Ökumene

Ein ökumenisches Ereignis von erstrangiger Bedeutung findet seit 1. Mai in Addis Abeba statt: Zum ersten Mal sind kirchliche Führungspersönlichkeiten und Experten der äthiopisch-orthodoxen Kirche sowie der römisch-katholischen Kirche in Äthiopien versammelt, um bei einer Konferenz auf wissenschaftlicher Ebene die Streitpunkte der Vergangenheit zu behandeln: die Unionsversuche des 16. Jahrhunderts und die Haltung der römisch-katholischen Kirche zum Eroberungskrieg Mussolinis im 20. Jahrhundert. Im seit Jahrzehnten andauernden Prozess zum Abbau des Misstrauens zwischen äthiopisch-orthodoxer und römisch-katholischer Kirche kommt der Wiener Stiftung "Pro Oriente" und dem von ihr getragenen „inoffiziellen Dialog" besondere Bedeutung zu. Daher wurde auch "Pro Oriente"-Präsident Alfons M. Kloss gebeten, die Tagung in Addis Abeba mit zu eröffnen. Der Salzburger Ostkirchenexperte und Vorsitzende der Salzburger Sektion von "Pro Oriente", Prof. Dietmar W. Winkler, ist einer der Referenten. Er behandelt das Verhältnis von offiziellem und inoffiziellem theologischen Dialog zwischen den Kirchen sowie die Hoffnung auf einen orthodox-katholischen Dialog in Äthiopien. Der römisch-katholische Erzbischof von Addis Abeba, Kardinal Berhaneyesus D. Souraphiel, betonte im Vorfeld, vertiefte ökumenische Beziehungen seien nicht nur für das gemeinsame christliche Zeugnis in der Gegenwart von größter Bedeutung, sondern seien auch ein Dienst an der Bewahrung des reichen christlichen Erbes Äthiopiens und wichtig für den konstruktiven Dialog mit dem Islam. Der moslemische Ministerpräsident Ahmed Abiy hat die Initiative zur Förderung der nationalen Versöhnung mit angeregt. Kardinal Souraphiel wurde im Februar von Ministerpräsident Abiy zum Koordinator der neuen äthiopischen Nationalkommission für Versöhnung und Frieden bestellt. Ende Jänner war der neue Regierungschef Ahmed Abiy von Papst Franziskus im Vatikan empfangen worden. (kap v. 1. 5.)

 

100 katholische Priester aus der Diözese Rom besuchen derzeit unter Leitung von Kardinal-Vikar Angelo De Donatis Russland. Die bis zum 3. Mai anberaumte Pilgerfahrt nach Moskau und zu den umliegenden heiligen Stätten der russischen Orthodoxie wird von dem Jesuitenpater Germano Marani vom „Russicum" und von der an der Päpstlichen Gregoriana-Universität lehrenden Theologin Michelina Tenace begleitet. „Mit dieser Pilgerfahrt wollen wir die Kenntnis der Orthodoxie und ihrer spirituellen und künstlerischen Tradition vertiefen", stellte Kardinal De Donatis fest. Am 1. Mai besuchten die römischen Geistlichen die Tretjakow-Galerie und waren dann in der orthodoxen Erlöserkathedrale zu Gast. Für 2. Mai ist ein Besuch im Nowodewitschi-Kloster vorgesehen, wo die Priester auch am Grab des Ökumene-Vordenkers Wladimir Solowjew beten wollen. Weitere Besuche gelten dem Danielskloster als Amtssitz des Moskauer Patriarchen. Am 3. Mai pilgern die Priester aus Rom mit Kardinal De Donatis in die Lawra von Sergijew Posad östlich von Moskau. Dort ist die Begegnung mit dem russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill I. vorgesehen. (kap v. 1. 5.)

