Innerkirchliche Reformansätze: (Frauen, Zölibat, wiederverheiratet Geschiedene, Moral ..)

Der Marseiller Erzbischof und Vorsitzende der Französischen Bischofskonferenz, Georges Pontier, hat zum Kampf gegen Hochmut und Machtstreben unter Priestern aufgerufen. „Papst Franziskus hat Klerikalismus in all seinen Formen als Ausdruck und Hauptursache von Störungen im Leben christlicher Gemeinschaften genannt", sagte er zu Beginn der Frühjahrsvollversammlung in Lourdes. Zu der Missbrauchsproblematik zitiert die Zeitung "La Croix" den Bischof von Grenoble, Guy de Kerimel: „Dem gesamten Episkopat ist bewusst, dass wir eine besonders schwere Krise durchmachen.“ Die Kirche werde nicht mehr wie vorher sein. Mehrere Bischöfe sprechen laut Angaben des Blattes von einem „Reinigungsprozess". (kathpress u. KNA u. vn v. 2. 4.)

 

Mehr als 100 Laientheologen aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart haben Bischof Gebhard Fürst aufgerufen, sich intensiver mit den Fragen kirchlicher Sexualmoral und klerikaler Macht zu befassen. Sexueller Missbrauch sei in hohem Maß aus einer „fragwürdigen Sexualmoral" und dem Umgang mit klerikaler Macht erwachsen. Die Themen Macht, Zölibat und Sexualmoral müssten „im Verbund besprochen werden", heißt es in dem Brief, der am Rande einer Sitzung des Diözesanrates veröffentlicht wurde. Der Diözesanratssprecher Johannes Warmbrunn betonte, kirchliche Strukturen dürften einem Machtmissbrauch nicht länger Vorschub leisten. (kathpress u. KNA v. 2. 4.)

 

In der Erzdiözese München geht ab 7. April das erste gemischte Leitungsteam aus Haupt- und Ehrenamtlichen für den Pfarrverband Geisenhausen im Landkreis Landshut an den Start. Zwei weitere Teams sollen folgen. Bereits vor drei Jahren hatte dies Kardinal Reinhard Marx in einem Schreiben an alle SeelsorgerInnen angekündigt. „Das neue kollegiale Leitungsmodell nimmt in konsequenter Weise auf, was die deutschen Bischöfe in ihrem Wort 'Gemeinsam Kirche sein' betonen, nämlich die Teilhabe aller Getauften und Gefirmten am Sendungsauftrag der Kirche", sagte Weihbischof Bernhard Haßlberger. Zu dem Geisenhauser Team gehören ein Ordenspriester, eine Gemeindereferentin und drei von der örtlichen Kirchenverwaltung sowie den Pfarrgemeinderäten gewählte Ehrenamtliche, darunter zwei Frauen. Alle Mitglieder sind gleichberechtigt, bei Abstimmungen entscheidet die Mehrheit. (kathpress u. KNA v. 3. 4.)

 

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, Nummer Zwei des Vatikans, hat am 5. April eine Gruppe von homosexuell fühlenden Personen empfangen. Dem Kardinal wurde von diesen eine „Studie zur Kriminalisierung homosexueller Beziehungen in der Karibik“ vorgestellt. In einer Ansprache betonte Parolin, die Kirche setze sich für die Würde jedes Menschen und gegen Gewalt in jeder Form ein. Er werde Papst Franziskus über den Inhalt der Studie informieren. (vn v. 5. 4.)

