Ökumene

Es ist eine ökumenische Premiere in Österreich: Erstmals tagen die Mitglieder der römisch-katholischen sowie der orthodoxen Bischofskonferenz gemeinsam. Das Treffen findet ab 4. November im Wiener Erzbischöflichen Palais statt. Nach einem Austausch über Themen, die für beiden Kirchen relevant sind, wird um 18.30 Uhr eine gemeinsame Vesper in der griechisch-orthodoxen Kathedrale (Fleischmarkt 13, 1010 Wien) gefeiert, zu der alle Gläubigen eingeladen sind. Der gemeinsame Teil der Tagung endet mit einem Empfang des griechisch-orthodoxen Metropoliten Arsenois (Kardamakis), der auch Vorsitzender der orthodoxen Bischofskonferenz in Österreich ist. Danach diskutierte der rein römisch-katholische Episkopat u. a. die Ergebnisse der Amazonien-Synode, an der Kardinal Schönborn teilgenommen hatte. (kap u. vn v. 3. 11.)

 

In der Diskussion um die Zulassung verheirateter Männer zum Priesteramt melden sich nun Vertreterinnen der römisch-katholischen Frauen zu Wort. Für Angelika Ritter-Grepl, Leiterin des Frauenreferats der Diözese Innsbruck, Bernadette Fürhapter, Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung, und Ingrid Jehle, Vorsitzende der Frauenkommission der Diözese, geht die Ämterdiskussion in der römisch-katholischen Kirche nicht weit genug. „Das Thema des Zölibats für Männer und der Zulassung von verheirateten Männern zum Priestertum überdeckt alles“, sagt Ritter-Grepl. „Der offensichtliche Elefant im Raum – nämlich die Frage der Frauen und ihrer Zulassung zum Priestertum – bleibt unbenannt. […] Aus Frauenperspektive ist festzustellen, dass seit Jahrhunderten zölibatär lebende, erstklassig ausgebildete Ordensfrauen die Kirche gestalten und es Ordensfrauen in sehr großer Zahl gibt, die sofort durch eine Weihe in ihren Einsatzorten Gottesdienste feiern könnten“, sagte Ritter-Grepl. Das ständige Diakonat und das römisch-katholische Priestertum seien grundlegend unterschiedlich. „Diakone sind keine Priester.“ Die Kirche müsse ihre Glaubwürdigkeit verstärken, „indem sie die gleiche Würde von Frauen und Männern und die Gottebenbildlichkeit der Geschlechter in ihren Strukturen durch Gleichberechtigung zum Leben erweckt. […] Viele katholische Frauen wollen nicht mehr Gottes vergessene Töchter bleiben, sondern fordern die Anerkennung ihrer Gotteskindschaft durch die Zulassung zu allen Weiheämtern ein“, so Ritter-Grepl. (www.tt.com v. 6. 11.)

 

Papst Franziskus hat die Heilsarmee für ihr christliches Zeugnis und ihren Dienst für Arme gewürdigt. Der „Geschmack bedingungsloser Liebe" diene als Gegengift in einer Welt voller Egoismen und Spaltungen, sagte er am 8. November beim Empfang des Leiters der Freikirche, General Brian Peddle, im Vatikan. Ausdrücklich dankte Franziskus für das Engagement der Heilsarmee zugunsten von Obdachlosen und Benachteiligten in Rom: Echte christliche Jüngerschaft zeige sich in konkreten Akten der Güte und Solidarität. Auf dieser Basis könnten sich Katholiken und Mitglieder der Heilsarmee „gegenseitig helfen und in wechselseitigem Respekt immer mehr zusammenarbeiten". Die Heilsarmee wurde 1865 von dem Methodisten-Pastor William Booth in den Elendsvierteln Londons gegründet und gilt als „Freikirche“. Der 62-jährige Kanadier Peddle steht der Gemeinschaft, die nach eigenen Angaben weltweit rund 1,6 Millionen Mitglieder zählt, seit August 2018 als General vor. (kap u. vn v. 8. 11.)

