Zusammenarbeit und Dialog mit den (Welt-)Religionen: (Islam u.a.)

Der Warschauer Oberrabbiner und Rabbinerverbands-Vorsitzende Michael Schudrich hat den römisch-katholischen Bischöfen Polens für deren klare Verurteilung des Antisemitismus gedankt.  (JA v. 1. 4.)

 

Der interreligiöse Rat Russlands hat beschlossen, dem Staat das Verbot islamisch-wahabitischer Vereinigungen zu empfehlen. Der Vorschlag, den Wahabismus als extreme Form des Islam in Russland zu verbieten, kam vom Mufti Kami Samigullin, dem Vorsitzenden der Religionsverwaltung der Muslime aus Tatarstan. Der Wahabismus sei eine Ideologie, die es zu verbannen gelte, weil sie „Hass unter den Menschen“ verbreite. Samigullin betonte, die Wahhabiten besäßen inzwischen eine Reihe von Einrichtungen in Russland, die großen Zustrom verzeichneten. Ein Verbot könnte dieses Wachstum eindämmen, besonders das Anwerben zukünftiger Terroristen würde schwieriger. Die Mitglieder des Rates beschlossen auch, eine wissenschaftlich-theologische Vereinigung für interreligiöse Bildung einzurichten, zu der theologischen Institute aller Konfessionen beitragen sollten. Dies würde formell eine theologische Spezialisierung auf Universitätsebene für die drei Hauptreligionen des Landes, orthodoxes Christentum, Islam und Judentum, bedeuten. (asianews u. vn v. 1. 4.)

 

Pakistanische Christen haben die Einrichtung von zwei Sonderbüros durch Mian Saqib Nisar, den obersten Richter des Landes für Anzeigen von Menschenrechtsverletzungen und für religiöse und andere Minderheiten des Landes, begrüßt. Man müsse allerdings abwarten, wie diese Sonderbüros Mitgliedern von Minderheiten zur Gerechtigkeit verhelfen könnten, die „sich keinen teuren Rechtsbestand leisten können“, sagte Aftab Gill von der christlichen Partei Masiha Millat dem katholischen Pressedienst „Ucanews“. Chefrichter Mian Saqib Nisar hatte die Einrichtung der Sonderbüros nach einer Gerichtsverhandlung bekanntgegeben. (ucan u. vn v. 2. 4.; JA v. 15. 4.)

 

Der Gerichtshof von Kuwait hat ein Ehepaar zum Tod verurteilt, das seine philippinische Haushaltshilfe Joanna Demafelis ermordet haben soll. Der Vorsitzende der Kommission für Migranten der philippinischen Bischofskonferenz, Ruperto Santos, Bischof von Balanga, begrüßte die Entscheidung des Gerichtshofs von Kuwait. Er bezeichnete das Urteil als „höchst willkommen und ermutigende Neuigkeit. […] Wir sehen hier die Ernsthaftigkeit und Aufrichtigkeit Kuwaits, Joanna Demafelis Recht zu verschaffen und das Wohlbefinden unserer Gastarbeiter dort zu beschützen.“, sagte der Prälat. In Kuwait arbeiten etwa 250.000 philippinische Gastarbeiter. (ucanews u. vn v. 5. 4.)

 

Im Libanon hat Staatsoberhaupt Michel Aoun heuer erstmals den Präsidentenpalast in Baabda (Großraum Beirut) für die Feier des Festes Mariä Verkündigung geöffnet. Neben dem syrisch-orthodoxen Patriarchen Mor Ignatius Aphrem II. an der Spitze nahmen zahlreiche christliche, sunnitische, schiitische und drusische religiöse Führungspersönlichkeiten an der Feier am 26. März teil. Auch Organisationen, die sich um den christlich-islamischen Dialog annehmen, waren stark vertreten. Bei der Feier wurde der entsprechende Passus aus dem Lukas-Evangelium (Kapitel 1,26-38) und die Parallel-Schilderung aus dem Koran (Sure al-Imran) verlesen, berichtete der Pressedienst der Stiftung „Pro Oriente“. Die Proklamation von Mariä Verkündigung zum staatlichen Feiertag im Libanon im Jahr 2010 war eine muslimische Initiative mit dem erklärten Ziel, in der Verehrung Mariens eine Konvergenz zwischen den verschiedenen Religionen zu finden und so die Spannungen zu entschärfen. (JA v. 8. 4.)

