Zusammenarbeit und Dialog mit den (Welt-)Religionen: (Islam u.a.)

Der Sultan von Oman, Qabus bin Said, hat wesentlichen Anteil an der Freilassung des indischen Salesianerpaters Thomas Uzhunnalil in Jemen. Der von jemenitischen IS-Terroristen im März 2016 entführte Priester wurde am 12. September freigelassen, nachdem sich Sultan Qabus sehr energisch für ihn eingesetzt hatte. Auch die Indische Diplomatie war seit Monaten darum bemüht. (CSI-Zeitung 10/2017)

 

Die islamische Glaubensgemeinschaft in Wien setzt ein Zeichen für das friedliche Miteinander der Religionen und organisiert eine Menschenkette: Am 15. September reichten ca. 500 Personen einander die Hand von der Großen Moschee in Floridsdorf bis zur 600m entfernten römisch-katholischen Pfarrkirche Bruckhaufen. Man wolle ein Zeichen setzen, dass friedliches Zusammenleben stärker ist als Hass, Verfolgung und Verachtung, sagte der IGGiÖ-Präsident Ibrahim Olgun. In Vertretung von Kardinal Christoph Schönborn nahm Bischofsvikar Darius Schutzki vor Beginn der Menschenkette an der interreligiösen Veranstaltung teil. Der Präsident der Buddhistischen Religionsgemeinschaft, Gerhard Weissgrab, betonte die Wichtigkeit des Friedens und der Achtsamkeit, ähnlich der Journalist Samuel Laster in Vertretung der jüdischen Gemeinde. (CSI-Zeitung 10/2017)

 

In Ägypten werden zwei koptisch-orthodoxe Kirchen im Government Minya wiedereröffnet. Für die Kirchen Hl. Maria und Hl. Michael in Ezbat al-Forn und für die St. Pauls-Kirche in Kidwan haben sich auch die muslimischen Einwohner der Orte massiv eingesetzt. Pater Paul Bebawy bedankte sich ausdrücklich für die Unterstützung der Moslems, die für die Wiedereröffnungen Glückwünsche überbrachten. (CSI-Zeitung 10/2017)

 

Als ersten Schritt zu Frieden und Harmonie zwischen den Religionen organisiert die Regierungspartei Nationale Liga für Demokratie (NLD) in Myanmar interreligiöse Gebetsveranstaltungen. Die Initiative solle insbesondere zur Lösung des Konflikts zwischen dem Staat und den muslimischen Rohingya im Teilstaat Rakhine beitragen, erklärte ein Sprecher der NLD. Insgesamt vier solcher Veranstaltungen sollen in diesem Monat in Myanmar stattfinden. Den Anfang machte am 10. Oktober Rangun. Mehr als 30.000 Buddhisten, Katholiken, Protestanten, Hindus und Muslime beteten in einem Sportstadion für ein friedliches Miteinander der Religionen im mehrheitlich buddhistischen Myanmar. Ende November wird Papst Franziskus zu einem dreitägigen Besuch in Myanmar erwartet. (kna u. rv v. 11. 10.)

 

Ab dem Beginn des Wintersemesters 2017 kann an der Universität Wien das Bachelorstudium „Islamisch-Theologische Studien“ inskribiert und studiert werden. Die Universität kommt mit diesem Studium einem gesetzlichen Auftrag aus dem Jahr 2015 nach. Ziel ist die Etablierung eines wissenschaftlichen Diskurses unter den Religionen und die Förderung einer „europäischen Prägung des Islam unter den rechtlichen und gesellschaftlichen Bedingungen Europas“. (JA v. 15. 10.)

 

Intoleranz und Gewalt seien Folgen einer Verteufelung von Pluralismus und Verschiedenheit: In einem Grußwort zum hinduistischen Diwali-Fest rief der Vatikan am 16. Oktober zur Wahrung kultureller und religiöser Vielfalt auf. Andersgläubige anzuerkennen sei „unverlierbares Recht“ mahnt Kardinal Jean-Louis Tauran in dem Schreiben ein. Es gehe um mehr als um bloße Toleranz, Ziel müsse eine friedlichere und harmonischere Gesellschaft sein, so der Leiter des Päpstlichen Rates für interreligiösen Dialog. Das Diwali-Fest beginnt in diesem Jahr am 19. Oktober, die Hindus feiern damit den Sieg der Wahrheit über die Lüge und des Lebens über den Tod. (rv v. 16. 10.)

