Zusammenarbeit und Dialog mit den (Welt-)Religionen: (Islam u.a.)

Konkrete Maßnahmen gegen Hassreden, will das „Internationale Dialogzentrum König-Abdullah“ (KAICIID) in Wien setzen. Dafür werden knapp 1,5 Millionen Euro im Jahr 2020 zur Verfügung gestellt. Das gab der Generalsekretär des KAICIID, Faisal Bin Muaamar, in einer Aussendung bekannt. Unterstützt werden Projekte in Europa und dem Nahen Osten, in Myanmar, Nigeria und der Zentralafrikanischen Republik. Die Initiative ist auf einer KAICIID-Tagung zum Thema „The Power of Words“ in Wien ins Leben gerufen worden. An der Tagung haben mehr als 150 Führungspersönlichkeiten aus den Bereichen Religion, Politik, Kultur und Medien teilgenommen, darunter der Präsident des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog, Kardinal Miguel Ayuso Guixot. (kap u. vn v. 1. 11.)

 

Indonesiens neuer Religionsminister Fachrul Razi hat sich gegen Burkas ausgesprochen. Er werde Burkas nicht verbieten, aber es gebe in der islamischen Lehre keine einzige Stelle, die Burkas erwähne oder diese vorschreibe, sagte er dem Nachrichtenportal „Jakarta Globe“. „Die Vollverschleierung hat nach meiner Ansicht keine Grundlage im Koran oder in den Hadithen (überlieferte Aussprüche des Propheten Mohammed)“. Fachrul Razi, ein Armee-General, war am 23. Oktober von Präsident Joko Widodo zum Religionsminister ernannt worden. „Wir wollen, dass das Religionsministerium konkrete Maßnahmen gegen Radikalismus und Intoleranz einleitet“, so der Präsident damals. (kap u. vn v. 1. 11.)

 

Die römisch-katholischen Bischöfe Vietnams veröffentlichten eine lange erwartete Richtlinie zur Ahnenverehrung. Ziel des Dokuments ist es, katholische Werte in die nationale Kultur zu integrieren und die Evangelisierung zu fördern, berichtete der asiatische katholische Pressedienst Ucanews. „Wir erkennen an, dass die lange Tradition der Ahnenverehrung in diesem Land vom Heiligen Geist gesät wurde“, heißt es in dem Dokument mit dem Titel „Anweisungen zur Ahnenverehrung.“ „Ein Glaube, der nicht zur Kultur wird, ist ein Glaube, der nicht vollständig aufgenommen, nicht gründlich durchdacht und nicht treu gelebt wird“, schreiben die Bischöfe selbstkritisch. Grundlage sei das vierte Gebot „Du sollst Vater und Mutter ehren“. Die Gläubigen dürfen jetzt Altäre für ihre Vorfahren mit „Kerzen, Weihrauch, Früchten und Bildern der Verstorbenen“ haben, solange sich diese in ihren Häusern unterhalb der Altäre für Gott befinden. (ucanews u. vn v. 4. 11.)

 

Die römisch-katholischen Bischöfe Indonesiens bemühen sich um einen intensiveren Dialog mit dem Islam. Hintergrund ist das Dialog-Dokument von Abu Dhabi, das Papst Franziskus und der Kairoer Großimam Ahmad Mohammad Al-Tayyeb im Februar unterzeichneten. Das „Dokument über die Geschwisterlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt“ hat den Dialog und die Zusammenarbeit zwischen Christentum und Islam zum Ziel. Gemeinsam mit islamischen Gästen richteten die Bischöfe ein Studienseminar in der Stadt Bandung aus, auf dem über „Anwendungsmöglichkeiten der im Abu Dhabi-Dokument enthaltenen Ideen“ gesprochen worden sei. Dabei seien Initiativen angedacht worden, die Dialog und friedliches Zusammenleben der Religionen fördern könnten. „Die Suche nach Frieden, Harmonie und Koexistenz“ sei in Indonesien „eine Herausforderung, der wir uns gemeinsam stellen müssen“, formulierte der Apostolische Nuntius Indonesiens, Erzbischof Piero Pioppo, laut der katholischen Nachrichtenagentur Fides. Der Geschäftsführer der bischöflichen Kommission für Kommunikation, Pfarrer Steven Lalu, ergänzte, Toleranz sei notwendig, „um sich nicht auf die Suche nach Ähnlichkeiten zu beschränken, sondern sich daran zu gewöhnen, die Unterschiede zu akzeptieren“. Auf der Rednerliste des von den Bischöfen ausgerichteten Studienseminars (4.-11. November) standen unter anderem der Imam der Istiqlal-Moschee in Jakarta, Nasaruddin Umar, und der Sekretär des Internationalen Instituts für Beziehungen der Islamischen Organisation „Muhammadiyah“, Wachid Ridwan. (fides u. vn v. 8. 11.)

