Innerkirchliche Reformansätze: (Frauen, Zölibat, wiederverheiratet Geschiedene, Moral ..)

Mit einem bundesweiten „Predigerinnentag“ hat die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) für eine „geschlechtergerechte Kirche“ geworben. Zwölf Frauen, die als geistliche Leiterinnen oder Begleiterinnen in dem Verband aktiv sind, predigten an zwölf Orten in Deutschland am selben Tag, teilte die kfd mit. Laut römisch-katholischem Kirchenrecht dürfen in Messfeiern ausschließlich Geistliche predigen. Dieser 17. Mai ist im Ökumenischen Heiligenlexikon der Gedenktag der „Apostelin“ Junia, im Römerbrief des Apostels Paulus so bezeichnet. Durch einen Übersetzungsfehler war jahrhundertelang von einem Mann namens Junias die Rede. Die 2016 veröffentlichte neue römisch-katholische Einheitsübersetzung und auch die Lutherbibel von 2017 ist wieder Junia zu lesen. Die Frauen wollen mit ihrer Aktion deutlich machen, dass sie „ihre Forderung nach einer geschlechtergerechten Kirche dorthin tragen, wo es an Gleichberechtigung bislang fehlt: in die katholischen Kirchen“. Beteiligt waren die Diözesanverbände von Aachen, Berlin, Essen, Köln, Magdeburg, Mainz, München-Freising, Münster, Osnabrück, Paderborn und Trier. Ulrike Göken-Huismann, seit 2013 geistliche Begleiterin der kfd, bezeichnete die Initiative als eine kirchenpolitische Aktion. „Die Rücknahme des Predigtverbots für Laien in der Eucharistiefeier wäre ein kleiner, aber wichtiger Schritt im Hinblick auf die notwendige Erneuerung der Kirche.“ (kna u. vn v. 18. 5.)

 

Der Schweizer Bischof von Lausanne, Genf und Fribourg, Charles Morerod, hat eine Katechetin als seine Delegierte für den Kanton Freiburg ernannt. Als Nachfolgerin des bisherigen Bischofsvikars, des Priesters Pascal Marquard, wird Marianne Pohl-Henzen nun Stellvertreterin des Bischofs für die römisch-katholische Kirche im deutschsprachigen Teil des zweisprachigen Kantons. Sie war seit acht Jahren bereits Stellvertreterin des Bischofsvikars und hat Studien der Philologie und der Theologie absolviert. Der Bischof hieß die dreifache Mutter in ihrem Amt willkommen. Bischofsvikare müssten laut Kirchenrecht Priester sein. Sie sind enge Mitarbeiter des Bischofs und gehören dem wöchentlich zusammentretenden Bischofsrat an. (vn v. 19. 5.)

 

Die Tübinger Theologin Johanna Rahner hat sich gegen die Vorstellung von unveränderlichen Glaubensinhalten gewandt. Der Grundsatz, wonach sich Kirche immer verändern muss, um auf Zeitfragen und Entwicklungen zu reagieren, gelte auch für Dogmen. Wer von „ewigen Wahrheiten“ rede, gleite in eine Ideologie der „Geschichtsenthobenheit“ ab, sagte sie bei einer Tagung der Katholischen Akademie Freiburg. Es gelte, bei Glaubenssätzen immer zwischen zeitlich bedingter Ausdrucksform und dem beabsichtigten Sinn zu unterscheiden. Die Kirche müsse Freiheit, Pluralität und Demokratie als Chance, nicht als Bedrohung verstehen. Glaubens- und Strukturfragen sind in Einklang zu bringen. „Wenn wir an ein kommunikatives Miteinander von Gott und Mensch glauben, dann muss sich das auch in den kirchlichen Strukturen widerspiegeln“. Für eine Männer- oder Kleriker-Herrschaft sei kein Platz. Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller rief dazu auf, Möglichkeiten des Kirchenrechts für demokratische und synodale Reformen in der römisch-katholischen Kirche zu nutzen. So sei es laut Kirchenrecht möglich, Nicht-Priester mit der Gemeindeleitung zu beauftragen. Ein wichtiger Schritt sei die von der Deutschen Bischofskonferenz geplante Einrichtung von kirchlichen Verwaltungsgerichten. Auf dieser Basis könne jedes Kirchenmitglied alle kirchlichen Verwaltungsakte von unabhängigen Gerichten überprüfen lassen. „Allerdings muss der Vatikan der Errichtung dieser Gerichte noch zustimmen, ich erwarte aber, dass er die Pläne positiv bewertet“, so Schüller. (kna u. vn v. 26. 5.)