 

Es ist dem Papst ernst mit dem ökumenischen Dialog während seines Besuchs in Bulgarien: Direkt nach dem Treffen mit den Autoritäten des Landes wird er sich noch am 4. Mai zum bulgarisch-orthodoxen Patriarchen Neofit begeben und dem bulgarischen Heiligen Synod einen Besuch abstatten. In der Kathedrale von Sofia ist auch ein Gebet des Papstes vor dem Altar der Heiligen Kyrill und Method geplant. Einer seiner wichtigsten Termine wird die ökumenische Begegnung „der Freundschaft und des Respekts“ mit Patriarch Neofit sein, erläutert der orthodoxe Diakon Ivan Stoyanov Ivanov, Liturgieprofessor an der Universität St. Kliment Ohridski in Bulgariens Hauptstadt Sofia gegenüber Vatican News: „Papst Franziskus ist in Bulgarien als der Papst bekannt, der dem Dialog zwischen Christen und Muslimen eine Tür geöffnet hat. In einem Moment der globalen Krise beschreitet dieser Papst den Weg von Papst Johannes XXIII., der von den Bulgaren im Zusammenhang mit seiner Enzyklika Pacem in terris für den Frieden und die Gleichheit unter den Menschen, die Würde des Menschen, sehr geschätzt wird“. In den vergangenen Jahren hätten sich viele gemeinsame Projekte im Bildungs- und Sozialsektor etabliert. „Trotz der Schwierigkeiten der orthodoxen Kirche, sich an die neuen Politiken der Welt anzupassen, können sich die autokephalen Kirchen ihrerseits von diesen Prozessen nicht fernhalten“, meint er: „Gerade weil die neuen Bedingungen eine Möglichkeit bieten, ein neues orthodoxes Zeugnis in der Welt abzugeben, um das Evangelium in der ganzen Welt zu verkünden.“ Bereits 1980 hatte Papst Johannes Paul II. die beiden Heiligen Kyrill und Method zu Patronen Europas ernannt. Jeder kenne das Leben und das Zeugnis dieser beiden Slawenapostel, fährt der Diakon fort. „Sie sind es, die diesen Weg der gegenseitigen Anerkennung unter den Christen eröffnet haben, auch im Mittelalter. Das war nicht einfach. Doch ihre Mission war eine heilsbringende Mission […], um sich zu versöhnen und weiter auf dem Weg zur Einheit zu gehen.“ (vn v. 2. 5.; JA v. 19. 5.)

 

Der irakische chaldäisch-katholische Patriarch Kardinal Louis Raphael Sako ist mit dem orthodoxen Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. in Istanbul zusammengetroffen. Anlass des Treffens war die Amtseinführung des neuen chaldäisch-katholischen Erzbischofs von Diyarbakir, Ramzi Garmou, der früher Erzbischof von Teheran war. Wie das römisch-katholische Nachrichtenportal „AsiaNews“ berichtet, sprachen die beiden Patriarchen bei der Begegnung auch die Frage des gemeinsamen Ostertermins an. Sako betonte, dass die Vereinheitlichung des christlichen Festkalenders von außerordentlichem Gewicht für die „gemeinsame Präsenz der Christen in der Region“ sei. Außerdem hob er lobend hervor, dass sich die Muslime immer mehr distanzierten von den früheren „Hass- und Gewaltreden“. Entscheidend bleibe die Aufgabe, dass die Muslime ihr religiöses Gedankengut neu lesen und es „in moderner, moderater Form“ präsentieren. Bartholomaios I. betonte bei dem Treffen an seinem Amtssitz im Phanar, dass er auf die Freundschaft mit Papst Franziskus stolz sei, und bedauerte, dass einige orthodoxe Kirchen in der Kalenderfrage nach wie vor unnachgiebig seien. Patriarch Sako sprach sich für die Einrichtung eines gemeinsamen katholisch-orthodoxen Komitees für den Nahen Osten aus, um die anstehenden Probleme zu lösen. (kap, asianews u. vn v. 2. 5. )

 