 

Vertreter der sechs Hauptreligionen in Indien rufen gemeinsam zu dazu auf, Menschen nicht aufgrund ihrer Religion als patriotisch oder unpatriotisch zu brandmarken. Führer von buddhistischen, christlichen, hinduistischen, jainischen, muslimischen und Sikh-Gemeinschaften versammelten sich am 5. April im Bundesstaat Goa, um ihre Besorgnis über die Spannungen in verschiedenen Regionen des Landes zum Ausdruck zu bringen. „Wir wenden uns entschieden gegen jeden, der individuelle Entscheidungen kontrollieren will. Niemand darf aufgrund seiner Religion, Region oder Gemeinde als antinational oder nicht-patriotisch eingestuft werden“, heißt es in der Erklärung am Ende des Treffens. Jeder Inder hat seine eigene Würde, verdient Respekt und das Recht zu entscheiden, was er isst, wen er heiratet und welchen Glauben er leben will. Sushil Goswamy Maharaj, ein Vertreter der Hindus, sagte, es komme einer Beleidigung gleich, einen Nicht-Hindu als Nicht-Inder zu bezeichnen. „Wenn heute eine Religion keine andere ertragen kann, dann kann Indien nicht vorwärts gehen", warnte er. (ucanews u. vn v. 9. 4.)

 

Als „Stimme des Gewissens“ setzt sich in Israel eine Gruppe von Rabbinern unter dem Namen „Anne-Frank-Bewegung“ für die Menschenrechte in Israel und gegen die Vertreibung der Palästinenser ein, denn diese sei ihrer Meinung nach nicht mit jüdischen Werten vereinbar. Sie streiten vor Gericht für palästinensische Bauern, die enteignet wurden, organisieren Aktivitäten für muslimische Beduinenkinder, pflanzen Seite an Seite mit Palästinensern Olivenbäume, wo zuvor israelische Panzer Olivenhaine zerstört haben. Die über hundert Rabbiner und angehende Theologen sind „die einzige rabbinische Stimme in Israel, die sich explizit für die Menschenrechte engagiert“, so die Gruppe nach eigenen Angaben. (Publik Forum v. 13. 5.)

 

Salma al-Majidi ist 27-jährige Sudanerin und die erste Frau, die vom Weltfußballverband FIFA als Trainerin einer Herrenmannschaft anerkannt wird. Sie trainiert den Regionalklub „Al-Ahly à Al-Gedaref“. Fußball spielende Frauen gibt es in Sudan sehr wenige. (Publik Forum v. 13. 4.)

 

Frauen des Glaubens für den Frieden („Women of Faith for Peace“) ist ein internationales Netzwerk jüdischer, christlicher und muslimischer Frauen in Führungspositionen aus verschiedenen Konfliktzonen der Welt. Das Friedensprojekt wurde 2009 in Trient (Italien) von der Regisseurin und Schriftstellerin Lia Beltrami gegründet. 2017 erhielt die Organisation den renommierten Goldenen Löwen von Venedig für den Frieden. Aktuell veranstalten sie gemeinsam mit dem Päpstlichen Institut für arabische und islamische Studien sowie mit dem Ökumene-Büro der Italienischen Bischofskonferenz Tagungen in Rom. Beltrami ist von der starken Rolle der Frau überzeugt: „Die Frau ist Mediatorin, sie sorgt, beschützt, erzieht, begleitet. Diese Berufung zum Leben, die in allen Religionen präsent und manchmal noch zu stark unterdrückt ist, muss hervortreten.“ (vn v. 13. 4.)