 

Priorin Ruth Schönenberger, Leiterin des Priorats Tutzing der Missions-Benediktinerinnen, hat eine klare Meinung über Frauen in der Kirche: „Wir haben hier qualifizierte Theologinnen, denen nur die Weihe fehlt" Die Qualifikation soll entscheidend sein, nicht das Geschlecht, sagt sie im Interview mit www.katholisch.de: „Da hilft sicherlich nicht nur beten, aber warum soll man nicht dafür beten? Denken wir doch daran zurück, wie viele Menschen gebetet haben, bevor die Berliner Mauer gefallen ist. Mir ist ganz wichtig, bei allen strukturellen Diskussionen das Anliegen immer wieder gemeinsam vor Gott zu tragen. […] Und dann sollte man am Ball bleiben und schauen, dass wirklich Schritte gegangen werden und wir Frauen nicht nur vertröstet werden, wie es das Beispiel des Diakonats der Frau zeigt. […] Wenn wir Eucharistie feiern wollen als Frauengemeinschaft, müssen wir immer organisieren, dass ein Mann zu uns kommt – und das jeden Tag. Er steht dann am Altar und leitet – und nicht wir. […] Ich finde, wir haben eine ziemlich legalistische Kirche, die sehr von Gesetzen und Vorschriften geprägt ist. So erlebe ich Jesus eigentlich nicht. Er ist dagegen angegangen. […] Ich fände es eigentlich selbstverständlich, dass eine Frau auch geweiht werden kann. Ich verstehe die Begründungen nicht. Ich wundere mich, dass man die Präsenz Christi auf das Mannsein reduziert. Wir haben hier bei uns auch qualifizierte Theologinnen, denen nur die Weihe fehlt – sonst nichts. […] Unser derzeitiges Priesterbild gehört grundlegend revidiert. […] Aber ich sage nicht, dass eine Frau eine Führungsposition bekommen soll, weil sie eine Frau ist, sondern weil sie qualifiziert ist. Und ein Mann soll sie auch nur bekommen, weil er qualifiziert ist und nicht nur, weil er Priester ist. (www.katholisch.de v. 7. 4.)

 

Margit Eckholt ist Professorin für Dogmatik in Osnabrück und Vorsitzende des Forums katholischer Theologinnen und meint: Fragen von Frauen gehören hinein in das Herz von Kirche. „Wir sind ungefähr 50 Theologinnen an den unterschiedlichen theologischen Instituten“, sagte sie im Gespräch mit dem Kölner Domradio. „Wir haben in der Wissenschaft auf der Ebene der universitären Ausbildung von Theologinnen und Theologen ein sehr gutes Standing [… und] haben ein Ansehen auch im Rahmen der Theologie als Wissenschaft errungen.“ Allerdings sind bis heute „die höchsten römisch-katholischen Entscheidungsfunktionen Klerikern und damit ausschließlich Männern vorbehalten. […] Und das ist der Punkt, warum auch unsere deutsche Ortskirche davon spricht, Frauen in Führungspositionen hineinzunehmen. Das befürwortet ja auch der Papst. Wichtig ist, dass in der Zukunft Frauen mit ihren Kompetenzen als Theologinnen in die unterschiedlichen Disziplinen und Gremien hineinkommen, auf Ebene von Ortskirchen. Aber natürlich auch auf Ebene der Entscheidungen, die in Rom getroffen werden, um hier ihre Perspektive einbringen zu können. Sonst werden nämlich immer von oben Entscheidungen über Frauen getroffen, ohne dass die Frauen selbst zu Wort kommen können.“ Die deutschen Bischöfe möchten in ihren Verwaltungen bis zum Jahr 2023 eine Frauenquote von 30 Prozent erreichen. Eckholt hält das für sinnvoll: Frauen müssten in den Ordinariaten „und dort, wo Entscheidungen im Blick auf das Kirchenrecht getroffen werden“, vertreten sein. Eckholt will von einer „partizipativen Kirche“ ausgehen, „in der Männer und Frauen gemeinsam an den Grundfragen heutiger Zeit arbeiten“, und einen „Strukturwandel“ einleiten. „Das beinhaltet auch die Frage nach Ämtern und Diensten in der Kirche im Sinne von Gendergerechtigkeit.“ (www.domradio v. 9. 4.)

