Ökumene

An der Universität Salzburg ist am 1. Juni erstmals der Ökumene-Preis der römisch-katholischen und der evangelischen Kirche verliehen worden. Er ging an die Initiative „Vernetzte Ökumene Wien West“ – die Dekanate 13 bis19. Eingereicht wurde das Projekt: „ ‚Tag des Judentums‘ in christlich-jüdischer Zusammenarbeit – Ein Leitfaden“ durch die Projektautorin Dr. Elisabeth Lutter. (JA v. 11. 6.)

 

„Gemeinsam auf dem Weg voranschreiten“: Unter diesem Motto hat die internationale Dialogkommission zwischen Anglikanern und Katholiken der Lutherstadt Erfurt (Thüringen) ein neues Dokument herausgegeben. Bei dem einwöchigen Treffen wurden auch die „heißen Eisen“ angesprochen, die das Verhältnis zwischen beiden Kirchen in den vergangenen Jahren getrübt haben. Da ging es etwa um die Frage jener anglikanischen Gemeinschaften, die sich der römisch-katholischen Kirche anschließen wollen, oder um das Amtsverständnis. Der Schwerpunkt der Gespräche betraf die Kirchenstrukturen, wie Pater Anthony Currer vom päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen sagt: „In diesem Jahr erinnern die protestantischen Kirchen an 500 Jahre Reformation, und den Mitgliedern der Gesprächskommission ist bewusst, dass wir an einem Punkt angelangt sind, an dem wichtige Entscheidungen gefällt werden müssen. Da geht es um die Ekklesiologie, also die Kirche als Gemeinschaft, und wie unsere Strukturen mit und für diese Gemeinschaft am besten wirken können.“ Man habe nicht nach einem Kompromiss gesucht, mit dem alle leben könnten, sondern es vorgezogen, „ehrlich miteinander zu sprechen“. Das habe zu einem „sehr positiven Gespräch“ geführt. Was könnte die römisch-katholische Kirche von den Anglikanern lernen? „Ich denke insbesondere an die Prozesse des synodalen Lebens, also Pfarreiräte, Diözesanadministrationen und andere regionale Strukturen. Papst Franziskus selber ruft doch zu mehr Synodalität in der katholischen Kirche auf, und da können wir viel von der Erfahrung der anglikanischen Kirche lernen“, so Currer. Ein Problem ist beispielsweise der Umgang mit Frauenordination, die in der anglikanischen Kirche mittlerweile sehr weit verbreitet ist. Wenn es um solch komplexe Fragen gehe, dann müsse man eben auch über den eigenen Tellerrand hinausschauen und sich nicht von Eigeninteressen leiten lassen. (rv v. 2. 6.)

 

Aus allen Teilen der Welt waren Mitglieder und Freunde der „Charismatischen Erneuerung“ nach Rom gekommen – nicht nur Katholiken, sondern auch Anglikaner, Lutheraner, Pfingstler und Freikirchler aus etwa 120 Ländern. Die 50-Jahr-Feier war ökumenisch angelegt. Der päpstliche Hausprediger Raniero Cantalamessa betonte in einem Grußwort die „ökumenische Berufung“ der charismatischen Bewegung: Wenn der Heilige Geist in Millionen von Gläubigen verschiedenster Kirchen oder kirchlicher Gruppen am Werk sei, dann könne man ihnen nicht das Christsein absprechen. „Christus hat uns nicht aufgetragen, nur die zu lieben, die so denken wie wir“, betonte der Kapuziner. Zu den Gästen des Treffens gehörte auch der evangelikale Pastor Giovanni Traettino, ein Freund des Papstes. Traettino nannte es „unvorstellbar“, wie sehr die Einheit unter den Christen charismatischer Prägung in den letzten Jahrzehnten gewachsen sei. Papst Franziskus sagte in einer engagiert vorgetragenen Rede. „Liebe Brüder und Schwestern, danke für das Zeugnis, das ihr heute hier gebt […] Das tut allen gut – auch mir!“ Er hoffe darauf hin, dass das gemeinsame Jesus-Bekenntnis alle Christen zusammenführe. „Natürlich gibt es Unterschiede unter uns, aber wir wollen eine versöhnte Verschiedenheit sein.“ (rv v. 3. 6.)

