Zusammenarbeit und Dialog mit den (Welt-)Religionen: (Islam u.a.)

Zu einem gemeinsamen Fastenbrechen haben sich Anfang Juni in Jakarta Muslime, Christen und Buddhisten getroffen. Sie wollen damit ein Zeichen für kulturelle und religiöse Vielfalt im Land setzen. Wie die Nachrichtenagentur Fides berichtet, stand das Zusammenkommen der Gläubigen und ihrer Religionsführer im Zeichen der „Pancasila“. Das bedeutet „fünf Prinzipien“ und ist die offizielle Staatsideologie Indonesiens. Man wolle mit dem gemeinsamen Fastenbrechen Solidarität bekunden mit den Opfern des Anschlags von Surabaya im Osten Javas, bei dem mindestens 23 Menschen gestorben sind. Das Attentat geht auf das Konto der Jemaah Ansharut Daulah. Doch der Islam stehe im Einklang mit der Pancasila und respektiere religiöse und kulturelle Vielfalt, erklärte James Smith Carrington, auch bekannt als Ustaz James, Mitglied der Nahdlatul Ulama und des „Majlis Ulama Indonesia“. Das Land erlebe jetzt eine Zeit der Intoleranz. „Jeder glaubt im Recht zu sein, schiebt anderen die Schuld für Missstände in die Schuhe und widerspricht damit auch der Charta von Medina“, einer Erklärung Mohammeds, der darin Anhänger andere Religionen, wie Juden und Christen, willkommen hieß, ihre Religionen frei auf islamischen Boden zu praktizieren. Bei einem anderen interreligiösen Treffen wurde ein ähnlicher Impuls gesetzt: Der Islamwissenschaftler Sumanto al Qurtuby betonte während einer Veranstaltung der Theologischen Fakultät der Jesuiten-Universität „Sanata Dharma“ in Yogyakarta: „Indonesien ist unser aller Zuhause. Wir müssen gemeinsam darauf aufpassen.“ Der erste der fünf Grundsätze der Pancasila lautet: „An einen Gott glauben“: Jeder Indonesier hat demnach das staatlich garantierte Recht, eine Religion seiner Wahl auszuüben. Es geht um Religionsfreiheit. (fides u. vn v. 5. 6.)

 

Vor dem Missbrauch der Religion zu politischen Zwecken haben Vertreter der Kirchen und des Islam des Staates Zentralafrika gemeinsam gewarnt. Dabei appellierten sie an die Bürger, sich nicht gegeneinander aufhetzen zu lassen. In einem Memorandum mit dem Titel „Wer kann uns von der Liebe Christi trennen?“ warnten die römisch-katholischen Bischöfe die Menschen vor „blinder Rache, die zu einem Völkermord führen könnte“: „Seid wachsam, um euch nicht manipulieren zu lassen“, lautet ihr Aufruf, dem sich auch Vertreter der protestantischen Kirchen anschlossen. Auch die Imame, die in Abstimmung mit den Kirchen zeitgleich eine Erklärung veröffentlichten, sprechen von einer perfiden Strategie hinter den Gewaltakten: Hinter diesen stünde die Absicht, die politische Krise in einen religiösen Konflikt umzuwandeln. In dem Memorandum der Islamvertreter mit dem Titel „Frieden, nichts als Frieden“ warnten auch die Imame vor einer Instrumentalisierung der Religion. (fides u. vn v. 14. 6.)

 

Der neue Premierminister von Malaysia, Mohammed Mahathir, hat gleich zu Beginn seiner Amtszeit für eine kleine Sensation gesorgt: Gegen den Widerstand konservativer islamischer Aktivisten ernannte er Tommy Thomas, einen indisch-stämmigen Christen, zum Generalstaatsanwalt. Damit ist er auch Justiz- und Verfassungsminister. Auch der König von Malaysia stimmte der Ernennung zu, die auch als Chance für die religiösen Minderheiten Malaysias gesehen wird. Thomas ist Angehöriger der Mar-Thomas-Kirche, die mit der Anglikanischen Kirche Glaubens- und Abendmahlsgemeinschaft hat. (CSI-Zeitung 06/2018)

 

An das Dialog-Potential der Religionen hat Papst Franziskus bei einer Audienz für Akademiker aus Paris erinnert. Er empfing am 23. Juni Vertreter des akademischen Dialog-Programms „Emouna – L’Amphi des religions“, das am Pariser Institut für politische Studien angesiedelt ist und in Zusammenarbeit mit den großen Religionsgemeinschaften durchgeführt wird. Das interreligiöse Studienprojekt sei Beispiel eines „gesunden Pluralismus“ und stehe für einen respektvollen Umgang mit den Unterschieden und Werten verschiedener Religionen, so der Papst. Er erinnerte an seine Rede auf der Kairoer Friedenskonferenz vom April 2017: Beim Dialog der Religionen seien drei Aspekte wesentlich: „Die Pflicht der Identität, der Mut gegenüber der Andersartigkeit und die Ehrlichkeit der Intentionen“. Echte Geschwisterlichkeit könne nur durch Öffnung dem Anderen gegenüber gelebt werden. Unterschiede seien in dieser Perspektive eine Bereicherung, kein Hindernis. Religionen dürften nicht für Gewalt missbraucht werden, sondern hätten im Gegenteil das Potential, Quelle des Friedens zu sein. (vn v. 23. 6.)

