Zusammenarbeit und Dialog mit den (Welt-)Religionen: (Islam u.a.)

Kardinal Reinhard Marx (München) sieht wiederholte Angriffe auf Gebetshäuser in Deutschland mit großer Sorge. „Solche Verbrechen sind schändlich und dürfen in keiner Weise verharmlost werden“, schreibt der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz in einem veröffentlichten Grußwort zum Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan. „In einer offenen Gesellschaft darf kein Mensch Angst verspüren, wenn er ein Gebetshaus betritt.“ Es sei Pflicht der gesamten Gesellschaft, Hass und Hetze zurückzuweisen und sich für ein friedliches und vertrauensvolles Miteinander einzusetzen. Das gelte besonders für die Vertreter der Religionen, „denn ohne Frieden zwischen den Religionen und Kulturen gibt es keinen Frieden in unserer Gesellschaft“. In seiner Grußbotschaft übermittelt Marx Segenswünsche an alle Muslime in Deutschland: „Gott, der Schöpfer und Erhalter dieser Welt, möge Sie durch die Fastenzeit begleiten und Ihre Gebete erhören!“ Der Kardinal forderte dazu auf, gemeinsam daran zu arbeiten, dass sich weltweit das Verständnis von gleichen staatsbürgerlichen Rechten für alle durchsetzt. „Den Wert des Respektes müssen wir besonders den Jugendlichen vermitteln. Denn sie werden in der von uns geschaffenen pluralen Gesellschaft noch lange miteinander arbeiten und leben.“ (kna u. vn v. 5. 5.)

 

Die Muslimische Jugend Österreichs (MJÖ) lud am 6. Mai, am Beginn des Fastenmonats Ramadan, ein, um über ihre Initiative „Muslimen gegen Antisemitismus“ (MJÖ) zu berichten: Workshops über Antisemitismus, Besuche ehemaliger Konzentrationslager, Gespräche mit Zeitzeugen der Schoa u. a. m. Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Oskar Deutsch, sprach von einem „Meilenstein“, weil sein Vorredner Ümit Vural, der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) ankündigte, in Hinkunft die Antisemitismus-Definition der „International Holocaust Remembrance Alliance“ (IHRA) offiziell zu übernehmen. Vural bekannte, dass es Antisemitismus leider auch unter Muslimen gebe und dass Muslime mit Juden solidarische sein müssten, wenn sie verfolgt würden. US-Botschafter Trevor Traina war gekommen und würdigte die Initiative der MJÖ ebenso wie Katharina Schnurbein, die EU-Antisemitismus-Beauftragte. Altbundespräsident Heinz Fischer, Bundestagspräsident Wolfgang Sobotka sowie Bundeskanzler Sebastian Kurz sandten Grußbotschaften. Eine der Vorsitzenden der MJÖ, Nermina Mumić, sagte u. a.: „Es mag MuslimInnen geben, die meinen, dass sie keine historische Verantwortung für den Holocaust übernehmen könnten. […Aber] wer es ernst meint mit der historischen Verantwortung und der in Wirklichkeit ureigenen menschlichen Verantwortung, der muss gegen Antisemitismus aufstehen. […] Für uns ist eines klar: Jeder Angriff auf eine Jüdin und einen Juden ist ein Angriff auf uns.“ (Die Furche v. 9. 5.)

 