 

Dass es in der aktuellen Situation Menschen gibt, die sich enttäuscht von der Kirche abwenden, kann Irene Gassmann, Priorin des Schweizer Benediktinerinnen-Klosters Fahr, verstehen. Doch damit abfinden will sie sich nicht und kämpft mit einer eigenen Gebetsinitiative für einen spirituellen Neuaufbruch und für Veränderungen in der römisch-katholischen Kirche. Es „kann es doch nicht sein, dass wir laufend Unterschriften sammeln! Und da habe ich gespürt, für mich als Benediktinerin gibt es einen anderen Weg: Den Weg des Gebetes.“ „Schritt für Schritt - Gebet am Donnerstag“ hat sie ihre Initiative genannt. Zahlreiche römisch-katholische Einrichtungen in und außerhalb der Schweiz beten mit. Ein Weg zu einer grundlegenden Veränderung wäre sicherlich auch, den Frauen in der Kirche mehr Mitspracherecht einzuräumen, betont die Priorin. Immerhin spreche auch der Papst selbst immer wieder davon, Frauen verstärkt in Leitungsfunktionen der Kirche zu holen. Denn solange nur die „Bischöfe, Kardinäle und Funktionäre“ untereinander berieten, drehe sich die Situation letztlich im Kreis: „Und ich glaube, dass es jetzt höchste Zeit ist, dass das durchbrochen wird. Ich hoffe, dass unsere Bischöfe hier auch mutig sind und wirklich Frauen ganzheitlich einbeziehen, nicht nur einmal für einen Auftritt, sondern wirklich auch die Frauen als vollwertige Mitglieder der Kirche ernst nehmen.“ (vn v. 10. 4.)

 

Kardinal Christoph Schönborn kann sich verheiratete Priester vorstellen. Der Zölibat habe allerdings 2000 Jahre Tradition, „die auch der Papst nicht beim Frühstück ändern könne", sagte er in der ORF-„Pressestunde". „Ich kann mir gut vorstellen, dass es in Zukunft nicht nur verheiratete Diakone geben wird, sondern auch verheiratete Priester". Auch Diakoninnen sind für ihn vorstellbar. (APA u. www.derstandard.at v. 14. 4.)

 

Die Kirche sollte die Anliegen der Jugend mehr zu ihrer eigenen Aufgabe machen, findet der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer. In vieler Hinsicht wünscht er sich mehr Innovation. Dass sich die Hierarchie, die Rolle der Frauen und die Miteinbeziehung von Laien ändern wird, glaubt er schon. Die Frage ist, wann. Mehr „Forschheit“ brauche es in der Kirche auch bei Veränderungen hinsichtlich hierarchischer Strukturen. Dabei müssten alle ein Mitspracherecht haben, „Frauen, Männer, Ordensleute". Weiter forderte er eine Überdenkung des Pflicht-Zölibats. Die Zusammenlegung von Kirchengemeinden sollte aufhören. Stattdessen sprach er sich dafür aus, dass auch Laien Gemeinden leiten. „Angesichts der wenigen Priester sehe ich gar keine andere Möglichkeit", so Bischof Wilmer. (kna u. vn v. 15. 4.)

 

Nach den Worten des Abtes von Sankt Bonifaz-München und des Klosters Andechs, Johannes Eckert, muss die römisch-katholische Kirche den Frauen mehr Rechte einräumen. „Wir müssen uns am biblischen Befund orientieren, dieser ermöglicht einiges in der Kirche", sagte der bayrische Benediktiner der deutschen KNA. Schon in den frühen Gemeinden des Paulus hätten Frauen Leitungsverantwortung übernommen. Er selbst sei immer wieder begeistert, wie heute viele Frauen priesterliche und diakonale Dienste wahrnähmen. „Da wäre so viel Potenzial im Sinne der Charismenvielfalt" möglich. Heute seien viele Frauen in der Kirche die Erstverkünderinnen. Das fange bei Müttern und Omas an und gehe bis zu den Gemeinde- und Pastoralreferentinnen in der Vorbereitung auf die Erstkommunion oder Firmung. Wenn damals die Apostel den Frauen nicht geglaubt hätten, dann sei dies als „klassische Dummheit der Männer" zu sehen. Die Kirche sollte wissen, dass Jesus den Dienst von Frauen annahm und sie in den Dienst nahm. (KNA v. 16. 4.)

