Ökumene

Etwa 20 Abgeordnete des Österreichischen Nationalrates und des Bundesrates aller Parteien sind zu einer ökumenischen Feier in die Wiener Hofburgkapelle gekommen. Geleitet wurde der Gottesdienst vom griechisch-orthodoxen Metropoliten Arsenios, dem römisch-katholischen Bischof Manfred Scheuer und dem evangelischen Bischof Michael Bünker. (JA v. 2. 10.)

 

Ein internationales Symposium zum Reformationsgedenkjahr plant die Päpstliche Universität Gregoriana vom 26. Februar bis 1. März 2017. Die Tagung steht unter dem Titel „Luther und die Sakramente. Eine katholische Relecture in ökumenischer Perspektive“, wie das Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik als deutscher Kooperationspartner am 4. Oktober in Paderborn mitteilte. Den Eröffnungsvortrag werde der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch, halten. Der Einheitsrat ist ebenfalls Mitveranstalter. Seit annähernd 50 Jahren sei im lutherisch-katholischen Dialog gezeigt worden, dass das „allein aus Gnade im Glauben an die Heilstat Jesu Christi“ nicht als Ausschluss der Sakramente und des sakramentalen Lebens der Kirche zu verstehen sei, sondern als ein „in der Bibel begründetes Miteinander von Rechtfertigung, Glaube, Sakramenten und Amt“. Katholiken und Lutheraner hätten gemeinsam gelernt, die überkommenen Vorurteile und die sich daraus entwickelnden Kontroversen zu überwinden. Zu den Referenten gehören international bekannte lutherische und römisch-katholische Theologinnen und Theologen. (www.de.radiovaticana.va u. kna v. 4. 10.)

 

Papst Franziskus feiert in Rom zusammen mit dem anglikanischen Primas Justin Welby eine ökumenische Vesper. Zu den Klängen des Kathedralchors von Canterbury und des Chores der Sixtinischen Kapelle des Vatikan beschworen Papst und Primas das Gemeinsame der Konfessionen und warben für einen neuen gemeinsamen missionarischen Geist. Mehrere Dutzend römisch-katholische und anglikanische Bischöfe aus vielen Teilen der Welt nahmen am 5. Oktober am interkonfessionellen Abendgebet in der Kirche St. Gregor teil. Die beiden Kirchenführer erteilten gemeinsam den Segen und erinnerten in einer Erklärung an das bahnbrechende Treffen ihrer Vorgänger Paul VI. und Erzbischof Michael Ramsey vor genau fünfzig Jahren. „Die Welt muss uns als gemeinsame Zeugen wahrnehmen, als Zusammenarbeitende im gemeinsamen Glauben an Jesus“, so der Text. „Wir sind ungeduldig, voranzukommen, um endlich zur Gänze geeint zu sein in der Verkündigung des Evangeliums […] Wenn wir als Jünger Christi unseren Dienst gemeinsam tun, dann arbeiten wir gleichzeitig an beidem, an der christlichen Einheit und der Einheit der Menschheitsfamilie. Wir anerkennen uns dadurch gegenseitig als Geschwister, die zu unterschiedlichen Traditionen gehören, aber vom selben Evangelium zur selben Mission in der Welt angetrieben werden. […] Wir haben die Freude, gemeinsam das Herz des Glaubens anzuerkennen und zu feiern. Konzentrieren wir uns von neuem darauf, ohne uns ablenken zu lassen und ohne uns von der ursprünglichen Frische des Evangeliums zu entfernen! Von dort rührt unsere gemeinsame Verantwortung her, die eine und einzige Mission, nämlich dem Herrn und der Menschheit zu dienen.“ Der anglikanische Primas von Canterbury sagte während der Liturgie: „Wir sind Schafe, und unser Hirte ist Gott selbst, darin liegt unsere ganze Hoffnung, unsere Sicherheit, dass die Kirche alle Kämpfe und Schwierigkeiten überstehen wird. […] Aber wir wissen auch, dass wir dazu berufen sind, seine Hände und Füße und sein Mund zu sein. Der Mund, der ruft, die Hände, die zusammenführen, die Füße, die jedes Hindernis überwinden, um das verlorene Schaf zu finden und nach Hause zu bringen.“ (www.de.radiovaticana.va v. 5. 10.)