Auszüge aus der Rede des bulgarisch-orthodoxen Patriarchen Neofit beim Empfang von Papst Franziskus am Sitz des Heiligen Synods in Sofia zum Verhältnis beider Kirchen: „Nach nur 17 Jahren sind Sie [nach Papst Johannes Paul II.] nun der zweite Papst, der nach Bulgarien kommt. […] Ihr Wunsch, uns im Heiligen Synod zu besuchen, wird von uns als Ausdruck des Respekts vor der Orthodoxen Kirche Bulgariens wahrgenommen. Wir versichern Ihnen, dass dieser Respekt auf Gegenseitigkeit beruht.” Der Patriarch, der seine Kirche seit 2013 leitet lobte den Einsatz des Papstes „zur Verteidigung der christlichen Wurzeln Europas“ und gegen neue Christenverfolgungen. „In diesen Punkten stimmen unsere Meinungen überein.” Der Patriarch bekannte sich zum Engagement für eine Einheit aller Christen. Allerdings belasten „Unstimmigkeiten“ bei der Evangelisierung der Bulgaren „die Beziehungen in der christlichen Welt bis heute“. Papst Franziskus kam sofort auf die Spaltung zwischen römisch-katholischer und orthodoxer Christenheit zu sprechen. „Die Wunden, die sich im Laufe der Geschichte unter uns Christen geöffnet haben, sind schmerzhafte Verletzungen am Leib Christi, der die Kirche ist. Auch heute noch sind die Folgen dieser Verletzungen mit Händen zu greifen.“ Die Christen sollten „ihre Fehler erkennen“ und „die Freude der Vergebung wiederentdecken“, dann könnten sie eines Tages „mit Gottes Hilfe das Ostergeheimnis am selben Altar feiern“. Bulgarien sei „ein Brückenland“, und das könne auf dem Balkan Modellcharakter haben: „Auch in unseren Beziehungen erinnern uns die Heiligen Kyrill und Method daran, dass eine gewisse Verschiedenheit der Sitten und Gebräuche […] nicht im geringsten der Einheit der Kirche entgegensteht“. (vn v. 5. 5.)

 

Papst Franziskus betete auf dem Unabhängigkeits-Platz von Sofia mit Kirchen- und Religionsverantwortlichen um Frieden. Juden, Muslime, Armenier, Protestanten und Orthodoxe formulierten Anrufungen an den Gott des Friedens. Offiziell nahm die bulgarisch-orthodoxe Mehrheitskirche an dem Ereignis nicht teil, doch werden sich viele orthodoxe Gläubige unter die Menschen auf dem Platz gemischt haben. Viele der vorgetragenen Texte verwiesen auf Assis:. Der Heilige aus Assisi sei aus Liebe zur Schöpfung und zu jedem Menschen ein „echter Erbauer des Friedens“ geworden, sagte Papst Franziskus in einer kurzen Ansprache. Das setze voraus, „dass wir den Dialog als Weg nehmen, die allgemeine Zusammenarbeit zu unserer Verhaltensregel und das gegenseitige Verständnis zur Methode und zum Maßstab machen“. Das war ein Zitat aus der gemeinsamen „Erklärung über die Geschwisterlichkeit aller Menschen“, die Franziskus und der islamische Großscheich Mahmud al-Tayyeb im Februar in Abu Dhabi unterzeichneten. (vn v. 6. 5.; JA v. 19. 5.)

 