 

Mehr und mehr römisch-katholische Diözesen der Weltkirche beauftragen in Zeiten des Priestermangels ehrenamtliche Laien mit dem Bestattungsdienst. In Wien ist das bereits länger der Fall. Jetzt hat auch Bischof Stephan Ackermann (Diözese Trier) fünf Laien zum Bestattungsdienst beauftragt, vier Frauen und einen Mann. Die Fünf sind keine hauptamtlichen Seelsorgerinnen und Seelsorger und haben im Dekanat Neunkirchen als „Ehrenamtliche im Bestattungsdienst“ eine erste Ausbildung erfahren. „Die Toten zu bestatten ist ein Werk der Barmherzigkeit”, erklärt Mechthild Schabo, Leiterin des Bereichs „Pastoral und Gesellschaft“ im Generalvikariat von Trier. „Die Leitung der Begräbnisfeier kann von jeder Christin und jedem Christen übernommen werden, der dazu bereit, geeignet und dafür qualifiziert ist“. Es geht um Erweiterung und Ergänzung, nicht um Ersatz”, verdeutlichte Schabo. (vn v. 27. 5.)

 

Der Limburger Bischof Georg Bätzing, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, und Thomas Sternberg, der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), blicken mit Zuversicht auf die Debatten beim „Synodalen Weg“. Die vier zentralen Themen sind: Macht, Sexualmoral, priesterliches Leben und Rolle der Frauen. Für Bätzing verschärften sich durch die Corona-Krise viele Fragen: „Das Thema Macht etwa: Wie viel Macht ist nötig, um diese Krise zu bewältigen - aber wie sieht es mit der Kontrolle aus? Oder das Thema Frauen: Wenn in der Krise die Frauen die Verliererinnen sind, weil sie die Hauptlast in den Familien schultern und beruflich zurückstecken, dann stellt sich auch die Frage nach der Rolle der Frauen in der Kirche noch deutlicher.“ Er will letztendlich zu gemeinsamen Beschlüssen kommen. „Und wenn die nicht in Deutschland alleine umsetzbar sind, werden wir sie in Rom vortragen.“ Ähnlich äußerte sich Sternberg. „Am Ende werden die Bischöfe eine Reihe von Entscheidungen in Deutschland umsetzen können, anderes werden wir als Votum nach Rom geben“. (kna u. vn v. 29. 5.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Nach dem Nein des Vatikan zu einer Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren fordert der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck „eine ernsthafte und zutiefst wertschätzende Neubewertung der Homosexualität". Die bloße Wiederholung der „Wertung von Homosexualität auf naturrechtlicher Basis" werde heute nicht mehr verstanden und auch nicht mehr akzeptiert, schreibt er in einem Brief an alle Pfarreien. Gerade in den Zuschriften vieler SeelsorgerInnen komme „eine offene Ablehnung der lehramtlichen Position zum Ausdruck, die nicht mehr ignoriert werden darf". Bei aller Wertschätzung von Schriftzeugnis, Lehramt und Tradition müsse es um eine „Übersetzung der Zeichen der Zeit" gehen. Die gesamte Tradition sei „als ein lebendiges Geschehen zu begreifen". Gerade die Segensfeiern seien entstanden aus der seelsorglichen Begleitung der betroffenen Menschen. „Über das Gute ihres Lebens einen Segen zu sprechen, der nicht einer Trauung ähnelt, wohl aber Zeichen der Begleitung ist, soll doch zeigen: Im Namen der Kirche ist Gott in dieser Beziehung gegenwärtig." Ähnlich 2600 Geistliche in Deutschland, zahlreiche Priester in Österreich, sowie die österreichischen Bischöfe Wilhelm Krautwaschl (Graz-Seckau), Josef Markets (Gurk-Klagenfurt), Hermann Glettler (Linz) und der Antwerpener Bischof Johan Bonny. (kna u. zahlreiche Medien ab. 20. 3.)

     

  • Im Irak tätige religiöse Organisationen haben anlässlich der Papstreise vom 5. bis zum 8. März ein gemeinsames Statement für Solidarität, Geschwisterlichkeit und interreligiösen Dialog unterzeichnet. In der interreligiösen Erklärung verpflichten sich die Organisationen, Diskriminierung und Missionierung abzulehnen, die kulturellen Werte und Überzeugungen anderer zu respektieren, den sozialen Zusammenhalt zu fördern und die Zusammenarbeit bei der Hilfe für Bedürftige zu stärken. Sie rufen zudem die Internationale Gemeinschaft auf, dem irakischen Volk zu helfen, die gegenwärtigen Herausforderungen „in einem wahren Geist der menschlichen Geschwisterlichkeit und Solidarität“ zu bewältigen. Die Erklärung unterschrieben unter anderem mehrere Caritas-Einrichtungen, die christlich-muslimische Adyan-Stiftung, Islamic Relief Worldwide und der Lutherische Weltbund. Schon in seiner Enzyklika „Fratelli tutti“ habe Papst Franziskus daran erinnert, dass sich keiner allein retten könne, heißt es in dem Manifest. Als positives Beispiel interreligiöser Zusammenarbeit verweisen die Unterzeichner auf das Abu Dhabi-Dokument von 2019 zur Brüderlichkeit aller Menschen hin , das Papst Franziskus und Großimam Ahmad Mohammad Al-Tayyeb unterzeichneten. „Als glaubensbasierte Organisationen schließen wir uns vollständig dieser Botschaft der Geschwisterlichkeit und des Dialogs an“. (vn v. 3. 3.)