 

Der Vorsitzende der Ökumene-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, der Bischof von Magdeburg Gerhard Feige, würdigt die Gespräche zwischen der Bischofskonferenz und dem lutherischen Weltbund (LWB). Im Vorfeld des Reformationsgedenkjahres 2017 war Feige Anfang Oktober zu Gesprächen mit dem LWB in Genf. „Es ist gut, dass die Deutsche Bischofskonferenz vor diesem wichtigen Ereignis […] mit dem Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes, Pfarrer Martin Junge, Gespräche führt und ein direkter Austausch über die Planungen zum 500. Jahrestag der Reformation stattfindet […] Die Begegnungen am Sitz des LWB in Genf werden unsere beiderseitige Verbundenheit weiter festigen“, so Feige. (www.de.radiovaticana.va v. 8. 10.)

 

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, würdigt die Reformation. „Die Reformatoren haben es verstanden, Gottes Wort in die Sprache der Menschen zu übersetzen, und der Bibel einen hohen Stellenwert im kirchlichen Leben eingeräumt“, sagte Marx dem evangelischen Magazin „chrismon“. Dies habe zu einer „Aufwertung der Heiligen Schrift“ geführt. Der Weg der Ökumene zur Einheit der Kirchen sei „unumkehrbar“. „Ich finde es richtig und wertvoll, dass wir uns bewusstmachen, was uns schon eint.“ Der Münchner Erzbischof ermutigte Angehörige beider Kirchen, weiter im Dialog zu bleiben, „sowohl in Fragen der Theologie als auch in Bezug auf die praktische Zusammenarbeit“, etwa im Bereich der Flüchtlingshilfe. (www.de.radiovaticana.va u. kna v. 23. 10.)

 

Ein starkes ökumenisches Zeichen in Kairo: Kardinal Christoph Schönborn hat am 23. Oktober gemeinsam mit dem koptisch-katholischen Patriarchen Ibrahim Isaac Sidrak eine Messe in der koptisch-katholischen Herz-Jesu-Kirche gefeiert, an der auch der koptisch-orthodoxe Bischof von Österreich, Anba Gabriel, teilnahm. Dass ein koptisch-orthodoxer Bischof an einem Gottesdienst der mit Rom unierten koptischen Kirche teilnimmt, wäre vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen. Patriarch Sidrak wie auch Bischof Gabriel zeigten sich im Anschluss an die Messe gegenüber „Kathpress“ zuversichtlich, dass sich die Beziehungen zwischen den Kirchen künftig deutlich verbessern werden. Auch der Salzburger Ostkirchen-Experte Prof. Dietmar Winkler sprach in Kairo gegenüber „Kathpress“ von deutlichen Zeichen, dass sich die koptisch-orthodoxe Kirche künftig noch mehr dem ökumenischen Dialog öffnen werde. Während es in Ägypten rund zehn Millionen koptisch-orthodoxe Christen gibt, beläuft sich die Zahl der koptisch-katholischen Gläubigen laut optimistischen Schätzungen auf maximal 200.000. Allerdings ist die kleine Kirche im Bildungs-, Sozial- und Gesundheitsbereich sehr aktiv. (www.de.radiovaticana.va u. kap v. 24.10.; JA v. 6.11.)

 

Eigentlich ist Martin Luther schon von drei Päpsten rehabilitiert worden, sagte der Ökumene-Beauftragte Kurienkardinal Kurt Koch. Schon Papst Johannes Paul II. hat bei seinem Deutschlandbesuch betont, „dass wir viel lernen können von Luther“, erinnerte sich der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen am 26. Oktober. „Dann haben wir die schöne Rede von Papst Benedikt XVI. in Erfurt, wo er sagte, das größte Anliegen Luthers sei die Gottesfrage gewesen […] Das ist für mich auch das Wichtigste […und das,] was wir aus der Theologie und den Sorgen Luthers lernen können.“ Und dann kämen noch die zahlreichen positiven Äußerungen von Papst Franziskus hinzu, besonders in Hinblick auf einen späteren Aufenthalt in Lund. (JA v. 6. 11.)