 

Ein besonderes Jubiläum feierte das Ökumene-Netzwerk „Miteinander für Europa“ in Augsburg. In Ottmaring, wo vor 20 Jahren Vertreter des Lutherischen Weltbundes und der römisch-katholischen Kirche die „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ unterzeichnet haben, kamen rund 300 Vertreter aus 55 christlichen Gemeinschaften und Bewegungen verschiedener Kirchen aus 25 Ländern Europas zusammen. Der evangelische Bischof Christian Krause hatte 1999 als damaliger Präsident des Lutherischen Weltbundes die „Gemeinsame Erklärung“ mitunterzeichnet und erinnerte an die vielen ermutigenden Schritte, die in der Ökumene seitdem getan wurden. Im aktuellen Klima zunehmender politischer Polarisierung, brauche es die Erfahrungen der religiösen Gemeinschaften hinsichtlich versöhnter Verschiedenheit. Zahlreiche Initiativen stellten sich in kurzen Beiträgen vor, um die Vielfalt der Beziehungen deutlich zu machen, die das gemeinsame Ökumene-Netzwerk prägen. Der Moderator des Ökumene-Netzwerkes, Gerhard Proß, hatte während des Treffens auch Perspektiven für die Zukunft skizziert: Es gelte, das Thema Versöhnung weiter zu vertiefen. „In Zeiten des Auseinanderdriftens und der Tendenzen zur Abgrenzung wollen wir ein prophetisches Zeichen für ein glaubwürdiges Miteinander in Europa sein“, unterstrich Proß. In der evangelischen Kirche St. Anna endete der Tag mit einem ökumenischen Gebet. (vn . 11. 11.)

 

Die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Graz zeichnet die evangelische Theologin Sabine Plonz mit dem „Elisabeth-Gössmann-Preis für hervorragende wissenschaftliche Arbeiten im Bereich der Frauen- und Geschlechterforschung" aus. Plonz ist Dozentin für evangelisch-theologische Ethik an der Universität Münster. Überreicht wird ihr der mit 3.000 Euro dotierte Preis am 10. Dezember im Rahmen des Symposiums „Genderforschung - brauchen wir das?" in der Universität Graz. (kap v. 12. 11.)

 

Die wechselseitige Teilnahme am Abendmahl bzw. an der Eucharistie, wie sie vom Ökumenischen Arbeitskreis evangelischer und römisch-katholischer Theologen in seinem jüngsten Votum vorgeschlagen werde, stößt durchwegs auf positive Resonanz. Er habe „noch keine Fundamentalkritik“ dazu vernommen, sagte der pfälzische Kirchenpräsident Christian Schad bei der Synode der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD). Nun liege der Ball bei der Deutschen Bischofskonferenz, wie sie mit dem Vorschlag umgehe. Er selbst fände es „wichtig, Konsequenzen aus dem Papier zu ziehen". Eine vom „Kontaktgesprächskreis" der EKD und der Deutschen Bischofskonferenz eingerichtete Arbeitsgruppe soll bis zum Ökumenischen Kirchentag 2021 weitere Perspektiven zur Zukunft der Ökumene in Deutschland entwickeln. (kna u. vn v. 12. 11.)

 

Ein ökumenisches Gebet wird am 22. November in Rom in der Abteikirche Sant’Anselmo an die Unterzeichnung der „Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ vom Jahr 1999 erinnern. Dabei ist auch ein gemeinsames Taufgedenken vorgesehen. Angesagt haben sich der vatikanische ökumene-verantwortliche Kurienkardinal Kurt Koch, und wetere ökumenische Repräsentanten. Sant’Anselmo ist Sitz einer internationalen Hochschule der Benediktiner. Mit der „Gemeinsamen Erklärung“ hatten der Lutherische Weltbund und die römisch-katholische Kirche 1999 erstmals offiziell einen differenzierten Konsens über die Frage der Rechtfertigung erreicht, eine Kernfrage der Reformation. (vn v. 13. 11.)

 

Papst Franziskus und der anglikanische Primas Justin Welby wollen gemeinsam in den Südsudan reisen. Bedingung hierfür sei, dass die Konfliktparteien wie angestrebt binnen 100 Tagen eine Einheitsregierung zustande bringen. Wie das vatikanische Presseamt weiter bekanntgab, standen im Mittelpunkt der Unterredung zwischen dem Papst und Welby die Lage der Christen weltweit und besonders die „betrübliche Situation im Südsudan“. An dem Treffen nahm auch Erzbischof Ian Ernest teil, seit Oktober Repräsentant des Erzbischofs von Canterbury in Rom und Leiter des dortigen Anglikanischen Zentrums. Papst Franziskus hatte mehrfach für eine Friedenslösung in dem afrikanischen Staat geworben. Im April 2019 lud er Südsudans Präsident Kiir und dessen Rivalen Machar zu einem Besinnungstag in den Vatikan ein. In einer spektakulären Geste beim Abschluss des Treffens kniete der 82 Jahre alte Papst vor den politischen Gegnern nieder und küsste ihnen die Füße. (vn u. kna v. 14. 11.)