 

500 Jahre nach der Reformation ist die Einheit zwischen Katholiken und Protestanten schon sichtbar und nicht mehr nur Phantasie. Das hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, bei einer ökumenischen Vesper am 4. Juni in München gesagt. Er rief aber dazu auf, noch mehr „an der sichtbaren Einheit der Gemeinde“ zu arbeiten. Verschiedenheiten sollten „uns nicht trennen, sondern uns bereichern“, sagte der Münchner Erzbischof in einer Dialogpredigt mit dem Vorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm. Die vertiefte Einheit und das Zusammenwachsen der christlichen Kirchen gelinge laut Marx, „je mehr wir Christus ins Zentrum stellen“. Es gehe nicht darum, wer recht habe, sondern darum zu fragen, wie man gemeinsam das voranbringen kann, was das Evangelium auftrage. An der Vesper nahm neben Bedford-Strohm und Marx auch der rumänische orthodoxe Bischof Sofian teil. (rv v. 5. 6.)

 

Am 11. Juni werden in der römisch-katholischen Stadtpfarrkirche Steyr (Oberösterreich) zwei evangelische Pfarrer durch den evangelisch-lutherischen Bischof Michael Bünker in den geistlichen Stand ordiniert. Matthias Bukovics aus Schwanenstadt und Markus Gerhold aus Steyr hätten ihre letzten Prüfungen abgeschlossen und stünden nun kurz davor, ihre erste eigene Pfarrstelle in Oberösterreich zu übernehmen. Eine Station auf diesem Weg ist die Feier der Ordination, das Erhalten des Segens für den zukünftigen Dienst. Die römisch-katholische Stadtpfarrkirche Steyr ist gerade in diesem Jahr ein besonderer Ort für diese Feier. Diese im 15. Jahrhundert im gotischen Stil errichtete Kirche wurde in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts als evangelische Kirche genutzt. Heuer, wo die evangelischen Kirchen in Österreich 500 Jahre Reformation feiern, sei es ein „ganz besonderes ökumenisches Zeichen“, dass die Ordination zweier evangelischer Pfarrer in einer römisch-katholischen Kirche stattfinde, schreibt Bukovics in einer Aussendung. (religion.ORF.at v. 6. 6.)

 

Die Internationale Anglikanisch-Katholische Kommission (ARCIC) hat bei ihrem jüngsten Treffen in Erfurt eine ökumenische Erklärung über die Kirche mit dem Titel „Walking Together on the Way: Learning to be Church – Local, Regional, Universal“ beschlossen. In dem „Erfurt-Dokument“ – der ersten gemeinsamen Erklärung mit der römisch-katholischen Kirche seit 2005 – geht es um die gemeinsamen theologischen Prinzipien beider Kirchen, um die unterschiedlichen Strukturen der Entscheidungsfindung und die Möglichkeiten des gegenseitigen Lernens. In einem nächsten Schritt will die Kommission die Fragestellung dahingehend erweitern, wie die lokale und universale Kirche gemeinsam zu Urteilen in ethischen Lehrfragen kommt. Die ARCIC besteht seit 1969. Die derzeit laufende dritte Phase des Dialogs begann 2006 nach einem Treffen von Papst Benedikt XVI. und dem damaligen Anglikanerprimas Rowan Williams. Vorsitzende der Kommission sind der römisch-katholische Erzbischof von Birmingham, Bernhard Longley, sowie der anglikanische Vertreter des Erzbischofs von Canterbury im Vatikan, Erzbischof David Moxon. (rv [= de.radiovaticana.va] u. kap v. 13. 6.)

