Ökumene

Papst Franziskus hat am 12. März die baptistische Pastorin Bernice King (54 Jahre) in Audienz empfangen. Sie ist Tochter des vor 50 Jahren ermordeten US-amerikanischen Bürgerrechtlers Martin Luther King Jr. (JA v. 25. 3.)

 

Rund tausend Vertreterinnen und Vertreter von orthodoxen, römisch-katholischen und evangelischen Diözesen, sowie aus evangelikalen, afrikanischen und pentekostalen Gemeinschaften, waren bis einschließlich 13. März in Arusha in Tansania bei einer internationalen Konferenz des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK) versammelt. Die Konferenz für Weltmission und Evangelisation (CWME) stand unter dem Motto „Vom Geist bewegt – zur Jüngerschaft berufen“. Agnes Abuom von der anglikanischen Kirche Kenias ist die erste Frau und erste Afrikanerin im Amt der Vorsitzenden des Weltkirchenrats. Sie blicke dankbar auf die Vision der ökumenischen Gründungsväter und -mütter des ÖRK. Diese hätten sich „in einer Zeit, in der die Welt gespalten und vom Krieg verwüstet war“, mutig und entschlossen für die Einheit der Kirche und der Menschheit eingesetzt. Papst Franziskus hatte eine Botschaft nach Tansania geschickt, in der es hieß: „Nachdem Afrika die Frohe Botschaft vernommen hat, verkündet es das Wort jetzt auf seine eigene Art: In freudiger Solidarität mit allen Menschen, vor allem mit den Marginalisierten, im Reichtum seiner Familienwerte und in Hingabe an die Bewahrung der Schöpfung.“ Papst Franziskus erinnerte daran, dass die Konferenz in der Nachfolge der Missionskonferenz von Edinburgh im Jahr 2010 stehe, mit der die moderne ökumenische Bewegung begonnen hatte. Auch der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. und der anglikanische Primas Justin Welby sandten Grußbotschaften nach Tansania. (kap u. vn [=Vatican News] v. 13. 3.; JA v. 25. 3.)

 

Der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., hat am 13. März in der Istanbuler Heiliggeist-Kathedrale an der römisch-katholischen Messe zum Pontifikatsjubiläum von Papst Franziskus teilgenommen. Wie die italienische katholische Presseagentur SIR berichtete, wollte Bartholomaios mit seiner Anwesenheit an die Messe auf dem Petersplatz zum Pontifikatsbeginn vor fünf Jahren erinnern, an der er ebenfalls teilgenommen hatte. Es war dies damals das erste Mal seit der Kirchenspaltung des Jahres 1054, dass ein gesamtorthodoxes Oberhaupt dieses Zeichen der Verbundenheit gesetzt hatte. Der Patriarch trifft Franziskus in diesem Jahr wieder, wenn er Ende Mai auf Einladung der Stiftung Centesimus Annus-Pro Pontifice an einer Konferenz in Rom teilnehmen wird. (vn v. 14. 3.)

 

Eine neue „ökumenische Lehrkanzel“ am Sophia-Universitätsinstitut in Loppiano bei Florenz – eine Initiative der Fokolar-Bewegung – hat ihre Tätigkeit aufgenommen. (JA v. 18. 3.)

 

Bei der von „Pro Oriente“ gemeinsam mit der deutschen römisch-katholischen Solidaritätsaktion „Renovabis“ und der Schweizer Initiative „G2W“ in der Wiener Diplomatischen Akademie veranstalteten internationalen Konferenz „Europa - wohin?“ brachten viele Teilnehmende den Wunsch nach einer Fortsetzung der „Europäischen Ökumenischen Versammlung“ zum Ausdruck. Michael Kuhn, stellvertretender Generalsekretär der Kommission der Bischofskonferenzen der EU (ComECE) äußerte sich zu der Rolle der Christen in Europa: Der erste Beitrag der Christen sei es, „daran zu erinnern, dass Europa nicht eine Ansammlung von Zahlen oder Institutionen ist, sondern aus Menschen besteht", zitierte Kuhn Papst Franziskus. Ein zweiter wesentlicher Beitrag der Christen zur Zukunft Europas sei nach Überzeugung des Papstes die Wiederentdeckung des Sinns für die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft; ein dritter Beitrag der unbedingte Einsatz für einen steten ehrlichen und konstruktiven Dialog, in dem allen Beteiligten die gleiche Würde zukommt. Schließlich hätten die Christen auch eine besondere Verantwortung, sich stets für den Frieden einzusetzen. Bisher haben drei Europäische Ökumenische Versammlungen stattgefunden: 1989, 1997 und 2007. (kap u. vn v. 20. 3.)

 

Die Kirchen der französischen Schweiz wollen zu Ostern eine veränderte Übersetzung des Vaterunser-Gebets einführen. Katholiken und Evangelische französischer Sprache beten von nun an mit der neuen Formulierung „und lass uns nicht in Versuchung geraten" anstelle von „und führe uns nicht in Versuchung“. Das teilten die Schweizer Bischofskonferenz, der Schweizerische Evangelische Kirchenbund und die Schweizerische Evangelische Allianz am Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung mit. In Frankreich und anderen französischsprachigen Ländern ist die neue Übersetzung bereits im Gebrauch. Papst Franziskus hatte sie gewürdigt. In einem Fernsehinterview sagte er, das bisherige „und führe uns nicht in Versuchung" sei keine gute Übersetzung. Es sei nicht Gott, der den Menschen in Versuchung führe, um zu sehen, wie er falle. „Ein Vater tut so etwas nicht; ein Vater hilft sofort wieder aufzustehen.", so der Papst. (kap u, vn v. 27. 3.)