 

Mit Hilferufen über die Lautsprecher seiner Moschee hat ein ägyptischer Imam dazu beigetragen, dass ein von Feuer bedrohtes benachbartes christliches Gotteshaus gerettet werden konnte. Das berichtete der vatikanische Pressedienst „Fides“. Bei dem Vorfall in der Ortschaft Shubra al-Khaimah im Norden von Kairo war in der Nacht auf den 11. Juni durch den Kurzschluss einer elektrischen Anlage ein Holzgerüst in Brand geraten, das für Arbeiten rund um die koptisch-orthodoxe Kirche Anba Makar errichtet worden war. Der Imam der benachbarten Moschee setzte daraufhin seinen weithin hörbaren Hilferuf ab. Unter den ersten Helfern waren viele junge Muslime, die sich zum abendlichen Fastenbrechen während des Fastenmonats Ramadan versammelt hatten. Einheiten des örtlichen Zivilschutzes löschten später die Flammen zur Gänze. Der koptisch-orthodoxe Bischof Morcos von Shubra al Khaymah bedankte sich offiziell bei dem Imam für dessen rasches Handeln und würdigte dies als Zeichen eines spontanen und konkreten Bemühens um ein friedliches Zusammenleben. (JA v. 24. 6.; KircheIn 07/2018)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Nach dem Nein des Vatikan zu einer Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren fordert der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck „eine ernsthafte und zutiefst wertschätzende Neubewertung der Homosexualität". Die bloße Wiederholung der „Wertung von Homosexualität auf naturrechtlicher Basis" werde heute nicht mehr verstanden und auch nicht mehr akzeptiert, schreibt er in einem Brief an alle Pfarreien. Gerade in den Zuschriften vieler SeelsorgerInnen komme „eine offene Ablehnung der lehramtlichen Position zum Ausdruck, die nicht mehr ignoriert werden darf". Bei aller Wertschätzung von Schriftzeugnis, Lehramt und Tradition müsse es um eine „Übersetzung der Zeichen der Zeit" gehen. Die gesamte Tradition sei „als ein lebendiges Geschehen zu begreifen". Gerade die Segensfeiern seien entstanden aus der seelsorglichen Begleitung der betroffenen Menschen. „Über das Gute ihres Lebens einen Segen zu sprechen, der nicht einer Trauung ähnelt, wohl aber Zeichen der Begleitung ist, soll doch zeigen: Im Namen der Kirche ist Gott in dieser Beziehung gegenwärtig." Ähnlich 2600 Geistliche in Deutschland, zahlreiche Priester in Österreich, sowie die österreichischen Bischöfe Wilhelm Krautwaschl (Graz-Seckau), Josef Markets (Gurk-Klagenfurt), Hermann Glettler (Linz) und der Antwerpener Bischof Johan Bonny. (kna u. zahlreiche Medien ab. 20. 3.)

     

  • Im Irak tätige religiöse Organisationen haben anlässlich der Papstreise vom 5. bis zum 8. März ein gemeinsames Statement für Solidarität, Geschwisterlichkeit und interreligiösen Dialog unterzeichnet. In der interreligiösen Erklärung verpflichten sich die Organisationen, Diskriminierung und Missionierung abzulehnen, die kulturellen Werte und Überzeugungen anderer zu respektieren, den sozialen Zusammenhalt zu fördern und die Zusammenarbeit bei der Hilfe für Bedürftige zu stärken. Sie rufen zudem die Internationale Gemeinschaft auf, dem irakischen Volk zu helfen, die gegenwärtigen Herausforderungen „in einem wahren Geist der menschlichen Geschwisterlichkeit und Solidarität“ zu bewältigen. Die Erklärung unterschrieben unter anderem mehrere Caritas-Einrichtungen, die christlich-muslimische Adyan-Stiftung, Islamic Relief Worldwide und der Lutherische Weltbund. Schon in seiner Enzyklika „Fratelli tutti“ habe Papst Franziskus daran erinnert, dass sich keiner allein retten könne, heißt es in dem Manifest. Als positives Beispiel interreligiöser Zusammenarbeit verweisen die Unterzeichner auf das Abu Dhabi-Dokument von 2019 zur Brüderlichkeit aller Menschen hin , das Papst Franziskus und Großimam Ahmad Mohammad Al-Tayyeb unterzeichneten. „Als glaubensbasierte Organisationen schließen wir uns vollständig dieser Botschaft der Geschwisterlichkeit und des Dialogs an“. (vn v. 3. 3.)

