Ökumene

Fünf Jahre nach der Grundsteinlegung ist die neue orthodoxe Hagia-Sophia-Kathedrale in Warschau feierlich geweiht worden. Sie ist der erste Neubau eines orthodoxen Gotteshauses in der polnischen Hauptstadt seit 1914. (JA v. 4. 10.)

 

Die Patriarchen und Leiter der Kirchen von Jerusalem haben ein Ende der Gewalt zwischen Aserbaidschan und Berg-Karabach/Armenien gefordert. Die politischen Führungspersönlichkeiten in Europa, Russland und den USA sowie die Vereinten Nationen sollten sich für eine sofortige Waffenruhe und dauerhaften Frieden einsetzen. „Wieder einmal sind unschuldige Menschen gestorben und die Schrecken des Kriegs haben sehr viele Männer, Frauen und Kinder aus ihrer Heimat vertrieben“, heißt es in einem Statement der Patriarchen und Leiter der Kirchen von Jerusalem. Die Vertreter der Kirchen im Heiligen Land beten für die Toten und Verletzten und mahnten schnelles Handeln für eine Lösung an. (vn v. 5. 10.)

 

Trotz des Stopp-Signals aus Rom wollen die römisch-katholische und evangelische Kirche in Deutschland die Debatte über eine wechselseitige Teilnahme an Eucharistie- und Abendmahlsfeiern weiterführen. Die römisch-katholische Bischofskonferenz und der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) veröffentlichten in Bonn und Hannover eine „Würdigung" des „Votums" des „Ökumenischen Arbeitskreises evangelischer und katholischer Theologen" (ÖAK) vom September 2019 mit dem Titel „Gemeinsam am Tisch des Herrn". Der ÖAK vertrat darin die Überzeugung, eine wechselseitige Teilnahme von Protestanten und Katholiken an Eucharistie und Abendmahl der anderen Konfession sei mit guten theologischen Gründen als individuelle Gewissensentscheidung verantwortbar. In der „Würdigung“ wird das ÖAK-Votum als „weiterführender Beitrag auf dem Weg zur Eucharistie- und Kirchengemeinschaft" bezeichnet. Zugleich benennen beide Seiten Fragen, die „noch geklärt werden müssen und sich in unterschiedlicher Weise an die katholische und die evangelische Seite richten", und die zum Teil auch im „Votum“ selbst formuliert seien. Dazu gehörten Verständigungen zum Opferbegriff, die Leitung und Gestaltung der Feier, das „Zueinander von Taufe und Eucharistie sowie von Kirchen- und Eucharistiegemeinschaft". Für die römisch-katholische Kirche seien aber „die offenen Fragen so gewichtig, dass sie sich nicht in der Lage sieht, vor deren Klärung eine wechselseitige Teilnahme generell zu erlauben“. Als gemeinsame Überzeugung benennt der ÖAK, „dass in der Feier der Eucharistie und des Abendmahls Jesus Christus gegenwärtig ist und als Gegenwärtiger geglaubt wird". (kna u. vn v. 7. 10.)

 

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx und der lutherische Landesbischof Bedford-Strom hoffen auf ein gemeinsames Abendmahl von Katholiken und Protestanten. Das sagten sie im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk. Zur Absage des Vatikans zu gemeinsamen Abendmahlsfeiern von Katholiken und Protestanten erklärte Marx, es sei ein mühsames Weitergehen. Aber er sei guter Hoffnung, das noch zu erleben. „Wir sind schon sehr weit vorangeschritten“. Die Ökumene dürfe man aber nicht nur daran messen, wann das gemeinsame Abendmahl stattfindet. „Wir haben so viel Gemeinsames getan und Zeichen der Toleranz und Wertschätzung gesetzt. […] Es geht aber auch in der Ökumene nur, wenn wir die Position der anderen versuchen zu verstehen. Verschiedenheiten können wir auch mal aushalten.“ Der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm betonte, dass die Diskussion noch nicht zu Ende sei. „Das ist eine Spur, die werden wir weiterverfolgen“, sagte er und unterstrich, wie weit man schon gekommen sei. „Jetzt sind wir so nah beieinander. Ich spüre einen ganz starken Willen, auch in der deutschen katholischen Bischofskonferenz, an dieser Stelle weiterzukommen.“ (vn v. 12. 10.)

 