 

Sri Lanka hat das Marienheiligtum von Madhu zu einem geheiligten Ort erklärt. Staatspräsident Maithripala Sirisena erinnerte bei der Übergabe der entsprechenden Dokumente an Vertreter der römisch-katholischen Kirche, dass Papst Franziskus im Januar 2015 in das südostasiatische Land gekommen sei, drei Tage nach seiner Wahl. „Jetzt ist es meine Bestimmung, zwei Wochen vor Ende meiner Amtszeit ihnen diesen geheiligten Ort zu übergeben“, so der Präsident. Das Heiligtum ist laut dem asiatischen katholischen Pressedienst Ucanews ein Symbol der Einigkeit zwischen den Religionen im mehrheitlich buddhistischen Sri Lanka. Das Gotteshaus „Our Lady of Madhu“ hatte während des Bürgerkriegs zwischen den Tamilen und der singhalesisch-buddhistischen Mehrheitsbevölkerung tausenden Flüchtlingen Schutz geboten. Dort rief Papst Franziskus die Tamilen und Singhalesen 2015 auf, die „verlorene Einheit wiederherzustellen“ und eine Zukunft in Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden aufzubauen. (JA v. 10. 11.)

 

Papst Franziskus trifft wieder einmal Ahmed al-Tayyeb, den Großscheich der Kairoer al-Azhar-Universität. Zuletzt hatten die beiden Religionsführer im Frühjahr 2019 in Abu Dhabi gemeinsam die bahnbrechende „Erklärung über die universale Geschwisterlichkeit der Menschen“ unterzeichnet. Beim Gespräch im Vatikan wurde al-Tayyeb u.a. vom Vize-Ministerpräsidenten der Emirate, Saif bin Sayyed al-Nahyan, begleitet. Mit dabei waren auch einige Mitglieder des Komitees, das sich um eine Umsetzung der Erklärung von Abu Dhabi kümmern soll. Die Audienz hatte fast die Züge eines kleineren Religionsgipfels. Von vatikanischer Seite war auch der Sekretär des Papstes dabei, der Ägypter Yoannis Lahzi Gaid, sowie Kardinal Miguel Angel Ayuso-Guixot, verantwortlich für den interreligiösen Dialog. Der Zufall wollte es, dass an diesem Tag auch das Ergebnis eines hochrangigen Dialogs zwischen dem Vatikan und der schiitischen Variante des Islam bekannt geworden ist: Ein Statement fasst die elfte Dialogrunde in Teheran vom 11./12. November zwischen dem vatikanischen Dialograt und dem Zentrum für interreligiösen Dialog zusammen. Wie schon in der Erklärung von Abu Dhabi wird auch hier der Akzent darauf gelegt, dass die Religionen zu einem gemeinsamen Dienst an der Menschheit berufen sind. Weder Einzelne noch Staaten dürfen diskriminiert werden. (vn v. 15. 11.)