 

Indiens religiöse Führer beschließen, die Lehren der verschiedenen Glaubensrichtungen unverfälscht zu verbreiten. So wollen sie religiös motiviertem Hass und Gewalt vorbeugen. Mehr als 1500 religiöse Führer haben sich zu einer zweitägigen Versammlung getroffen. Das berichtet die Nachrichtenagentur „ucanews“ am 13. April. Repräsentanten der Hinduisten, Muslime, Christen, Sikhs, Jain und Buddhisten sowie religiöser und sexueller Minderheit haben an einer Konferenz am 11. und 12. April in Indore teilgenommen. „Wir sehen eine Zunahme von religiöser Gewalt im Land und müssen dafür eine Lösung finden. Diejenigen, die Gewalt verbreiten, sind keine religiösen Menschen. Sie verstehen die Grundsätze ihrer Religion nicht“, sagte Adil Sayeed, einer der Organisatoren. Die Teilnehmer haben sich laut Sayeed dazu verpflichtet, den Angehörigen ihrer Religion die wahre Lehre ihres Glaubens nahezubringen, denn keine Religion lehre Hass und Gewalt. (ucanews u. vn v. 13. 4.)

 

Die Deutsche Bischofskonferenz will den Dialog zwischen Christen und Muslimen fördern. Dazu organisierten die römisch-katholischen Bischöfe am 14. April in Frankfurt einen Empfang für 100 geladene Gäste. „Wir kommen als Christen unterschiedlicher Konfessionen und als Muslime verschiedener religiöser, nationaler und kultureller Zugehörigkeiten erstmals in dieser Form zusammen", betonte der Limburger Bischof Georg Bätzing. Die Bischofskonferenz wolle damit „ein Zeichen setzen für die Bedeutung des christlich-islamischen Dialogs und dies mit einem theologischen Gesprächsimpuls verbinden". Zu den Gästen zählten die Vorsitzenden der Deutschen Muslim-Liga und des Islamrats sowie der Bundesvorsitzende der Ahmadiyya Muslim Jamaat in Deutschland, außerdem die hessischen Landesvorsitzenden des Verbandes Islamischer Kulturzentren, des deutsch-türkischen Moscheeverbands Ditib, des Zentralrats der Muslime in Deutschland, der Islamischen Gemeinschaft der Bosniaken und des Geistlichen Rats der Alevitischen Gemeinde von Hessen. Bätzing sagte weiter, der Empfang verstehe sich auch als ein Signal für den christlich-islamischen Dialog. Bätzing verwies auf zahlreiche bestehende Gemeinsamkeiten zwischen den Religionen: „Auch die Muslime verehren sowohl Maria als auch ihren Sohn Jesus; auch der Islam kennt den Engel Gabriel als Boten Gottes". Während des Treffens sagte Pater Felix Körner, Professor für Theologie der Religionen an der Päpstlichen Universität Gregoriana in einem Vortrag, dass Christen und Muslime von den jeweils anderen „geistlichen Traditionen" lernen könnten. Er könne sich „ein Zusammenleben vorstellen, das von geistlichen Zentren verschiedener Religionen inspiriert ist". Diese müssten „gut ausgebildete Begleiter" haben. Imtiaz Ahmad Shaheen, islamischer Theologe und Imam der Nuur Moschee in Frankfurt, wertete das Treffen als positives Zeichen „in Anbetracht der religiösen Unwissenheit und Islamfeindlichkeit, die derzeit in der Gesellschaft herrschen". (katholisch.de u. vn v. 14. 4.)

 

Erstmals in der Geschichte Pakistans ist auf dem Gelände einer islamischen Universität eine christliche Kapelle eingerichtet worden. Es handelt sich um die Kirche St. Mary im Atrium der Landwirtschaftlichen Universität von Faisalabad. Wie die Nachrichtenagentur „Asianews“ berichtet, hat der Erzbischof von Islamabad-Rawalpindi, Joseph Arshad, am 15. April die Einweihung vorgenommen. Er ist auch Vorsitzender der pakistanischen Bischofskonferenz. Bei der Feier dankte er der Universitätsverwaltung und der Regierung für ihre Unterstützung für diese Kapelle, in der Angehörige der christlichen Minderheit ungestört ihrem Glauben nachgehen können. Bisher waren in den knapp 180 Universitäten und höheren Bildungsstätten ausschließlich Moscheen zugelassen. Die Diözese übernahm umgerechnet etwa 2.000 Euro für Baukosten, während die Universität gut einen Quadratkilometer Land zur Verfügung stellte. (asianews u. vn v. 19. 4.; JA v. 29. 4.)