Der Ökumene-Verantwortliche des Papstes, Kardinal Kurt Koch, plädiert dafür, dass Katholiken und Orthodoxe voneinander lernen. Vor allem in Sachen Synodalität könne sich die römisch-katholische Kirche von ihren orthodoxen Geschwistern einiges abschauen: Die römisch-katholische Kirche werde eingestehen müssen, dass sie in ihrem Leben und in ihren Strukturen noch nicht jenes Maß an Synodalität ausgebildet habe, „das theologisch möglich und notwendig wäre“, sagte er in einem Festvortrag beim 35-Jahr-Jubiläum der Sektion Salzburg der Stiftung „Pro Oriente“. Dabei sprach er sich für eine glaubwürdige Verbindung der Prinzipien Primat und Synodalität aus. Dies könne eine wesentliche Hilfe für das weitere ökumenische Gespräch mit der Orthodoxie sein. Der theologische Dialog führe nur dann in die Zukunft, wenn „die jeweiligen starken Seiten beider Kirchen miteinander ins Gespräch gebracht werden“. Man werde von den orthodoxen Kirchen erwarten dürfen, dass sie im ökumenischen Dialog lernen, „dass ein Primat auch auf der universalen Ebene nicht nur möglich und theologisch legitim, sondern auch notwendig ist. […] Im ostkirchlichen Verständnis ist Liturgie sehr viel mehr als die Zusammenkunft einer mehr oder weniger großen Gemeinschaft von Menschen. Sie wird vielmehr in die Weite des Kosmos hinein gefeiert, sie umgreift Geschichte und Schöpfung“. Die Feier der Eucharistie werde auch als Vorwegfeier der Vollendung des Kosmos und der Verherrlichung Gottes verstanden. Die Christen des Westens sollten diese kosmische Dimension des Glaubens und des theologischen Denkens neu entdecken und sich von der orthodoxen Theologie bereichern lassen. „Pro Oriente“-Präsident Alfons M. Kloss sagte: Aufbauend auf der wertvollen Arbeit der Vorgängerinnen und Vorgänger laufe derzeit ein „Zukunftsprozess“ für „Pro Oriente“. Ein Leitstrahl sei dabei ein Wort von Papst Franziskus: „gemeinsam vorangehen“ mit den Schwesterkirchen: im Gebet, in der Aktivität, im christlichen Zeugnis in der Welt von heute. (vn v. 13. 10.; JA v. 18. 10.)

 

Erzbischof Franz Lackner, der orthodoxe Metropolit Arsenios (Kardamakis) und die evangelische Oberkirchenrätin Ingrid Bachler feierten gemeinsam mit Parlamentariern aller Parteien einen ökumenischen Gottesdienst in der Wiener Hofburgkapelle. Lackner appellierte an die Politik, gesellschaftliche Werte nie als einfach gegeben vorauszusetzen, sondern weiter dafür zu kämpfen. Er dankte „im Namen aller christlichen Kirchen […] für das Engagement und die Verantwortung, die Sie für die Gesellschaft und unser Land übernehmen". (kap v. 14. 10.)

 

Kardinal Christoph Schönborn bekräftigte den Ökumene-Auftrag der Stiftung „Pro Oriente“: „Wir müssen alles tun, damit die Christen miteinander gehen können". Als „große Tugend der Ökumene" bezeichnete der Kardinal die Geduld: „Die Geduld heilt alles, sie ist ein großes Zeugnis und bedeutet, dass wir gemeinsam auf dem Weg der Ökumene bleiben". Kardinal Schönborn ist Vorsitzender des Kuratoriums von „Pro Oriente“. Bei der Kuratoriumssitzung wurden der serbisch-orthodoxe Bischof Andrej (Cilerdzic) und der armenisch-apostolische Bischof Tiran Petrosyan zu Konsultoren der Stiftung ernannt. Pro Oriente-Präsident Alfons Kloss betonte, es gehe darum, im Sinn von Papst Franziskus mit diesen Kirchen gemeinsam voranzugehen, „im Gebet, im Wirken, im christlichen Zeugnis in der Welt von heute". Wörtlich sagte der "Pro Oriente"-Präsident: „Wir wollen uns mehr darauf konzentrieren, was uns eint, und nicht darauf, was uns trennt". (kap v. 15. 10.)

 

Papst Franziskus hat das Ehrenoberhaupt der orthodoxen Kirche, Patriarch Bartholomaios I., im Vatikan empfangen. Dieser hatte in Rom gemeinsam mit Franziskus und weiteren Religionsvertretern an einem Friedensgebet teilgenommen und am 21. Oktober erhielt er die Ehrendoktorwürde der Päpstlichen Universität Antonianum. Papst Franziskus bezog sich bei seiner Umwelt-Enzyklika „Laudato si“ (2015) auf Bartholomaios I. als Impulsgeber für den Umweltschutz. Immer wieder betont der Papst die ausgesprochen brüderliche Beziehung zum Patriarchen. (kna u. vn v. 22. 10.)

 

Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige – bei der Deutschen Bischofskonferenz für das Thema Ökumene zuständig – hat sich zur Debatte über eine mögliche Mahlgemeinschaft von Katholiken und Protestanten geäußert. Er könne sich dazu einen Studientag mit Experten vorstellen, um zu einer „ausgewogenen Meinung“ zu kommen, erklärte er im Interview mit der KNA. Die vatikanische Glaubenskongregation zeige in ihrem ablehnenden Papier leider nur das auf, „was angeblich nicht katholischen Wahrheiten entspricht". Dass es auch Anfragen an die katholische Seite gebe, werde nicht erwähnt. Er selbst habe gegenüber dem Votum des „Ökumenischen Arbeitskreises evangelischer und katholischer Theologen“ (ÖAK) „Gemeinsam am Tisch des Herrn“ auch einige Bedenken, sagte der Bischof. Über vergleichbare Texte hinaus wolle das Votum nicht nur weitere Überlegungen auslösen und sich kritischen Einwänden stellen, sondern durch eine praktische Handlungsempfehlung konkret etwas bewegen. Es sei wichtig, die vielen jüngsten Anmerkungen von verschiedener Seite in die „gemeinsam mit der Glaubenskommission begonnenen Überlegungen“ zum ÖAK-Text einzubeziehen. Dafür soll ein Studientag mit ExpertInnen abgehalten werden. (kna u. vn v. 28. 10.)