Während des Rückfluges von Nordmazedonien und Bulgarien sprach Papst Franziskus zu den mitreisenden Journalisten u. a. über die Beziehungen zur orthodoxen Kirche und über mögliche Diakoninnen. „Eine gute Sache habe ich in beiden Nationen gesehen: es gibt gute Beziehungen zwischen den verschiedenen Religionen. In Bulgarien haben wir das beim Gebet für den Frieden gesehen.“ Dort habe ihn auch besonders die Begegnung mit dem orthodoxen Patriarchen Neofit beeindruckt: „ein wirklicher Mann Gottes!“ In Nordmazedonien habe ihn dann in dieser Hinsicht besonders ein Satz des Präsidenten aufmerken lassen: „Hier gibt es keine Toleranz zwischen den Religionen, hier gibt es Respekt“, zitierte er aus dessen Ansprache in Skopje. Ein Journalist griff die Frage nach der Weihe von Diakoninnen auf. Diese Tradition gebe es in dieser Kirche. Er fragte auch nach den Ergebnissen der Kommission, die der Papst zu dieser Frage einberufen habe: Als Antwort zählte der Papst die unterschiedlichen Ergebnisse der Kommission auf: Es gebe zum Beispiel die Möglichkeit, den Diakonat der Frau sich nicht gleich vorzustellen wie den des Mannes. „Die Weiheformeln, die man bisher gefunden hat, sind nicht dieselben wie die eines männlichen Diakons, sie ähneln eher denen einer Äbtissin“, erklärte er. „Andere sagen, dass es zu Beginn Diakoninnen gegeben habe, aber war das auch eine sakramentale Weihe?“ Sie seien Hilfen gewesen, etwa bei der Taufe oder bei der Hilfe von Frauen, die von ihren Männern misshandelt worden waren. „Es gibt keine Gewissheit, dass ihre Weihe die gleiche Form und gleiche Bestimmung hatte wie die Weihe von Männern. Einige sagen: es gibt Zweifel, also lasst uns weiter studieren!“ (vn v. 7. 5.)

 

Der Koptenpapst Tawadros II. besucht Deutschland, um in Düsseldorf die ehemals römisch-katholische Kirche Sankt Sakrament als koptisch-orthodoxes Gotteshaus zu weihen. Außerdem reist er nach Trier. Dort wird er mit Ortsbischof Stephan Ackermann und dem Domkapitel zusammentreffen. Tawadros II. ist Oberhaupt von zehn bis zwölf Millionen koptischen Christen hauptsächlich in Ägypten. In Deutschland gibt es acht koptische Gemeinden, zwei Bistümer und zwei Klöster. Sprecher der rund 12.000 Kopten in der Bundesrepublik ist der im westfälischen Höxter residierende Bischof Anba Damian. (kna u. vn v. 8. 5.)

 

Eine sportliche Vatikan-Delegation rennt in der Lutherstadt Wittenberg für die Ökumene: Dort findet der 9. Wittenberger Nachtlauf statt. Mit dabei sind etwa 30 Athleten des vatikanischen Sportvereins „Athletica Vaticana“. Die Sportler beantworten damit den Besuch der Delegation aus Wittenberg, die im März vergangenen Jahres den Vatikan besucht hatte. Der Präsident des Sportvereins, Melchor Sanchez de Toca, vom vatikanischen Kulturrat erläutert: „Es ist ein Nachtlauf in der Stadt Luthers. Aber ich finde es sehr bedeutsam, dass der erste Auslandstransfer als offizielle Gruppe diese Dimension des ökumenischen Dialogs besitzt. […] Man könnte sagen, dass die ,sportliche Ökumene‘ Barrieren niederreißt, Freundschaften stiftet und Vorurteile wegfegen kann“, zeigt sich Sanchez de Toca überzeugt. Kardinal Ravasi, Präsident des vatikanischen Kulturrates sagt dazu: „Angesichts der jüngsten blutigen Attentate gegen Christen während der Osterfeierlichkeiten und den Schießereien in Moschen und Synagogen ist es dringender als je zuvor, den Dialog und die Freundschaft unter den Gläubigen zu stärken, umso mehr noch unter den Christen in dieser entscheidenden Stunde.“ Die sportliche Vatikandelegation wird u. a. auch die evangelische Gemeinschaft der Stadt Wittenberg treffen. (vn v. 10. 5.)