 

Etwa achthundert Jahre nach der Verfolgung der Katharer hat ein französischer Bischof um Vergebung gebeten. In der Nähe der Festung von Montségur am Fuß der Pyrenäen feierte Bischof Jean-Marc Eychenne von Pamiers einen Sühnegottesdienst. Damit erinnerte er an die Verbrennung von 220 Katharern am 16. März 1244. Die Katharer galten wegen ihrer Ablehnung der kirchlichen Hierarchie und Sakramente als Ketzer. Verbrannt wurden 220 Anhänger der Buß- und Armutsbewegung, weil sie sich weigerten, ihrem Glauben abzuschwören. „Wir haben uns darum bemüht, zu unterscheiden, welche Geste der Barmherzigkeit wir tun könnten“, so Bischof Eychenne. Das Vorgehen gegen die Katharer sei zwar lange her, aber „extrem grausam“ gewesen und daher immer noch im kollektiven Gedächtnis präsent. Der Bischof betonte, dass die römisch-katholische Kirche seit der Katharer-Verfolgung einiges dazugelernt habe. (apic u. la croix u. www.de.radiovaticana.va v. 17. 10.)

 

Es ist das erste Mal, dass der „Joseph-Ratzinger-Preis“ an einen orthodoxen Theologen geht: Der Grieche Ioannis Kourempeles wird – zusammen mit dem Mailänder Theologie-Historiker Inos Biffi – dieses Jahr ausgezeichnet, gab die Vatikanzeitung „L’Osservatore Romano“ am 17. Oktober bekannt. Kourempeles ist Professor für Dogmatische und Symbolische Theologie an der Theologischen Fakultät der Universität von Thessaloniki. Er studierte Theologie zeitweise auch an den Fakultäten von Erlangen und Heidelberg. Der Preis ist mit 50.000 Euro dotiert. Ausgezeichnet werden jährlich besondere wissenschaftlich-theologische Leistungen im Kontext des Gegenwartsdiskurses. Der Stiftungsfonds wird aus Erlösen der Werke Joseph Ratzingers sowie aus öffentlichen und privaten Spenden gespeist. (or u. www.de.radiovaticana.va v. 17. 10.)

 

Der emeritierte Wiener Weihbischof Helmut Krätzl plädiert dafür, das anstehende Reformationsgedenken nicht nur als Festjahr zu begehen, sondern es zu nutzen, um der Ökumene einen neuen Schwung zu geben. Fortschritte erhofft er sich bei der Frage der Eucharistiegemeinschaft: Ein gemeinsames Papier zu der Frage sei „längst überfällig“ - schließlich seien die theologischen Vorarbeiten schon weit gediehen, „aber es fehlt die letzte Konsequenz“. Für diese erhoffe er sich nun den Rückenwind des Reformations-Gedenkjahres, so Krätzl im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Kathpress. Konkrete Fortschritte seien umso dringlicher, wenn man bedenkt, dass der zentrale, bis dato kirchentrennende Stolperstein - die Frage der Rechtfertigung - mit einer gemeinsamen Erklärung bereits 1999 aus dem Weg geräumt wurde. Damals habe Kardinal Walter Kasper die Hoffnung geäußert, dass ein ähnliches Dokument zur Eucharistie bald folgen könne, erinnerte sich Krätzl. Nachdem nun 17 Jahre ins Land gegangen seien, sei es dringend Zeit, an dieses ökumenische Ziel zu erinnern: „Ich glaube, da ist das kommende Luther-Jahr ein guter Ansporn, in diese Richtung einen Schritt weiterzugehen.“ In dem Interview betont der lutherischer Bischof von Österreich, Michael Bünker, dass bei aller Feierlichkeit zugleich auch das Bedauern über die Kirchenspaltung und die damit einhergehende gegenseitige Gewalt im Mittelpunkt stehen müsse. „Wir sollten einander auch unsere Schuld eingestehen“. Zugleich gelte es, dankbar auf den ökumenischen Dialog der vergangenen Jahrzehnte zu blicken. (www.de.radiovaticana.va u. kap v. 14. 10.)