 

Weil die evangelische Christuskirche in Gleisdorf (Steiermark) gerade umgebaut wird und im Ausweichquartier zu wenig Platz ist, öffnet die römisch-katholische Kirche ihre Pforten. Die Gottesdienste finden bis auf Weiteres im „Kulturkeller“ statt. Der festliche Reformationsgottesdienst am Samstag den 31. Oktober, wird diesmal coronabedingt in der römisch-katholischen Stadtpfarrkirche von Gleisdorf gefeiert. (www.kleine Zeitung.at v. 30. 10.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Mit der Enzyklika „Fratelli tutti“ gibt Papst Franziskus der Menschheit ihr Gewissen zurück. Mit diesen Worten lobt Ahmad Mohammad al-Tayyeb, der Großimam der Kairoer Al Azhar-Universität, die neue Enzyklika. In einem Tweet erinnerte der sunnitische Großimam an das vatikanisch-muslimische Dialogpapier von Abu Dhabi, das der Papst und er selbst im Februar 2019 unterzeichneten. Darin verpflichten sich die Religionsvertreter zum gemeinsamen Einsatz für Dialog, Frieden, Solidarität mit den Schwächsten sowie die Bewahrung der Schöpfung. Der Papst hatte sich für seine Enzyklika „Fratelli tutti“ von dieser gemeinsamen Erklärung inspirieren lassen, er nennt Al-Tayyeb in seinem Lehrschreiben mehrfach. „Die Botschaft meines Bruders Papst Franziskus ,Fratelli tutti’ ist eine Erweiterung des Dokuments über die menschliche Brüderlichkeit“, schreibt der Großimam. „Sie offenbart eine globale Realität, deren Positionen und Entscheidungen instabil sind. Es sind die verletzlichen und an den Rand gedrängten Menschen, die den Preis dafür zahlen.“ An der Präsentation der Enzyklika am 4. Oktober im Vatikan nahm auch der Richter Mohamed Mahmoud Mahmoud Abdel Salam, Generalsekretär des „Hohen Komitees für die menschliche Geschwisterlichkeit“ teil. Dieses ist mit der Umsetzung des Dialog-Papiers von Abu Dhabi befasst. Der Scharia-Gelehrte erklärte sich „voll und ganz einverstanden mit dem Papst. Ich teile jedes Wort, das er in der Enzyklika zum Thema Geschwisterlichkeit schreibt.“ (vn v. 5. 10.; JA v. 18. 10.)

     

  • Der Nuntius in Frankreich hat sieben Frauenaktivistinnen und Bewerberinnen für kirchliche Weiheämter zu Einzelgesprächen empfangen. Erzbischof Celestino Migliore kam damit einer Ankündigung nach, die er nach der öffentlichen Bewerbung der Theologin Anne Soupa für das Amt des Erzbischofs von Lyon getroffen hatte. Marie-Automne Thépot, Diakonatsbewerberin und Referentin für Sozialpolitik im Pariser Rathaus, sagte dem Erzbischof nach Angaben der katholischen Zeitung „La Croix”, der Zugang zu Ämtern habe für sie „nichts damit zu tun, in der Hierarchie der Kirche aufzusteigen oder neue Rechte zu erlangen”. Ihr gehe es darum, „endlich in meiner Mission als Gesandte der Kirche anerkannt und ermutigt zu werden”. Auch die Theologie-Doktorandin Sylvaine Landrivon (64), eine Bewerberin um das Bischofsamt, berichtete von einem „wohlwollenden Zuhören” und von „Einfühlungsvermögen” Migliores. Hélène Pichon, Direktorin von CEPS, eines Thinktanks für institutionelle Beziehungen, berichtete, dass in der Nuntiatur nur Päpste und Bischöfe, aber keine einzige Frau abgebildet sei. Das sei symbolisch dafür, dass sich die Kirche „immer noch 50 Prozent des Genies der Menschheit beraubt”. Die Abwesenheit von Frauen in verantwortungsvollen Positionen sei ein Skandal und widerspreche dem Zeugnis der Kirche. Losgetreten hatte die Bewerbungsserie die Theologin Anne Soupa. Die 73-Jährige hatte sich offiziell für die Nachfolge des französischen Primas und Erzbischofs von Lyon, Kardinal Philippe Barbarin, beworben. (kna vn v. 3. 10.)

     

  • Fünf Jahre nach der Grundsteinlegung ist die neue orthodoxe Hagia-Sophia-Kathedrale in Warschau feierlich geweiht worden. Sie ist der erste Neubau eines orthodoxen Gotteshauses in der polnischen Hauptstadt seit 1914. (JA v. 4. 10.)

     

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