     

  • Die Enzyklika „Fratelli tutti“ über Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft steht im Zentrum eines Web-Seminars, bei dem weibliche Führungspersönlichkeiten unterschiedlicher Religionen und Kulturen zu Wort kommen. Organisiert wurde das ökumenische und interreligiöse Seminar von der Weltunion katholischer Frauenverbände (WUCWO) anlässlich des internationalen Weltfrauentags am 8. März. Zwei Vatikangremien wirken dabei mit: der weibliche Beraterstab des päpstlichen Kulturrates und der Päpstliche Rat für Interreligiösen Dialog. Neben einer Videobotschaft der ehemaligen UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova, die als weibliches Mitglied im „Hohen Komitee für die Brüderlichkeit unter den Menschen“ im islamisch-christlichen Dialog engagiert ist, sind Beiträge weiterer Vertreterinnen aus Christentum, Judentum und Islam, Buddhismus und Hinduismus vorgesehen. Das Wort ergreifen etwa die Soziologieprofessorin und Vatikanberaterin Consuelo Corradi, Leiterin des Frauenrates im Päpstlichen Kulturrat, sowie die muslimische Theologin Shahrzad Houshmand, die ebenfalls dort Mitglied ist. Auch sprechen die Präsidentin des Interreligiösen und Interkulturellen Komitees des Internationalen Rates der Jüdischen Frauen, Nadine Iarchy. Weitere Beiträge kommen von Elena Seishin Viviani von der Buddhistischen Union und Svamini Hamsananda Ghiri von der Hinduistischen Union in Italien. Grußworte sprechen Kardinal Gianfranco Ravasi, Präsident der Päpstlichen Kulturrates, und Kardinal Miguel Ángel Ayuso Guixot, Präfekt des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog. „Wir sind dann im Jahr 2020 zu einer gemeinsamen Erklärung gekommen und haben festgestellt, dass es gemeinsame Punkte gibt, um menschliche Geschwisterlichkeit gemäß den vom Papst angegebenen Richtlinien durch Frauen in der Welt zu verwirklichen. In diesem Jahr 2021 hoffen wir, diesen Weg des Dialogs einen Schritt weiterzugehen und zu konkretisieren - es geht jetzt darum, von Erklärungen zu Fakten überzugehen“, sagt die Argentinierin Maria Lia Zervino, Präsidentin der WUCWO, im Interview mit Radio Vatikan. (vn v. 3. 3.)

     

  • Der Innsbrucker Pastoraltheologe Christian Bauer fordert eine Neuausrichtung der Priesterausbildung. Es brauche „einen anderen, postklerikalen Geist", schreibt er in einem Gastbeitrag für das Portal katholisch.de. Angehende Priester müssten „aus ihrer persönlichen Komfortzone heraus“. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) habe es „durchaus bemerkenswerte Neuansätze" gegeben. Unter dem heutigen Papst ergäben sich neue Möglichkeiten, da Franziskus die Synodalität als gemeinsames Vorangehen aller Getauften propagiere. Bislang führe die Priesterausbildung häufig zu einem „Hineinsozialisieren in einen klerikalen Habitus, der längst als ein wesentlicher Grund des geistlichen Missbrauchs bis hin zu sexualisierter Gewalt identifiziert ist". In Priesterseminaren entstehe oft ein „verhängnisvoller klerikaler Korpsgeist". Es brauche jedoch individuelle Möglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln, fordert der Pastoraltheologe. Zudem sollten „angehende Priester, Gemeinde- und Pastoralreferent*innen" nicht in „XXL-Seminaren" abgeschottet sein, sondern in dezentralen Wohngemeinschaften am ‚normalen' Studierendenleben" teilhaben. Prof. Bauer äußerte sich deshalb, weil eine Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz ein Reformkonzept vorgelegt hat, wonach die Priesterausbildung nur noch an wenigen Standorten in Deutschland erfolgen soll. Dies stieß zum Teil auf heftige Kritik. (kna u. kap v. 2. 3.)

     

  • Der deutsche Ökumenische Kirchentag (ÖKT) 2021 wird anders als alle Kirchentage bisher. Ein Beispiel dafür ist „Schaut hin – Von der Krise zur Vision“, das Anfang März veröffentlichte gemeinsame Magazin der römisch-katholischen und evangelischen Kirche für den Religionsunterricht. Konkret arbeiteten hier das Dezernat Schule und Bildung im Bistum Limburg und das Religionspädagogische Institut der Evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck und der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) zusammen. Das Heft bietet für Schulen Unterrichtsmaterialien zu den zentralen Themen des ÖKTs an: von Glaube und Spiritualität über die Bewahrung der Schöpfung bis hin zu Wirtschaft. „Es ist so wichtig, dass gerade Kinder und Jugendliche erkennen können, dass Christ-Sein nicht bedeutet, weltfern zu sein“, schreiben in ihrem Geleitwort der Bischof von Limburg, Georg Bätzing, sowie die Bischöfin von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, und der Kirchenpräsident der EKHN, Volker Jung. (vn [=Vatican News] v. 2. 3.)

     

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