 

Bei seinem Aufenthalt in der saudischen Hauptstadt Riad hat Kardinal Jean-Louis Tauran politische und religiöse Autoritäten getroffen. Er appellierte an sie, für Frieden, Gerechtigkeit und aufrichtigen Dialog zu sorgen. Der saudische König Salman Bin Abd al-Aziz empfing am 18. April Tauran, Leiter des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog, in seinem Palast. An dem Treffen nahmen außerdem der Erbprinz Muhammad bin Salman und Scheich Muhammad Abdul Karim Al-Issa, Generalsekretär der Muslimischen Weltliga, teil. Während des Treffens dankte Tauran dem König für seine Gastfreundschaft und erinnerte daran, „wie schädlich eine Instrumentalisierung der Religion für politische Zwecke sein könne“. Zudem lud der Kardinal den wahabitischen Herrscher dazu ein, den „aufrichtigen Dialog fortzusetzen, um angemessene Lösungen für die Herausforderungen der heutigen Welt“ zu finden. Er erwähnte „die Hunderttausenden von christlichen Arbeitern im saudischen Königreich“ und hob hervor, dass dies „ein Thema ist, dem Papst Franziskus mit großer Sorgfalt folgt.“ Frieden sei untrennbar mit Gerechtigkeit verbunden. „Es gibt keinen Frieden ohne Gerechtigkeit, keine Gerechtigkeit ohne Vergebung“. Daher sein Schlussappell: „Die Erziehung der jungen Generationen zum Frieden ist grundlegend.“ Auch in den arabischen Medien stieß der Besuch des Kurienkardinals auf ein großes Echo. Saudi-Arabien befindet sich unter dem zunehmenden Einfluss des Kronprinzen Muhammad bin Salman auf Reformkurs. Der 32-Jährige versucht das Land auf eine gemäßigtere Form des Islam einzuschwören. Jüngst anerkannte er öffentlich das Existenzrecht Israels. (vn v. 20.4.)

 

Als einen „wichtigen Schritt für den interreligiösen Dialog“ hat das in Wien ansässige „König Abdullah Bin Abdulaziz International Centre für den interreligiösen und interkulturellen Dialog“ (KAICIID) den Besuch von Kardinal Jean-Louis Tauran in Saudi-Arabien bezeichnet. Er war als Präsident des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog in den vergangenen Tagen u.a. mit der Spitze des saudischen Königshauses in Riad zusammengetroffen. Dabei hatte Tauran vor jeder Instrumentalisierung der Religion durch die Politik gewarnt. Das KAICIID berichtete in einer Presseaussendung darüber hinaus von einem Zusammentreffen Taurans mit KAICIID-Generalsekretär Faisal Bin Muaammar in Riad. Dabei habe Kardinal Tauran die freundschaftlichen Beziehungen des Vatikan zum Wiener Dialogzentrum unterstrichen. Der Sekretär des Rates für den interreligiösen Dialog, Bischof Miguel Angel Ayuso Gixot, würdigte die Dialogarbeit der Wiener Einrichtung, insbesondere auch die Stipendienprogramme für Frieden und Versöhnung, die es ermöglichten würden, „das Zentrum als Referenz, als Förderer des interkulturellen und interreligiösen Dialogs in der Welt zu sehen“. (kap u. vn v. 22. 4.; JA v. 29. 4.; Die Furche v. 3. 5.; JA v. 6. 5.)

 

Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas hat zu einer Stärkung der christlichen Präsenz im Heiligen Land aufgerufen. „Lasst uns zusammenarbeiten, um allen Herausforderungen und Versuchen zu begegnen, die christliche Präsenz und die Präsenz der Kirchen besonders in Jerusalem zu untergraben“, teilte er in einem Ostergruß an die Jerusalemer Kirchenführer mit. Jerusalem bezeichnete Abbas dabei als „Hauptstadt Palästinas, die wir offen und zugänglich für alle Gläubigen und Anhänger der drei monotheistischen Religionen halten wollen“. Palästina sei stolz auf seine Christen, ebenso wie es stolz auf die palästinensischen Christen in der Diaspora sei, die „ihren Staat und ihr Volk positiv repräsentieren“, so Präsident Abbas. (JA v. 22. 4.)