 

„Ökumene ist „keine Gleichmacherei“, sondern ein „Sich-Näherkommen im Wesentlichen und ein Anerkennen der je anderen Tradition": Das hat der Wiener Weihbischof Helmut Krätzl betont. Er bestritt gemeinsam mit dem evangelischen Bischof Michael Bünker anlässlich des Reformationsjubiläums eine Podiumsdiskussion in Klosterneuburg. Krätzl machte seine Überzeugung am Beispiel der gemeinsamen katholisch-lutherischen Erklärung zur Frage der Rechtfertigung (1999) fest. Im wichtigsten Punkt, dass der Mensch nur aufgrund seines Glaubens gerechtfertigt werde, seien sich alle einig gewesen, sagte Krätzl. Bei einigen anderen Punkten konnte zwar keine Einigung erzielt werden, diese seien aber nicht als kirchentrennend bezeichnet worden. „Das war für mich ein typisches Beispiel, wie Ökumene sein soll." Martin Luthers Absicht sei es nie gewesen, die abendländische Kirche zu spalten, betonte Bischof Bünker. „Er wollte die Kirche, in der er groß geworden ist, reformieren und zu ihren Wurzeln, zu Jesus Christus und zum Evangelium, zurückbringen.“ Dass das nicht für die ganze Kirche gelungen sei, habe man später als das Scheitern der Reformation bezeichnet. „Wir müssen darüber nachdenken, ob die Reformation nicht unvollendet bleibt, solange es irgendwo eine Kirche Jesu Christi gibt, die nicht auf der Grundlage des Neuen Testaments als alleiniger Norm und Maßstab steht." Luther sei es wichtig gewesen, Jesus Christus in den Mittelpunkt zu stellen, deshalb habe er auch die Verehrung der Gottesmutter und der Heiligen kritisiert. Er betonte weiters, dass es auch vor und nach Luther Reformationen gegeben habe, wobei er Huldrych Zwingli und die Waldenser als Beispiele nannte. Für Krätzl sei die langjährige ökumenische Morgenfeier jeweils sonntags im ORF-Radio sehr lehrreich gewesen: „Das war die beste Schule, um die Vertreter der anderen Kirchen besser kennen zu lernen." Einmalig sei auch die gemeinsame Verantwortung für den Religionsunterricht in Österreich, wie sie in der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems wahrgenommen wird: „Das kenne ich in keinem anderen Land.“ Veranstalter der Podiumsdiskussion war die Österreichische Gesellschaft für Völkerverständigung. (www.katholisch.at u. kathpress v. 21. 6.)

 

Seit dem Ende der Sowjetunion haben sich weltweit orthodoxe Parlamentarier zu einer Vereinigung zusammengeschlossen. 115 orthodoxe Politiker aus 46 Ländern sind jetzt zu ihrer 25. Vollversammlung in Rom zusammengekommen. Ziel der Parlamentarier ist die Förderung des christlichen Glaubens. Europa stecke in einer tiefen Krise, die vor allem mit dem Verlust der christlichen Werte verbunden sei, so der Grundtenor der Parlamentarier. Am 29. Juni werden sie im Rahmen der Peter-und-Paul-Feiern, die mittlerweile eine starke ökumenische Prägung haben, auch Papst Franziskus treffen. Im Gespräch mit Radio Vatikan erläutert der Koordinator, der griechische Abgeordnete Kostas Mygdalís, Sinn der Vereinigung, „Parlamentarier aus den orthodoxen Ländern mit Politikern aus der katholischen Welt zusammenzuführen. Gemeinsam sollen wir uns auf unsere Verantwortungen zurückbesinnen, die unsere Gegenwart, aber auch unsere Zukunft betreffen. Da geht es um Lösungsvorschläge, um aktuelle Probleme anzugehen. […] Der Großteil von dem, was Europa ausmacht, beruht auf dem Christentum. […] Wir müssen uns also auf diese grundlegenden Werte zurückbesinnen.“ (rv v. 27. 6.)

 