 

Vor dem Papstbesuch in Schweden am 31. Oktober haben die skandinavischen römisch-katholischen Bischöfe ihren Willen zur Ökumene bekräftigt. Zusammen mit den lutherischen Brüdern und Schwestern wollten sie den eingeschlagenen „Weg der Versöhnung“ gehen, heißt es in einem am 15. Oktober in Kopenhagen veröffentlichten Hirtenwort der Bischöfe. Darin weisen die skandinavischen Bischöfe darauf hin, dass sich die Kirchen angenähert hätten. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil hätten sich die Katholiken für vieles geöffnet, was für evangelische Christen wichtig sei, darunter die Bedeutung des gemeinsamen Priestertums aller Gläubigen. Umgekehrt öffneten sich viele evangelische Christen für römisch-katholische Auffassungen: So würden viele die Bedeutung Mariens als Gottesmutter und Vorbild im Glauben anerkennen. (www.de.radiovaticana.va u. kna v. 15. 10.)

 

Eine hochrangige ökumenische Delegation bricht am 16. Oktober zu einer einwöchigen Pilgerreise ins Heilige Land auf. Das Besondere daran: Hier sind Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz und des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) mit dabei. Das macht diese Reise zu einer Premiere. Die Tour steht im Zusammenhang mit dem Reformationsgedenken 2017. Einer der römisch-katholischen Teilnehmer ist der Trierer Bischof Stephan Ackermann. „Das ist nun wirklich etwas ganz Besonderes, zum ersten Mal eine solche Pilgerreise anzutreten […] In früheren Zeiten wurden Reformationsjubiläen von beiden Seiten auch zur Profilierung genutzt, zur Abgrenzung – und jetzt zu sagen, wir setzen diesen gemeinsamen Akzent, das ist – glaube ich – wirklich ein starkes Zeichen,“ sagte Ackermann. (www.de.radiovaticana.va v. 16. 10.)

 

Ökumene beschränkt sich nicht auf das Lösen theologischer Probleme, so wichtig diese auch sein mögen. Sie braucht auch das gemeinsame Beten und Helfen. Das sagte Papst Franziskus am 12. Oktober den Sekretären der Konferenz der „Christian World Communions“. In dieser Vereinigung treffen sich verschiedenste christliche Gruppen und Gemeinschaften: Neben dem Päpstlichen Einheitsrat sind Anglikaner und Orthodoxe, Pfingstler und Adventisten, Altkatholiken und Lutheraner, die Heilsarmee und eine ganze Reihe von christlichen Vereinigungen und Konferenzen vertreten. Der Papst betonte: “Wir meinen oft, dass der Einsatz für die Ökumene nur der der Theologen sei. Ja, es ist wichtig, dass die Theologen studieren, dass sie Übereinstimmungen feststellen und Unterschiede feststellen.“ Aber gleichzeitig ist auch das Gebet für die Einheit wichtig; „genauso wichtig sei aber auch die Ökumene des Einsatzes für die Bedürftigen“.” (www.de.radiovaticana.va v. 12. 10.)

 