 

„Wir freuen uns auf den Wien-Besuch des äthiopisch-orthodoxen Patriarchen Mathias I.“: So umreißt „Pro Oriente“-Präsident Alfons Kloss eines der greifbaren Ergebnisse der jüngsten ökumenischen wissenschaftlichen Konferenz über die Beziehungen zwischen äthiopisch-orthodoxer und römisch-katholischer Kirche. Bei der Konferenz in Addis Abeba in den ersten Mai-Tagen wurden die historischen Entwicklungen analysiert, die bis heute die Beziehungen der beiden Kirchen überschatten: Die Unionsversuche des 16./17. Jahrhunderts und die Haltung der römisch-katholischen Kirche zum Eroberungskrieg Mussolinis im 20. Jahrhundert. Präsident Kloss und der Salzburger Ostkirchenexperte Prof. Dietmar W. Winkler – der unter dem Titel „Auf dem Weg zu Versöhnung und Einheit“ in Addis Abeba eines der Referate hielt – waren zum Abschluss der Tagung Gäste des äthiopisch-orthodoxen Patriarchen. Dabei wurde deutlich, dass man in Addis Abeba sehr daran interessiert ist, der 2016 von einer österreichischen Delegation unter Leitung von „Ökumene-Bischof“ Manfred Scheuer überbrachten Einladung von Kardinal Christoph Schönborn so bald wie möglich Folge zu leisten. Als wichtig erachtet der „Pro Oriente“-Präsident die Tatsache, dass bei der Konferenz ausdrücklich beschlossen wurde, die Arbeit zur historischen Klärung der „Verwerfungen“ durch eine „Steering group“ fortzusetzen. Dies könne ein erster Schritt im Hinblick auf eine „Kommission für eine gemeinsame Interpretation der äthiopischen Kirchengeschichte“ sein, die Prof. Winkler in seinem Referat angeregt hatte. Neben wissenschaftlichen Kenntnissen benötige eine solche Kommission vor allem „Geduld, Ausdauer, gemeinsames Verständnis und den Willen zur Versöhnung“. Als wesentlich für den Erfolg der Konferenz in Addis Abeba bezeichnete Kloss die Präsenz von Erzbischof Silvano Tomasi, der viele Jahre Apostolischer Nuntius in der äthiopischen Hauptstadt war. Dieser überbrachte eine Botschaft von Papst Franziskus. (vn u. poi v. 14. 5.)

 

Ein lauter Schrei für das Menschenrecht auf Religionsfreiheit und gegen die weltweit zunehmende Christenverfolgung, sollte der Schweigemarsch für verfolgte Christen sein, mit dem am 24. Mai die „Lange Nacht der Kirchen“ in Wien eröffnet wurde. An der Spitze der Kundgebung standen Militärbischof Werner Freistetter und der Wiener Weihbischof Franz Scharl als Vertreter des erkrankten Kardinals Christoph Schönborn. Weitere Teilnehmer waren der serbisch-orthodoxe Bischof Andrej Cilerdzic und der orthodoxe Erzpriester Ioannis Nikolitsis als Vertreter von Metropolit Arsenois Kardamakis. Mit ihnen zogen mehrere hundert Teilnehmer durch die Wiener Innenstadt. Der Schweigemarsch helfe, die Gesellschaft in Bezug auf die bedrohte Lage von Christen in aller Welt wachzurütteln, sagte Militärbischof Freistetter. (kap u. vn v. 25. 5.)

 

Die Renovierungsarbeiten an der Jerusalemer Grabeskirche gehen weiter. Die drei Eigentümer des Gotteshauses, das griechisch-orthodoxe und das armenische Patriarchat sowie die Franziskaner-Kustodie unterzeichneten eine Vereinbarung, die grünes Licht für den neuen Renovierungsabschnitt gibt, der die baufällige Ädikula, die Kapelle über dem traditionellen Grab Christi, betrifft. Dass Orthodoxe, Armenier und Lateiner sich auf eine Fortsetzung der Restaurierung der Grabeskirche einigen konnten, sei ein Erfolg der in den vergangenen Jahren gewachsenen Freundschaft, betonte Franziskaner-Kustos Francesco Patton. Auch der griechische Patriarch Theophilos III. sprach von einer neuen Phase in den Beziehungen. (kna u. vn v. 28. 5.)