 

Der Freiburger Erzbischof Stephan Burger hält es für kirchenrechtlich möglich, den Pflichtzölibat abzuschaffen. „Der Papst als oberster Gesetzgeber könnte das ändern", sagte Burger dem „Mannheimer Morgen". Er persönlich befürworte den Zölibat. Eine Abschaffung würde bei ihm aber keine „Glaubenskrise" auslösen. (KNA v. 17. 4.)

 

Ein aus der Initiative „Pro Pope Francis“ entstandenes Theologennetzwerk – maßgeblich gegründet von em. Univ. Prof. Dr. Paul M. Zulehner zusammen mit dem Prager Theologen Dr. Tomas Halik – sieht die eigentliche Herausforderung der Kirche in der Emanzipation der Frau. Halik und Zulehner starteten 2017 eine Unterschriftenaktion zur Unterstützung des Papstes. Unter den 75.000 Unterzeichnern sind fast 2.400 Theologen aus aller Welt. Mit ihnen wurde ein Theologennetzwerk gegründet, das unter dem Titel „Wir teilen diesen Traum“ ein E-Book mit Texten der Mitglieder herausgegeben hat. „Die Frauenfrage [sei] der Schlüssel für die Glaubwürdigkeit der Kirche“, sagte Zulehner dem deutschen Online-Portal „katholisch.de“. Die Initiative „Pro Pope Francis“ zeige, dass „sehr viele qualifizierte Menschen diese innovative Politik des Papstes unterstützen“. Zulehner zeigte sich überzeugt, „dass es nun grünes Licht für die Weihe verheirateter, nicht akademisch ausgebildeter ehrenamtlicher Priester geben wird“. (JA v. 21. 4.)

 

Der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) feiert am 29. April – am Fest der hl. Katharina von Siena – den „Tag der Diakonin“. Er steht in diesem Jahr unter dem Motto „Macht Kirche zukunftsfähig!“ und bekräftigt das Engagement für die Öffnung des sakramentalen Diakonats für Frauen. KDFB-Präsidentin Maria Flachsbarth erklärt dazu: „Als Getaufte und Gefirmte sind Frauen und Männer in gleicher Weise berufen, aktiv am Aufbau und am Fortbestand der Kirche mitzuwirken und dabei den Dienst am Nächsten zu verwirklichen.“ Nach Auffassung des KDFB ist es für eine glaubwürdige und zukunftsfähige Kirche in Deutschland dringend erforderlich, Frauen in die kirchliche Ämterstruktur einzubeziehen und ihnen die Weiheämter zu öffnen. „Die Forderung nach dem sakramentalen Diakonat von Frauen ist angesichts der sich stetig ändernden pastoralen Situation in Deutschland heute aktueller denn je. Auch die derzeitige Krise der katholischen Kirche beinhaltet die Herausforderung für Reformen und Veränderung“. Der Dienst am Nächsten sei gemeinsame Aufgabe und Verantwortung von Frauen und Männern und gehöre zu den Wesensmerkmalen der Kirche. „Die Einführung des sakramentalen Diakonats für Frauen ist dabei ein notwendiger Schritt, um der Gleichberechtigung von Frauen und Männern in der katholischen Kirche ein großes Stück näher zu kommen.“ (vn v. 23. 4.)

 

An der kommenden Vollversammlung der Bischofskonferenz von Chile nehmen diesmal auch Laien teil. Auf dem Programm steht die Erarbeitung eines Dokuments über Identität und Dienst der Kirche vor dem Hintergrund des Missbrauchsskandals, teilten die Bischöfe mit. 22 Bischöfe und fünf Übergangsleiter römisch-katholischer Diözesen werden im einem Tagungszentrum nahe dem Badeort El Quisco an der Pazifikküste zusammenkommen. Die teilnehmenden Laien, sowohl Männer als auch Frauen, stammen aus mehreren Diözesen. (kna u. vn v. 27. 4.)