Papst Franziskus und der emeritierte Papst Benedikt XVI. haben den ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. von Konstantinopel als Mann des Glaubens und Brückenbauer gewürdigt. Beide verfassten je einen Beitrag für eine Festschrift zu seinem 25-jährigen Amtsjubiläum. Papst Franziskus erinnert sich in seiner Würdigung an die erste Begegnung zu Pontifikatsbeginn mit dem Patriarchen, als sich die beiden „mit ehrlicher Zuneigung“ und „wechselseitigem Verständnis“ umarmten. Mit seiner Person und seinem Handeln drücke Bartholomaios I. „all die tiefe menschliche und spirituelle Erfahrung der orthodoxen Tradition“ aus. Die anschließenden Begegnungen der beiden in Jerusalem, Rom und Konstantinopel hätten ihre „spirituelle Nähe verstärkt“ und das „gemeinsame Bewusstsein um die gemeinsame pastorale Verantwortung“ angesichts aktueller Herausforderungen der Christenheit und der Menschheit vertieft. Die Kirchen Roms und Konstantinopels seien durch ein „tiefes altes Band“ verbunden; dieses hätten selbst „Jahrhunderte des Schweigens und der Missverständnisse“ nicht zerrissen. Heute vereine die beiden Kirchen der Wunsch nach Einheit. Dies finde in den beiden ökumenischen Erklärungen von Jerusalem und Konstantinopel Niederschlag, die bei der Begegnung der beiden Kirchenführer auf den Papstreisen ins Heilige Land und in die Türkei unterzeichnet wurden. Der „Schrei unserer Brüder und Schwestern“ verpflichte beide Kirchen dazu, den Weg der angestrebten Einheit umso schneller zu beschreiten. Benedikt XVI. würdigte Bartholomaios I. in seinem Beitrag zur Festschrift als „wahrhaft ökumenischen Patriarchen“. Besonders berührt habe ihn, dass der Patriarch ihm auch nach seinem Rücktritt persönlich verbunden geblieben sei, so Benedikt XVI. Der Patriarch habe ihn sogar an seinem Wohnsitz in den Vatikanischen Gärten besucht. In seinem Appartement bewahre er viele Erinnerungstücke auf, die er von ihm geschenkt bekommen habe. Ein weiterer Autor der Festschrift zum 25-jährigen Amtsjubiläum des Ökumenischen Patriarchen ist u.a. der britische Rabbiner David Rosen. (www.de.radiovaticana.va u. kna v. 12. 10.)

 

Papst empfängt junge Luther-Pilger: Etwa 1.000 Jugendliche aus den Luther-Bundesländern Deutschlands waren in der Audienzhalle versammelt, der Zielpunkt ihrer Reise ‚Mit Luther zum Papst’. „Wir danken Gott dafür, dass wir – Lutheraner und Katholiken – heute gemeinsam auf dem Weg vom Konflikt zur Gemeinschaft unterwegs sind“, würdigte Papst Franziskus am 13. Oktober erneut die Ökumene mit den Reformierten, wobei das „auf dem Weg sein“ in diesem Fall ganz wörtlich gemeint war. Mitgebracht hatten die Pilger 95 Thesen zur Ökumene, die sie während der Reise erarbeitet hatten und dem Papst überreichten. „Wir haben gemeinsam bereits einen wichtigen Teil des Weges zurück gelegt“, kommentierte der Papst. Schmerz über die immer noch bestehende Trennung sei genauso dabei wie auch Freude über die wieder gefundene Geschwisterlichkeit. „Eure so zahlreiche und enthusiastische Präsenz ist ein Zeichen genau dieser Geschwisterlichkeit, und sie erfüllt uns mit Hoffnung, dass das gegenseitige Verständnis wächst.“ Und zum Schluss stellte der Papst noch eine Scherzfrage auf Deutsch: „Ich möchte auch eine Frage stellen: Wer ist besser? Die Evangelischen oder die Katholischen?“ und auf Deutsch sagte Franziskus: „Besser sind alle zusammen.“ (www.de.radiovaticana.va v. 13. 10.; JA v. 23. 10.)

 

Die Georgien-Reise des Papstes zu Oktober-Beginn war nach Ansicht des Schweizer Kurienkardinals Kurt Koch ungeachtet vereinzelter Proteste ein ökumenischer Fortschritt. „Ich bin überzeugt davon, dass der Besuch die bestehenden freundschaftlichen Beziehungen vertieft hat“, sagte er in einem Interview in der vatikanischen Tageszeitung „L'Osservatore Romano“. Die Demonstranten und das Nichterscheinen einer georgisch-orthodoxen Delegation zur Messe mit Franziskus in Tiflis minderten nicht die große Bedeutung der Reise, so der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen. Die georgisch-orthodoxe Kirche gilt als einer der schwierigsten ökumenischen Dialogpartner des Vatikans. (www.de.radiovaticana.va u. kap v. 12.10.)