 

Die orthodoxe Kirche Rumäniens hat alle Rumänen eingeladen, an der Begegnung des Papstes mit Patriarch Daniel teilzunehmen. Alle sollten sich am frühen Nachmittag auf dem Platz vor der Nationalkathedrale einfinden, heißt es in einer Erklärung des Patriarchats. Die kurze Andacht mit Gesängen und dem Vaterunser-Gebet würden vom kirchlichen Fernsehsender über Bildschirme nach draußen übertragen. Bei seinem Besuch Anfang Mai in Bulgarien konnte Papst Franziskus in der orthodoxen Kathedrale von Sofia nur allein und stumm beten. Auch hatte es dort keine offizielle Einladung der orthodoxen Kirchenleitung zu dem Treffen gegeben. (kna u. vn v. 31. 5.)

 

Einige Zitate aus der Ansprache des Papstes vor dem Heiligen Synod in Bukarest am 31. Mai: „Eure Seligkeit, ehrwürdige Metropoliten und Bischöfe des Heiligen Synods, Cristos a înviat! [Christus ist auferstanden!] […] Vor zwanzig Jahren sagte Papst Johannes Paul II. vor diesem Heiligen Synod: »Ich bin gekommen, das in Ihre Kirche eingeprägte Antlitz Christi zu betrachten; ich bin gekommen, dieses leidende Antlitz zu verehren« Auch ich bin als Pilger mit dem Wunsch hierhergekommen, das Antlitz des Herrn in den Gesichtern seiner Brüder und Schwestern zu sehen, und bei eurem Anblick danke ich euch von Herzen für euren Empfang. Die Bande des Glaubens, die uns verbinden, gehen auf die Apostel zurück, die Zeugen des Auferstandenen, insbesondere auf das Band, das Petrus und Andreas vereinte, der der Tradition nach den Glauben in diese Gegend brachte. [..] Wir müssen gemeinsam mit dem Bruder neu auf die Worte des Herrn hören, damit unsere Herzen gemeinsam brennen und die Botschaft nicht verblasst (vgl. V. 32.35). […] Beispielhaft sind in dieser Hinsicht die vielen rumänisch-orthodoxen Gemeinden, die mit den vielen katholischen Diözesen Westeuropas, in denen sie vertreten sind, sehr gut zusammenarbeiten. In vielen Fällen hat sich ein Verhältnis von gegenseitigem Vertrauen und Freundschaft entwickelt, und diese Freundschaft wird durch konkrete Gesten der Aufnahme, Unterstützung und Solidarität genährt. Durch diese gegenseitigen Kontakte haben viele rumänische Katholiken und Orthodoxe entdeckt, dass sie keine Fremden sind, sondern Brüder und Freunde. […] Ich erneuere meinen Dank an euch und versichere euch auch im Namen der Katholischen Kirche meiner Zuneigung, meiner Freundschaft.“ (vn v. 31. 5.; JA v. 9. 6.)

 

Vertreter der Orthodoxie aus Russland, der Ukraine und Weißrussland kommen am 8. Juni im Schweizer Fribourg zusammen, um über Gemeinsamkeiten und Unterschiede in ihrem kirchlichen Leben zu sprechen. Als Hauptredner reist Metropolit Hilarion an, der Leiter des Außenamtes des Moskauer Patriarchats. Die Gespräche gelten auch der Frage, welche Rolle die orthodoxe Kirche bei der Förderung der „Europäischen Idee“ hat, heißt es in einer Aussendung des Instituts für Ökumenische Studien der Universität Fribourg, welches das Treffen ausrichtet. Die Veranstaltung trägt den Titel: „Russland, Ukraine, Belarus: ein gemeinsamer Ort der Zivilisation?“ Die Begegnung in der Schweiz erfolgt in einer schwierigen orthodoxen Umbruchsituation: Ende 2018 hatte sich die ukrainische orthodoxe Kirche von der russischen abgespalten. Hilarion hatte sich 2005 in Fribourg im Fach Dogmatik habilitiert und wirkt regelmäßig an Lehrveranstaltungen der Theologischen Fakultät mit. (vn v. 31. 5.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Nach dem Nein des Vatikan zu einer Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren fordert der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck „eine ernsthafte und zutiefst wertschätzende Neubewertung der Homosexualität". Die bloße Wiederholung der „Wertung von Homosexualität auf naturrechtlicher Basis" werde heute nicht mehr verstanden und auch nicht mehr akzeptiert, schreibt er in einem Brief an alle Pfarreien. Gerade in den Zuschriften vieler SeelsorgerInnen komme „eine offene Ablehnung der lehramtlichen Position zum Ausdruck, die nicht mehr ignoriert werden darf". Bei aller Wertschätzung von Schriftzeugnis, Lehramt und Tradition müsse es um eine „Übersetzung der Zeichen der Zeit" gehen. Die gesamte Tradition sei „als ein lebendiges Geschehen zu begreifen". Gerade die Segensfeiern seien entstanden aus der seelsorglichen Begleitung der betroffenen Menschen. „Über das Gute ihres Lebens einen Segen zu sprechen, der nicht einer Trauung ähnelt, wohl aber Zeichen der Begleitung ist, soll doch zeigen: Im Namen der Kirche ist Gott in dieser Beziehung gegenwärtig." Ähnlich 2600 Geistliche in Deutschland, zahlreiche Priester in Österreich, sowie die österreichischen Bischöfe Wilhelm Krautwaschl (Graz-Seckau), Josef Markets (Gurk-Klagenfurt), Hermann Glettler (Linz) und der Antwerpener Bischof Johan Bonny. (kna u. zahlreiche Medien ab. 20. 3.)

