einer göttlichen Strafe spricht, beleidigt den Namen der Muttergottes“, sagte Becciu. Mittlerweile wurde der Pater vom Sender suspendiert. (ansa u. www.de.radiovaticana.va v. 5. 11.)

 

Eine Geste der Barmherzigkeit: Papst Franziskus besucht aus dem Amt geschiedene Priester, die geheiratet haben. Das gab der Vatikan am 11. November bekannt. Mit seinem Besuch habe der Papst seine Nähe und der Zuneigung zu diesen Männern bekunden wollen. Vier der jungen Familienväter stammten aus dem Bistum Rom, einer lebt in Sizilien. Papst Franziskus hatte sich seinerzeit als Erzbischof von Buenos Aires mit der Ehe von Priestern auseinanderzusetzen. In dem Interviewbuch „El Jesuita“ erzählte er, wie er als Bischof von Buenos Aires damit umging. „Priester geraten in Situationen, in denen sie sich verlieben, und das ist normal. Es ist eine schmerzvolle Situation und eine neue Gelegenheit, die Option für Gott zu erneuern. […] Sicher gibt es manchmal ein wirkliches Verliebtsein, und der Priester muss dann sein Priestertum und sein Leben neu überprüfen.“ Und manche bitten darum, den priesterlichen Dienst verlassen zu dürfen. „Ich bin der Erste, der einen Priester in diesem Augenblick seines Lebens begleitet; ich lasse ihn nicht allein, sondern begleite ihn auf seinem ganzen Weg, auch in der spirituellen Verarbeitung dessen, was er erlebt. Wenn er sich seiner Entscheidung sicher ist, dann helfe ich ihm auch, eine Arbeit zu finden. Was ich nicht durchgehen lasse, ist ein Doppelleben.[…] Wir suchen dann um eine Dispens nach, also um eine Erlaubnis aus Rom. Dann kann er auch das Sakrament der Ehe empfangen. Aber es darf nicht zu einem Skandal in der Gemeinde kommen; man muss auch auf die Mitglieder der Pfarrei Rücksicht nehmen. In Gottes Barmherzigkeit ist Raum für alle.“ (Die Zitate aus: Sergio Rubin und Francesca Ambrogetti: El Jesuita. Papst Franziskus - Mein Leben, mein Weg. Die Gespräche mit Jorge Mario Bergoglio. Herder 2013, S.108f.) (www.de.radiovaticana.va v. 11. 11.; KircheIn 12/2016; JA v. 20. 11.)

 

Für den Salzburger Erzabt Birnbacher kann eine Reform der römische-katholischen Kirche ohne "fähige Laien" nicht erfolgreich sein: „Eine rein priesterzentrierte Versorgungsstruktur hat längst ausgedient" sagt er in den „Salzburger Nachrichten" vom 14. November. (SN vom 14. 11.)

 

Die griechisch-orthodoxe Kirche von Alexandrien (Ägypten) will das Frauendiakonat wieder einführen. Das beschloss das Patriarchat im Rahmen der jüngsten Synodenversammlung unter Leitung des Patriarchen Theodoros II. Die Versammlung fand vom 15. bis 17. November statt, wie der vatikanische Fides-Dienst berichtet. Für die Wiedereinführung des Frauendiakonats wurde eine bischöfliche Kommission ernannt, „die diese Frage vertiefen soll“. Vor der Synodenversammlung erläuterte Metropolit Gregorios aus Kamerun die mögliche Rolle von Frauen im Diakonat bei der Missionstätigkeit in Afrika. In der Schlussbotschaft der Versammlung unterstrichen die Synodenmitglieder, dass „verschiedene Ansätze im Hinblick auf Fragen des Lebens der Kirche für uns keine Abweichungen von der orthodoxen Wahrheit sind, sondern eine Anpassung an die Realität in Afrika“. Die Diskussion über die Diakonweihe für Frauen wird seit längerem von theologischen Institutionen der kalzedonischen Orthodoxie geführt. Auch in der römisch-katholischen Kirche ist das ein Thema: Papst Franziskus setzte im August dieses Jahres eine Studienkommission ein, die sich mit dem Frauendiakonat befasst. (fides u. www.de.radiovaticana.va v. 19. 11.; JA v. 4. 12.)

 

Papst Franziskus hat einer teilweisen Rücknahme der Liturgiereform erneut eine Absage erteilt. Die Feier der Eucharistie nach dem tridentinischen Ritus in lateinischer Sprache bleibt die Ausnahme. (JA v. 20. 11.)

 

Papst Franziskus hat Priestern auch nach Abschluss des Heiligen Jahres erlaubt, den betroffenen Frauen durch das Bußsakrament die Abtreibung zu vergeben. Ursprünglich sollte dieses Zugeständnis nur für den Zeitraum des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit gelten. „Ich gewähre von nun an allen Priestern die Vollmacht, kraft ihres Amtes jene loszusprechen, welche die Sünde der Abtreibung begangen haben“, heißt es in dem Apostolischen Schreiben „Misericordia et misera“, das zum Abschluss des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit am 21. November veröffentlicht wurde. Papst Franziskus wisse um den Druck, der viele Frauen zu dieser Entscheidung geführt habe. Die Abtreibung sei zwar „eine schwere Sünde, da sie einem unschuldigen Leben ein Ende setzt“, jedoch gebe es keine Sünde, die durch die Barmherzigkeit Gottes nicht erreicht und vernichtet werden könne. Nach dem Kirchenrecht kann in Einzelfällen allerdings auch jetzt schon ein Priester im Beichtstuhl den Strafnachlass gewähren. Papst Franziskus blickte in einem langen Fernsehinterview mit dem italienischen Sender TV2000, auf das „Jahr der Barmherzigkeit“ zurück. Das Heilige Jahr habe wohl „keine spektakulären Dinge“ bewirkt, aber vieles angestoßen, so sein Eindruck. (religion.ORF.at u. dpa u. KAP v. 21. 11.)