 

Erstmals könnte Papst Franziskus eine Frau mit der Leitung einer vatikanischen Kurienbehörde beauftragen. Das spanische Portal „Religion Digital" berichtet, es sei geplant, die italienische Wirtschaftsexpertin Claudia Ciocca zur Leiterin des vatikanischen Wirtschaftssekretariats zu ernennen. Am 29. April empfing Papst Franziskus den kommissarischen Leiter der Behörde, Luigi Misto. Der bisherige Präfekt, Kardinal George Pell, hatte das Amt seit dem 1. Juli 2017 wegen Missbrauchsvorwürfen ruhen lassen. Im März 2019 wurde er zu sechs Jahren Haft verurteilt. Sollte Ciocca tatsächlich ernannt werden, wäre sie für die wirtschaftlichen und finanziellen Angelegenheiten des Vatikan zuständig und dem Papst direkt verantwortlich. Sie wäre dann die höchstrangige Frau in der rund 600-jährigen Geschichte der römischen Kurie. Die Wirtschaftsexpertin Ciocca lehrt an der römischen Universität Santa Croce. (kap u. vn v. 29. 4.)

 

Die Katholischen Akademien in Deutschland haben die Initiative „Strukturen des Missbrauchs überwinden" gestartet. Mit unterschiedlichen Veranstaltungen wollen die 22 Bildungshäuser die Debatten über die Themen Macht in der Kirche, Sexualmoral und priesterliche Lebensform forcieren. Mit der Initiative solle der von den deutschen Bischöfen beschlossene „Synodale Weg" zur Erneuerung der Kirche unterstützt werden. „Der Gesprächsbedarf ist angesichts des immensen Vertrauensverlustes der katholischen Kirche enorm", erklärte der Vorsitzende des Leiterkreises der Katholischen Akademien, Peter Klasvogt. Der Austausch darüber sei mit Blick auf konkrete strukturelle Reformen „unbedingt notwendig". Die deutschen Bischöfe hatten auf ihrer Frühjahrsvollversammlung entschieden, die Themen Macht, Sexualmoral und priesterliche Lebensform im Rahmen eines „Synodalen Weges“ zu beraten. (kna u. kap v. 29. 4.)

 

Bei der zentralen Veranstaltung zum „Tag der Diakonin“ betonten auch der Paderborner Pastoraltheologe Herbert Haslinger und die Osnabrücker Dogmatikerin Margit Eckholt, es gehe für Frauen um den Zugang zum „sakramentalen Amt als solchem“, also auch zum Priesteramt. ZdK-Vizepräsidentin Lücking-Michel ergänzte, die Weihe von Frauen zu Diakoninnen wäre „der notwendige erste Schritt zu einer glaubwürdigen Kirche“. Denn „ohne uns Frauen, ohne Gleichstellung wird die Kirche nicht zukunftsfähig sein". Irmentraud Kobusch, Vorsitzende des Netzwerks „Diakonat der Frau“, glaubt, es sei ein „Mangel der Kirche“, Frauen von sakramentalen Ämtern auszuschließen. Der Paderborner Pastoraltheologe Herbert Haslinger mahnte, die Frauen dürften sich nicht nur auf das Amt der Diakonin „kaprizieren“. Denn dann könne es geschehen, dass die „höheren Amtsstufen“ wie das Priesteramt „bei den Männern bleiben“. Entscheidend sei „der Zugang von Frauen zum sakramentalen Amt als solchem“. Dem schloss sich Eckholt an und betonte, derzeit sei in der römisch-katholischen Kirche eine „Entmächtigung von Frauen“ kirchenrechtlich zugrundegelegt. Nötig sei aber deren „Ermächtigung“. Der „Tag der Diakonin“ wird seit 1997 jährlich am 29. April begangen, dem Festtag der zur Kirchenlehrerin erhobenen heiligen Katharina von Siena (1347-1380). (kna u. vn v. 30. 4.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Nach dem Nein des Vatikan zu einer Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren fordert der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck „eine ernsthafte und zutiefst wertschätzende Neubewertung der Homosexualität". Die bloße Wiederholung der „Wertung von Homosexualität auf naturrechtlicher Basis" werde heute nicht mehr verstanden und auch nicht mehr akzeptiert, schreibt er in einem Brief an alle Pfarreien. Gerade in den Zuschriften vieler SeelsorgerInnen komme „eine offene Ablehnung der lehramtlichen Position zum Ausdruck, die nicht mehr ignoriert werden darf". Bei aller Wertschätzung von Schriftzeugnis, Lehramt und Tradition müsse es um eine „Übersetzung der Zeichen der Zeit" gehen. Die gesamte Tradition sei „als ein lebendiges Geschehen zu begreifen". Gerade die Segensfeiern seien entstanden aus der seelsorglichen Begleitung der betroffenen Menschen. „Über das Gute ihres Lebens einen Segen zu sprechen, der nicht einer Trauung ähnelt, wohl aber Zeichen der Begleitung ist, soll doch zeigen: Im Namen der Kirche ist Gott in dieser Beziehung gegenwärtig." Ähnlich 2600 Geistliche in Deutschland, zahlreiche Priester in Österreich, sowie die österreichischen Bischöfe Wilhelm Krautwaschl (Graz-Seckau), Josef Markets (Gurk-Klagenfurt), Hermann Glettler (Linz) und der Antwerpener Bischof Johan Bonny. (kna u. zahlreiche Medien ab. 20. 3.)