     

  • Die Enzyklika „Fratelli tutti“ über Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft steht im Zentrum eines Web-Seminars, bei dem weibliche Führungspersönlichkeiten unterschiedlicher Religionen und Kulturen zu Wort kommen. Organisiert wurde das ökumenische und interreligiöse Seminar von der Weltunion katholischer Frauenverbände (WUCWO) anlässlich des internationalen Weltfrauentags am 8. März. Zwei Vatikangremien wirken dabei mit: der weibliche Beraterstab des päpstlichen Kulturrates und der Päpstliche Rat für Interreligiösen Dialog. Neben einer Videobotschaft der ehemaligen UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova, die als weibliches Mitglied im „Hohen Komitee für die Brüderlichkeit unter den Menschen“ im islamisch-christlichen Dialog engagiert ist, sind Beiträge weiterer Vertreterinnen aus Christentum, Judentum und Islam, Buddhismus und Hinduismus vorgesehen. Das Wort ergreifen etwa die Soziologieprofessorin und Vatikanberaterin Consuelo Corradi, Leiterin des Frauenrates im Päpstlichen Kulturrat, sowie die muslimische Theologin Shahrzad Houshmand, die ebenfalls dort Mitglied ist. Auch sprechen die Präsidentin des Interreligiösen und Interkulturellen Komitees des Internationalen Rates der Jüdischen Frauen, Nadine Iarchy. Weitere Beiträge kommen von Elena Seishin Viviani von der Buddhistischen Union und Svamini Hamsananda Ghiri von der Hinduistischen Union in Italien. Grußworte sprechen Kardinal Gianfranco Ravasi, Präsident der Päpstlichen Kulturrates, und Kardinal Miguel Ángel Ayuso Guixot, Präfekt des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog. „Wir sind dann im Jahr 2020 zu einer gemeinsamen Erklärung gekommen und haben festgestellt, dass es gemeinsame Punkte gibt, um menschliche Geschwisterlichkeit gemäß den vom Papst angegebenen Richtlinien durch Frauen in der Welt zu verwirklichen. In diesem Jahr 2021 hoffen wir, diesen Weg des Dialogs einen Schritt weiterzugehen und zu konkretisieren - es geht jetzt darum, von Erklärungen zu Fakten überzugehen“, sagt die Argentinierin Maria Lia Zervino, Präsidentin der WUCWO, im Interview mit Radio Vatikan. (vn v. 3. 3.)

     

  • Der Innsbrucker Pastoraltheologe Christian Bauer fordert eine Neuausrichtung der Priesterausbildung. Es brauche „einen anderen, postklerikalen Geist", schreibt er in einem Gastbeitrag für das Portal katholisch.de. Angehende Priester müssten „aus ihrer persönlichen Komfortzone heraus“. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) habe es „durchaus bemerkenswerte Neuansätze" gegeben. Unter dem heutigen Papst ergäben sich neue Möglichkeiten, da Franziskus die Synodalität als gemeinsames Vorangehen aller Getauften propagiere. Bislang führe die Priesterausbildung häufig zu einem „Hineinsozialisieren in einen klerikalen Habitus, der längst als ein wesentlicher Grund des geistlichen Missbrauchs bis hin zu sexualisierter Gewalt identifiziert ist". In Priesterseminaren entstehe oft ein „verhängnisvoller klerikaler Korpsgeist". Es brauche jedoch individuelle Möglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln, fordert der Pastoraltheologe. Zudem sollten „angehende Priester, Gemeinde- und Pastoralreferent*innen" nicht in „XXL-Seminaren" abgeschottet sein, sondern in dezentralen Wohngemeinschaften am ‚normalen' Studierendenleben" teilhaben. Prof. Bauer äußerte sich deshalb, weil eine Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz ein Reformkonzept vorgelegt hat, wonach die Priesterausbildung nur noch an wenigen Standorten in Deutschland erfolgen soll. Dies stieß zum Teil auf heftige Kritik. (kna u. kap v. 2. 3.)

     

  • Der deutsche Ökumenische Kirchentag (ÖKT) 2021 wird anders als alle Kirchentage bisher. Ein Beispiel dafür ist „Schaut hin – Von der Krise zur Vision“, das Anfang März veröffentlichte gemeinsame Magazin der römisch-katholischen und evangelischen Kirche für den Religionsunterricht. Konkret arbeiteten hier das Dezernat Schule und Bildung im Bistum Limburg und das Religionspädagogische Institut der Evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck und der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) zusammen. Das Heft bietet für Schulen Unterrichtsmaterialien zu den zentralen Themen des ÖKTs an: von Glaube und Spiritualität über die Bewahrung der Schöpfung bis hin zu Wirtschaft. „Es ist so wichtig, dass gerade Kinder und Jugendliche erkennen können, dass Christ-Sein nicht bedeutet, weltfern zu sein“, schreiben in ihrem Geleitwort der Bischof von Limburg, Georg Bätzing, sowie die Bischöfin von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, und der Kirchenpräsident der EKHN, Volker Jung. (vn [=Vatican News] v. 2. 3.)

     

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