 

Juden und Christen haben in Rom mit einem Schweigemarsch an die antijüdische Razzia am 16. Oktober 1943 erinnert. Mitglieder und Repräsentanten der jüdischen Gemeinde und der Diözese Rom zogen vom Petersplatz zum Palazzo Salviati, dem ehemaligen Ausbildungssitz des italienischen Militärs. Dort waren damals über 1.200 Juden bis zur Deportation in die NS-Vernichtungslager festgehalten worden. Es sei eine „traurige Tatsache“, dass die christliche Gemeinde Roms damals ihre Stimme nicht zum Protest erhoben habe, sagte der Verantwortliche der Diözese Rom für Schulseelsorge und Religionsunterricht, Filippo Morlacchi. Neben ihm nahmen Roms Oberrabbiner, die Präsidentin der Union jüdischer Gemeinden in Italien, der italienische Militärbischof, der deutsche Kardinal Walter Kasper und auch die deutsche Botschafterin in Rom, Susanne Wasum-Rainer, am Gedenken teil. (kap u. rv v. 17. 10.)

 

Papst Franziskus hat am 23. Oktober eine jüdische Delegation der Universität Tel Aviv empfangen. Dabei nannte er es als eine Aufgabe der Hochschulen, technisch-wissenschaftliche Zugänge mit Humanismus und einer „weisheitlichen Kultur“ zu verbinden. (JA v. 5. 11.)

 

Israel ehrt erstmals einen Araber als „Gerechten unter den Völkern“. Wie die Tageszeitung „Haaretz“ berichtete, hatte der in Berlin lebende ägyptische Arzt Mohammed Helmy während des zweiten Weltkriegs vier Juden vor den Nationalsozialisten versteckt. Als Nicht-Arier war Helmy zwischenzeitlich von den Nationalsozialisten festgenommen worden. Die von der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem vergebene Ehrung als „Gerechter unter den Völkern“ ist die höchste Auszeichnung für Nicht-Juden. (kna u. rv v. 23. 10.)

 

Auch Vertreter der römisch-katholischen Kirche waren bei der Einäscherungszeremonie für Thailands König Bhumibol dabei. Neben dem Apostolischen Nuntius von Thailand nahmen auch der Vatikan-Botschafter für Indien und Nepal und der Erzbischof von Bangkok an der Zeremonie teil. Der stellvertretende Vorsitzende der asiatischen Bischofskonferenz, Vissanou Thanya-Anan, rief die Katholiken Thailands dazu auf, an den buddhistischen Feierlichkeiten teilzunehmen, um dem König zu huldigen und die Verbundenheit mit den mehrheitlich buddhistischen Thais zu zeigen. (kath.ch u. rv v. 26. 10.)

 

Juden und Katholiken wollen in Wien noch enger zusammenarbeiten: Oberrabbiner Arie Folger überreichte dem Wiener Kardinal Christoph Schönborn bei einem Festakt ein Dokument mit dem Titel „Zwischen Jerusalem und Rom“. Das Dokument wurde Anfang September Papst Franziskus überreicht. Dieses Papier, das Folger mitverfasst hat, versteht sich als eine erste offizielle Antwort von jüdischer Seite auf die bahnbrechende Erklärung „Nostra aetate“ des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965). „Nostra aetate“ hat die Beziehungen zwischen Katholiken und Judentum auf eine ganz neue Grundlage gestellt. Hinter dem Dokument „Zwischen Jerusalem und Rom“ stehen Vertreter der europäischen Rabbinerkonferenz, des Oberrabbinats in Israel und der orthodoxen Rabbiner in den USA. Den Vorsitz der Autorenkommission hatte der Wiener Oberrabbiner Folger inne. Schon bisher habe die Zusammenarbeit von Kultusgemeinde und Erzdiözese Wien „sehr gut funktioniert“, erklärte Folger. „Wir wollen aber noch mehr erreichen. Wir wollen nicht nur nett übereinander reden, sondern wir hoffen auf vertiefte Zusammenarbeit in jenen Gebieten, wo wir gemeinsame Interessen haben.“ Schönborn nannte das Dokument einen „Arbeitsauftrag“, ähnlich wie schon „Nostra aetate“. Das Dokument verpflichte beide Seiten, über Worte hinauszugehen und Taten folgen zu lassen. Es sei Zeit für ein „Miteinander in geachteter Verschiedenheit“. Der Wiener Gemeinderabbiner Schlomo Hofmeister betonte, Österreich hier eine Vorreiterrolle, denn kaum woanders funktioniere der interreligiöse Dialog „derart kultiviert, institutionalisiert und auch anerkannt“. Er erinnerte an die „fruchtbare“ Kooperation an der Kirchlich-Pädagogischen Hochschule Wien/Krems. Dort werden künftig nicht nur christliche und islamische, sondern auch jüdische Religionslehrer ausgebildet. (kap u. rv v. 27. 10.; JA v. 12. 11.)