Indische Katholiken und Muslime wollen den Opfern der Terrorangriffe an Ostern in Sri Lanka gemeinsam konkrete Unterstützung anbieten. Das teilten Kardinal Oswald Gracias, Erzbischof von Mumbai und Präsident der indischen Bischofskonferenz, sowie Mahmoud A. Madani, Generalsekretär des indischen muslimischen Theologenverbandes „Jamiat Ulama-I-Hind“, in einer gemeinsamen Stellungnahme mit. Eine hochrangige interreligiöse Delegation soll in Sri Lanka die Möglichkeiten für eine derartige Hilfe und Zusammenarbeit ausloten. Gemeinsam wollten sie ihrem „Schock und unmissverständlicher Verurteilung der barbarischen und feigen Angriffe in Sri Lanka“ Ausdruck verleihen. „Die Personen und Gruppen, die für die Massaker verantwortlich sind, sind gegen die Menschheit, gegen die Zivilisation und gegen Gott.“ Derartige Attacken seien umso schlimmer, als sie unter dem Vorwand religiöser Motive, neben unschuldigem Leben, auch Frieden und Harmonie zerstörten. „Alle Männer und Frauen guten Willens, unabhängig von ihrer Religion, Kaste oder Credo“ seien aufgerufen, sich dafür einzusetzen, „die Menschlichkeit zu retten und die soziale Harmonie und Frieden aufrechtzuerhalten“, so die gemeinsame Botschaft. (fides u. vn v. 7. 5.)

 

Der griechisch-orthodoxe Patriarch von Jerusalem, Theophilos III., hat dem jordanischen König Abdullah II. für seine Spende zugunsten der Restaurierung der Jerusalemer Grabeskirche gedankt. Die Spende sei „eine praktische Umsetzung der haschemitischen Wächterschaft über islamische und christliche heilige Stätten in Jerusalem“, betonte der Patriarch laut Bericht des arabisch-christlichen Portals „Abouna“. Gleichzeitig sei die private Spende des Königs Zeichen seines persönlichen Engagements für die Sicherheit und die Zukunft der heiligen Stadt. Theophilos lobte die Bemühungen des Königshauses um gemeinsame Werte von Christen und Muslimen. Der Leiter des Christlichen Medienzentrums in Jordanien, Rifat Bader, meinte, Abdullah II. zeige damit, „dass die haschemitische Wächterschaft nicht Tinte auf dem Papier ist, sondern eher eine in den noblen Taten der Güte und des Dialogs verkörperte Realität“. (kap u. vn v. 8. 5.)

 

Das zweite „Beratungsforum zur nationalen Versöhnung und Frieden“ in Myanmar endete im Einvernehmen zwischen Regierung und Religionsvertretern. Wie AsiaNews berichtet, hofft die Regierungschefin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi auf „gegenseitigen Respekt zwischen den verschiedenen Ethnien und Religionen“. Der Papstbesuch trägt also Früchte. Zusammen mit Suu Kyi appellierten die religiösen Führungspersonen für Einheit und Verständnis. Die Veranstaltung organisiert hatte „Religions for Peace – Myanmar“ (RfP). Dabei beschäftigten sich die Teilnehmer mit Bildungszugängen, der Stärkung der Frauen und jungen Menschen, Einigung zwischen den ethnischen Gruppen, Akzeptanz der anderen Religionen und anderen aktuellen Themen im Land. Erzbischof Kardinal Charles Bo von Rangun/Yangon erklärte, dass sich RfP weiterhin zu den Friedensbemühungen verpflichtet sieht. Für November planen sie bereits das nächste Forum. RfP-Generalsekretär P. Joseph Maung Win beobachtet, wie Religionen weniger missbraucht werden und ihre Vertreter sich zunehmend zu einflussreichen Akteuren im Versöhnungsprozess entwickelten. Seit der apostolischen Reise von Papst Franziskus hätten RfP-Mitarbeiter ihre Aktivitäten verstärken und auch in problematischen Regionen arbeiten können. (asia news u. vn v. 10. 5.)