 

Luthers Thesen wären heute „reformkatholisch“, sagt der Bochumer Neutestamentler Thomas Söding. Aber an manchen Stellen habe Martin Luther leider übertrieben und sich unnötig radikalisiert. Luthers Kritik hätte eine konstruktive Antwort verdient, die aber die Kirchenleitung nicht gegeben habe, schreibt Söding in einem Beitrag für die Wiener Kirchenzeitung "Der Sonntag". Luther habe sich dann radikalisiert und von der großen Mehrheit der Kirche isoliert. „Nötig wäre das nicht gewesen", so der Theologe, der von 2004 bis 2014 der päpstlichen Internationalen Theologenkommission angehörte. Den Kern von Luthers Kritik umschreibt Söding folgendermaßen: Der Ablass, wie er damals gepredigt wurde, widerspreche der Bibel, denn er schreibe der Kirche und besonders dem Papst ein Recht zu, das ihm nicht zustehe und führe zu einer Veräußerlichung des Glaubens sowie zu angemaßter Autorität. Nach Worten Södings gibt es heute zwar charakteristische Unterschiede zwischen evangelischer und römisch-katholischer Rechtfertigungslehre; „aber sie trennen die Kirchen nicht, sondern verbinden sie auf eine spannende Weise". Der Theologe verwies auf die "Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre", die am 31. Oktober 1999 in Augsburg von der römisch-katholischen Kirche und dem Lutherischen Weltbund unterzeichnet wurde. „Luther hätte sich gefreut." Gegen „gute Werke" könne niemand etwas haben, der bei klarem Verstand sei. „Gottes- und Nächstenliebe gehören zusammen. Aber wer Gutes tut, um vor anderen als gut zu erscheinen, ist ein Heuchler," meinte Söding. Jesus habe das in der Bergpredigt gesagt, und auch Paulus habe es „an einem empfindlichen Punkt konkretisiert". Luther habe theologisch Recht, wenn er die Heilshoffnung nicht von guten Taten abhängig macht, sondern umgekehrt die Werke der Liebe als Konsequenz des Glaubens erkennt. (www.katholisch.de u. KNA vom 7. 10.)

 

Zum bevorstehenden Start des „500. Reformationsjahres“ am 31. Oktober haben die Spitzenvertreter der evangelischen und der römisch-katholischen Kirche in Deutschland betont, dass beide Kirchen auf einem guten ökumenischen Weg sind. „Wir gehören zusammen. Das ist vielleicht noch nicht die volle Einheit mit eucharistischer Mahlgemeinschaft, aber es ist doch nicht einfach eine Uneinigkeit der Kirchen“, betonte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, am 10. Oktober in München. „Da ist schon etwas sehr Starkes da […] Ich hoffe, dass ich das noch erlebe, dass eine noch größere Gemeinsamkeit entsteht.“ (kna u. www.de.radiovaticana.va v. 10. 10.)

 

Die Vereinigte Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands und der Lutherische Weltbund veröffentlichen eine Studie unter dem Titel „Sichtbare Einheit der Kirche in lutherischer Perspektive“. Ergebnis der Studie ist, dass „gesamtchristliche Verbundenheit sich nicht nur im engen Bereich von Amtsstrukturen, theologischer Lehre und liturgisch-sakramentaler Praxis artikuliert, sondern auf allen Ebenen kirchlichen Lebens gestaltet und gepflegt werden kann, auch ohne dass dabei schon volle sichtbare Einheit gegeben sein müsste“. (www.de.radiovaticana.va v. 11. 10.)

 

Papst Franziskus wendet sich entschieden gegen die Bekehrung orthodoxer Christen zum Katholizismus. „Es gibt eine große Sünde gegen die ökumenische Bewegung: das Bekehren“, sagte er am 1. Oktober während seines Besuchs in Georgien: „Ihr solltet niemals Orthodoxe bekehren, sie sind unsere Brüder und Schwestern, Jünger von Jesus Christus“. In Georgien leben nach vatikanischen Angaben 112.000 Katholiken, die meisten sind Angehörige der römisch-katholischen Ostkirchen. (religion.ORF.at/dpa vom 1. 11.)