     

  • Im Irak tätige religiöse Organisationen haben anlässlich der Papstreise vom 5. bis zum 8. März ein gemeinsames Statement für Solidarität, Geschwisterlichkeit und interreligiösen Dialog unterzeichnet. In der interreligiösen Erklärung verpflichten sich die Organisationen, Diskriminierung und Missionierung abzulehnen, die kulturellen Werte und Überzeugungen anderer zu respektieren, den sozialen Zusammenhalt zu fördern und die Zusammenarbeit bei der Hilfe für Bedürftige zu stärken. Sie rufen zudem die Internationale Gemeinschaft auf, dem irakischen Volk zu helfen, die gegenwärtigen Herausforderungen „in einem wahren Geist der menschlichen Geschwisterlichkeit und Solidarität“ zu bewältigen. Die Erklärung unterschrieben unter anderem mehrere Caritas-Einrichtungen, die christlich-muslimische Adyan-Stiftung, Islamic Relief Worldwide und der Lutherische Weltbund. Schon in seiner Enzyklika „Fratelli tutti“ habe Papst Franziskus daran erinnert, dass sich keiner allein retten könne, heißt es in dem Manifest. Als positives Beispiel interreligiöser Zusammenarbeit verweisen die Unterzeichner auf das Abu Dhabi-Dokument von 2019 zur Brüderlichkeit aller Menschen hin , das Papst Franziskus und Großimam Ahmad Mohammad Al-Tayyeb unterzeichneten. „Als glaubensbasierte Organisationen schließen wir uns vollständig dieser Botschaft der Geschwisterlichkeit und des Dialogs an“. (vn v. 3. 3.)

     