 

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) hat bei einem Kondolenzbesuch in Sri Lanka seine Verbundenheit mit den Opfern der Osteranschläge gezeigt. „Die Terroristen wollen uns spalten und die Gesellschaft auseinanderbringen. Unsere Antwort kann nur sein, dass wir den interreligiösen Dialog weiterführen“, sagte Generalsekretär Abdassamad El-Yazidi in einer Videobotschaft aus Colombo. Alle Religionen müssten füreinander ein- und gegen den Terror zusammenstehen. Abdelmalek Hibaoui, Mitglied des ZMD-Gelehrtenrates, und El-Yazidi hatten zunächst die von den Anschlägen betroffene St. Anthony Church besucht und der Gemeinde kondoliert. Geplant seien außerdem Treffen mit Colombos Erzbischof, Kardinal Ranjith, sowie mit weiteren muslimischen und buddhistischen Vertretern. Der ZMD ist einer von mehreren muslimischen Dachverbänden in Deutschland. (kna u. vn v. 10. 5.)

 

Auch in diesem Jahr hat der Vatikan den Muslimen in aller Welt zu ihrem Fastenmonat Ramadan Grüße übermittelt. „Wir Muslime und Christen sind dazu aufgerufen, uns für den jeweils anderen zu öffnen, ihn besser kennenzulernen und ihn als Bruder oder Schwester anzuerkennen“, heißt es in der Botschaft des päpstlichen Dialogrates. „Auf diese Weise können wir die Mauern niederreißen, die Angst und Ignoranz errichtet haben.“ Die Botschaft aus dem Vatikan bedient sich großzügig aus Texten der Papstreisen nach Ägypten (2017) und Abu Dhabi (2019). Der Dialog zwischen den zwei großen Religionen sollte aus Vatikansicht „das Recht jedes Menschen auf Leben, auf körperliche Unversehrtheit und auf grundlegende Rechte wie die Gewissens-, Denk-, Meinungs- und Religionsfreiheit fördern. […] Dazu gehört die Freiheit, sowohl in der privaten als auch in der öffentlichen Sphäre nach den eigenen Überzeugungen leben zu dürfen.“ Ziel sei „nicht einfach nur eine Haltung der Toleranz, sondern ein authentisches, friedliches Zusammenleben“. (vn v. 10. 5.)

 

Der Vatikan hat Buddhisten in aller Welt zu deren Vesakh-Fest am 19. Mai gratuliert und damit einen Appell für die Rechte von Frauen verbunden. Ein Drittel der Frauen und Mädchen weltweit erlebten Gewalt. Um diese Ungerechtigkeiten zu überwinden, seien Zugang zu Bildung, gleiche Bezahlung und Anerkennung ihrer Erb- und Besitzrechte nötig, aber auch eine angemessene Vertretung von Frauen in Politik und Entscheidungsprozessen, hieß es in der vom Päpstlichen Rat für interreligiösen Dialog verbreiteten Botschaft. Sowohl Jesus als auch Buddha hätten die Würde von Frauen verteidigt. Die Förderung der Würde und Rechte von Frauen müsse auch im interreligiösen Dialog zum Ausdruck kommen. Das Vesakh-Fest erinnert an Geburt, Erleuchtung und Verlöschung des Religionsstifters Siddhartha Gautama. (kna u. vn v. 11. 5.; JA v. 26. 5.)

 

Der römisch-katholische Malteserorden knüpft Kontakte zum Islam: „Wir sind dabei, mit Vertretern anderer Religionen über die Geltung humanitärer Prinzipien in den jeweiligen Religionen ins Gespräch zu kommen“, sagte der Großkanzler des Ordens, Albrecht Freiherr von Boeselager, in einem Interview der KNA. Dabei wolle man sich zunächst auf den Islam konzentrieren. „Es haben bereits Treffen mit hochrangigen Vertretern stattgefunden.“ Boeselager fungiert als „Außenminister“ des Ordens, der als Völkerrechtssubjekt diplomatische Beziehungen zu anderen Staaten pflegen kann und weltweit in der humanitären Hilfe tätig ist. (kna u. vn v. 15. 5.)