 

In Ehe- und Familienfragen stehen orthodoxe und römisch-katholische Bischöfe vor ähnlichen Herausforderungen. Das ist das Ergebnis eines Austauschs zwischen Vertretern der deutschen (DBK) sowie der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland (OBKD). An dem Gespräch in Köln hatte sich die Kommission für Ehe und Familie der DBK unter Leitung ihres Vorsitzenden Erzbischof Heiner Koch (Berlin) gemeinsam mit dem orthodoxen Bischof von Aristi, Vasilios Tsiopanas und weiteren orthodoxen Vertretern teilgenommen. Tsiopanas ist Vikarbischof der Griechisch-Orthodoxen Metropolie von Deutschland und Vorsitzender der theologischen Kommission der OBKD. Die Gespräche hatten in einer wertschätzenden Atmosphäre stattgefunden, unterstreicht die DBK. Dabei sei unter anderem über das in der orthodoxen Kirche sehr bedeutsame Prinzip der Oikonomia (Ökonomie) gesprochen worden, das es erlaube, die „buchstabengetreue Auslegung eines kirchlichen Gesetzes (Akribie) zugunsten einer pastoral notwendigen Lösung zurückzustellen“. Weitere Themen bei den Gesprächen waren demnach unter anderem der Empfang der Kommunion bei konfessionsverbindenden Ehen sowie voreheliche Sexualität. Die Ehe, darüber habe bei den Vertretern beider Konfessionen Einigkeit bestanden, sei „für einen Menschen, der an Jesus Christus als den Sohn Gottes glaubt, mehr als eine weltliche Angelegenheit.“ (vn v. 22. 11.)

 

Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn feiert mit Baptisten ihr 150-Jahr-Jubiläum. Er unterstrich beim Festgottesdienst die ökumenische Verbundenheit der Kirchen in Jesus Christus und schloss mit einem Segenswunsch: „Ich bitte um den Segen für diese Gemeinde in der Gewissheit: Euer Wohlergehen ist unser Wohlergehen, euer Segen gereicht uns zum Segen.“ Weitere Mitfeiernde waren u.a. der reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld als Vorsitzender des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich und der evangelische Superintendent von Wien, Matthias Geist. Die Ökumene gleiche einem Rad mit vielen Speichen, die für die verschiedenen Kirchen stünden und dessen Mitte Jesus Christus sei, sagte Kardinal Schönborn. „Je näher wir Jesus Christus unserer Mitte sind, desto näher sind wir einander.“ Gleichzeitig plädierte der Kardinal für Gewissenserforschung der römisch-katholischen und evangelischen Kirche im Blick auf die früher verfolgte Täuferbewegung. Ein positiver Höhepunkt sei die gesetzliche Anerkennung der „Freikirchen in Österreich“ vor sechs Jahren gewesen. Die Ökumene müsse weitergehen. „In der Ökumene geht es letztlich darum, dass wir aufeinander hören und voneinander lernen, was es heute heißt, Christ zu sein,“ sagte Schönborn. Dank für die „gemeinsame Weggemeinschaft“ bekundete Superintendent Matthias Geist, der ebenfalls die Konflikte der Vergangenheit bedauerte und die ökumenische Bereitschaft zum Voneinander-Lernen betonte. Ein neutestamentliches Zitat bildete das Motto für den Festgottesdienst, das der amtierende Vorsitzende der Freikirchen in Österreich, Reinhard Kummer, in das Zentrum seiner Grußbotschaft stellte: „Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Christus.“ „Keiner von uns wäre hier ohne Jesus Christus“, meinte der Generalsekretär des Bundes der Baptistengemeinden in Österreich, Pastor Walter Klimt in der Festpredigt, der auf das grundlegende Selbstverständnis der Baptisten einging: „Wir sind eine Christus-Bewegung“, so der Vorsitzende der Freikirchen in Österreich und frühere Pastor der „moga“, der Baptistengemeinde in der Mollardgasse. Nach eigenen Angaben gehören dem Bund der Baptisten in Österreich 25 Gemeinden mit rund 1.500 Mitgliedern an, die meisten davon in Wien. Die Zahl der Gottesdienstbesucher liegt bei rund 2.000. (KAP v. 23. 11.)