 

Das Oberhaupt der Kopten, Tawadros II., hat Papst Franziskus in einer Videonachricht Ostergrüße und Glückwünsche zum fünfjährigen Amtsjubiläum des Papstes übermittelt. „Christus ist auferstanden, er ist wahrhaft auferstanden. Ich wünsche Ihnen Frohe Osten. […] Ich freue mich, Seiner Heiligkeit diese Glückwünsche aus Ägypten zu übermitteln“, so der Patriarch von Alexandrien. Er erinnere sich noch an seinen Besuch bei Papst Franziskus in Rom, 2013 zwei Monate nach dessen Amtsantritt: „Wir waren erfüllt vom Heiligen Geist.” Abschließende wünschte er dem Papst: „Dass Gott seinen Dienst, seine Mission und seine Gesundheit segnen möge.“ Die orthodoxen Kirchen feiern Ostern erst eine Woche später am 8. April und richten sich nach dem Julianischen Kalender. (vn v. 30. 3.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Als erstes islamisches Land der Welt hat Pakistan den Brauch der Mitgift quasi verboten. Dem neuen Gesetz zufolge wird die Mitgift deutlich beschränkt, wenn auch nicht völlig abgeschafft. Die Regierung habe damit eine „historische Entscheidung" getroffen, die „wichtig für die Ärmsten der Nation" sei, sagte der Bischof von Hyderabad, Samson Shukardin, laut der Nachrichtenagentur „Fides“. Die Ausgaben für die Mitgift würden oft auf Kosten der täglichen Bedürfnisse gehen und besonders arme Familien nicht selten in Schulden stürzen. „Darüber hinaus ist materieller Reichtum sicherlich nicht der zentrale Aspekt der Ehe", betonte Shukardin. Er drängte das zuständige Ministerium, bei der Umsetzung des Gesetzes ein besonderes Augenmerk darauf zu legen, „dass keine Frau Gewalt ausgesetzt ist, weil sie keine ausreichende Mitgift mitgebracht hat". In Pakistan waren bisher Geschenke und Mitgift in der Heiratsurkunde dokumentiert sowie festgeschrieben, wie im Falle einer Scheidung zu verfahren wäre. Vor Pakistan haben in den vergangenen Jahren bereits Indien wie auch das säkular verfasste Bangladesch die Praxis des Forderns und Annehmens von Mitgift verboten. In traditionell orientierten Teilen der Gesellschaft wird sie jedoch weiterhin im Geheimen praktiziert. (fides u. kap u. vn v. 1. 12.)

     

  • Die „Römisch-Katholische Zentralkonferenz der Schweiz“ (RKZ), der Zusammenschluss der römisch-katholischen Kantonalkirchen, tritt offiziell für die Zulassung zum Priesteramt ein unabhängig von Zivilstand und Geschlecht. Auf Antrag der Landeskirche Baselland hat die Plenarversammlung der RKZ diese Zielsetzung in ihre Strategieplanung für die Jahre 2020 bis 2023 aufgenommen. Im gleichen Passus des Dokuments setzt sich die RKZ dafür ein, dass die Kirche den Frauen aufgrund ihrer gleichen Würde auch gleiche Rechte einräumt und das Volk Gottes an Entscheidungen beteiligt. Die Zustimmung der am 28. November per Videokonferenz abgehaltenen Plenarversammlung zu dem Antrag der Landeskirche Baselland erfolgte mit gut zwei Dritteln der Stimmen, teilte Landeskirchenratspräsident Ivo Corvini der Baselbieter Synode mit. Die Landeskirche Baselland ist seit ihrer Gleichstellungsinitiative von 2014 durch ihre Kirchenverfassung verpflichtet, sich für dieses Anliegen einzusetzen. (www.kirche-heute.ch v. 2. 12.)

     

  • Der theologische Dialog zwischen römisch-katholischer und orthodoxer Kirche sollte von Initiativen des gemeinsamen Zeugnisses begleitet werden. Das betonte der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. nach Angaben der Stiftung „Pro Oriente“ in der Liturgie zum Andreas-Fest im Istanbuler Phanar. Bei diesen „Initiativen des Zeugnisses" gehe es um Aktionen in gegenseitigem Vertrauen. An dem Gottesdienst in der St. Georgskathedrale nahm auch eine „brüderliche Delegation" aus dem Vatikan mit Kardinal Kurt Koch teil. Der nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) in Gang gekommene Dialog schreite mit „Beharrlichkeit, Realismus und vollem Vertrauen in die Göttliche Vorsehung" auf jenem Weg voran, der zum Ziel der so sehr ersehnten vollen Einheit führen werde. Das werde trotz der Einwände jener geschehen, die entweder den Wert der Theologie gering schätzten oder die Ökumene für eine Utopie hielten. Die jüngsten „tragischen Ereignisse der Gewalt im Namen Gottes und der Religion" machten den Wert und die Bedeutung des interreligiösen Dialogs deutlich. Der Patriarch ist überzeugt, dass die Ausarbeitung einer allgemein akzeptierten christlichen Anthropologie eine wichtige Unterstützung für die Beziehungen von orthodoxer und römisch-katholischer Kirche bedeuten würde. Denn erst dann werden die Kirchen auf dem Weg der Wahrheit und der Liebe, den Quellen wahren Lebens und wahrer Freiheit in Christus, voranschreiten. (kap v. 2. 12.)

     

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