 

Die weltweiten Herausforderungen durch Flucht und Migration standen im Mittelpunkt eines Treffens des „Internationalen Katholisch-Jüdischen Verbindungskomitees“ (ILC) in Rom. Unter dem Motto „Menschen, Ideen und Grenzen in Bewegung“ diskutierten die Delegierten drei Tage lang über Ursachen und humanitäre Antworten auf die Migrationsproblematik. Auf dem Programm stand unter anderem der Besuch in einem Aufnahmezentrum der Gemeinschaft Sant'Egidio. Papst Franziskus, der die Delegierten zur Audienz empfing, betonte in seiner Rede das „gegenseitige Verstehen, Brüderlichkeit und geteilte Engagement“ beider Religionen auf der Grundlage ihres reichen spirituellen Erbes. Er rief Katholiken und Juden dazu auf, den Herausforderungen von Flucht und Migration gemeinsam zu begegnen. Die Zusammenkunft war seit 1971 das 24. Treffen des ILC. Das Gremium ist eine Partnerschaft zwischen der vatikanischen Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum und dem Internationalen Jüdischen Komitee für Interreligiöse Beratungen. (kna u. vn v. 18. 5.)

 

Der Erzbischof von Chicago, Kardinal Blase Joseph Cupich, hat sich bei örtlichen Juden für die Rede des US-Führers der „Nation of Islam“, Louis Farrakhan, in einer Kirche seiner Erzdiözese entschuldigt. Farrakhan habe in seiner Ansprache in der St. Sabina Kirche das jüdische Volk in einer diskriminierenden Sprache verleumdet. Der örtliche Pfarrer habe Cupich vorher nicht um Erlaubnis gefragt, die Veranstaltung mit Farrakhan ausrichten zu dürfen, berichtete die katholische Nachrichtenagentur CNS. Die Anti-Rassismus-Organisation Southern Poverty Law Center stuft die „Nation of Islam“ als Hassgruppe ein. (JA v. 26. 5.)

 

Der Spanier Bischof Miguel Angel Ayuso Guixot ist der neue Vatikanverantwortliche im Päpstlichen Dialograt für interreligiösen Dialog. Er will den Stil seines verstorbenen Vorgängers Kardinal Jean-Louis Tauran fortsetzen und die „Kultur des Dialogs“ pflegen, von der Papst Franziskus gerne spricht. „Wir sehen, dass es heute sehr wichtig ist, diese Kultur des Dialogs zu verbreiten. Sie muss aus meiner Sicht von der Toleranz übergehen zum Zusammenleben, um bei einer echten Koexistenz im Geist des Friedens zu landen. […] Wir haben dem Weltrat der Kirchen eine kleine Schrift über die Erziehung zum Frieden präsentiert. Und da geht es genau um diesen ,Zusammenprall der Ignoranzen', von dem Kardinal Tauran redete. Es braucht, so sagte er gern, eine echte und gesunde Erziehung zu den authentischen moralischen Werten und einen Religionsunterricht, der Koexistenz, die Akzeptanz des anderen in den Blick nimmt.“ Ein weitere „Herausforderung ist die Mitarbeit beim Aufbau des Weltfriedens. Hier will ich vor allem an die Erklärung von Abu Dhabi erinnern. […] Es ist ein sehr wichtiges Dokument. Der Papst und der Großscheich von al-Azhar haben sich konkret darauf verpflichtet, den Geist dieses Dokuments in ihren jeweiligen Gemeinschaften zu verbreiten und umzusetzen.“, sagte Bischof Guixot. (vn v. 27. 5.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Nach dem Nein des Vatikan zu einer Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren fordert der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck „eine ernsthafte und zutiefst wertschätzende Neubewertung der Homosexualität". Die bloße Wiederholung der „Wertung von Homosexualität auf naturrechtlicher Basis" werde heute nicht mehr verstanden und auch nicht mehr akzeptiert, schreibt er in einem Brief an alle Pfarreien. Gerade in den Zuschriften vieler SeelsorgerInnen komme „eine offene Ablehnung der lehramtlichen Position zum Ausdruck, die nicht mehr ignoriert werden darf". Bei aller Wertschätzung von Schriftzeugnis, Lehramt und Tradition müsse es um eine „Übersetzung der Zeichen der Zeit" gehen. Die gesamte Tradition sei „als ein lebendiges Geschehen zu begreifen". Gerade die Segensfeiern seien entstanden aus der seelsorglichen Begleitung der betroffenen Menschen. „Über das Gute ihres Lebens einen Segen zu sprechen, der nicht einer Trauung ähnelt, wohl aber Zeichen der Begleitung ist, soll doch zeigen: Im Namen der Kirche ist Gott in dieser Beziehung gegenwärtig." Ähnlich 2600 Geistliche in Deutschland, zahlreiche Priester in Österreich, sowie die österreichischen Bischöfe Wilhelm Krautwaschl (Graz-Seckau), Josef Markets (Gurk-Klagenfurt), Hermann Glettler (Linz) und der Antwerpener Bischof Johan Bonny. (kna u. zahlreiche Medien ab. 20. 3.)