 

In Albanien arbeiten die Religionen zusammen: In einer gemeinsamen Erklärung von katholischer, evangelischer und orthodoxer Kirche, muslimischer und bektaschischer Glaubensgemeinschaft votieren diese gemeinsam für einen Beitritt ihres Landes zur EU: "Wir glauben, dass Rede- und Religionsfreiheit, Familie, Frieden und Solidarität Werte sind, die auch auf unserer Gesellschaft ruhen, die danach strebt, Teil der europäischen Familie zu sein", heißt es in der Erklärung. Unterzeichnet ist das Dokument von katholischer, evangelischer und orthodoxer Kirche sowie der muslimischen und der bektaschischen Glaubensgemeinschaft. Die Religionsvertreter rufen die Verantwortlichen auf, weiterhin an notwendigen Standards zu arbeiten, um Teil von Europa zu werden. "Insbesondere wollen wir die Bemühungen um eine Justizreform verstärken sowie den Kampf gegen Korruption und die Armut der Albaner". Seit 2014 ist Albanien offizieller Beitrittskandidat der EU. (islam.de v. 23. 4.; JA v. 6. 5.)

 

Die wachsende Bedeutung des christlich-islamischen Dialogs zwischen denjenigen nahöstlichen Führungspersönlichkeiten, die Religionsfreiheit und gleiche Bürgerrechte für alle Bewohner befürworten, ist am 26. April in Wien vom nationalem Dialogberater des Wiener KAICIID-Zentrums, Mohammad Sammak, sowie von „Pro Oriente"-Präsident Johann Marte betont worden. Sammak war 2007 einer der 138 Unterzeichner des offenen Briefes „Ein gemeinsames Wort zwischen Uns und Euch" (A Common Word Between Us & You) an Persönlichkeiten des Islam und an „Führer christlicher Kirchen überall", darunter Papst Benedikt XVI. Er ist auch Generalsekretär des Nationalen Komitees für islamisch-christlichen Dialog (National Council for Islamic-Christian Dialogue) sowie Generalsekretär des Islamischen Geistlichen Gipfels (Islamic Spiritual Summit) im Libanon. Er dient auch als Berater des höchsten libanesischen Muftis, des Großmuftis Mohammad Raschid Qabbani. Derzeit ist er einer der Vertreter des Islams im Direktorium des Wiener KAICIID-Zentrums. Sammek bedauerte, dass sich die neue Sicht der katholischen Kirche auf den Islam, ausgedrückt im Konzilsdokument „Nostra aetate“, „nicht zu den muslimischen Menschen überall auf der Welt, von Marokko bis Indonesien, durchgesprochen" habe. Eigentlich wäre es die Rolle der im Libanon lebenden Muslime gewesen, diese Neuerung aus dem Vatikan unter ihren Glaubensbrüdern zu verbreiten. Nach der historischen Al-Azhar-Konferenz mit Papst Franziskus und Großimam Ahmad al-Tayyeb im Jahr 2016 sei ein weiterer Durchbruch der jüngste Besuch von Kurienkardinal Jean-Louis Tauran in Saudi-Arabien gewesen. Sammak lobte den ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah el-Sisi, der auch für eine neue Verfassung mit gleichen Bürgerrechten für Muslime und christliche Kopten lobbyiere: „Sisi arbeitet sogar stärker als die Kairoer Al-Azhar-Universität daran, dass die Rechte der Christen in Oberägypten geschützt werden". „Pro Oriente"-Präsident Marte erinnerte bei der Veranstaltung an Kardinal Franz König, der „Pro Oriente" zur Pflege der Beziehungen mit den Ostkirchen gegründet hatte. Er habe „öffentlich gesagt, der interreligiöse Dialog sei ihm fast wichtiger als der ökumenische". (kap v. 26. 4.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Nach dem Nein des Vatikan zu einer Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren fordert der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck „eine ernsthafte und zutiefst wertschätzende Neubewertung der Homosexualität". Die bloße Wiederholung der „Wertung von Homosexualität auf naturrechtlicher Basis" werde heute nicht mehr verstanden und auch nicht mehr akzeptiert, schreibt er in einem Brief an alle Pfarreien. Gerade in den Zuschriften vieler SeelsorgerInnen komme „eine offene Ablehnung der lehramtlichen Position zum Ausdruck, die nicht mehr ignoriert werden darf". Bei aller Wertschätzung von Schriftzeugnis, Lehramt und Tradition müsse es um eine „Übersetzung der Zeichen der Zeit" gehen. Die gesamte Tradition sei „als ein lebendiges Geschehen zu begreifen". Gerade die Segensfeiern seien entstanden aus der seelsorglichen Begleitung der betroffenen Menschen. „Über das Gute ihres Lebens einen Segen zu sprechen, der nicht einer Trauung ähnelt, wohl aber Zeichen der Begleitung ist, soll doch zeigen: Im Namen der Kirche ist Gott in dieser Beziehung gegenwärtig." Ähnlich 2600 Geistliche in Deutschland, zahlreiche Priester in Österreich, sowie die österreichischen Bischöfe Wilhelm Krautwaschl (Graz-Seckau), Josef Markets (Gurk-Klagenfurt), Hermann Glettler (Linz) und der Antwerpener Bischof Johan Bonny. (kna u. zahlreiche Medien ab. 20. 3.)