 

Die Deutsche Bischofskonferenz hat eine Arbeitshilfe mit Texten zu den katholisch-jüdischen Beziehungen veröffentlicht. Die Textsammlung enthält kirchenamtliche Dokumente zum Judentum ab der Konzilserklärung „Nostra aetate" (1965), von Bischofskonferenzen, der Päpstlichen Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum und der Päpstlichen Bibelkommission. Dazu kommen jüdische Erklärungen zum Christentum. Die Arbeitshilfe gebe „einen guten Einblick in den gegenwärtigen Stand des christlich-jüdischen Gesprächs“, so die deutsche Bischofskonferenz (DBK). Die Texte sollten Leser ermuntern, am christlich-jüdischen Dialog teilzunehmen und die Zukunft der jüdisch-christlichen Beziehung aktiv mitzugestalten. Angesichts eines zunehmenden Antisemitismus sei die Aufklärung „eine dringliche pastorale und katechetische Aufgabe“, sagte der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr, Vorsitzender der Unterkommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum. (kna u. vn v. 15. 11.)

 

Papst Franziskus und der Kronprinz von Abu Dhabi, Scheich Mohammed bin Zayed Al Nahyan, rufen zu einem verstärkten Einsatz für die Gesundheit von Menschen auf. In einer gemeinsamen Erklärung verweisen sie auf die Kooperation zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung für notleidende Gemeinschaften. Ein Einsatz für „gesundheitliche, soziale und erzieherische Programme“ sei ebenso nötig, wie die Entwicklung „angemessener medizinischer Netzwerke zur Prävention, Diagnose und Behandlung“. Dies erfordere auch einen interdisziplinären und ganzheitlichen Ansatz. Dieser Text ist ein Ergebnis der Bemühungen der „Hohes Komitees“ in Abu Dhabi, welches in Anschluss an die historische „Erklärung über die Geschwisterlichkeit aller Menschen zum Frieden in der Welt“ durch Papst Franziskus und den Großscheich der Kairoer al-Azhar-Uiversität, Ahmed al-Tayyeb, (September 2019) eingerichtet worden ist, um die Ziele der Erklärung zu fördern. (vn v. 18. 11.)

 

Die Papstrede vor Buddhisten in Thailand am 21. November in deutscher Übersetzung in Auszügen: Sie beginnt mit einem Grußwort an den Obersten Buddhistischen Patriarchen Bangkok, Wat Ratchabophit Sathit Maha Simaram: „Zu Beginn meines Besuchs in diesem Land freue ich mich, in diesem Königlichen Tempel zu weilen. […] Unsere Begegnung möchte ein weiterer Schritt auf dem Weg gegenseitiger Wertschätzung und Anerkennung sein, der von unseren Vorgängern begonnen wurde. […] Ich selbst hatte die Ehre, vor kurzem eine Delegation von Mönchen aus dem Tempel Wat Pho zu empfangen, die mir als Geschenk eine Übersetzung einer alten buddhistischen Handschrift überreichten, die in der Sprache Pali geschrieben ist und nun in der Vatikanischen Bibliothek aufbewahrt wird. […] Wenn wir die Möglichkeit haben, uns auch in unseren Unterschieden gegenseitig kennen und schätzen zu lernen (vgl. Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 250), schenken wir der Welt ein Wort der Hoffnung. […] Auf diese Weise werden wir hier und in anderen Teilen der Welt zum Aufbau einer Kultur des Mitgefühls, der Brüderlichkeit und der Begegnung beitragen (vgl. ebd.). Ich bin sicher, dass dieser Weg auch in Zukunft überreiche Frucht bringen wird. Noch einmal danke ich Seiner Heiligkeit für diese Begegnung …“ (vn v. 21. 11.)

 

Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) feierte ihr 40-Jahr-Jubiläum mit VertreterInnen vieler Religionen und mit PolitikerInnen wie z. B. mit dem Bundespräsidenten Van der Bellen. Der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig nannte den geplanten „Campus der Religion“ in Aspern ein „Vorzeigeprojekt“ für gelingende Kooperation der Religionen. IGGÖ-Präsident Ümit Vural sprach von „Einheit in der Vielfalt. Stärke im Zusammenhalt“. (Die Furche v. 21. 11.)