     

  • Im Irak tätige religiöse Organisationen haben anlässlich der Papstreise vom 5. bis zum 8. März ein gemeinsames Statement für Solidarität, Geschwisterlichkeit und interreligiösen Dialog unterzeichnet. In der interreligiösen Erklärung verpflichten sich die Organisationen, Diskriminierung und Missionierung abzulehnen, die kulturellen Werte und Überzeugungen anderer zu respektieren, den sozialen Zusammenhalt zu fördern und die Zusammenarbeit bei der Hilfe für Bedürftige zu stärken. Sie rufen zudem die Internationale Gemeinschaft auf, dem irakischen Volk zu helfen, die gegenwärtigen Herausforderungen „in einem wahren Geist der menschlichen Geschwisterlichkeit und Solidarität“ zu bewältigen. Die Erklärung unterschrieben unter anderem mehrere Caritas-Einrichtungen, die christlich-muslimische Adyan-Stiftung, Islamic Relief Worldwide und der Lutherische Weltbund. Schon in seiner Enzyklika „Fratelli tutti“ habe Papst Franziskus daran erinnert, dass sich keiner allein retten könne, heißt es in dem Manifest. Als positives Beispiel interreligiöser Zusammenarbeit verweisen die Unterzeichner auf das Abu Dhabi-Dokument von 2019 zur Brüderlichkeit aller Menschen hin , das Papst Franziskus und Großimam Ahmad Mohammad Al-Tayyeb unterzeichneten. „Als glaubensbasierte Organisationen schließen wir uns vollständig dieser Botschaft der Geschwisterlichkeit und des Dialogs an“. (vn v. 3. 3.)

     