 

Der Vatikan plant auch vor der nächsten Synode zu Fragen der Jugendpastoral eine Umfrage. Was mit dem Fragebogen beim synodalen Prozess zu Ehe und Familie vor zwei Jahren begonnen hat, wird damit zu einem fixen Bestandteil bei Bischofssynoden. Das Synodensekretariat kündigte am 23. November an, dass bald ein Fragebogen zum Synodenthema Jugendpastoral an Bischofskonferenzen und kirchliche Einrichtungen verschickt werde. (www.de.radiovaticana.va v. 23. 11.; JA v. 4. 12.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Als erstes islamisches Land der Welt hat Pakistan den Brauch der Mitgift quasi verboten. Dem neuen Gesetz zufolge wird die Mitgift deutlich beschränkt, wenn auch nicht völlig abgeschafft. Die Regierung habe damit eine „historische Entscheidung" getroffen, die „wichtig für die Ärmsten der Nation" sei, sagte der Bischof von Hyderabad, Samson Shukardin, laut der Nachrichtenagentur „Fides“. Die Ausgaben für die Mitgift würden oft auf Kosten der täglichen Bedürfnisse gehen und besonders arme Familien nicht selten in Schulden stürzen. „Darüber hinaus ist materieller Reichtum sicherlich nicht der zentrale Aspekt der Ehe", betonte Shukardin. Er drängte das zuständige Ministerium, bei der Umsetzung des Gesetzes ein besonderes Augenmerk darauf zu legen, „dass keine Frau Gewalt ausgesetzt ist, weil sie keine ausreichende Mitgift mitgebracht hat". In Pakistan waren bisher Geschenke und Mitgift in der Heiratsurkunde dokumentiert sowie festgeschrieben, wie im Falle einer Scheidung zu verfahren wäre. Vor Pakistan haben in den vergangenen Jahren bereits Indien wie auch das säkular verfasste Bangladesch die Praxis des Forderns und Annehmens von Mitgift verboten. In traditionell orientierten Teilen der Gesellschaft wird sie jedoch weiterhin im Geheimen praktiziert. (fides u. kap u. vn v. 1. 12.)

     

  • Die „Römisch-Katholische Zentralkonferenz der Schweiz“ (RKZ), der Zusammenschluss der römisch-katholischen Kantonalkirchen, tritt offiziell für die Zulassung zum Priesteramt ein unabhängig von Zivilstand und Geschlecht. Auf Antrag der Landeskirche Baselland hat die Plenarversammlung der RKZ diese Zielsetzung in ihre Strategieplanung für die Jahre 2020 bis 2023 aufgenommen. Im gleichen Passus des Dokuments setzt sich die RKZ dafür ein, dass die Kirche den Frauen aufgrund ihrer gleichen Würde auch gleiche Rechte einräumt und das Volk Gottes an Entscheidungen beteiligt. Die Zustimmung der am 28. November per Videokonferenz abgehaltenen Plenarversammlung zu dem Antrag der Landeskirche Baselland erfolgte mit gut zwei Dritteln der Stimmen, teilte Landeskirchenratspräsident Ivo Corvini der Baselbieter Synode mit. Die Landeskirche Baselland ist seit ihrer Gleichstellungsinitiative von 2014 durch ihre Kirchenverfassung verpflichtet, sich für dieses Anliegen einzusetzen. (www.kirche-heute.ch v. 2. 12.)

     

  • Der theologische Dialog zwischen römisch-katholischer und orthodoxer Kirche sollte von Initiativen des gemeinsamen Zeugnisses begleitet werden. Das betonte der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. nach Angaben der Stiftung „Pro Oriente“ in der Liturgie zum Andreas-Fest im Istanbuler Phanar. Bei diesen „Initiativen des Zeugnisses" gehe es um Aktionen in gegenseitigem Vertrauen. An dem Gottesdienst in der St. Georgskathedrale nahm auch eine „brüderliche Delegation" aus dem Vatikan mit Kardinal Kurt Koch teil. Der nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) in Gang gekommene Dialog schreite mit „Beharrlichkeit, Realismus und vollem Vertrauen in die Göttliche Vorsehung" auf jenem Weg voran, der zum Ziel der so sehr ersehnten vollen Einheit führen werde. Das werde trotz der Einwände jener geschehen, die entweder den Wert der Theologie gering schätzten oder die Ökumene für eine Utopie hielten. Die jüngsten „tragischen Ereignisse der Gewalt im Namen Gottes und der Religion" machten den Wert und die Bedeutung des interreligiösen Dialogs deutlich. Der Patriarch ist überzeugt, dass die Ausarbeitung einer allgemein akzeptierten christlichen Anthropologie eine wichtige Unterstützung für die Beziehungen von orthodoxer und römisch-katholischer Kirche bedeuten würde. Denn erst dann werden die Kirchen auf dem Weg der Wahrheit und der Liebe, den Quellen wahren Lebens und wahrer Freiheit in Christus, voranschreiten. (kap v. 2. 12.)

     

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