     

  • Im Irak tätige religiöse Organisationen haben anlässlich der Papstreise vom 5. bis zum 8. März ein gemeinsames Statement für Solidarität, Geschwisterlichkeit und interreligiösen Dialog unterzeichnet. In der interreligiösen Erklärung verpflichten sich die Organisationen, Diskriminierung und Missionierung abzulehnen, die kulturellen Werte und Überzeugungen anderer zu respektieren, den sozialen Zusammenhalt zu fördern und die Zusammenarbeit bei der Hilfe für Bedürftige zu stärken. Sie rufen zudem die Internationale Gemeinschaft auf, dem irakischen Volk zu helfen, die gegenwärtigen Herausforderungen „in einem wahren Geist der menschlichen Geschwisterlichkeit und Solidarität“ zu bewältigen. Die Erklärung unterschrieben unter anderem mehrere Caritas-Einrichtungen, die christlich-muslimische Adyan-Stiftung, Islamic Relief Worldwide und der Lutherische Weltbund. Schon in seiner Enzyklika „Fratelli tutti“ habe Papst Franziskus daran erinnert, dass sich keiner allein retten könne, heißt es in dem Manifest. Als positives Beispiel interreligiöser Zusammenarbeit verweisen die Unterzeichner auf das Abu Dhabi-Dokument von 2019 zur Brüderlichkeit aller Menschen hin , das Papst Franziskus und Großimam Ahmad Mohammad Al-Tayyeb unterzeichneten. „Als glaubensbasierte Organisationen schließen wir uns vollständig dieser Botschaft der Geschwisterlichkeit und des Dialogs an“. (vn v. 3. 3.)

     