 

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Nach dem Nein des Vatikan zu einer Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren fordert der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck „eine ernsthafte und zutiefst wertschätzende Neubewertung der Homosexualität". Die bloße Wiederholung der „Wertung von Homosexualität auf naturrechtlicher Basis" werde heute nicht mehr verstanden und auch nicht mehr akzeptiert, schreibt er in einem Brief an alle Pfarreien. Gerade in den Zuschriften vieler SeelsorgerInnen komme „eine offene Ablehnung der lehramtlichen Position zum Ausdruck, die nicht mehr ignoriert werden darf". Bei aller Wertschätzung von Schriftzeugnis, Lehramt und Tradition müsse es um eine „Übersetzung der Zeichen der Zeit" gehen. Die gesamte Tradition sei „als ein lebendiges Geschehen zu begreifen". Gerade die Segensfeiern seien entstanden aus der seelsorglichen Begleitung der betroffenen Menschen. „Über das Gute ihres Lebens einen Segen zu sprechen, der nicht einer Trauung ähnelt, wohl aber Zeichen der Begleitung ist, soll doch zeigen: Im Namen der Kirche ist Gott in dieser Beziehung gegenwärtig." Ähnlich 2600 Geistliche in Deutschland, zahlreiche Priester in Österreich, sowie die österreichischen Bischöfe Wilhelm Krautwaschl (Graz-Seckau), Josef Markets (Gurk-Klagenfurt), Hermann Glettler (Linz) und der Antwerpener Bischof Johan Bonny. (kna u. zahlreiche Medien ab. 20. 3.)

     

  • Im Irak tätige religiöse Organisationen haben anlässlich der Papstreise vom 5. bis zum 8. März ein gemeinsames Statement für Solidarität, Geschwisterlichkeit und interreligiösen Dialog unterzeichnet. In der interreligiösen Erklärung verpflichten sich die Organisationen, Diskriminierung und Missionierung abzulehnen, die kulturellen Werte und Überzeugungen anderer zu respektieren, den sozialen Zusammenhalt zu fördern und die Zusammenarbeit bei der Hilfe für Bedürftige zu stärken. Sie rufen zudem die Internationale Gemeinschaft auf, dem irakischen Volk zu helfen, die gegenwärtigen Herausforderungen „in einem wahren Geist der menschlichen Geschwisterlichkeit und Solidarität“ zu bewältigen. Die Erklärung unterschrieben unter anderem mehrere Caritas-Einrichtungen, die christlich-muslimische Adyan-Stiftung, Islamic Relief Worldwide und der Lutherische Weltbund. Schon in seiner Enzyklika „Fratelli tutti“ habe Papst Franziskus daran erinnert, dass sich keiner allein retten könne, heißt es in dem Manifest. Als positives Beispiel interreligiöser Zusammenarbeit verweisen die Unterzeichner auf das Abu Dhabi-Dokument von 2019 zur Brüderlichkeit aller Menschen hin , das Papst Franziskus und Großimam Ahmad Mohammad Al-Tayyeb unterzeichneten. „Als glaubensbasierte Organisationen schließen wir uns vollständig dieser Botschaft der Geschwisterlichkeit und des Dialogs an“. (vn v. 3. 3.)

     