  • Die Enzyklika „Fratelli tutti“ über Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft steht im Zentrum eines Web-Seminars, bei dem weibliche Führungspersönlichkeiten unterschiedlicher Religionen und Kulturen zu Wort kommen. Organisiert wurde das ökumenische und interreligiöse Seminar von der Weltunion katholischer Frauenverbände (WUCWO) anlässlich des internationalen Weltfrauentags am 8. März. Zwei Vatikangremien wirken dabei mit: der weibliche Beraterstab des päpstlichen Kulturrates und der Päpstliche Rat für Interreligiösen Dialog. Neben einer Videobotschaft der ehemaligen UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova, die als weibliches Mitglied im „Hohen Komitee für die Brüderlichkeit unter den Menschen“ im islamisch-christlichen Dialog engagiert ist, sind Beiträge weiterer Vertreterinnen aus Christentum, Judentum und Islam, Buddhismus und Hinduismus vorgesehen. Das Wort ergreifen etwa die Soziologieprofessorin und Vatikanberaterin Consuelo Corradi, Leiterin des Frauenrates im Päpstlichen Kulturrat, sowie die muslimische Theologin Shahrzad Houshmand, die ebenfalls dort Mitglied ist. Auch sprechen die Präsidentin des Interreligiösen und Interkulturellen Komitees des Internationalen Rates der Jüdischen Frauen, Nadine Iarchy. Weitere Beiträge kommen von Elena Seishin Viviani von der Buddhistischen Union und Svamini Hamsananda Ghiri von der Hinduistischen Union in Italien. Grußworte sprechen Kardinal Gianfranco Ravasi, Präsident der Päpstlichen Kulturrates, und Kardinal Miguel Ángel Ayuso Guixot, Präfekt des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog. „Wir sind dann im Jahr 2020 zu einer gemeinsamen Erklärung gekommen und haben festgestellt, dass es gemeinsame Punkte gibt, um menschliche Geschwisterlichkeit gemäß den vom Papst angegebenen Richtlinien durch Frauen in der Welt zu verwirklichen. In diesem Jahr 2021 hoffen wir, diesen Weg des Dialogs einen Schritt weiterzugehen und zu konkretisieren - es geht jetzt darum, von Erklärungen zu Fakten überzugehen“, sagt die Argentinierin Maria Lia Zervino, Präsidentin der WUCWO, im Interview mit Radio Vatikan. (vn v. 3. 3.)

     

  • Der Innsbrucker Pastoraltheologe Christian Bauer fordert eine Neuausrichtung der Priesterausbildung. Es brauche „einen anderen, postklerikalen Geist", schreibt er in einem Gastbeitrag für das Portal katholisch.de. Angehende Priester müssten „aus ihrer persönlichen Komfortzone heraus“. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) habe es „durchaus bemerkenswerte Neuansätze" gegeben. Unter dem heutigen Papst ergäben sich neue Möglichkeiten, da Franziskus die Synodalität als gemeinsames Vorangehen aller Getauften propagiere. Bislang führe die Priesterausbildung häufig zu einem „Hineinsozialisieren in einen klerikalen Habitus, der längst als ein wesentlicher Grund des geistlichen Missbrauchs bis hin zu sexualisierter Gewalt identifiziert ist". In Priesterseminaren entstehe oft ein „verhängnisvoller klerikaler Korpsgeist". Es brauche jedoch individuelle Möglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln, fordert der Pastoraltheologe. Zudem sollten „angehende Priester, Gemeinde- und Pastoralreferent*innen" nicht in „XXL-Seminaren" abgeschottet sein, sondern in dezentralen Wohngemeinschaften am ‚normalen' Studierendenleben" teilhaben. Prof. Bauer äußerte sich deshalb, weil eine Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz ein Reformkonzept vorgelegt hat, wonach die Priesterausbildung nur noch an wenigen Standorten in Deutschland erfolgen soll. Dies stieß zum Teil auf heftige Kritik. (kna u. kap v. 2. 3.)

     

  • Der deutsche Ökumenische Kirchentag (ÖKT) 2021 wird anders als alle Kirchentage bisher. Ein Beispiel dafür ist „Schaut hin – Von der Krise zur Vision“, das Anfang März veröffentlichte gemeinsame Magazin der römisch-katholischen und evangelischen Kirche für den Religionsunterricht. Konkret arbeiteten hier das Dezernat Schule und Bildung im Bistum Limburg und das Religionspädagogische Institut der Evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck und der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) zusammen. Das Heft bietet für Schulen Unterrichtsmaterialien zu den zentralen Themen des ÖKTs an: von Glaube und Spiritualität über die Bewahrung der Schöpfung bis hin zu Wirtschaft. „Es ist so wichtig, dass gerade Kinder und Jugendliche erkennen können, dass Christ-Sein nicht bedeutet, weltfern zu sein“, schreiben in ihrem Geleitwort der Bischof von Limburg, Georg Bätzing, sowie die Bischöfin von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, und der Kirchenpräsident der EKHN, Volker Jung. (vn [=Vatican News] v. 2. 3.)

     

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