 

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Nach dem Nein des Vatikan zu einer Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren fordert der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck „eine ernsthafte und zutiefst wertschätzende Neubewertung der Homosexualität". Die bloße Wiederholung der „Wertung von Homosexualität auf naturrechtlicher Basis" werde heute nicht mehr verstanden und auch nicht mehr akzeptiert, schreibt er in einem Brief an alle Pfarreien. Gerade in den Zuschriften vieler SeelsorgerInnen komme „eine offene Ablehnung der lehramtlichen Position zum Ausdruck, die nicht mehr ignoriert werden darf". Bei aller Wertschätzung von Schriftzeugnis, Lehramt und Tradition müsse es um eine „Übersetzung der Zeichen der Zeit" gehen. Die gesamte Tradition sei „als ein lebendiges Geschehen zu begreifen". Gerade die Segensfeiern seien entstanden aus der seelsorglichen Begleitung der betroffenen Menschen. „Über das Gute ihres Lebens einen Segen zu sprechen, der nicht einer Trauung ähnelt, wohl aber Zeichen der Begleitung ist, soll doch zeigen: Im Namen der Kirche ist Gott in dieser Beziehung gegenwärtig." Ähnlich 2600 Geistliche in Deutschland, zahlreiche Priester in Österreich, sowie die österreichischen Bischöfe Wilhelm Krautwaschl (Graz-Seckau), Josef Markets (Gurk-Klagenfurt), Hermann Glettler (Linz) und der Antwerpener Bischof Johan Bonny. (kna u. zahlreiche Medien ab. 20. 3.)

     

  • Im Irak tätige religiöse Organisationen haben anlässlich der Papstreise vom 5. bis zum 8. März ein gemeinsames Statement für Solidarität, Geschwisterlichkeit und interreligiösen Dialog unterzeichnet. In der interreligiösen Erklärung verpflichten sich die Organisationen, Diskriminierung und Missionierung abzulehnen, die kulturellen Werte und Überzeugungen anderer zu respektieren, den sozialen Zusammenhalt zu fördern und die Zusammenarbeit bei der Hilfe für Bedürftige zu stärken. Sie rufen zudem die Internationale Gemeinschaft auf, dem irakischen Volk zu helfen, die gegenwärtigen Herausforderungen „in einem wahren Geist der menschlichen Geschwisterlichkeit und Solidarität“ zu bewältigen. Die Erklärung unterschrieben unter anderem mehrere Caritas-Einrichtungen, die christlich-muslimische Adyan-Stiftung, Islamic Relief Worldwide und der Lutherische Weltbund. Schon in seiner Enzyklika „Fratelli tutti“ habe Papst Franziskus daran erinnert, dass sich keiner allein retten könne, heißt es in dem Manifest. Als positives Beispiel interreligiöser Zusammenarbeit verweisen die Unterzeichner auf das Abu Dhabi-Dokument von 2019 zur Brüderlichkeit aller Menschen hin , das Papst Franziskus und Großimam Ahmad Mohammad Al-Tayyeb unterzeichneten. „Als glaubensbasierte Organisationen schließen wir uns vollständig dieser Botschaft der Geschwisterlichkeit und des Dialogs an“. (vn v. 3. 3.)

     