  • Die Enzyklika „Fratelli tutti“ über Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft steht im Zentrum eines Web-Seminars, bei dem weibliche Führungspersönlichkeiten unterschiedlicher Religionen und Kulturen zu Wort kommen. Organisiert wurde das ökumenische und interreligiöse Seminar von der Weltunion katholischer Frauenverbände (WUCWO) anlässlich des internationalen Weltfrauentags am 8. März. Zwei Vatikangremien wirken dabei mit: der weibliche Beraterstab des päpstlichen Kulturrates und der Päpstliche Rat für Interreligiösen Dialog. Neben einer Videobotschaft der ehemaligen UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova, die als weibliches Mitglied im „Hohen Komitee für die Brüderlichkeit unter den Menschen“ im islamisch-christlichen Dialog engagiert ist, sind Beiträge weiterer Vertreterinnen aus Christentum, Judentum und Islam, Buddhismus und Hinduismus vorgesehen. Das Wort ergreifen etwa die Soziologieprofessorin und Vatikanberaterin Consuelo Corradi, Leiterin des Frauenrates im Päpstlichen Kulturrat, sowie die muslimische Theologin Shahrzad Houshmand, die ebenfalls dort Mitglied ist. Auch sprechen die Präsidentin des Interreligiösen und Interkulturellen Komitees des Internationalen Rates der Jüdischen Frauen, Nadine Iarchy. Weitere Beiträge kommen von Elena Seishin Viviani von der Buddhistischen Union und Svamini Hamsananda Ghiri von der Hinduistischen Union in Italien. Grußworte sprechen Kardinal Gianfranco Ravasi, Präsident der Päpstlichen Kulturrates, und Kardinal Miguel Ángel Ayuso Guixot, Präfekt des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog. „Wir sind dann im Jahr 2020 zu einer gemeinsamen Erklärung gekommen und haben festgestellt, dass es gemeinsame Punkte gibt, um menschliche Geschwisterlichkeit gemäß den vom Papst angegebenen Richtlinien durch Frauen in der Welt zu verwirklichen. In diesem Jahr 2021 hoffen wir, diesen Weg des Dialogs einen Schritt weiterzugehen und zu konkretisieren - es geht jetzt darum, von Erklärungen zu Fakten überzugehen“, sagt die Argentinierin Maria Lia Zervino, Präsidentin der WUCWO, im Interview mit Radio Vatikan. (vn v. 3. 3.)

     

  • Der Innsbrucker Pastoraltheologe Christian Bauer fordert eine Neuausrichtung der Priesterausbildung. Es brauche „einen anderen, postklerikalen Geist", schreibt er in einem Gastbeitrag für das Portal katholisch.de. Angehende Priester müssten „aus ihrer persönlichen Komfortzone heraus“. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) habe es „durchaus bemerkenswerte Neuansätze" gegeben. Unter dem heutigen Papst ergäben sich neue Möglichkeiten, da Franziskus die Synodalität als gemeinsames Vorangehen aller Getauften propagiere. Bislang führe die Priesterausbildung häufig zu einem „Hineinsozialisieren in einen klerikalen Habitus, der längst als ein wesentlicher Grund des geistlichen Missbrauchs bis hin zu sexualisierter Gewalt identifiziert ist". In Priesterseminaren entstehe oft ein „verhängnisvoller klerikaler Korpsgeist". Es brauche jedoch individuelle Möglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln, fordert der Pastoraltheologe. Zudem sollten „angehende Priester, Gemeinde- und Pastoralreferent*innen" nicht in „XXL-Seminaren" abgeschottet sein, sondern in dezentralen Wohngemeinschaften am ‚normalen' Studierendenleben" teilhaben. Prof. Bauer äußerte sich deshalb, weil eine Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz ein Reformkonzept vorgelegt hat, wonach die Priesterausbildung nur noch an wenigen Standorten in Deutschland erfolgen soll. Dies stieß zum Teil auf heftige Kritik. (kna u. kap v. 2. 3.)

     

  • Der deutsche Ökumenische Kirchentag (ÖKT) 2021 wird anders als alle Kirchentage bisher. Ein Beispiel dafür ist „Schaut hin – Von der Krise zur Vision“, das Anfang März veröffentlichte gemeinsame Magazin der römisch-katholischen und evangelischen Kirche für den Religionsunterricht. Konkret arbeiteten hier das Dezernat Schule und Bildung im Bistum Limburg und das Religionspädagogische Institut der Evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck und der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) zusammen. Das Heft bietet für Schulen Unterrichtsmaterialien zu den zentralen Themen des ÖKTs an: von Glaube und Spiritualität über die Bewahrung der Schöpfung bis hin zu Wirtschaft. „Es ist so wichtig, dass gerade Kinder und Jugendliche erkennen können, dass Christ-Sein nicht bedeutet, weltfern zu sein“, schreiben in ihrem Geleitwort der Bischof von Limburg, Georg Bätzing, sowie die Bischöfin von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, und der Kirchenpräsident der EKHN, Volker Jung. (vn [=Vatican News] v. 2. 3.)

     

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