     

  • Im Irak tätige religiöse Organisationen haben anlässlich der Papstreise vom 5. bis zum 8. März ein gemeinsames Statement für Solidarität, Geschwisterlichkeit und interreligiösen Dialog unterzeichnet. In der interreligiösen Erklärung verpflichten sich die Organisationen, Diskriminierung und Missionierung abzulehnen, die kulturellen Werte und Überzeugungen anderer zu respektieren, den sozialen Zusammenhalt zu fördern und die Zusammenarbeit bei der Hilfe für Bedürftige zu stärken. Sie rufen zudem die Internationale Gemeinschaft auf, dem irakischen Volk zu helfen, die gegenwärtigen Herausforderungen „in einem wahren Geist der menschlichen Geschwisterlichkeit und Solidarität“ zu bewältigen. Die Erklärung unterschrieben unter anderem mehrere Caritas-Einrichtungen, die christlich-muslimische Adyan-Stiftung, Islamic Relief Worldwide und der Lutherische Weltbund. Schon in seiner Enzyklika „Fratelli tutti“ habe Papst Franziskus daran erinnert, dass sich keiner allein retten könne, heißt es in dem Manifest. Als positives Beispiel interreligiöser Zusammenarbeit verweisen die Unterzeichner auf das Abu Dhabi-Dokument von 2019 zur Brüderlichkeit aller Menschen hin , das Papst Franziskus und Großimam Ahmad Mohammad Al-Tayyeb unterzeichneten. „Als glaubensbasierte Organisationen schließen wir uns vollständig dieser Botschaft der Geschwisterlichkeit und des Dialogs an“. (vn v. 3. 3.)

     