  • Die Enzyklika „Fratelli tutti“ über Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft steht im Zentrum eines Web-Seminars, bei dem weibliche Führungspersönlichkeiten unterschiedlicher Religionen und Kulturen zu Wort kommen. Organisiert wurde das ökumenische und interreligiöse Seminar von der Weltunion katholischer Frauenverbände (WUCWO) anlässlich des internationalen Weltfrauentags am 8. März. Zwei Vatikangremien wirken dabei mit: der weibliche Beraterstab des päpstlichen Kulturrates und der Päpstliche Rat für Interreligiösen Dialog. Neben einer Videobotschaft der ehemaligen UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova, die als weibliches Mitglied im „Hohen Komitee für die Brüderlichkeit unter den Menschen“ im islamisch-christlichen Dialog engagiert ist, sind Beiträge weiterer Vertreterinnen aus Christentum, Judentum und Islam, Buddhismus und Hinduismus vorgesehen. Das Wort ergreifen etwa die Soziologieprofessorin und Vatikanberaterin Consuelo Corradi, Leiterin des Frauenrates im Päpstlichen Kulturrat, sowie die muslimische Theologin Shahrzad Houshmand, die ebenfalls dort Mitglied ist. Auch sprechen die Präsidentin des Interreligiösen und Interkulturellen Komitees des Internationalen Rates der Jüdischen Frauen, Nadine Iarchy. Weitere Beiträge kommen von Elena Seishin Viviani von der Buddhistischen Union und Svamini Hamsananda Ghiri von der Hinduistischen Union in Italien. Grußworte sprechen Kardinal Gianfranco Ravasi, Präsident der Päpstlichen Kulturrates, und Kardinal Miguel Ángel Ayuso Guixot, Präfekt des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog. „Wir sind dann im Jahr 2020 zu einer gemeinsamen Erklärung gekommen und haben festgestellt, dass es gemeinsame Punkte gibt, um menschliche Geschwisterlichkeit gemäß den vom Papst angegebenen Richtlinien durch Frauen in der Welt zu verwirklichen. In diesem Jahr 2021 hoffen wir, diesen Weg des Dialogs einen Schritt weiterzugehen und zu konkretisieren - es geht jetzt darum, von Erklärungen zu Fakten überzugehen“, sagt die Argentinierin Maria Lia Zervino, Präsidentin der WUCWO, im Interview mit Radio Vatikan. (vn v. 3. 3.)

     

  • Der Innsbrucker Pastoraltheologe Christian Bauer fordert eine Neuausrichtung der Priesterausbildung. Es brauche „einen anderen, postklerikalen Geist", schreibt er in einem Gastbeitrag für das Portal katholisch.de. Angehende Priester müssten „aus ihrer persönlichen Komfortzone heraus“. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) habe es „durchaus bemerkenswerte Neuansätze" gegeben. Unter dem heutigen Papst ergäben sich neue Möglichkeiten, da Franziskus die Synodalität als gemeinsames Vorangehen aller Getauften propagiere. Bislang führe die Priesterausbildung häufig zu einem „Hineinsozialisieren in einen klerikalen Habitus, der längst als ein wesentlicher Grund des geistlichen Missbrauchs bis hin zu sexualisierter Gewalt identifiziert ist". In Priesterseminaren entstehe oft ein „verhängnisvoller klerikaler Korpsgeist". Es brauche jedoch individuelle Möglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln, fordert der Pastoraltheologe. Zudem sollten „angehende Priester, Gemeinde- und Pastoralreferent*innen" nicht in „XXL-Seminaren" abgeschottet sein, sondern in dezentralen Wohngemeinschaften am ‚normalen' Studierendenleben" teilhaben. Prof. Bauer äußerte sich deshalb, weil eine Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz ein Reformkonzept vorgelegt hat, wonach die Priesterausbildung nur noch an wenigen Standorten in Deutschland erfolgen soll. Dies stieß zum Teil auf heftige Kritik. (kna u. kap v. 2. 3.)

     

  • Der deutsche Ökumenische Kirchentag (ÖKT) 2021 wird anders als alle Kirchentage bisher. Ein Beispiel dafür ist „Schaut hin – Von der Krise zur Vision“, das Anfang März veröffentlichte gemeinsame Magazin der römisch-katholischen und evangelischen Kirche für den Religionsunterricht. Konkret arbeiteten hier das Dezernat Schule und Bildung im Bistum Limburg und das Religionspädagogische Institut der Evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck und der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) zusammen. Das Heft bietet für Schulen Unterrichtsmaterialien zu den zentralen Themen des ÖKTs an: von Glaube und Spiritualität über die Bewahrung der Schöpfung bis hin zu Wirtschaft. „Es ist so wichtig, dass gerade Kinder und Jugendliche erkennen können, dass Christ-Sein nicht bedeutet, weltfern zu sein“, schreiben in ihrem Geleitwort der Bischof von Limburg, Georg Bätzing, sowie die Bischöfin von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, und der Kirchenpräsident der EKHN, Volker Jung. (vn [=Vatican News] v. 2. 3.)

     

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