 

Der kirchliche „Pilgrim“-Preis geht an das Islamisches Realgymnasium in Wien 15: Nachhaltiges Handeln, ökologische Herausforderungen und sozial-spirituelles Engagement: Das sind die Themen, mit denen sich die acht eingereichten Schulprojekte zum „Pilgrim“-Jugend-Preis 2019 der Erzdiözese Wien befassten. Vergeben wurde die Auszeichnung am 13. November im Wiener Don-Bosco-Haus. Das islamische RG überzeugte die Jury mit dem Projekt „Jahr der Nachhaltigkeit. Ökologie - Gesellschaft - Soziales“. (JA v. 24. 11.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Die Kultur- und Jugendministerin der Vereinigten Arabischen Emirate, Noura Al Kaabi, kritisierte die Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee und betonte, die Kulturschätze der Menschheit – wie die Hagia Sophia – müssten „in ihrem Wert und in ihrer Funktion“ bewahrt werden, sie dürften nicht „unpassend“ verwendet oder für „persönliche Zwecke instrumentalisiert“ werden. Die Entscheidung der türkischen Politik betreffe zutiefst die ganze Menschheit, weil es sich bei der Hagia Sophia um eine UNESCO-Welterbe-Stätte von „außerordentlichem Wert für alle Völker und Kulturen“ handle. Die Hagia Sophia sei „eine Brücke zwischen unterschiedlichen Menschen, […] ein wichtiges Beispiel der Interaktion und des Dialogs zwischen Asien und Europa und sollte ein harmonisches Zeugnis menschlicher Geschichte bleiben“. (JA v. 2. 8.)

     

  • Im Interview mit den „Salzburger Nachrichten“ plädiert Dr. Julia Knop, die Dogmatikerin an der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Erfurt, für einen „Mentalitätswandel“ der römisch-katholischen Kirche, weil die „Geschlechtergerechtigkeit [heute] schlichtweg unhinterfragbar ist“: „Wenn es in der Antike Diakoninnen gegeben hat, könnte es sie auch heute geben. […] Es wäre ein Wandel zum Verständnis des Weiheamtes, das geerdet ist, das rechenschaftspflichtig ist und nicht den Amtsträger in den Himmel lobt und zu einer besonderen Mittlergestalt stilisiert. Ein Wandel zu einem kirchlichen System, das heutigen Standards von Transparenz und Kontrolle, von Gewaltenteilung und Geschlechtergerechtigkeit entspricht. Zu einer Kirche, die glaubwürdig ist.“ (SN vom 1. 8.)

     

  • Vor einigen Monaten noch gab es im palästinensischen Gaza-Streifen noch keine Corona-Infektionen. Pater Romanelli sagte im Radio Vatikan „Für mich war es ein Wunder. Da wir schon damals ahnten, was auf uns zukommen könnte – haben wir die Zeit genutzt: Wir haben Aktivitäten im Freien organisiert, und natürlich Gottesdienste, aber auch Seminare und Ausflüge ans Meer. […] Mit solchen Angeboten hilft die Kirche tausenden Menschen und zwar Mitbürgern christlichen wie muslimischen Glaubens. […] Wir haben auch Wettkämpfe für die jungen Leute organisiert, Angebote für Kinder und ein besonderes Programm im Marienmonat Mai. Immer haben ganz viele Leute mitgemacht, auch die griechisch-Orthodoxen. Ökumene ist für uns Alltag.“ Doch jetzt wurden die ersten vier Fälle von Corona im Flüchtlingslager Al-Mughasi entdeckt, in dem etwa 120.000 Menschen leben. Die Hamas-Regierung verhängte einen zweitägigen Lockdown. „Viele Menschen haben keine Hoffnung. Es gibt natürlich immer Leute, die nicht einverstanden sind und sich beschweren.“ Von daher ist Pater Romanelli froh, wenn er und seine Gemeinde den Menschen Hilfe und Hoffnung bringen können – und zwar egal, welcher Religion sie angehören. (vn v. 27. 8.)

     

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