Die Regensburger Gastprofessur der „Joseph Ratzinger Papst Benedikt XVI.-Stiftung“ wird in diesem Jahr erstmals von einem evangelischen Theologen wahrgenommen: Der 62-jährige Berliner Kirchenhistoriker Christoph Markschies wird sich laut Mitteilung der Universität Regensburg mit der Bedeutung der Geschichte für die christliche Religion und Theologie befassen. Im Festvortrag am 5. Juli referiert er zum Thema „Ökumenische Kirchengeschichte? Anmerkungen zu einem Projekt im Reformationsjahr“. Die Gastprofessur wird seit 1962 jährlich an international renommierte ForscherInnen vergeben. Markschies ist Vizepräsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und war Präsident der Berliner Humboldt-Universität. Dort doziert er jetzt über Ältere Kirchengeschichte. (kna u. rv v. 30. 6.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Nach dem Nein des Vatikan zu einer Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren fordert der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck „eine ernsthafte und zutiefst wertschätzende Neubewertung der Homosexualität". Die bloße Wiederholung der „Wertung von Homosexualität auf naturrechtlicher Basis" werde heute nicht mehr verstanden und auch nicht mehr akzeptiert, schreibt er in einem Brief an alle Pfarreien. Gerade in den Zuschriften vieler SeelsorgerInnen komme „eine offene Ablehnung der lehramtlichen Position zum Ausdruck, die nicht mehr ignoriert werden darf". Bei aller Wertschätzung von Schriftzeugnis, Lehramt und Tradition müsse es um eine „Übersetzung der Zeichen der Zeit" gehen. Die gesamte Tradition sei „als ein lebendiges Geschehen zu begreifen". Gerade die Segensfeiern seien entstanden aus der seelsorglichen Begleitung der betroffenen Menschen. „Über das Gute ihres Lebens einen Segen zu sprechen, der nicht einer Trauung ähnelt, wohl aber Zeichen der Begleitung ist, soll doch zeigen: Im Namen der Kirche ist Gott in dieser Beziehung gegenwärtig." Ähnlich 2600 Geistliche in Deutschland, zahlreiche Priester in Österreich, sowie die österreichischen Bischöfe Wilhelm Krautwaschl (Graz-Seckau), Josef Markets (Gurk-Klagenfurt), Hermann Glettler (Linz) und der Antwerpener Bischof Johan Bonny. (kna u. zahlreiche Medien ab. 20. 3.)

     

  • Im Irak tätige religiöse Organisationen haben anlässlich der Papstreise vom 5. bis zum 8. März ein gemeinsames Statement für Solidarität, Geschwisterlichkeit und interreligiösen Dialog unterzeichnet. In der interreligiösen Erklärung verpflichten sich die Organisationen, Diskriminierung und Missionierung abzulehnen, die kulturellen Werte und Überzeugungen anderer zu respektieren, den sozialen Zusammenhalt zu fördern und die Zusammenarbeit bei der Hilfe für Bedürftige zu stärken. Sie rufen zudem die Internationale Gemeinschaft auf, dem irakischen Volk zu helfen, die gegenwärtigen Herausforderungen „in einem wahren Geist der menschlichen Geschwisterlichkeit und Solidarität“ zu bewältigen. Die Erklärung unterschrieben unter anderem mehrere Caritas-Einrichtungen, die christlich-muslimische Adyan-Stiftung, Islamic Relief Worldwide und der Lutherische Weltbund. Schon in seiner Enzyklika „Fratelli tutti“ habe Papst Franziskus daran erinnert, dass sich keiner allein retten könne, heißt es in dem Manifest. Als positives Beispiel interreligiöser Zusammenarbeit verweisen die Unterzeichner auf das Abu Dhabi-Dokument von 2019 zur Brüderlichkeit aller Menschen hin , das Papst Franziskus und Großimam Ahmad Mohammad Al-Tayyeb unterzeichneten. „Als glaubensbasierte Organisationen schließen wir uns vollständig dieser Botschaft der Geschwisterlichkeit und des Dialogs an“. (vn v. 3. 3.)

     