  • Die Enzyklika „Fratelli tutti“ über Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft steht im Zentrum eines Web-Seminars, bei dem weibliche Führungspersönlichkeiten unterschiedlicher Religionen und Kulturen zu Wort kommen. Organisiert wurde das ökumenische und interreligiöse Seminar von der Weltunion katholischer Frauenverbände (WUCWO) anlässlich des internationalen Weltfrauentags am 8. März. Zwei Vatikangremien wirken dabei mit: der weibliche Beraterstab des päpstlichen Kulturrates und der Päpstliche Rat für Interreligiösen Dialog. Neben einer Videobotschaft der ehemaligen UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova, die als weibliches Mitglied im „Hohen Komitee für die Brüderlichkeit unter den Menschen“ im islamisch-christlichen Dialog engagiert ist, sind Beiträge weiterer Vertreterinnen aus Christentum, Judentum und Islam, Buddhismus und Hinduismus vorgesehen. Das Wort ergreifen etwa die Soziologieprofessorin und Vatikanberaterin Consuelo Corradi, Leiterin des Frauenrates im Päpstlichen Kulturrat, sowie die muslimische Theologin Shahrzad Houshmand, die ebenfalls dort Mitglied ist. Auch sprechen die Präsidentin des Interreligiösen und Interkulturellen Komitees des Internationalen Rates der Jüdischen Frauen, Nadine Iarchy. Weitere Beiträge kommen von Elena Seishin Viviani von der Buddhistischen Union und Svamini Hamsananda Ghiri von der Hinduistischen Union in Italien. Grußworte sprechen Kardinal Gianfranco Ravasi, Präsident der Päpstlichen Kulturrates, und Kardinal Miguel Ángel Ayuso Guixot, Präfekt des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog. „Wir sind dann im Jahr 2020 zu einer gemeinsamen Erklärung gekommen und haben festgestellt, dass es gemeinsame Punkte gibt, um menschliche Geschwisterlichkeit gemäß den vom Papst angegebenen Richtlinien durch Frauen in der Welt zu verwirklichen. In diesem Jahr 2021 hoffen wir, diesen Weg des Dialogs einen Schritt weiterzugehen und zu konkretisieren - es geht jetzt darum, von Erklärungen zu Fakten überzugehen“, sagt die Argentinierin Maria Lia Zervino, Präsidentin der WUCWO, im Interview mit Radio Vatikan. (vn v. 3. 3.)

     

  • Der Innsbrucker Pastoraltheologe Christian Bauer fordert eine Neuausrichtung der Priesterausbildung. Es brauche „einen anderen, postklerikalen Geist", schreibt er in einem Gastbeitrag für das Portal katholisch.de. Angehende Priester müssten „aus ihrer persönlichen Komfortzone heraus“. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) habe es „durchaus bemerkenswerte Neuansätze" gegeben. Unter dem heutigen Papst ergäben sich neue Möglichkeiten, da Franziskus die Synodalität als gemeinsames Vorangehen aller Getauften propagiere. Bislang führe die Priesterausbildung häufig zu einem „Hineinsozialisieren in einen klerikalen Habitus, der längst als ein wesentlicher Grund des geistlichen Missbrauchs bis hin zu sexualisierter Gewalt identifiziert ist". In Priesterseminaren entstehe oft ein „verhängnisvoller klerikaler Korpsgeist". Es brauche jedoch individuelle Möglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln, fordert der Pastoraltheologe. Zudem sollten „angehende Priester, Gemeinde- und Pastoralreferent*innen" nicht in „XXL-Seminaren" abgeschottet sein, sondern in dezentralen Wohngemeinschaften am ‚normalen' Studierendenleben" teilhaben. Prof. Bauer äußerte sich deshalb, weil eine Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz ein Reformkonzept vorgelegt hat, wonach die Priesterausbildung nur noch an wenigen Standorten in Deutschland erfolgen soll. Dies stieß zum Teil auf heftige Kritik. (kna u. kap v. 2. 3.)

     

  • Der deutsche Ökumenische Kirchentag (ÖKT) 2021 wird anders als alle Kirchentage bisher. Ein Beispiel dafür ist „Schaut hin – Von der Krise zur Vision“, das Anfang März veröffentlichte gemeinsame Magazin der römisch-katholischen und evangelischen Kirche für den Religionsunterricht. Konkret arbeiteten hier das Dezernat Schule und Bildung im Bistum Limburg und das Religionspädagogische Institut der Evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck und der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) zusammen. Das Heft bietet für Schulen Unterrichtsmaterialien zu den zentralen Themen des ÖKTs an: von Glaube und Spiritualität über die Bewahrung der Schöpfung bis hin zu Wirtschaft. „Es ist so wichtig, dass gerade Kinder und Jugendliche erkennen können, dass Christ-Sein nicht bedeutet, weltfern zu sein“, schreiben in ihrem Geleitwort der Bischof von Limburg, Georg Bätzing, sowie die Bischöfin von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, und der Kirchenpräsident der EKHN, Volker Jung. (vn [=Vatican News] v. 2. 3.)

     

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