  • Die Enzyklika „Fratelli tutti“ über Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft steht im Zentrum eines Web-Seminars, bei dem weibliche Führungspersönlichkeiten unterschiedlicher Religionen und Kulturen zu Wort kommen. Organisiert wurde das ökumenische und interreligiöse Seminar von der Weltunion katholischer Frauenverbände (WUCWO) anlässlich des internationalen Weltfrauentags am 8. März. Zwei Vatikangremien wirken dabei mit: der weibliche Beraterstab des päpstlichen Kulturrates und der Päpstliche Rat für Interreligiösen Dialog. Neben einer Videobotschaft der ehemaligen UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova, die als weibliches Mitglied im „Hohen Komitee für die Brüderlichkeit unter den Menschen“ im islamisch-christlichen Dialog engagiert ist, sind Beiträge weiterer Vertreterinnen aus Christentum, Judentum und Islam, Buddhismus und Hinduismus vorgesehen. Das Wort ergreifen etwa die Soziologieprofessorin und Vatikanberaterin Consuelo Corradi, Leiterin des Frauenrates im Päpstlichen Kulturrat, sowie die muslimische Theologin Shahrzad Houshmand, die ebenfalls dort Mitglied ist. Auch sprechen die Präsidentin des Interreligiösen und Interkulturellen Komitees des Internationalen Rates der Jüdischen Frauen, Nadine Iarchy. Weitere Beiträge kommen von Elena Seishin Viviani von der Buddhistischen Union und Svamini Hamsananda Ghiri von der Hinduistischen Union in Italien. Grußworte sprechen Kardinal Gianfranco Ravasi, Präsident der Päpstlichen Kulturrates, und Kardinal Miguel Ángel Ayuso Guixot, Präfekt des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog. „Wir sind dann im Jahr 2020 zu einer gemeinsamen Erklärung gekommen und haben festgestellt, dass es gemeinsame Punkte gibt, um menschliche Geschwisterlichkeit gemäß den vom Papst angegebenen Richtlinien durch Frauen in der Welt zu verwirklichen. In diesem Jahr 2021 hoffen wir, diesen Weg des Dialogs einen Schritt weiterzugehen und zu konkretisieren - es geht jetzt darum, von Erklärungen zu Fakten überzugehen“, sagt die Argentinierin Maria Lia Zervino, Präsidentin der WUCWO, im Interview mit Radio Vatikan. (vn v. 3. 3.)

     

  • Der Innsbrucker Pastoraltheologe Christian Bauer fordert eine Neuausrichtung der Priesterausbildung. Es brauche „einen anderen, postklerikalen Geist", schreibt er in einem Gastbeitrag für das Portal katholisch.de. Angehende Priester müssten „aus ihrer persönlichen Komfortzone heraus“. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) habe es „durchaus bemerkenswerte Neuansätze" gegeben. Unter dem heutigen Papst ergäben sich neue Möglichkeiten, da Franziskus die Synodalität als gemeinsames Vorangehen aller Getauften propagiere. Bislang führe die Priesterausbildung häufig zu einem „Hineinsozialisieren in einen klerikalen Habitus, der längst als ein wesentlicher Grund des geistlichen Missbrauchs bis hin zu sexualisierter Gewalt identifiziert ist". In Priesterseminaren entstehe oft ein „verhängnisvoller klerikaler Korpsgeist". Es brauche jedoch individuelle Möglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln, fordert der Pastoraltheologe. Zudem sollten „angehende Priester, Gemeinde- und Pastoralreferent*innen" nicht in „XXL-Seminaren" abgeschottet sein, sondern in dezentralen Wohngemeinschaften am ‚normalen' Studierendenleben" teilhaben. Prof. Bauer äußerte sich deshalb, weil eine Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz ein Reformkonzept vorgelegt hat, wonach die Priesterausbildung nur noch an wenigen Standorten in Deutschland erfolgen soll. Dies stieß zum Teil auf heftige Kritik. (kna u. kap v. 2. 3.)

     

  • Der deutsche Ökumenische Kirchentag (ÖKT) 2021 wird anders als alle Kirchentage bisher. Ein Beispiel dafür ist „Schaut hin – Von der Krise zur Vision“, das Anfang März veröffentlichte gemeinsame Magazin der römisch-katholischen und evangelischen Kirche für den Religionsunterricht. Konkret arbeiteten hier das Dezernat Schule und Bildung im Bistum Limburg und das Religionspädagogische Institut der Evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck und der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) zusammen. Das Heft bietet für Schulen Unterrichtsmaterialien zu den zentralen Themen des ÖKTs an: von Glaube und Spiritualität über die Bewahrung der Schöpfung bis hin zu Wirtschaft. „Es ist so wichtig, dass gerade Kinder und Jugendliche erkennen können, dass Christ-Sein nicht bedeutet, weltfern zu sein“, schreiben in ihrem Geleitwort der Bischof von Limburg, Georg Bätzing, sowie die Bischöfin von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, und der Kirchenpräsident der EKHN, Volker Jung. (vn [=Vatican News] v. 2. 3.)

     

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