 

Papst Franziskus greift ein Zitat von seinem Vorgänger Johannes Paul II. auf: „Wir sollten uns gar nicht fragen, ob wir wirklich die volle Einheit der Christen anstreben sollten oder nicht. Vielmehr sollten wir uns fragen, ob wir überhaupt das Recht haben, gespalten zu sein!“ Das schreibt er in einem Brief an den Patriarchen Bartholomaios I. und gratuliert, wie üblich, zum Fest des hl. Apostels Andreas. Der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel gilt als Nachfolger des Apostels Andreas. (vn v. 30. 11.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Mit der Enzyklika „Fratelli tutti“ gibt Papst Franziskus der Menschheit ihr Gewissen zurück. Mit diesen Worten lobt Ahmad Mohammad al-Tayyeb, der Großimam der Kairoer Al Azhar-Universität, die neue Enzyklika. In einem Tweet erinnerte der sunnitische Großimam an das vatikanisch-muslimische Dialogpapier von Abu Dhabi, das der Papst und er selbst im Februar 2019 unterzeichneten. Darin verpflichten sich die Religionsvertreter zum gemeinsamen Einsatz für Dialog, Frieden, Solidarität mit den Schwächsten sowie die Bewahrung der Schöpfung. Der Papst hatte sich für seine Enzyklika „Fratelli tutti“ von dieser gemeinsamen Erklärung inspirieren lassen, er nennt Al-Tayyeb in seinem Lehrschreiben mehrfach. „Die Botschaft meines Bruders Papst Franziskus ,Fratelli tutti’ ist eine Erweiterung des Dokuments über die menschliche Brüderlichkeit“, schreibt der Großimam. „Sie offenbart eine globale Realität, deren Positionen und Entscheidungen instabil sind. Es sind die verletzlichen und an den Rand gedrängten Menschen, die den Preis dafür zahlen.“ An der Präsentation der Enzyklika am 4. Oktober im Vatikan nahm auch der Richter Mohamed Mahmoud Mahmoud Abdel Salam, Generalsekretär des „Hohen Komitees für die menschliche Geschwisterlichkeit“ teil. Dieses ist mit der Umsetzung des Dialog-Papiers von Abu Dhabi befasst. Der Scharia-Gelehrte erklärte sich „voll und ganz einverstanden mit dem Papst. Ich teile jedes Wort, das er in der Enzyklika zum Thema Geschwisterlichkeit schreibt.“ (vn v. 5. 10.; JA v. 18. 10.)

     

  • Der Nuntius in Frankreich hat sieben Frauenaktivistinnen und Bewerberinnen für kirchliche Weiheämter zu Einzelgesprächen empfangen. Erzbischof Celestino Migliore kam damit einer Ankündigung nach, die er nach der öffentlichen Bewerbung der Theologin Anne Soupa für das Amt des Erzbischofs von Lyon getroffen hatte. Marie-Automne Thépot, Diakonatsbewerberin und Referentin für Sozialpolitik im Pariser Rathaus, sagte dem Erzbischof nach Angaben der katholischen Zeitung „La Croix”, der Zugang zu Ämtern habe für sie „nichts damit zu tun, in der Hierarchie der Kirche aufzusteigen oder neue Rechte zu erlangen”. Ihr gehe es darum, „endlich in meiner Mission als Gesandte der Kirche anerkannt und ermutigt zu werden”. Auch die Theologie-Doktorandin Sylvaine Landrivon (64), eine Bewerberin um das Bischofsamt, berichtete von einem „wohlwollenden Zuhören” und von „Einfühlungsvermögen” Migliores. Hélène Pichon, Direktorin von CEPS, eines Thinktanks für institutionelle Beziehungen, berichtete, dass in der Nuntiatur nur Päpste und Bischöfe, aber keine einzige Frau abgebildet sei. Das sei symbolisch dafür, dass sich die Kirche „immer noch 50 Prozent des Genies der Menschheit beraubt”. Die Abwesenheit von Frauen in verantwortungsvollen Positionen sei ein Skandal und widerspreche dem Zeugnis der Kirche. Losgetreten hatte die Bewerbungsserie die Theologin Anne Soupa. Die 73-Jährige hatte sich offiziell für die Nachfolge des französischen Primas und Erzbischofs von Lyon, Kardinal Philippe Barbarin, beworben. (kna vn v. 3. 10.)

     

  • Fünf Jahre nach der Grundsteinlegung ist die neue orthodoxe Hagia-Sophia-Kathedrale in Warschau feierlich geweiht worden. Sie ist der erste Neubau eines orthodoxen Gotteshauses in der polnischen Hauptstadt seit 1914. (JA v. 4. 10.)

     

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