  • Die Enzyklika „Fratelli tutti“ über Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft steht im Zentrum eines Web-Seminars, bei dem weibliche Führungspersönlichkeiten unterschiedlicher Religionen und Kulturen zu Wort kommen. Organisiert wurde das ökumenische und interreligiöse Seminar von der Weltunion katholischer Frauenverbände (WUCWO) anlässlich des internationalen Weltfrauentags am 8. März. Zwei Vatikangremien wirken dabei mit: der weibliche Beraterstab des päpstlichen Kulturrates und der Päpstliche Rat für Interreligiösen Dialog. Neben einer Videobotschaft der ehemaligen UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova, die als weibliches Mitglied im „Hohen Komitee für die Brüderlichkeit unter den Menschen“ im islamisch-christlichen Dialog engagiert ist, sind Beiträge weiterer Vertreterinnen aus Christentum, Judentum und Islam, Buddhismus und Hinduismus vorgesehen. Das Wort ergreifen etwa die Soziologieprofessorin und Vatikanberaterin Consuelo Corradi, Leiterin des Frauenrates im Päpstlichen Kulturrat, sowie die muslimische Theologin Shahrzad Houshmand, die ebenfalls dort Mitglied ist. Auch sprechen die Präsidentin des Interreligiösen und Interkulturellen Komitees des Internationalen Rates der Jüdischen Frauen, Nadine Iarchy. Weitere Beiträge kommen von Elena Seishin Viviani von der Buddhistischen Union und Svamini Hamsananda Ghiri von der Hinduistischen Union in Italien. Grußworte sprechen Kardinal Gianfranco Ravasi, Präsident der Päpstlichen Kulturrates, und Kardinal Miguel Ángel Ayuso Guixot, Präfekt des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog. „Wir sind dann im Jahr 2020 zu einer gemeinsamen Erklärung gekommen und haben festgestellt, dass es gemeinsame Punkte gibt, um menschliche Geschwisterlichkeit gemäß den vom Papst angegebenen Richtlinien durch Frauen in der Welt zu verwirklichen. In diesem Jahr 2021 hoffen wir, diesen Weg des Dialogs einen Schritt weiterzugehen und zu konkretisieren - es geht jetzt darum, von Erklärungen zu Fakten überzugehen“, sagt die Argentinierin Maria Lia Zervino, Präsidentin der WUCWO, im Interview mit Radio Vatikan. (vn v. 3. 3.)

     

  • Der Innsbrucker Pastoraltheologe Christian Bauer fordert eine Neuausrichtung der Priesterausbildung. Es brauche „einen anderen, postklerikalen Geist", schreibt er in einem Gastbeitrag für das Portal katholisch.de. Angehende Priester müssten „aus ihrer persönlichen Komfortzone heraus“. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) habe es „durchaus bemerkenswerte Neuansätze" gegeben. Unter dem heutigen Papst ergäben sich neue Möglichkeiten, da Franziskus die Synodalität als gemeinsames Vorangehen aller Getauften propagiere. Bislang führe die Priesterausbildung häufig zu einem „Hineinsozialisieren in einen klerikalen Habitus, der längst als ein wesentlicher Grund des geistlichen Missbrauchs bis hin zu sexualisierter Gewalt identifiziert ist". In Priesterseminaren entstehe oft ein „verhängnisvoller klerikaler Korpsgeist". Es brauche jedoch individuelle Möglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln, fordert der Pastoraltheologe. Zudem sollten „angehende Priester, Gemeinde- und Pastoralreferent*innen" nicht in „XXL-Seminaren" abgeschottet sein, sondern in dezentralen Wohngemeinschaften am ‚normalen' Studierendenleben" teilhaben. Prof. Bauer äußerte sich deshalb, weil eine Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz ein Reformkonzept vorgelegt hat, wonach die Priesterausbildung nur noch an wenigen Standorten in Deutschland erfolgen soll. Dies stieß zum Teil auf heftige Kritik. (kna u. kap v. 2. 3.)

     

  • Der deutsche Ökumenische Kirchentag (ÖKT) 2021 wird anders als alle Kirchentage bisher. Ein Beispiel dafür ist „Schaut hin – Von der Krise zur Vision“, das Anfang März veröffentlichte gemeinsame Magazin der römisch-katholischen und evangelischen Kirche für den Religionsunterricht. Konkret arbeiteten hier das Dezernat Schule und Bildung im Bistum Limburg und das Religionspädagogische Institut der Evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck und der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) zusammen. Das Heft bietet für Schulen Unterrichtsmaterialien zu den zentralen Themen des ÖKTs an: von Glaube und Spiritualität über die Bewahrung der Schöpfung bis hin zu Wirtschaft. „Es ist so wichtig, dass gerade Kinder und Jugendliche erkennen können, dass Christ-Sein nicht bedeutet, weltfern zu sein“, schreiben in ihrem Geleitwort der Bischof von Limburg, Georg Bätzing, sowie die Bischöfin von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, und der Kirchenpräsident der EKHN, Volker Jung. (vn [=Vatican News] v. 2. 3.)

     

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