  • Die Enzyklika „Fratelli tutti“ über Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft steht im Zentrum eines Web-Seminars, bei dem weibliche Führungspersönlichkeiten unterschiedlicher Religionen und Kulturen zu Wort kommen. Organisiert wurde das ökumenische und interreligiöse Seminar von der Weltunion katholischer Frauenverbände (WUCWO) anlässlich des internationalen Weltfrauentags am 8. März. Zwei Vatikangremien wirken dabei mit: der weibliche Beraterstab des päpstlichen Kulturrates und der Päpstliche Rat für Interreligiösen Dialog. Neben einer Videobotschaft der ehemaligen UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova, die als weibliches Mitglied im „Hohen Komitee für die Brüderlichkeit unter den Menschen“ im islamisch-christlichen Dialog engagiert ist, sind Beiträge weiterer Vertreterinnen aus Christentum, Judentum und Islam, Buddhismus und Hinduismus vorgesehen. Das Wort ergreifen etwa die Soziologieprofessorin und Vatikanberaterin Consuelo Corradi, Leiterin des Frauenrates im Päpstlichen Kulturrat, sowie die muslimische Theologin Shahrzad Houshmand, die ebenfalls dort Mitglied ist. Auch sprechen die Präsidentin des Interreligiösen und Interkulturellen Komitees des Internationalen Rates der Jüdischen Frauen, Nadine Iarchy. Weitere Beiträge kommen von Elena Seishin Viviani von der Buddhistischen Union und Svamini Hamsananda Ghiri von der Hinduistischen Union in Italien. Grußworte sprechen Kardinal Gianfranco Ravasi, Präsident der Päpstlichen Kulturrates, und Kardinal Miguel Ángel Ayuso Guixot, Präfekt des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog. „Wir sind dann im Jahr 2020 zu einer gemeinsamen Erklärung gekommen und haben festgestellt, dass es gemeinsame Punkte gibt, um menschliche Geschwisterlichkeit gemäß den vom Papst angegebenen Richtlinien durch Frauen in der Welt zu verwirklichen. In diesem Jahr 2021 hoffen wir, diesen Weg des Dialogs einen Schritt weiterzugehen und zu konkretisieren - es geht jetzt darum, von Erklärungen zu Fakten überzugehen“, sagt die Argentinierin Maria Lia Zervino, Präsidentin der WUCWO, im Interview mit Radio Vatikan. (vn v. 3. 3.)

     

  • Der Innsbrucker Pastoraltheologe Christian Bauer fordert eine Neuausrichtung der Priesterausbildung. Es brauche „einen anderen, postklerikalen Geist", schreibt er in einem Gastbeitrag für das Portal katholisch.de. Angehende Priester müssten „aus ihrer persönlichen Komfortzone heraus“. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) habe es „durchaus bemerkenswerte Neuansätze" gegeben. Unter dem heutigen Papst ergäben sich neue Möglichkeiten, da Franziskus die Synodalität als gemeinsames Vorangehen aller Getauften propagiere. Bislang führe die Priesterausbildung häufig zu einem „Hineinsozialisieren in einen klerikalen Habitus, der längst als ein wesentlicher Grund des geistlichen Missbrauchs bis hin zu sexualisierter Gewalt identifiziert ist". In Priesterseminaren entstehe oft ein „verhängnisvoller klerikaler Korpsgeist". Es brauche jedoch individuelle Möglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln, fordert der Pastoraltheologe. Zudem sollten „angehende Priester, Gemeinde- und Pastoralreferent*innen" nicht in „XXL-Seminaren" abgeschottet sein, sondern in dezentralen Wohngemeinschaften am ‚normalen' Studierendenleben" teilhaben. Prof. Bauer äußerte sich deshalb, weil eine Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz ein Reformkonzept vorgelegt hat, wonach die Priesterausbildung nur noch an wenigen Standorten in Deutschland erfolgen soll. Dies stieß zum Teil auf heftige Kritik. (kna u. kap v. 2. 3.)

     

  • Der deutsche Ökumenische Kirchentag (ÖKT) 2021 wird anders als alle Kirchentage bisher. Ein Beispiel dafür ist „Schaut hin – Von der Krise zur Vision“, das Anfang März veröffentlichte gemeinsame Magazin der römisch-katholischen und evangelischen Kirche für den Religionsunterricht. Konkret arbeiteten hier das Dezernat Schule und Bildung im Bistum Limburg und das Religionspädagogische Institut der Evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck und der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) zusammen. Das Heft bietet für Schulen Unterrichtsmaterialien zu den zentralen Themen des ÖKTs an: von Glaube und Spiritualität über die Bewahrung der Schöpfung bis hin zu Wirtschaft. „Es ist so wichtig, dass gerade Kinder und Jugendliche erkennen können, dass Christ-Sein nicht bedeutet, weltfern zu sein“, schreiben in ihrem Geleitwort der Bischof von Limburg, Georg Bätzing, sowie die Bischöfin von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, und der Kirchenpräsident der EKHN, Volker Jung. (vn [=Vatican News] v. 2. 3.)

     

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